Noch eine Versicherung

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Mein Vater hat für mich, als ich etwa 12 Jahre alt war und zu reiten anfing, eine private Unfallversicherung abgeschlossen. Als ich meinen Unfall auf dem Schulweg hatte, wurde die komplette Versicherungssumme bei Invalidität fällig. Die Versicherungssumme betrug 100 T€, allerdings mit 5-facher Progression, weil es meinem Vater damals darum ging, die wirklich „heftigen“ Dinge abzusichern und nicht die „kleineren“, und so hat jenes in Bayern vertretene große Unternehmen mir vor etlichen Monaten eine halbe Million Euro ausgezahlt, die zur Zeit über 5 Jahre festgelegt sind mit 100% Einlagensicherung, auf verschiedene Konten verteilt und mit jeweils 4,2% Zinsen. Ich weiß, Aktien könnten auch 42% Zinsen bringen, aber eben auch -42% oder -100%. Insofern: 4,2% sind doch toll.

Hinzu kommen noch weitere rund 250 T€, die die gegnerische Versicherung als Schmerzensgeld zahlen musste bzw. die mir als 10-Jahres-Abschlag auf die Hälfte meiner Erwerbsunfähigkeitsrente gezahlt worden sind. Da ich alleine von der halben Rente und des Pflegegeldes der Unfallversicherung (nicht aus der gesetzlichen Pflegeversicherung) mehr als nur bescheiden leben kann (Was für Ausgaben habe ich denn als Schülerin mit einem WG-Zimmer?), bleiben pro Monat zwischen 2 und 3 T€ stehen, die ich nicht ausgebe. Mein neues Auto (den Viano) habe ich beispielsweise von diesen Zinsen bezahlt. (Es handelt sich um einen Sparvertrag, bei dem die Zinsen ausgezahlt werden und nicht stehen bleiben müssen.)

Okay, das erzähle ich nicht, um anzugeben, sondern um ein ganzes Bild zu erzeugen, wenn ich folgendes berichte: Mein Vater hatte diese Unfallversicherung abgeschlossen, weil er damals meinte, dass die Familienunfallversicherung, die er davor hatte, nicht ausreichend wäre, weil diese nur eine monatliche Invaliditätsrente bis zum 25. Lebensjahr für Kinder zahlt – danach ist Ende. Bei dieser Versicherung, die bestand nach wie vor, hat mein Vater aber, wie ich inzwischen erfahren habe, meinen Unfall auch eingereicht. Ohne mir je davon etwas zu erzählen.

Und nun kommt es: Er hat dort erklärt, dass ich bei ihm wohne und nach seinem Auszug (die haben das Haus verkauft, als sich meine Eltern getrennt haben) bei ihm geblieben wäre. Die Versicherung hat mich aber anlässlich meines 18. Geburtstages angeschrieben und wollte von mir eine Unterschrift. Die haben sie auch bekommen, allerdings nicht von mir, sondern von meinem Vater… Ich wusste von nichts. Irgendwas ist dem Sachbearbeiter spanisch vorgekommen, so dass er „im Rahmen einer Überprüfung über das Melderegister“, wie er mir in einem Schreiben an meine WG-Anschrift nun mitteilt, festgestellt hat, dass ich nicht mehr dort wohne. Da mein Vater zwar Versicherungsnehmer sei, ich jedoch die Leistungsempfängerin, möchte man von mir wissen, ob ich mit einer Auszahlung der monatlichen Rente bis zum 25. Lebensjahr auf das Konto meines Vaters einverstanden bin. Es handelt sich hierbei um monatlich über 3.300 €. Auch hier hatte mein Vater eine 5-fache Progression gewählt, falls wegen Voll-Invalidität des Kindes ein Elternteil als Arbeitskraft ausfällt. Und Querschnittlähmung bedeutet im Versicherungsrecht Voll-Invalidität.

Nun ist es ja so, dass ich einerseits dankbar sein muss (und auch bin), dass mein Vater für mich schon die andere Versicherung abgeschlossen hatte, von deren Zinsen ich nun monatlich leben kann. Was ich aber unmöglich finde, ist, dass er hier so ein Ding dreht, ohne mir etwas zu sagen. Wäre er jetzt angekommen und hätte gesagt: Du, Jule, hier gibt es noch eine Versicherung, die haben wir mal abgeschlossen, um für dich da sein zu können und nicht arbeiten zu müssen, wenn du mal „invalide“ wirst – dazu dann irgendwann die, die dir etwas zahlen sollte. Vielleicht wäre dann bei mir sofort alles klar gewesen und ich hätte es okay gefunden, wenn meine Eltern das Geld bekommen.

