Ganze 80 Fragen

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Das wird wieder ein megalanger Text. Sogar mit Anhang. Warum? Weil meine Blogleser so viele Fragen gestellt haben 🙂 und natĂŒrlich auch Antworten bekommen sollen :)). Ich fange mal an…

1. Wie ist deine BH-GrĂ¶ĂŸe?

Ich versuche, in 75 C alles unterzubringen…

2. Wie ist der Weg fĂŒr jemanden, der darauf angewiesen ist, an solche Sachen wie Windeln, Katheter und anderes Zeugs zu kommen? Wie funktioniert das im organisierten Rahmen, und vor allem so, dass die Krankenkasse die Kosten ĂŒbernimmt?

Derjenige geht zum Arzt, holt sich eine Verordnung, lÀsst sich die von der Krankenkasse genehmigen, bekommt von dort einen Lieferanten genannt und vereinbart mit dem, wie oft und was geliefert werden soll.

3. Ist es zutreffend, dass du, obwohl du inzwischen wohl schon die volle Million auf dem Konto haben dĂŒrftest, sĂ€mtliche öffentlichen Verkehrsmittel nutzen darfst, ohne eine Fahrkarte lösen zu mĂŒssen?

Menschen, die auch innerhalb der Wohnung sich nur mit Rollstuhl fortbewegen können, erhalten die Erlaubnis dazu, unabhĂ€ngig von ihrem Einkommen oder Vermögen. Einige andere (wenige) Ă€hnlich eingeschrĂ€nkte Menschen auch (z.B. Blinde). Das hat ausschließlich mit den EinschrĂ€nkungen zu tun, nicht mit dem finanziellen Status.

4. Hast du eine Kreditkarte und wenn ja, welche und von welchem Anbieter?

Ich habe ein Kreditkartendoppel meiner Sparkasse (also Visa und Master).

5. Darfst Du eigentlich Thrombose-StrĂŒmpfe tragen? Von wegen Druckstellen und so…

Darf ich, die sind ja in der Regel so angefertigt, dass sie nicht an einer Stelle einschnĂŒren, sondern großflĂ€chig zusammenpressen, das ist kein Problem. Nur sinkt die Thrombosegefahr irgendwann wieder, so dass ich im Alltag diese Dinger nicht brauche und im Krankenhaus die ĂŒbliche Heparinspritze bekomme.

6. Ist deine Haarfarbe echt, gefÀrbt (von irgendwas auf blond) oder nachgeholfen (von einem blondÀhnlichen Ton auf dieses superblond)?

Ich habe sie frĂŒher immer mal aufhellen lassen, mache ich aber nicht mehr.

7. GlÀttest du deine Haare?

Nein, die sind recht pflegeleicht. Morgens stehen sie manchmal in alle Himmelsrichtungen ab, aber nach dem Duschen ist alles wieder an seinem Platz.

8. Wie schnell schwimmst du so ca.?

Ich schwimme auf der Kurzbahn die 50 Meter Freistil in 43,3 Sekunden. Das ist meine schnellste Trainingszeit, die von der Trainerin gemessen wurde. Ich schwimme aber eher lange Strecken und auch nicht bei SchwimmwettkÀmpfen, sondern eher beim Triathlon. Wie schnell schwimmst du denn?

9. Inwieweit hat sich – im konkreten Fall jetzt bei Dir – der Körper nach dem Unfall verĂ€ndert?

Ich habe bisher nicht das Pech, dass alles ansetzt, ich treibe aber auch viel Sport und bewege mich viel. Ich kenne genĂŒgend Leute, wo das anders ist. Die Beine sind recht dĂŒnn geworden (allerdings zum GlĂŒck auch nicht nur Haut und Knochen), die Arme krĂ€ftiger, aber alles in allem sieht das noch Ă€sthetisch aus. Und ausgeleiert ist da in meinem Alter zum GlĂŒck auch noch nichts. *rĂ€usper*

10. Wie und wo kannst du so richtig die Welt vergessen? Beim Lesen, Sporteln, Baden..?

In der Badewanne auf jeden Fall, wenn ich im Bett liege, wenn ich am Strand liege, …

11. Hast du noch Kontakt zu Freunden aus der Zeit vor dem Unfall?

Nein. Ich habe zwar neulich mich mal durch ein paar Facebook-Profile geklickt, um mal zu erfahren, was der eine oder andere so macht oder wie sich das Aussehen verÀndert hat (sofern man das öffentlich sehen konnte), aber das war es auch. Die wenigen Kontakte, die ich nach dem Unfall mit meinen damaligen Freunden hatte, waren allesamt nervig. Auch in Zeiten, wo ich bereits gefestigt war und mit den weit aufgerissenen Augen umgehen konnte.

12. Was denkst du als Rollifahrerin, wenn ein ‚FußgĂ€nger‘ aus einer Behindertentoilette kommt, hast du schon mal jemanden angesprochen oder gehst du dann einfach davon aus, dass diese Person auch berechtigt ist, die Toilette zu nutzen?

