Ganze 80 Fragen

Das wird wieder ein megalanger Text. Sogar mit Anhang. Warum? Weil meine Blogleser so viele Fragen gestellt haben ūüôā und nat√ľrlich auch Antworten bekommen sollen :)). Ich fange mal an…

1. Wie ist deine BH-Größe?

Ich versuche, in 75 C alles unterzubringen…

2. Wie ist der Weg f√ľr jemanden, der darauf angewiesen ist, an solche Sachen wie Windeln, Katheter und anderes Zeugs zu kommen? Wie funktioniert das im organisierten Rahmen, und vor allem so, dass die Krankenkasse die Kosten √ľbernimmt?

Derjenige geht zum Arzt, holt sich eine Verordnung, lässt sich die von der Krankenkasse genehmigen, bekommt von dort einen Lieferanten genannt und vereinbart mit dem, wie oft und was geliefert werden soll.

3. Ist es zutreffend, dass du, obwohl du inzwischen wohl schon die volle Million auf dem Konto haben d√ľrftest, s√§mtliche √∂ffentlichen Verkehrsmittel nutzen darfst, ohne eine Fahrkarte l√∂sen zu m√ľssen?

Menschen, die auch innerhalb der Wohnung sich nur mit Rollstuhl fortbewegen können, erhalten die Erlaubnis dazu, unabhängig von ihrem Einkommen oder Vermögen. Einige andere (wenige) ähnlich eingeschränkte Menschen auch (z.B. Blinde). Das hat ausschließlich mit den Einschränkungen zu tun, nicht mit dem finanziellen Status.

4. Hast du eine Kreditkarte und wenn ja, welche und von welchem Anbieter?

Ich habe ein Kreditkartendoppel meiner Sparkasse (also Visa und Master).

5. Darfst Du eigentlich Thrombose-Str√ľmpfe tragen? Von wegen Druckstellen und so…

Darf ich, die sind ja in der Regel so angefertigt, dass sie nicht an einer Stelle einschn√ľren, sondern gro√üfl√§chig zusammenpressen, das ist kein Problem. Nur sinkt die Thrombosegefahr irgendwann wieder, so dass ich im Alltag diese Dinger nicht brauche und im Krankenhaus die √ľbliche Heparinspritze bekomme.

6. Ist deine Haarfarbe echt, gefärbt (von irgendwas auf blond) oder nachgeholfen (von einem blondähnlichen Ton auf dieses superblond)?

Ich habe sie fr√ľher immer mal aufhellen lassen, mache ich aber nicht mehr.

7. Glättest du deine Haare?

Nein, die sind recht pflegeleicht. Morgens stehen sie manchmal in alle Himmelsrichtungen ab, aber nach dem Duschen ist alles wieder an seinem Platz.

8. Wie schnell schwimmst du so ca.?

Ich schwimme auf der Kurzbahn die 50 Meter Freistil in 43,3 Sekunden. Das ist meine schnellste Trainingszeit, die von der Trainerin gemessen wurde. Ich schwimme aber eher lange Strecken und auch nicht bei Schwimmwettkämpfen, sondern eher beim Triathlon. Wie schnell schwimmst du denn?

9. Inwieweit hat sich Рim konkreten Fall jetzt bei Dir Рder Körper nach dem Unfall verändert?

Ich habe bisher nicht das Pech, dass alles ansetzt, ich treibe aber auch viel Sport und bewege mich viel. Ich kenne gen√ľgend Leute, wo das anders ist. Die Beine sind recht d√ľnn geworden (allerdings zum Gl√ľck auch nicht nur Haut und Knochen), die Arme kr√§ftiger, aber alles in allem sieht das noch √§sthetisch aus. Und ausgeleiert ist da in meinem Alter zum Gl√ľck auch noch nichts. *r√§usper*

10. Wie und wo kannst du so richtig die Welt vergessen? Beim Lesen, Sporteln, Baden..?

In der Badewanne auf jeden Fall, wenn ich im Bett liege, wenn ich am Strand liege, …

11. Hast du noch Kontakt zu Freunden aus der Zeit vor dem Unfall?

Nein. Ich habe zwar neulich mich mal durch ein paar Facebook-Profile geklickt, um mal zu erfahren, was der eine oder andere so macht oder wie sich das Aussehen verändert hat (sofern man das öffentlich sehen konnte), aber das war es auch. Die wenigen Kontakte, die ich nach dem Unfall mit meinen damaligen Freunden hatte, waren allesamt nervig. Auch in Zeiten, wo ich bereits gefestigt war und mit den weit aufgerissenen Augen umgehen konnte.

12. Was denkst du als Rollifahrerin, wenn ein ‚Fu√üg√§nger‘ aus einer Behindertentoilette kommt, hast du schon mal jemanden angesprochen oder gehst du dann einfach davon aus, dass diese Person auch berechtigt ist, die Toilette zu nutzen?