Vielleicht kann man jetzt auch argumentieren, dass ein ähnlicher Fall eingetreten ist. Meine Eltern haben sich „meinetwegen“ oder zumindest wegen meines Unfalls getrennt. Ich habe keine Ahnung, ob mein Vater noch arbeitet. Oder nun nur noch von diesem Geld lebt. Nur: Wenn man das so entscheidet, steht meiner Mutter doch wohl die Hälfte zu, denn die Beiträge wurden doch wohl vom gemeinsamen Geld bezahlt, oder?

Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Wenn ich der Versicherung mitteile, dass ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, sie für mich auch keinen Unterhalt zahlen (was sie auch nicht müssen), wird mir das Geld künftig auf mein Konto überwiesen und mein Vater müsste vermutlich die zu Unrecht erhaltenen Zahlungen zurückzahlen oder an mich weiterleiten.

Frank, der Rechtsanwalt in unserer WG, hat dazu eine sehr konkrete Meinung. Die will ich nicht vorweg nehmen. Mich würden Kommentare und Meinungen dazu sehr interessieren. Schreibst du mir was?

Erstes Straßentraining 2011

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Yes. Erstes nächtliches Straßentraining 2011 heil überstanden. Es gibt einige Veränderungen: Wir trainieren künftig verstärkt im Hamburger Südwesten, im Bereich der Elbe, weil dort gute Straßenverhältnisse sind, nachts dort absolut tote Hose ist und man das Training im Sommer auch gleich mit Outdoor-Schwimmen verbinden kann. Nein, nicht in der Elbe. Bäh. In einem großen Baggersee.

Die Straße ist sehr übersichtlich und sehr lang, man kann also mehrmals hin und her fahren und hat nicht das gefährliche Stadtgebiet zu durchkreuzen. Wir dürfen sogar im Rahmen einer Sondernutzung die Straße auf einer Länge von knapp 10 Kilometern für den Durchgangsverkehr sperren. Nicht jedes Wochenende, auch nicht jedes zweite, aber so etwa 15 Mal im Jahr sei es okay. Weil da eben nachts kein Durchgangsverkehr ist, und wenn doch, dann könnte dieser das Gebiet auch weiträumig umfahren oder eine Parallelstraße nutzen und so zu seinem Ziel kommen. Der Typ vom zuständigen Bezirksamt und ein Typ von der Polizei (in zivil) waren vor Ort, war sehr nett und haben sich das alles angeschaut. „Das ist sehr toll, was Sie hier machen, das unterstützen wir auf jeden Fall.“ Wir müssen uns allerdings mit zwei anderen Triathlon-Vereinen (Fußgänger) arrangieren, die hier nachts ebenfalls trainieren wollen und dürfen. Mit denen sollen wir uns absprechen. Das sollte nicht das Problem sein. Diese hatten schon Jahre lang um eine Sondernutzungs-Erlaubnis gebeten, sie aber nie bekommen. Erst als jetzt der Antrag für die Rollstuhlsportler kam, wurde bewilligt. Das finde ich irgendwie super klasse.

Lisa gehört ab sofort fest zu unserem Trainingskader. Und wir bekommen noch einen zusätzlichen Trainer, allerdings nur aushilfsweise. Aber das ist doch schonmal was. Und wir dürfen am Ende in einer Sporthalle duschen, für die unser Verein einen Transponder (Schlüssel) bekommt. Manchmal bin ich richtig erstaunt, wie unbürokratisch Hamburg dann doch sein kann. Wenn man die richtigen Leute anspricht.

Und es wurde ein Sponsor gefunden, der uns mit Funktionskleidung für das Training versorgt. Wir dürfen zwei Mal pro Jahr bestellen (einmal Sommer, einmal Winter), die Teile werden auf Maß angefertigt. Es handelt sich dabei um einteilige „Ganzkörperkondome“, die halt ideal sowohl für den Rennrolli als auch zum Handbiken sind. Die Maßanfertigung ist besonders wichtig (und eigentlich sehr teuer), da einige Sportler seit Geburt ihre Querschnittlähmung oder andere Behinderung haben, noch nie gelaufen sind und somit keine normal langen Beine haben. Oder nur sehr dünne. Einteilig ist wichtig, weil es sonst hoch- bzw. runterrutscht und viele das nicht merken, weil der Übergang von Hose zum Oberteil in einem Bereich liegt, den sie nicht spüren. Die Nähte sollten so platziert sein, dass sich keine Scheuerstellen ergeben. Es sollte sich nicht mit Schweiß oder Pipi vollsaugen, es sollte einigermaßen strapazierfähig sein, leicht, und trotzdem warm. Zumindest im Winter.