Ich bilde mir ein, das zu erkennen, ob das berechtigt ist oder nicht. Mir ist durchaus bekannt, dass auch einige LĂ€ufer diesen SchlĂŒssel bekommen – und auch zurecht bekommen, meiner Meinung nach. Aber selbst wenn ich glaube, dass das unberechtigt war, bin ich ja nicht die Instanz, die da zu richten hat oder Berechtigungen kontrolliert. Im Hamburger Hauptbahnhof gab es mal eine, die sich da regelmĂ€ĂŸig ihren Schuss gesetzt hat, darauf habe ich die dort herumlaufende Polizei mal aufmerksam gemacht und ich vermute, die haben ihr den SchlĂŒssel abgenommen. Klar muss die auch auf Klo, aber wenn sie da jedes Mal eine Stunde quer im Weg liegt und dort regelmĂ€ĂŸig alles verdreckt oder da kokelt, … bei der Bahnhofsmission gegenĂŒber ist auch eine öffentliche Toilette.

13. Was liest du gerne?

Ich komme nicht zum Lesen.

14. Welche musik hörst du gerne?

Ich höre meistens einen privaten Radiosender, der den ĂŒblichen PopmĂŒll von heute, aber regelmĂ€ĂŸig auch Dinge aus 1980-2010 spielt. Ich kann aber auch ganz gut in Ruhe sein. Im Moment lĂ€uft gerade Bow Down Mister von Boy George & Culture Club.

15. Was ist dein lieblingessen und was isst du gar nicht gern?

Alles nudelige finde ich lecker, gerne mag ich verschiedene Nudelsorten mit KĂ€se ĂŒberbacken und einer leckeren Soße, Nudelauflauf sozusagen, GemĂŒsepfannen, ansonsten Salat, aber fĂŒr ein Schweineschnitzel oder eine Grillwurst kann ich mich auch begeistern. Als Kind habe ich Suppen gehasst, finde ich inzwischen aber auch lecker. Rotkohl mag ich gerne. Absolut widerlich finde ich Labskaus und alles was glibbert.

16. Kannst du hamburger dialekt sprechen?

Jo!

17. Hast du dich durch deine behinderung verÀndert?

Ja. Meine Behinderung hat mich um etwa 180 Grad gedreht. Ich war frĂŒher nicht so offen, hatte andere Freunde, war schĂŒchtern, hab mich nicht so fĂŒr andere eingesetzt, habe nicht so viel Wert auf gute und tiefgrĂŒndige Beziehungen zu anderen Menschen gelegt, hatte ein anderes VerhĂ€ltnis zu meinem Körper und habe vieles einfach nie hinterfragt. Ich weiß aber nicht, ob ich der Behinderung etwas zuschreibe, was vielleicht (in abgeschwĂ€chter Form) auch aus irgendeinem anderen Anlass passiert wĂ€re.

18. Möchtest du einmal Kinder bekommen?

Das weiß ich nicht. Im Moment nicht, vielleicht spĂ€ter mal.

19. Wieviel Alkohol trinkst du?

Fast gar keinen. Manchmal ein Bier oder ein MischgetrĂ€nk mit Bier, manchmal, wenn ich mit Freunden zusammensitze beim Grillen oder beim Baden am See oder auf einer Feier auch mal mehr als ein Bier, aber mehr als fĂŒnf Flaschen Biermischzeugs an einem Abend habe ich noch nie getrunken. Ich war auch noch nie so besoffen, dass ich Stuss gelabert oder gekotzt habe. Und wenn ich Auto fahren muss, trinke ich nicht einen Tropfen. Mein Lappen ist mir heilig.

20. Hast du schonmal Gras geraucht?

Nein.

21. Welches Betriebssystem hast du auf deinem Rechner zu Hause installiert?

Das siebte gefensterte.

22. Weißt du, ob dieses Begleitfahrzeug eine Sondergenehmigung haben muss und weißt du, ob diese Straßensperren etwas kosten? MĂŒsst ihr eine Erlaubnis haben, wenn ihr auf öffentlichen Straßen unterwegs seid bzw. in dem gesperrten Abschnitt? Regelt das alles der Verein oder mĂŒsst ihr euch selbst drum kĂŒmmern und was kostet sowas?

Das wird ĂŒber den Verein geregelt und ich weiß nicht, was das kostet. Wenn wir im öffentlichen Straßenverkehr trainieren, brauchen wir eine Ausnahmegenehmigung; wenn wir die Straße sperren, auch.

23. Hat sich seit deinem Unfall deine Einstellung zu KörperflĂŒssigkeiten geĂ€ndert?

Ja. FrĂŒher habe ich mich mehr vor allem möglichen geekelt.

24. Wie ist momentan das VerhĂ€ltnis zu deinen Eltern? Gibt es ĂŒberhaupt eins?

Zum Vater nicht, die Mutter versucht hin und wieder, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, schreibt Postkarten, dreht aber insgesamt am Rad. Ich antworte nicht.

25. Was ist aus der Sache mit der nicht weitergeleiteten Zahlung der Versicherung an deinen Vater geworden?

Die prĂŒfen noch.

26. Ich lese, dass ihr Rollifahrer da Anscheinend ein ganz anderes VerhĂ€ltnis zur Nacktheit habt. Wenn Du von deinen KathertermĂ€usen schriebst, die sich beim Training oder beim Rennen eben mal schnell in der Halb-Öffentlichkeit selbst kathetern, werd ich schon rot wenn ich das nur lese. Vorallem wenn ich bedenke, dass da ja auch andere FußgĂ€nger sind und ihr ja auch nicht unbedingt eine reine MĂ€dchengruppe seid, oder? Seht ihr Euch als Rollifahrer hĂ€ufig untenrum nackt oder beobachtet Euch insgeheim, wenn mal wieder jemand kathetern muss, wenn Windeln an- oder ausgezogen werden, wenn man sich zum Schwimmen am Strand fertig macht?

