Aber sonst geht es mir gut

4 Kommentare4.651 Aufrufe

Mein Dasein als Autofahrerin ging vor einer Woche ja gleich aufregend los, als erstmal einer abgeschleppt werden musste, weil er mich zugeparkt hatte. Aber irgendwie entspannt sich das nicht. Am Dienstag morgen kam ich zum Auto und wunderte mich noch über einen Haufen Scherben, der da beim Einparken noch nicht gelegen hatte, bevor ich dann feststellte, dass man mir das Autoradio geklaut hatte und dafür ein hinteres Seitenfenster eingeschmissen hatte. Den Parkausweis für Behinderte hat man natürlich auch gleich mitgenommen. Immerhin hatte es über Nacht nicht geregnet, so dass nicht noch alles nass war drinnen.

Die Polizei kommt dafür nicht, sondern man muss selbst dorthin fahren. Ich darf zwar selbst Autofahren, auch eine Anzeige erstatten, aber unterschreiben müssen sie meine Eltern. Immerhin brauchten meine Eltern nicht noch den Auftrag von der Werkstatt mit unterschreiben. Am Abend hatte ich das Auto wieder – nur leider war nicht nur die Scheibe kaputt, sondern auch noch irgendein Führungskram vom elektrischen Fensterheber. Alles in allem hat die Werkstatt fast 700 Euro berechnet – ohne Radio. Aber wenigstens habe ich eine Teilkasko-Versicherung und werde nicht hochgestuft.

Heute stand ich am Bahnhof Altona und saß im Auto, wollte gerade losfahren, als mir hinten jemand gegen das Auto gefahren ist. In Schrittgeschwindigkeit und fast parallel. Es quietschte und knirschte etwas, dann bemerkte ich, dass die Hupe bei ausgeschalteter Zündung nicht geht. Ganz klasse. Aber die Frau mit ihrem schwarzen Polo hatte es auch bemerkt, machte die Tür auf, schaute nach hinten, machte die Tür zu, fuhr langsam vorwärts weg – und anstatt irgendwo an die Seite zu fahren, düste sie davon.

Also habe ich mir das Kennzeichen gemerkt und habe die Polizei angerufen. Bald können die für mich eine eigene Hotline einrichten. Wie groß der Schaden ist, wollten sie wissen, und ob die Frau betrunken war. Nö? Dann fahren Sie bitte zur nächsten Dienststelle. Dort hat man das fotografiert, eine kleine Menge von ihrem Lack in ein Tütchen gekratzt, den ganzen Kram aufgeschrieben und – meine Eltern müssen schon wieder unterschreiben.

Danach bin ich mal wieder zum VW-Händler gefahren. „Irgendwas mit Ihrem Fenster?“ Nö. Nun habe ich nächsten Mittwoch einen Termin. Kosten rund 400 Euro. Laut Polizei kann die andere Dame mit 7 Punkten in Flensburg, 6 Monaten Führerschein weg und mindestens einem Bruttomonatsgehalt Strafe rechnen. Schon irgendwie seltsam, wenn man bedenkt, dass das die zweite Hamburgerin innerhalb eines Jahres wird, die meinetwegen ihren Lappen abgeben muss… Nein, es ist nicht die Tochter, der Name ist ein anderer.

Aber sonst geht es mir gut.

Ostsee bei 20 Grad

2 Kommentare4.519 Aufrufe

Sonnengebräunt sind wir zurück vom Strand. Wir haben einen „erweiterten WG-Ausflug“ gemacht, erneut nach Haffkrug an der Ostsee. „Erweitert“ bedeutet, dass auch noch einige Freundinnen und Freunde mitgekommen sind, die nicht mit uns in der WG wohnen. Es war irre lustig.

Die Fahrt dorthin mit drei Autos verlief ohne jeden Stau. Leider durfte ich nicht selbst fahren, sondern musste Sofie mein Auto fahren lassen. Das ist alles nicht so ganz einfach, denn laut Führerschein darf ich nur innerhalb Hamburgs fahren und da auch nur zur Schule, zur Therapie oder zum Einkaufen. Das hier war weder innerhalb Hamburgs und schon gar nicht zu diesen Zwecken, also musste jemand anderes das Auto fahren. Das darf aus Steuergründen (ich brauche keine Kfz-Steuer zahlen) aber nur dann jemand machen, wenn ich dabei bin oder wenn derjenige für mich etwas besorgt. Weil ich eben das Auto nur begrenzt fahren darf, muss bei der Versicherung natürlich angegeben sein, dass auch andere Leute das Auto fahren. Kostet natürlich mehr, ist aber kein „behinderungsbedingter Mehraufwand“, den man irgendwo geltend machen könnte. Egal.

Wir kamen an der Ostsee an und es war spiegelglattes Wasser, kein Wind, die Sonne schien, bestes Wetter – und trotzdem kaum etwas los. Vielleicht lag es daran, dass wir um 7 Uhr losgefahren sind. Dieses Mal nahmen wir uns keine Strandkörbe, sondern gingen auf einen Strandabschnitt, auf dem Strandmuscheln erlaubt waren. Wir hatten nämlich mehrere dabei. Außerdem setzten wir uns ziemlich weit nach oben an die Dünen, so dass hohe Bäume, die an der Promenade standen, uns Schatten spendeten. Das war sehr angenehm.