Die Firma, die das jetzt liefert, sitzt im Erzgebirge und berechnet für das erste Stück 30 Euro, für jedes weitere 60 Euro, allerdings kann nur einmal pro Halbjahr gesammelt bestellt werden. Wenn jemand einzeln nachbestellt, liegt man bei etwa 120 bis 150 Euro, je nach Aufwand. Und man kann wirklich alles angeben: Oberschenkellänge und Dicke, auch noch rechts und links verschieden, wenn es sein muss, Unterschenkel, Arme, Oberweite, Oberkörpergröße, Hüftbreite – wirklich alles. Das passt dann auch wie angegossen. Man kann kurzen Arm wählen oder langen, Beinlänge, mit Fuß oder ohne, die nähen einem bei Bedarf sogar einen überlappenden Mini-Schlitz in den Schritt (Reiß- oder Klettverschluss würde ja schon wieder Druckstellen machen), falls man kathetern will ohne das ganze Ding ausziehen zu müssen. Ich weiß, too much information, ich finde es dennoch erwähnenswert, weil einzigartig.

Obwohl es Synthetikfaser ist, sieht es gar nicht mal schlecht aus, da die Oberfläche matt und angerauht ist. Komplett schwarz, nur auf dem Rücken sind so silberne Reflektoren eingearbeitet oder aufgebügelt, keine Ahnung. Und von innen sind die Dinger absolut flauschig, selbst dann noch, wenn sie nassgeschwitzt sind, was mich sehr beeindruckt hat. Für den Winter hat man eine Stoffstärke von 240 g/m² gewählt, ein T-Shirt hat etwa 60 bis 150 g/m², wobei man bei 60 durchgucken kann und 150 sehr dick ist. Jedenfalls bekamen wir das Zeug endlich ausgegeben, wir haben alle gleich getestet und: Es waren draußen 2 bis 3 Grad, also ar…kalt, es hat zeitweilig genieselt und ich habe nicht gefroren. Auch nicht, als nach zwei Stunden alles verschwitzt war. Ich bin begeistert.

Gefressen worden

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Seit Mittwoch ist Markus hier. Zum Glück. Natürlich werden böse Zungen jetzt behaupten, dass das der wahre Grund sei, warum ich diese Woche nicht mehr zur Schule gegangen bin. Das Drama um meine 15 Punkte in Sport kam gerade im richtigen Moment. Mir ist auch klar, dass einige Mitschüler und auch Lehrer hin und wieder oder regelmäßig diesen Blog lesen. Ja, schöne Grüße, ich lebe noch. Und ja, denkt ruhig, was ihr wollt. Markus arbeitet in der Zeit, in der ich Schule hätte. Er kommt ja auch zum Arbeiten nach Hamburg, nicht nur meinetwegen.

Aber eben auch meinetwegen. Und warum sollte er im Hotel schlafen? Dann werde ich nicht massiert. Er kann super toll massieren. Überall. Lechz. …

Hat schonmal irgendjemand meiner Leser einem Querschnitt die Füße massiert? Nein? Er ist so toll. Ich merke davon zwar nichts. Aber es tut mir gut. Er macht es einfach. Er fragt nicht, ob ich das möchte, er fragt nicht, ob es komisch ist, er macht sich einfach keine Gedanken. Und das ist toll. Er massiert mich und irgendwann ist er bei meinen Füßen angekommen. Er hört eben nicht an der Lendenwirbelsäule auf. Klingt banal, ist es aber irgendwie nicht.

Ich liebe sein verschmitztes Lächeln. Er hat ständig irgendwelche Flausen im Kopf, aber (bisher) nie auf Kosten anderer. Er ist einfach witzig, macht Witze über sich selbst, lacht über komische Situationen, hat eine ausgeprägte Fantasie, über die ich mich ständig amüsieren kann. Er bringt Sprüche, bei denen ich fast vor Lachen aus dem Stuhl falle, ohne dass er dabei eine Miene verzieht. Er kann wunderbar erzählen. An ihm ist ein Comedian verloren gegangen.