In meiner Clique ist es so, in einigen anderen Sportgruppen, die ich bei Camps o.Ă€. kennen gelernt habe, ist es auch so, das muss aber nicht ĂŒberall so sein. Ich denke, es kommen viele Faktoren zusammen. Als gesunder, nicht behinderter FußgĂ€nger muss man sich ja eigentlich nirgendwo ausziehen. Wenn du aber als frischer Querschnitt ein paar Monate im Krankenhaus liegst und da gepflegt wirst oder wenn du von Geburt an eine Behinderung hast und Therapien bekommst, bekommst du ein anderes VerhĂ€ltnis zu den Dingen. Und mit wem spricht man ĂŒber irgendwelche Probleme? Doch mit Freundinnen, von denen man weiß, dass sie die gleiche Behinderung haben. Und es gibt auch wirklich nette Jungs, die auch sehr einfĂŒhlsam sein können und insgesamt ist die Szene sehr offen und direkt. Wir beobachten uns da nicht bewusst, aber wir verstecken uns auch nicht.

27. WARUM willst du eigentlich diese Fragen hören und beantworten? Hast du „Mitleid“ mit den Leuten? Hoffst du dadurch weniger solche Fragen in anderen BeitrĂ€gen zu erhalten? Willst du sehen, wer sich alles hier rumtreibt? Findest du die Fragen so lustig oder interessant? Macht es dir Spaß oder erregt es dich, hier ĂŒber intime Themen zu schreiben?

Wie schon im Eingangsbeitrag gesagt, ich möchte insbesondere einzelne Kommentare einer bestimmten Geschmacksrichtung vermeiden, die sonst regelmĂ€ĂŸig zusammenhangslos gepostet werden. So sind alle diese Fragen erstmal fĂŒr das nĂ€chste halbe Jahr beantwortet, so dass auch nicht mehr nachgefragt werden muss. Hat ganz gut funktioniert, der Deal, beim letzten Mal. Und es ist eine gute Möglichkeit, zu erfahren, was meine Leser so interessiert – ich will ja auch die Gedanken meiner Leser kennen und wissen, auf was fĂŒr Fragen oder Ideen jemand kommt, der meine Texte liest. Und was interessiert. Und was nicht. Und wer das hier aus welchem Grund liest. Erregen tut es mich jedoch nicht.

28. Was hast du alles in deiner Geldbörse (in diesem Moment, wo du die Frage beantwortest, und hey, nix vorher rauspacken!)???

Ein 20-Euro-Schein, eine Visa-, eine Master- und eine EC-Karte, ein Blutgruppenausweis, ein Mitgliedsausweis von meinem Sportverein, eine Guthabenkarte vom Schwimmbad, eine ADAC-Mitgliedskarte, eine Karte von meiner Autoversicherung, eine Bahncard 25, ein Perso, ein FĂŒhrerschein, eine Zulassungsbescheinigung, ein Schwerbehindertenausweis und 7,83 Euro in MĂŒnzen.

29. Was fĂŒr ein VerhĂ€ltnis hast du zu deinen Beinen? Sind sie noch „Teil von dir“? Bist du freundlich zu ihnen oder sind die dir vollkommen egal?

Sie sind Teil von mir und ich behandle sie ganz normal.

30. Schreibst du außer dem Blog hier auch noch andere Sachen?

Nein.

31. Wenn ihr nachts traniert, wie schaffst du das?

Nur, wenn ich am Tag danach ausschlafen kann. Der mĂŒde Punkt ist bei mir meist so gegen 0.30 Uhr, ab 1.00 Uhr bin ich wieder fit.

32. Kannst du mir das vielleicht bissl erklÀren was hier zb. Th7 bedeutet?

Th7 ist der 7. Brustwirbel. Um zu verstehen, was bei einer QuerschnittlÀhmung vor sich geht und inwieweit die LÀhmungshöhe darauf Einfluss nimmt, muss man sich intensiv mit dem Thema befassen. Es gibt zum Beispiel bei Wikipedia einen guten Artikel.

33. Du hast mal davon geschrieben, deine FotoausrĂŒstung aufzustocken (DSLR) Schon eine Besorgt? Wenn ja: welche und wie bist Du zufrieden?

Ich habe mir inzwischen die 60D von Canon gekauft und bin bisher sehr zufrieden. Habe aber noch nicht viele Gelegenheiten gehabt, zu fotografieren und sie ist auch erst wenige Wochen alt.

34. Weiß Markus von deinem Blog und was hĂ€lt er davon?

Er weiß davon, ich schreibe ĂŒber ihn nur Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie schreiben darf; er selbst sagt immer, er könnte sich nicht vorstellen, andere, wildfremde Menschen an seinem Leben so intensiv teilhaben zu lassen, aber er respektiert es und redet mir nicht rein.

35. Schreibst du deine BeitrĂ€ge um eure Treffen herum oder gibt es auch Tage, an denen er auf dem Sofa/Bett/am KĂŒchentisch sitzt und du schreibst?

Wenn ich Zeit mit ihm verbringe, schreibe ich nichts. Sondern erst hinterher oder eben vorher. Es sei denn, er zieht sich zurĂŒck, weil er noch was am Laptop arbeiten muss o.Ă€.