Es waren mit: Sofie und Frank, Lina und Liam, Luisa (und ich, eben die WG), dazu noch Simone, Cathleen und Yvonne vom Sport, und jeweils eine Freundin von Yvonne, Luisa und Sofie. Insgesamt ein Dutzend Leute. Als allererstes, nachdem die Strandmuscheln aufgebaut und zwei Luftmatratzen aufgeblasen waren, gingen wir alle ins Wasser. Es war wärmer als ich gedacht hatte, auch wenn es am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig war. Laut Tafel am Eingang sollten es 20 Grad sein.

Es war super lustig und wir hatten viel Spaß. Luisa war das erste Mal nach ihrem Unfall am Strand, für mich war es auch erst das zweite Mal. So konnten wir eine Menge von den „alten Hasen“ lernen. Durch den Sand zu robben, am besten im Sitzen, ist doch schon sehr anstrengend, aber es ist ein tolles Gefühl, wenn man es alleine schafft.

Als wir am späten Abend wieder zu Hause waren und endlich den ganzen Sand aus den Haaren, Ohren und Nasenlöchern geduscht hatten, war ich so kaputt, dass ich gleich ins Bett gefallen bin. Heute nun ist das Wetter wieder verregnet, aber ich hoffe, dass wir in diesem Sommer noch mindestens einen weiteren Tag finden, an dem wir das wiederholen können.

Die erste Fahrt nicht ohne Polizei

4 Kommentare4.870 Aufrufe

Vielleicht wäre es entspannter gewesen, niemals am Straßenverkehr teilzunehmen. Dass es Idioten auf dieser Welt gibt, war mir ja bekannt, dass es Vollidioten gibt, auch. Aber was ich bei meiner ersten Fahrt, nur bis zum Supermarkt, erleben durfte, ist schon allerhand.

Beim Fahren klappte alles prima. Ich habe nicht so viel verlernt in der Zwischenzeit wie ich befürchtet habe. Ich bin natürlich eher zu vorsichtig, schaue lieber drei Mal zu viel als ein Mal zu wenig und habe auch keine Routine. An einer Kreuzung staute sich das plötzlich und ich habe gelernt, dass man dann vor dem Haltestrich stehen bleibt, auch wenn es grün ist, da fing der Hintermann wie verrückt an zu hupen und fuhr auf der Nebenspur einmal um mich rum und stand am Ende mitten auf der Kreuzung und mitten im Weg. Egal.

Aber dann am Supermarkt angekommen habe ich mich natürlich auf einen Behindi-Parkplatz gestellt, denn der ist so schön breit, dass ich meinen Rollstuhl vernünftig ausladen kann und auch wenn ich wiederkomme niemand 10 Zentimeter neben meiner Fahrertür steht, so dass ich nicht mehr ins Auto komme.

Ich habe also dort geparkt, Automatik auf P, Handbremse an, Motor aus, Gurt auf, Tür auf … da steht da ein Typ mit einem Fahrrad und Fahrradanhänger, und zwar so, dass ich die Tür nur halb aufmachen kann, und pöbelt mich an, dass der Parkplatz nur für Behinderte ist und ich da sofort wegfahren soll, das wäre ja unverschämt und die jungen Leute haben überhaupt kein Verantwortungsgefühl und wenn die Tür einmal gegen sein Fahrrad stößt, dann tritt er da eine Beule rein. Ey, hallo?!

Ich wollte ihm dann sagen, dass ich Rollstuhlfahrer bin, aber ich kam überhaupt nicht zu Wort. Er pöbelte immer gleich: „Du fährst jetzt hier weg! Sofort!“ Dann habe ich ihm meinen blauen Parkausweis hingehalten. Der war aber so in Wut, dass er gar nicht geschaut hat! Ich habe dann die Tür wieder zugemacht, mich zurückgelehnt und abgewartet. Ihn völlig ignoriert. Er hörte nicht auf. Nach 4 Minuten kam der Chef von einem Imbiss, der da in der Ladenzeile ist, raus, und meinte zu dem Typen, dass er hier mal nicht so rumschreien soll. Dann ging er endlich ein Stück weiter, ich konnte meinen Rollstuhl ausladen und dann meinte der Fahrrad-Typ: „Oh, das tut mir leid, das wusste ich gar nicht, dass du im Rollstuhl sitzt, aber das ist ja auch für dich, dass ich die Leute anspreche, die da immer auf deinen Plätzen stehen…“ und dann wollte er mich umarmen – echt widerlich.

Als ich vom Einkaufen wiederkam, mit einer großen Klappkiste auf dem Schoß, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Jemand hatte sich zwischen die beiden Autos, die auf den Behindi-Plätzen standen, gestellt, mitten auf die Linie, und damit so dicht neben meine Fahrertür, dass ich den Spiegel einklappen müsste, um rauszufahren. Ich stellte meine Klappkiste in den Kofferraum und ging auf Suche, wo denn der Fahrer sein könnte. Im Imbiss war keiner, also bat ich an der Information im Supermarkt, das Kennzeichen auszurufen. Die haben das drei Mal ausgerufen, aber niemand hat sich gemeldet. Vermutlich war der Fahrer nicht im Supermarkt.