Aber wir hatten eben auch ein sehr ernstes, gutes Gespräch. Ich habe ihm von den Idioten in der Schule erzählt. Und irgendwie war es gerade die richtige Stimmung, um ernst, aber dennoch locker über mein anderes Problem reden zu können. Ich sagte ihm, dass das Schul-Chaos ein ernstes Problem sei, es aber gerade ein noch wesentlich ernsteres gäbe. Ein wenig mitleidig, ein wenig gespannt schaute er mich an, zog die Augenbrauen hoch, seufzte und fragte: „Reicht das noch nicht?“ Und nahm mich in den Arm, bevor er überhaupt wusste, was mich bedrückt. Es ist Scheiße, jemanden, den man erst so kurz kennt, gleich mit solchen Problemen zu überrennen. Aber es betrifft ihn. Und es muss aus der Welt. Das war am Mittwochabend.

„Ich hab mir die Pille verschreiben lassen.“, sagte ich. Und schaute ihn an. Er antwortete: „Und du verträgst sie nicht?“ – Ich schüttelte sofort den Kopf. „Doch doch, das ist nicht das Problem.“ – „Was dann?“ – „Ich will Sex. Irgendwann mal. Irgendwann will ich Sex. Eigentlich bald. Eigentlich sofort. Eigentlich auch nicht. Ich will zumindest geschützt sein, wenn ich Sex habe.“ – „Was heißt das, eigentlich sofort und eigentlich auch nicht? Willst du oder willst du nicht?“

„Ich will, wenn du auch willst und es sich ergibt. Aber es geht nicht. Die Pille ist der zweite Schritt vor dem ersten. Im ersten Schritt müsste ich eigentlich realisieren, dass ich keinen Sex haben kann. Und das verdränge ich, indem ich mir im zweiten Schritt die Pille verschreiben lasse und einwerfe. Das ist vermutlich ziemlich krank. Aber das ist mein viel ernsteres Problem.“

„Und wieso sollte das nicht gehen mit dem Sex?“ – „Weil ich querschnittgelähmt bin?!“ – „Das alleine ist aber kein Grund, und das weißt du auch. Es gibt viele querschnittgelähmte Mütter, die ihre Kinder nach dem Unfall auf natürlichem Weg gezeugt und bekommen haben.“ – Wieso kennt er sich so gut aus? Ist das schmeichelhaft?

„Das stimmt“, sagte ich. „Nur …“. Ich wusste nicht mehr, wie ich fortfahren sollte. – „Nur was?“ – „Ich krieg meine Blase nicht in den Griff.“ – „Ich weiß.“ – „Was weißt du?“ – „Dass bei Querschnitten auch die Blase betroffen ist. Und der Darm. Und dass viele Männer keinen hoch kriegen. Und sich deswegen minderwertig fühlen. Und dass die dann alle glauben, niemand will mit ihnen ins Bett. Und wenn dann nur aus Mitleid oder perversen Gelüsten. Kenn ich alles schon, imponiert mir aber nicht.“

„Was meinst du mit imponieren?“ – „Die Tour zieht nicht, Jule. Das grenzt an Selbstmitleid. Du nimmst mir die Entscheidung ab, ob ich mit den Symptomen einer Querschnittlähmung umgehen kann, wenn ich mit einer Querschnittgelähmten ins Bett gehe. Du unterstellst mir indirekt, ich würde damit nicht zurecht kommen.“ – „Das stimmt doch gar nicht“, funkelte ich ihn an. „Ich unterstelle gar nichts. Ich habe ein Problem damit, dir so einen Schweinkram zuzumuten. Das ist der Grund.“

„Genau das wollte ich hören. Sorry, wenn ich da etwas grob war. Aber wenn ich eins nicht leiden kann, ist es, wenn sich jemand meine Gedanken macht. Frag doch bitte künftig, ob du mir etwas zumuten kannst, und lass mich das entscheiden. Ich bin nicht aus Zucker.“ – Ich schluckte. „Das ist für mich ein sehr schwieriges Thema, Markus. Ich versuche, offensiv damit umzugehen im Alltag. Weil Verstecken und Verheimlichen nur meine Angriffsfläche vergrößert. Aber ich bin damit sehr verletzbar, trotz des offensiven Umgangs.“

„Wie wäre es denn anders herum? Jetzt, wo du dich damit auskennst. Würdest du mit einem Typen ins Bett gehen, der genau diese Probleme hat? Oder würdest du es deshalb ablehnen, weil es eklig werden könnte?“ – „Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Aber ich schätze, es wäre kein Problem für mich.“ – „Siehst du. Ich hatte schonmal eine Beziehung zu einer Rollstuhlfahrerin. Die ist jetzt Jahre her und war leider nach sechs Wochen wieder zu Ende, weil sie mit ihrem inneren Konflikt, mir nicht alles bieten zu können, nicht klar kam. Dabei hätte ich mir auch eine Beziehung ohne jeden sexuellen Kontakt vorstellen können.“