36. Hast du schon jemanden ĂŒber dein Blog nĂ€her kennen gelernt und dich sogar mit einer Person angefreundet?

Es gibt einige wenige intensive Internetkontakte, ich bekomme regelmĂ€ĂŸig Mails von einzelnen mir bis dahin unbekannten Lesern und es gibt einige, die meinen Blog kennen bevor sie mir das erste Mal begegnen, wie zum Beispiel dieser Prof neulich. Aber dass mich jemand nur aufgrund meines Blogs persönlich kennenlernen wollte, hatte ich noch nicht und das möchte ich auch nicht.

37. Magst du Wollsocken?

Mögen nicht, ich finde sie im Winter recht nĂŒtzlich. Ich brauche nur auch jemanden, der sie strickt, denn selbst stricken … dazu habe ich meistens keine Zeit.

38. Welche Zahnpasta benutzt du?

Aktuell blend-a-med classic.

39. Kannst du stricken?

Es kommt etwas dabei raus, aber es ist nicht mein Hobby und ich habe auch nicht die Zeit dafĂŒr.

40. Wie alt ist dein Handy?

Inzwischen knapp 2 Jahre. Und es funktioniert noch und es hat kein Internet. Wahnsinn.

41. Welche Musik magst du und warst du schon mal auf einem Konzert? Oder findest du das doof weil du zB nicht direkt vor der BĂŒhne stehen kannst?

Ich habe sogar schon auf der BĂŒhne gestanden, an der Seite hinter einer Wand und bekam ein persönliches Interview, ohne dass ich darum gebeten hatte. Die SĂ€ngerin sprach mich einfach an, wĂ€hrend eine Vorband spielte und fragte mich, wie es mir ginge und ob meine Freundin und ich den Sound hier ausreichend fĂ€nden oder ob wir Kopfhörer haben wollten. Dann wollte sie wissen, ob wir genauso aufgedreht seien wie sie. Sie wĂŒrde jetzt am liebsten 20 Flicflacs machen, hĂ€tte aber Angst, das sie dabei ihre Verkabelung verliert. Das war total lustig. Und wir waren einmal bei einem (Ă€lteren) Komiker, der hat sich erstmal mit uns allen (wir waren 6 oder 7 Leute) in einem Nebenraum fotografieren lassen (oder wir mit ihm), das war auch total toll. Bei Open-Air-Konzerten gibt es meistens am Rand eine Extra-TribĂŒne fĂŒr Rollifahrer, das finde ich meistens okay. Zuletzt war ich bei Lotto King Karl. 🙂

42. Wie findest du es, dass man in manchen Sportarten jahrelang trainiert um zu Paralympics zu fahren und in anderen fÀngt man den Sport erst 2 Jahre vorher an und es klappt trotzdem?

Das liegt in der Natur der Sache. Wenn man alleine beim Schwimmen 10 Behinderungsklassen und gefĂŒhlte 20 Altersklassen hat, fallen da natĂŒrlich mehr und schneller Medaillen ab als beim Rollibasketball. Ich finde das recht unglĂŒcklich gelöst, das wertet diese einzigartige Veranstaltung etwas ab. Aber ich weiß da auch keine bessere Lösung – ich hoffe, das relativiert sich selbst irgendwann dadurch, dass immer mehr LĂ€nder und Athleten an der Veranstaltung teilnehmen. Mit einer konkurrenzlos „erkĂ€mpften“ Medaille wagt sich aber innerhalb der Szene niemand ernsthaft zu schmĂŒcken.

43. Benutzt du hier im Blog die echten Namen, wenn du von Leuten erzÀhlst, oder gibst du ihnen andere Namen?

Ich benutze, von meinem eigenen Namen abgesehen, niemals echte Namen. Cathleen heißt zum Beispiel nicht Cathleen, sondern hat einen viel kĂŒrzeren Namen, sagte mir aber, dass sie Cathleen toll findet. Bei MitschĂŒlern nenne ich entweder gar keine Namen oder verwende einen, der in irgendeiner Assoziation mit der Person steht – wie bei Zeitungsberichten. Es mĂŒsste also immer drunter stehen: Namen von der Redaktion geĂ€ndert. 🙂

44. Mich wĂŒrde interessieren, ob du dir keine Sorgen oder Gedanken machst, wenn du ĂŒber Leute in deinem Blog schreibst. Manche Dinge sind ja doch recht persönlich, oftmals berichtest du ja auch von seltsamen Begebenheiten aus deinem Verein o.Ă€., und das sind ja nicht immer positive Dinge. Ich hĂ€tte da, ehrlich gesagt, irgendwie viel zu viel Angst, dass sich jemand da mal deswegen beschwert oder schlimmeres… Oder hast du das mit Frank abgesprochen?

Bei sensiblen Dingen lasse ich mindestens eine weitere Person drĂŒberlesen, oft auch den oder die Betroffene und lasse mir die Erlaubnis geben, bei rechtlich brisanten Themen auch Frank – aber ansonsten schreibe ich das, was ich denke. Die meisten Dinge, die hier stehen, sind kein Geheimnis. Ich sage Leuten mitunter auch direkt, was ich von ihnen halte. Das lesen sie nicht erst in meinem Blog, sofern sie ihn lesen. Und ansonsten hilft: Immer bei der Wahrheit bleiben, dann kann sich auch niemand beschweren. Ach, und: Auch andere Leute haben Sex oder masturbieren. Und machen trotzdem einen guten Job. 😉

45. Wie denkst du ĂŒber das Thema „Freunde“? Was wĂŒrdest du selber ĂŒber dich sagen – hast du viele Freunde, nur Bekannte, einige wenige, eine allerbeste Freundin der du alles erzĂ€hlen kannst, etc…?