Ich wartete eine Viertelstunde, dann meinte die Frau von der Information, ich hätte Glück, weil das die Straßenparkplätze sind und nicht die privaten vom Supermarkt, ich soll doch einfach die Polizei anrufen. Gesagt, getan, ich habe dem Typen das Problem geschildert, er meinte, er schickt jemanden, aber es könnte dauern, da zur Zeit alle Fahrzeuge im Einsatz sind. Aber schon 10 Minuten später kamen sie. Ich war total zitterig. „Das darf jawohl nicht wahr sein. Ihrer ist der blaue?“ Ich nickte. Der andere Polizist fing schon an zu schreiben. Ich erzählte den beiden, dass ich schon eine halbe Stunde warten würde und auch schon im Supermarkt drei Durchsagen gemacht wurden, dann sagte er: „Nö, wir schleppen den jetzt ab. Der hat nicht nur keinen Ausweis, sondern steht auch noch mitten auf der weißen Linie. Wer so parkt, muss damit rechnen, dass er abgeschleppt wird.“

Keine drei Minuten später kam aus dem Supermarkt der dazugehörige Fahrer. „Ich bin schon weg!“ meinte er. „Ihren Führerschein hätte ich gerne und den Fahrzeugschein. Und dann würde ich gerne mal hören, was Sie sich gedacht haben, als sie hier so geparkt haben.“ Der Typ meinte dann, er hätte dafür jetzt keine Zeit und er hätte das sehr eilig. Das zog natürlich nicht. Dann meinte er, dass sie lieber mal mich kontrollieren sollten, weil ich bestimmt noch keinen Führerschein hätte, ich wäre höchstens 14. Die Polizisten blieben hartnäckig. Am Ende durfte er fahren, wurde belehrt, dass er so nicht parken darf und dann zog er ab. 35 Euro kostet ihn der Spaß, plus die Anfahrt vom Abschlepper, wenn er Pech hat.

Und dann wollten sie tatsächlich von mir noch den Führerschein sehen. „Sie sind erst 16 und haben trotzdem einen Führerschein Klasse B, dann müssen Sie dazu noch eine Ausnahmegenehmigung von § 74 mitführen. Wo ist die?“ Ich war schon dabei, sie rauszusuchen. Die Leute, die Führerschein mit 17 mit begleitetem Fahren machen, bekommen nur eine Bescheinigung, keine richtige Plastikkarte wie ich sie habe. „Sie waren hier einkaufen? Das gehört zur Haushaltsführung. Und dann hätte ich gerne noch Ihr Fahrtenbuch gesehen.“ Da kannte sich also jemand aus. Auch das hatte ich natürlich griffbereit. „Alles eingetragen, Tachostand stimmt überein, vorbildlich“, meinte er. „Dann noch einen schönen Tag und alles Gute für Sie.“

Und weg waren sie. Der Inhaber vom Imbiss lehnte mit verschränkten Armen an der Wand in der Sonne und schaute sich das Schauspiel an. Ich stieg ins Auto, nichts wie weg.

Hamburg-Schwerin

3 Kommentare4.428 Aufrufe

Mein Auto ist fertig! Es war heute morgen bei einer Firma in Barmbek, die behindertengerechten Umbau macht, da musste noch ein Teil ergänzt werden, ein neues Gutachten geschrieben werden, dann bin ich mit Frank zur Zulassungsstelle gefahren, habe mir Kennzeichen besorgt, zurück zu der Umbaufirma, Kennzeichen angebracht…

HH-SN xxxx

Von Hamburg nach Schwerin? Ich habe kein Geld dafür ausgegeben, ein Wunschkennzeichen zu bekommen. Das sollte fast 40 Euro kosten. SN ist doch ziemlich neutral, oder?

Und dann durfte ich endlich fahren. Ich war endlos aufgeregt und hatte glühende Wangen. Vor allem, weil ich seit meiner Fahrprüfung nicht mehr gefahren bin. Und sowieso noch nie alleine. Aber ich bin Frank hinterher gefahren und es war alles ziemlich entspannt. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt.

Zum Reifenhändler, vier neue Reifen gekauft und gleich aufziehen lassen, eine Stunde später war das fertig und ich konnte nach Hause fahren. Dort habe ich mir dann erstmal alles genau angeschaut. Alle Fenster nochmal geputzt, in den Kofferraum (Kombi!) gekrabbelt, von innen auch nochmal alles sauber gemacht, zwei Klappkisten reingepackt (für den nächsten Einkauf), Parkscheibe (die ich mir vorher schon organisiert hatte), Verbandskasten, paar CDs … was man halt so alles braucht.

Ich freue mich schon, das nächste Mal zu fahren. Mal sehen, vielleicht fahre ich ja morgen mal zum Einkaufen.