„Das ist aber ungewöhnlich, dass jemand öfter in diese Situation kommt, oder? Warum gibt es in deinem Leben so viele Rollstuhlfahrerinnen?“ – „So viele? Du bist die zweite. Ich habe mich in dich verliebt. Und anders als bei vielen anderen ist für mich eine Behinderung kein Ausschlusskriterium. Und eine Blasenlähmung auch nicht. Und eine Darmlähmung auch nicht. Ich bin nicht scharf auf das, was bei einer Darmlähmung passieren kann und ich kann dir nicht versprechen, dass ich nicht sofort auf Klo renne, mich übergeben muss und sofort duschen will. Aber das ist dann eine Schwäche von mir, an der du dich nicht stören darfst. Jeder hat ja so seine Schwächen.“

„Das wird auch nicht passieren. Das passiert ja so auch nicht. Was ich eher nicht versprechen kann, ist, dass sich die Blase benimmt. Wenn sich da gewisse Muskeln anspannen oder Reflexe ausgelöst werden, dann macht die, was sie will. Selbst wenn ich alle 15 Minuten auf Klo gehe, gibt es keine Sicherheit. Und Sex in Pampers finde ich nicht wirklich erotisch.“

„Hast du Windeln hier?“ – Ich nickte. – „Trägst du die?“ – „Unterwegs ja. Zur Sicherheit. Zu Hause eher nicht. Da kann ich ja immer schnell auf Klo.“ – „Das stört mich zum Beispiel auch überhaupt nicht. Im Gegenteil, so ein gut eingepackter Windelpopo kann ja auch sexy sein.“ – Bitte was? „Hast du einen Windelfetisch?“ – „Quatsch. Aber alleine an der Tatsache, dass es Leute mit Windelfetisch gibt, kannst du doch erkennen, dass Windeln durchaus auch eine erotische Komponente haben können.“ – „Ich weiß nicht. Ich finde Fetischismus hat nicht unbedingt was mit Erotik zu tun. So richtige Fetische sind doch oft sogar krankhaft.“

„Ach, einer steht auf Leder, der nächste auf Lack, der nächste auf Windeln. Solange er damit keinem auf den Geist geht, lass ihm doch den Spaß. Schwierig finde ich das, wenn er sich darauf fixiert und keinen Sex mehr haben kann, ohne dass diese Dinger im Spiel sind.“ – „Stehst du auf Windeln? So ein bißchen?“ – „Nee! Auch nicht ein bißchen. Wenn jemand sie aus sexuellen Motiven anzieht, finde ich das albern. Aber wenn sie jemand aus anderen Gründen trägt, dann finde ich das nicht abstoßend. Im Gegenteil, ein Windelpopo kann auch sexy sein.“ – „Sagtest du schon. Kinder und alte Leute tragen auch Windeln.“

„Kinder und alte Leute sind aber nicht mein Beuteschema. Du hingegen schon“, sagte er, kippte mich mitsamt meinem Rollstuhl nach hinten aufs Bett, griff mir unter die Knie, rollte, schmiss mich aufs Bett und sagte, dass er mich jetzt fressen würde. Ich wollte gefressen werden 😉

Wer sich an näheren Beschreibungen stört, sollte nicht mehr weiterlesen. Er riss mir die Klamotten vom Leib, ich war bei ihm eher schüchtern und zurückhaltend. Ich hatte ein bißchen Angst, nicht vor ihm, sondern vor der Ungewissheit, was mein Körper hier gleich veranstalten würde, aber es war gut. Er umarmte mich fest, wir knutschten, er drehte sich ein paar Mal mit mir, mal lag ich auf dem Rücken, mal er, nach einigen Minuten bekam ich Gefallen an dem Spielchen, das wir da zusammen spielten und ich war so aufgeregt, dass ich innerlich zitterte. Aber es war gleichzeitig so schön, dass ich auf keinen Fall wollte, dass er aufhörte. Er sagte irgendwann leise, dass ich Bescheid sagen müsste, wenn etwas unangenehm sei oder ich etwas nicht wollte, ich erwiderte, dass es wunderschön ist.