Freunde sind sehr wichtig. HĂ€tte ich keine, wĂ€re ich ein einsamer Mensch und vermutlich sehr unglĂŒcklich. FrĂŒher war ich eher eine EinzelgĂ€ngerin, obwohl ich auch Freunde hatte. Ich habe heute einige sehr enge Freundinnen und Freunde, denen ich alles erzĂ€hle, aber auch viele lose Bekanntschaften, die ich hin und wieder mal treffe etc.

46. Auf welcher Ecke wohnst du?

Derzeit wohne ich im Nordwesten Hamburgs zwischen Volkspark und Niendorf, wenn das mit dem WG-Umzug alles klappt, werde ich bald östlich der Altstadt wohnen.

47. Wie findest du die Barrierefreiheit in HH?

Es bessert sich, gerade bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber es ist an vielen Ecken immernoch beschissen. Wenn man mit der S2 von Bergedorf nach Altona fĂ€hrt, sind auf dieser Strecke 14 Stationen und davon gerade mal 4 barrierefrei. Fahre ich jedoch mit der S1 von Wedel nach Altona, sind da 10 Stationen und davon alle bis auf eine barrierefrei. Ich habe das GefĂŒhl, gerade bei Neubauten sind die Verantwortlichen so langsam aufgewacht. Aber vieles, auch Neues, ist immer wieder atemberaubend chaotisch.

48. Kannst Du Dir vorstellen, den Blog irgendwann mal nicht mehr zu schreiben?

Im Moment möchte ich ihn weiterschreiben.

49. Was denkst Du ĂŒber die Leute, die deinen Blog lesen?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten weil es ja ganz verschiedene Leute sind, die das aus ganz unterschiedlichen Motivationen lesen.

So. Zur 50. Frage ist es nicht mehr gekommen. Beziehungsweise: Die Fragen 50 bis 80 habe ich hier beantwortet, um allen, die leicht erröten, die Chance zu geben, nicht zu klicken. Wetten, es klicken doch alle? 😉

UmzugsplÀne

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Fast genau zwei Jahre wohnen wir nun in dieser WG. Es sind nicht mehr dieselben Leute wie am Anfang dabei, einige sind ausgezogen, andere sind neu hinzugekommen. Luisa wohnte nur zwei Monate bei uns, Lina und Liam immerhin etwas lĂ€nger als ein Jahr. Nur Sofie, Frank und ich sind seit Anfang an dabei, nach unserem Vorbild wurde im selben Haus noch eine zweite Rolli-WG eröffnet, in der aber nicht annĂ€hernd ein so gutes Klima herrscht wie bei uns. Wenn man jemanden aus der anderen WG draußen sieht, dann hat der schlechte Laune, sieht ungepflegt aus, ist besoffen … nix gut.

Frank arbeitet seit mehreren Monaten an einer Idee, die ich persönlich sehr gut finde und die mein Leben entscheidend verĂ€ndern könnte. Er hat jemanden gefunden, dem ein altes FabrikgebĂ€ude auf der anderen Seite von Hamburg gehört und der dieses Haus fĂŒr Gewerbe- und Wohnzwecke umgebaut hat. Man muss sich das GebĂ€ude als eine riesige Fabrikhalle vorstellen, massiver Bau aus dem 18. Jahrhundert, direkt an einem idyllischen Kanal gelegen (der wohl frĂŒher fĂŒr Warentransporte genutzt wurde), etwa 400 Quadratmeter GrundflĂ€che (etwa 16 x 25 Meter), etwa 30 Meter hoch, inzwischen sind fĂŒnf Zwischendecken und zwei PersonenaufzĂŒge eingebaut worden. Ganz unten ist eine GewerbeflĂ€che mit Publikumsverkehr, in einer Etage ist bereits ein Fotoatelier – kurzum: Er will zwei Etagen anmieten und als rolligerechte WGs ausbauen. Acht bis zehn Zimmer plus großer Gruppenraum werden pro Etage entstehen. Der entsprechende Vertrag soll heute unterzeichnet werden.

Kosten pro Monat: Etwa 4.000 Euro Kaltmiete plus Umlagen. Abgewickelt wird das ganze ĂŒber eine extra zu diesem Zweck gegrĂŒndete Gesellschaft (um das finanzielle Risiko ĂŒberschaubar zu halten, denn er will natĂŒrlich nicht oder nur begrenzt privat haften mĂŒssen). Dieser vermietet dann sowohl an Privatpersonen als auch an einen Verein, der Sportler mit Behinderungen fördert. Die Idee dahinter ist, eine Art Sportler-WG fĂŒr behinderte Sportler zu grĂŒnden und die Sportler mit Hilfe dieses Vereins mit allem zu versorgen, was sie brauchen. Also mit Anbindung an eine Schule oder an die Uni, bei gleichzeitiger sportlicher Förderung und eventuellen Pflegeleistungen, sofern benötigt. Ich finde das Konzept genial.

Das Haus hat eine Tiefgarage und ist fĂŒnf Autominuten von der Autobahn entfernt. Ein Bus hĂ€lt direkt vor der TĂŒr, die nĂ€chste rolligerechte U-Bahn ist zehn Minuten entfernt. Der Kanal ist ohne Schifffahrt, gegenĂŒber sind ein paar Mini-Bootsstege an ein paar KleingĂ€rten, das ganze liegt (wenn man nach hinten rausguckt), super idyllisch und man hat einen tollen Ausblick.

Dass Frank und Sofie umziehen, ist also klar. Wer fĂŒr sie hier in die WG hinein kommt, ist ungewiss. Ich ĂŒberlege, mich Frank und Sofie anzuschließen. Auch Markus ĂŒberlegt, dann dort mit einzuziehen. Wenn ich umziehe, möchte auch Jana mit. Auch fĂŒr Cathleen wĂ€re das eine prima Sache (sie will dann natĂŒrlich auch mit), aber da sie noch nicht volljĂ€hrig ist, braucht sie wieder die Zustimmung der Mutter. Und das ist keine einfache Sache. Und alleine lassen möchten wir sie natĂŒrlich auch keinesfalls. Ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht.

Ganz viel Test

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Ob ich ihn bestanden habe, weiß ich erst Ende dieses Monats. Aber ich habe ein gutes GefĂŒhl. Dennoch war es hammerhart. Wobei ich nicht sagen will, dass ich ihn besonders schwierig fand, er war einfach nur enorm aufwĂ€ndig und man musste sich ĂŒber Stunden intensiv konzentrieren. TrĂ€umen, lange grĂŒbeln oder sich in einer Frage verbeißen musste absolut tabu sein. Die Rede ist vom Medizinertest, den ich in der letzten Woche ablegen durfte und ĂŒber den ich möglicherweise quer in ein Studium einsteigen kann. Wieso und warum, hatte ich hier schon recht ausfĂŒhrlich beschrieben.

Es war ein Nachholtermin, es waren ganz offensichtlich nicht nur Leute aus Hamburg vor Ort, und alleine der Einlass war die Hölle. Ein Durcheinander! Ein LĂ€rm! Es war ein Ordner und eine Ordnerin vor Ort und die beiden waren unmissverstĂ€ndlich die wichtigsten Personen ĂŒberhaupt. Um halb acht wurde aufgeschlossen. Rund 80 (in Worten: achtzig) Leute wollten in den PrĂŒfungsraum und jeder wurde einzeln kontrolliert. Jacken, RucksĂ€cke, Taschen und alles lose Zeugs musste man an einer bewachten Garderobe abgeben. Statt einer Garderobenmarke bekam man einen Gefrierbeutel mit einer Nummer, dort hinein durfte man lediglich sein Portmonee und seine SchlĂŒssel sowie Essen und Trinken stecken. Butterbrotpapier war nicht erlaubt, TupperschĂŒsseln nicht, GetrĂ€nke nur originalverpackt oder Wasser, die Flaschen und Packungen wurden genauestens kontrolliert. Alle Hilfsmittel waren tabu. Kein Handy, kein Lineal, kein Taschenrechner, kein Papier, nix. Kein Bleistift, kein Kugelschreiber, kein FĂŒller – lediglich zwei Faserstifte.

Beim Einlass musste man die Ärmel und die Hosenbeine hochkrempeln, die Socken umkrempeln, alle Taschen (Hosentaschen, Hemdtaschen) nach außen drehen oder abtasten lassen. Und sie haben tatsĂ€chlich zwei erwischt, einer hatte auf seine Colaflasche was geschrieben, und zwar nicht auf das Etikett sondern mit schwarz auf die Flasche (das wĂ€re dann beim Austrinken sichtbar geworden) und eine war so doof und wollte ihr iPhone mit reinschmuggeln. Ich kann dazu nur sagen: Es hĂ€tte nichts genĂŒtzt. Man hatte ĂŒberhaupt nicht die Zeit und die Ruhe, um zu schummeln. Und es waren auch keine Aufgaben dabei, bei denen man durch einfache Recherche etwas brauchbares hĂ€tte herausfinden können.

Ich wurde als letzte durch den Einlass gelassen, war die einzige im Rollstuhl, musste mich auf einen Stuhl umsetzen und dann haben die erstmal meinen Rollstuhl auseinander gepflĂŒckt. Sitzkissen raus, reingeschaut, das Ding auf den Kopf gestellt, unter die SitzflĂ€che geschaut, KlettverschlĂŒsse geöffnet und wieder geschlossen, dann musste ich Hose und Ärmel hochkrempeln aber dann durfte auch ich rein, meinen Platz einnehmen und warten. Um halb neun kam ein Typ, der alles erklĂ€rte, was erlaubt ist, was nicht, wie man Lösungen kennzeichnet, wie man Fehler kennzeichnet, wie man Fehler von Fehlern kennzeichnet, wann man Pause hat. Um neun ging es los, und dann mussten alle nach Zeit die einzelnen Bereiche abarbeiten.