Insbesondere, weil das so spontan war und ich vorher natürlich nicht auf der Toilette war, fühlte sich meine Blase, wie befürchtet, zwischendurch immer wieder angesprochen. Ich hatte darüber null Kontrolle, ihn schien das überhaupt nicht zu stören. Er verhielt sich, als wäre es das normalste der Welt und ich hätte mich dennoch am liebsten in Luft aufgelöst. Ich ging aber bewusst auch nicht darauf ein. Die Sauerei war beträchtlich.

Ich muss mich, so Frank, um einen sachlichen Stil bemühen, damit es nicht ungewollt in die Pornografie abrutscht. Nüchtern-sachliche Darstellungen, die ausschließlich aufklären, sind gefragt. Dabei ist auch eine beispielhafte Schilderung in Ordnung, sie darf nur nicht darauf abgestellt sein, einen Leser auf der sexuellen Ebene ansprechen zu wollen. Will ich nicht. Darum schreibe ich sehr neutral: Es gab keine Penetration. Und ich war zu aufgeregt. Für ihn hingegen war es dennoch sehr befriedigend, was ich vorher noch bei keinem Mann erleben konnte und natürlich sehr interessant war. Sind eigentlich alle Männer hinterher so fertig?! 😀

Wasser bis zum Hals

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Die Diskussion um meine Sportnote zieht mal wieder weitere Kreise als mir im ersten Moment lieb ist. Weil ich nicht im Fokus stehen möchte. Im zweiten Moment möchte ich aber, dass sich etwas ändert. Ich überlege ernsthaft, ob mir dieser Schulbesuch gut tut und ob ich ihn fortführen möchte. Ein Jahr vor dem Abi. Wenige Monate vor der Fachhochschulreife. Ich überlege ernsthaft, ob ich das schmeiße. Das habe ich meinem Vertrauenslehrer so gesagt und mich für den Rest der Woche krank gemeldet. Es gibt Dinge, die muss ich mir nicht antun.

Und jetzt soll mir nur noch jemand sagen: „Du tust dir damit keinen Gefallen. Du verbaust dir deine Zukunft. Gib den anderen Idioten in deiner Klasse nicht indirekt Recht, wenn sie dich für behindert halten.“ Dann flippe ich aus. Ich bin wirklich geladen. Ich bin eigentlich kein nachtragender Mensch. Die meisten miesen Dinge kann ich über Nacht vergessen. Aber das hier ging zu weit, zu tief. Na klar, ich kann mein Ding durchziehen und die paar Idioten links liegen lassen und nicht beachten, aber geht es mir dabei gut? Ich bin harmoniesüchtig. Ich komme in einem Raum voller Streit nicht zurecht. Wie soll ich mit mehreren Idioten auf Kursfahrt fahren?

Das ist doch gleich das nächste Ding, das beispielhaft für die ganze momentane Situation steht: Die Mehrheit der Leute will ins Ausland. Am liebsten dorthin, wo es schon im Frühling warm ist. Ans Meer. Und dann kamen so Sprüche wie: „Aber wir müssen ja Rücksicht nehmen auf unsere Behinderten und landen am Ende irgendwo an der Ostsee. Und weil sie nicht mit an den Strand können, sitzen sie den ganzen Tag in der Jugendherberge. Das (rumsitzen) könnten sie auch in Spanien. Aber da hätte der Rest von uns wenigstens Sonne.“ Es kann sich einfach niemand vorstellen, dass ich auch gerne am Strand bin. Dass wir jedes Jahr viele Tage am Strand verbringen.

Ich vermisse die positive Grundeinstellung. Etwas konstruktives. Es wird nicht gefragt: „Wie bekommen wir das hin?“ Sondern: „Welche Einschränkungen gibt es?“ – Würde ich meinen Alltag so gestalten, würde ich mich wohl schon umgebracht haben.

Für Freitagnachmittag wurde eine Lehrerkonferenz einberufen. Das hat mir eine Mitschülerin am Telefon erzählt. Sie sagt, es brenne der Baum. Man habe sie mehrmals gefragt, ob sie Kontakt zu mir hätte, wie es mir ginge und ob ich Suizidgedanken hätte. Ob man mir die Schulpsychologin vorbeischicken müsse. Man, sind die hilflos. Ich bring mich doch nicht um. Wegen der Schule?!

Ich bin nicht schadenfroh, aber ich finde es richtig, dass da einigen im Moment das Wasser scheinbar bis zum Hals steht. Dass das mal wieder weitere Kreise zieht als mir lieb ist. Es muss sein.