Es gab ein Heft, in dem man sich immer nur in den gerade angesagten Bereichen bewegen durfte, es gab Zeitvorgaben, wenn die abgelaufen waren, mussten alle in den nĂ€chsten Bereich wechseln, die zwei Ordner liefen die ganze Zeit im Raum herum und passten auf, acht (!) weitere Leute mussten abgeben, weil sie sich nicht an die Vorgaben gehalten haben und zu frĂŒh angefangen oder zu frĂŒh umgeblĂ€ttert haben, mindestens zwanzig Leute wurden verwarnt (schauen Sie bitte nach vorne, nehmen Sie die Hand von der Stirn, lassen Sie die Flasche auf dem Tisch stehen, nicht auf der Erde), der Druck, den die da ausĂŒbten, war schon gewaltig. Bestimmt fĂŒnf Leute haben geschmissen, drei liefen heulend raus, eine gab nach zwei Stunden ab und sagte, ihr sei schlecht.

Zuerst musste man so beknackte Muster zuordnen, irgendwelche wilden schwarz-weißen Zeichnungen im Original, daneben 5 Ausschnitte, alle sahen sich Ă€hnlich, aber nur einer passte mit dem Original ĂŒberein. Das fand ich am schlimmsten. Danach wurden einem irgendwelche medizinischen Probleme und Erkenntnisse vorgestellt (unter anderem die QuerschnittlĂ€hmung, super!) und dann musste man entscheiden, welche Aussagen sich aus den Erkenntnissen herleiten lassen. Das fand ich kinderleicht. Dann hatte man 3D-Figuren in Frontansicht und daneben in einer anderen Ansicht oder eine andere Figur und man musste entscheiden, was da wie zusammenpasst und von welcher Seite man draufguckt und Ă€hnliches. Das fand ich auch relativ leicht. Aber man musste stets aufpassen. Danach waren Textaufgaben dran, allerdings ĂŒber mehrere Ebenen, man brauchte also immer mehrere Zwischenlösungen, da musste man genau lesen und gut ĂŒberlegen, das war aber auch zu schaffen. Und dann gab es einen Chaostext, eine Seite bestehend aus zwei Buchstaben, die abwechselnd hintereinander kamen und bei denen immer einer durchgestrichen werden musste. Der Witz dabei war, dass die Buchstaben unterschiedlich oft hintereinander kamen und immer nur ein bestimmter durchgestrichen werden durfte, wenn er direkt hinter einem anderen bestimmten stand. Ein ganzes Blatt voller Buchstaben und man musste Zeile fĂŒr Zeile sich durcharbeiten, durfte nichts auslassen und nichts korrigieren – 8 Minuten hatte man Zeit, aber was auf den ersten Blick ganz einfach aussieht, entpuppt sich schnell zu einer anstrengenden Aufgabe.

Dann gab es eine Stunde Mittagspause, anschließend musste man sich Figuren und Fakten eintrichtern. Erst 20 Figuren, irgendwelche schwarzweißen FlĂ€chengebilde, mehrfach unterteilt und mit unterschiedlichen Mustern, dann 15 Personen: Name, Alter, Beruf, Familienstand, Krankheit. FĂŒr beides zusammen hatte man 10 Minuten Zeit (6 Minuten fĂŒr die Muster, 4 Minuten fĂŒr die Namen). Danach musste man das weglegen und sich drei medizinischen Texten widmen, in denen viel MĂŒll, aber auch viele Fakten standen. Ein Textmarker war erlaubt und eindeutig von Vorteil. Die Fakten wurden hinterher abgefragt. Und zwar sehr detailliert. Teilweise auch mit so Fragestellungen wie: „Sie sehen hier sechs mögliche Antworten. Welche Aussage trifft nicht zu? A) Die erste und die sechste Antwort ist richtig, die vierte falsch. B) Die vierte ist falsch, alle anderen richtig. C) …“ Und so weiter. Man musste den Text also absolut verstanden haben und die Frage (trifft nicht zu) und die Antworten sehr genau lesen. Hochkompliziert, aber sehr spaßig, weil durchaus zu knacken.

Anschließend musste man die Figuren und die Namen wieder abrufen. Und zwar nicht in derselben Reihenfolge, sondern wild durcheinander und teilweise auf dem Kopf stehend, spiegelverkehrt (was dann aber nicht zĂ€hlte) und Ă€hnliches. Und bei den Namen musste man natĂŒrlich auch nicht die 15 Leute runterbeten, sondern es wurde gefragt: Wer hatte noch gleich die LungenentzĂŒndung? Herr MĂŒller, Herr Meier, Herr Schulze, Herr Schumacher oder Frau Schumacher? Und war die geschiedene Frau mit den Trennungsproblemen 18, 28, 30, 31 oder 33 Jahre alt? 20 Fragen, 100 Auswahlmöglichkeiten, 7 Minuten Zeit. Aber die Stinkesocke weiß ja, wie man sich mit Hilfe von EselsbrĂŒcken, Bildern und kurzen Tagtraumsequenzen schnell irgendwelche Fakten strukturiert ins Hirn hĂ€mmert und hat sie alle wieder ausgespuckt. Bei den Figuren bin ich mir nicht ganz so sicher, aber die Namen hatte ich alle drauf. Man darf sich nur nicht durch die Fragen verwirren lassen, sondern muss erst in Ruhe alles abrufen, auf einen Notizzettel kritzeln und dann die Fragen in der letzten Minute fix mit Hilfe der Notizen beantworten.

Und am Ende musste man noch eine Stunde lang Diagramme auswerten. 24 StĂŒck – das war, bis auf die letzten vier, wirklich billig. Wenn man Diagramme lesen kann und sich nicht verarschen lĂ€sst. Man darf sich halt nicht von den blanken und bescheidenen Fakten eines Diagramms abbringen lassen und eigene Mutmaßungen anstellen. Wenn ein Diagramm Auskunft darĂŒber gibt, dass 30% der MĂ€nner ĂŒber 45 gefĂ€hrdet sind, eine bestimmte Erkrankung zu bekommen, kann man daraus natĂŒrlich keine Aussage fĂŒr Frauen ab 45 ableiten, wenn im ganzen Diagramm ausschließlich von MĂ€nnern die Rede ist. Könnte ja sein, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die nur MĂ€nner bekommen können. Aber etlichen ist natĂŒrlich nicht aufgefallen, dass oben von MĂ€nnern und unten von Frauen die Rede war…

Gegen 16.00 Uhr war alles vorbei. Danach bin ich nach Hause gefahren, habe mich ins Bett gepackt und zwölf Stunden durchgeschlafen. Wie gesagt, ich habe ein gutes GefĂŒhl. Ich habe mich hinterher noch mit einigen Leuten unterhalten, die fanden es krass und schwierig und hatten zum Teil nur eine oder zwei Fragen (von 24!) in manchen Aufgabenbereichen beantwortet, weil das alles viel zu schnell ging. Der Test war darauf ausgelegt, dass man nicht alles schafft, das war klar. Aber unter 20%? Okay, ich will den Mund nicht zu voll nehmen, vielleicht habe ich ja mehr geschrieben, dafĂŒr aber nur MĂŒll. Warten wir es ab!

VorlÀufig festgenommen

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Heute war der Kontrollwahnsinn in Hamburg ausgebrochen. Ich muss in öffentlichen Nahverkehrsmitteln nichts bezahlen, sondern nur einen amtlichen Ausweis mitfĂŒhren, dass ich tatsĂ€chlich Rollstuhlfahrerin bin. Der befindet sich in meinem Portmonee und das habe ich eigentlich immer dabei. Ich glaube, ich habe es seit meinem Unfall erst ein oder zwei Mal zu Hause vergessen, obwohl ich es dabei haben wollte.

Heute war so ein Tag. Ich war mir sicher, ich hatte es in meinen Rucksack gepackt, aber es war letztlich zu Hause auf dem Schreibtisch. Ich saß in der S-Bahn, als am Diebsteich der Sicherheitsdienst einstieg. Sonst wird fast nie kontrolliert, sonst werde ich nie kontrolliert – heute war natĂŒrlich alles anders. Hier fiel mir erstmals auf, dass ich meinen Ausweis nicht dabei hatte. „Ich hab meinen Ausweis zu Hause vergessen“, sagte ich kleinlaut. Der Sicherheitstyp antwortete: „Ich glaube Ihnen auch so, dass Sie einen haben. NĂ€chstes Mal bitte dran denken.“

GlĂŒck gehabt. Statistisch gesehen ist danach erstmal mindestens drei Monate Kontrollpause. Aber nur statistisch: In Nettelnburg stiegen zum zweiten Mal drei Kontrolleure ein. Und der Typ machte natĂŒrlich ein Fass auf. Ich musste in Bergedorf aussteigen (was ich sowieso vorhatte), und da ich mich nicht ausweisen konnte (mein Perso lag schließlich auch zu Hause), wurde ich vorlĂ€ufig festgenommen (hat der Typ wirklich so gesagt!) und die Bundespolizei wurde angerufen. Nach 40 Minuten Wartezeit waren die dann auch da. Kurze Unterhaltung, einer der beiden Typen funkte meine Personalien durch, bekam kurz darauf als Antwort: „Die ist negativ.“

Keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte, jedenfalls sagte der deutlich Ă€ltere der beiden: „Sie werden jetzt von mir mĂŒndlich verwarnt, weil Sie Ihren Fahrschein nicht dabei hatten, und dann hat sich das hier fĂŒr uns erledigt.“ – Der Typ vom Sicherheitsdienst fragte: „Und stimmen die Personalien nun?“ – Der Ă€ltere Polizist antwortete: „Weiß ich nicht. Sie sind nicht unplausibel. Es liegt nichts gegen die junge Dame vor, wenn sie diejenige ist, fĂŒr die sie sich ausgibt. Wir mĂŒssen davon ausgehen, dass hier nur die Papiere fehlen, es liegt also keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit vor, wir haben keine Handhabe, die Dame lĂ€nger festzuhalten.“ – „Und was schreibe ich nun auf?“ – „Gar nichts“, sagte der Polizist.

Und tschĂŒss. Auf dem RĂŒckweg … stiegen in der Holstenstraße schon wieder Kontrolleure zu. Der Typ schaute mich an und winkte gleich ab. Die stiegen Diebsteich wieder aus und tatsĂ€chlich stiegen in Stellingen nochmal welche ein. Derjenige fragte mich direkt: „Papiere dabei?“ – Ich schĂŒttelte den Kopf. – „Immer dran denken, ja?“ – Ich nickte.

Als ich zu Hause ankam, schaute ich als erstes nach meinem Portmonee und meinen Ausweisen. Alle noch da… Ich hoffe, der zweite Kontrolleur schickt jetzt nicht noch eine Aufforderung, innerhalb von 7 Tagen bei der S-Bahn vorzuturnen und die Papiere zu zeigen. Aber ich hĂ€tte es verdient!