Ich bilde mir ein, das zu erkennen, ob das berechtigt ist oder nicht. Mir ist durchaus bekannt, dass auch einige L√§ufer diesen Schl√ľssel bekommen – und auch zurecht bekommen, meiner Meinung nach. Aber selbst wenn ich glaube, dass das unberechtigt war, bin ich ja nicht die Instanz, die da zu richten hat oder Berechtigungen kontrolliert. Im Hamburger Hauptbahnhof gab es mal eine, die sich da regelm√§√üig ihren Schuss gesetzt hat, darauf habe ich die dort herumlaufende Polizei mal aufmerksam gemacht und ich vermute, die haben ihr den Schl√ľssel abgenommen. Klar muss die auch auf Klo, aber wenn sie da jedes Mal eine Stunde quer im Weg liegt und dort regelm√§√üig alles verdreckt oder da kokelt, … bei der Bahnhofsmission gegen√ľber ist auch eine √∂ffentliche Toilette.

13. Was liest du gerne?

Ich komme nicht zum Lesen.

14. Welche musik hörst du gerne?

Ich h√∂re meistens einen privaten Radiosender, der den √ľblichen Popm√ľll von heute, aber regelm√§√üig auch Dinge aus 1980-2010 spielt. Ich kann aber auch ganz gut in Ruhe sein. Im Moment l√§uft gerade Bow Down Mister von Boy George & Culture Club.

15. Was ist dein lieblingessen und was isst du gar nicht gern?

Alles nudelige finde ich lecker, gerne mag ich verschiedene Nudelsorten mit K√§se √ľberbacken und einer leckeren So√üe, Nudelauflauf sozusagen, Gem√ľsepfannen, ansonsten Salat, aber f√ľr ein Schweineschnitzel oder eine Grillwurst kann ich mich auch begeistern. Als Kind habe ich Suppen gehasst, finde ich inzwischen aber auch lecker. Rotkohl mag ich gerne. Absolut widerlich finde ich Labskaus und alles was glibbert.

16. Kannst du hamburger dialekt sprechen?

Jo!

17. Hast du dich durch deine behinderung verändert?

Ja. Meine Behinderung hat mich um etwa 180 Grad gedreht. Ich war fr√ľher nicht so offen, hatte andere Freunde, war sch√ľchtern, hab mich nicht so f√ľr andere eingesetzt, habe nicht so viel Wert auf gute und tiefgr√ľndige Beziehungen zu anderen Menschen gelegt, hatte ein anderes Verh√§ltnis zu meinem K√∂rper und habe vieles einfach nie hinterfragt. Ich wei√ü aber nicht, ob ich der Behinderung etwas zuschreibe, was vielleicht (in abgeschw√§chter Form) auch aus irgendeinem anderen Anlass passiert w√§re.

18. Möchtest du einmal Kinder bekommen?

Das weiß ich nicht. Im Moment nicht, vielleicht später mal.

19. Wieviel Alkohol trinkst du?

Fast gar keinen. Manchmal ein Bier oder ein Mischgetr√§nk mit Bier, manchmal, wenn ich mit Freunden zusammensitze beim Grillen oder beim Baden am See oder auf einer Feier auch mal mehr als ein Bier, aber mehr als f√ľnf Flaschen Biermischzeugs an einem Abend habe ich noch nie getrunken. Ich war auch noch nie so besoffen, dass ich Stuss gelabert oder gekotzt habe. Und wenn ich Auto fahren muss, trinke ich nicht einen Tropfen. Mein Lappen ist mir heilig.

20. Hast du schonmal Gras geraucht?

Nein.

21. Welches Betriebssystem hast du auf deinem Rechner zu Hause installiert?

Das siebte gefensterte.

22. Wei√üt du, ob dieses Begleitfahrzeug eine Sondergenehmigung haben muss und wei√üt du, ob diese Stra√üensperren etwas kosten? M√ľsst ihr eine Erlaubnis haben, wenn ihr auf √∂ffentlichen Stra√üen unterwegs seid bzw. in dem gesperrten Abschnitt? Regelt das alles der Verein oder m√ľsst ihr euch selbst drum k√ľmmern und was kostet sowas?

Das wird √ľber den Verein geregelt und ich wei√ü nicht, was das kostet. Wenn wir im √∂ffentlichen Stra√üenverkehr trainieren, brauchen wir eine Ausnahmegenehmigung; wenn wir die Stra√üe sperren, auch.

23. Hat sich seit deinem Unfall deine Einstellung zu K√∂rperfl√ľssigkeiten ge√§ndert?

Ja. Fr√ľher habe ich mich mehr vor allem m√∂glichen geekelt.

24. Wie ist momentan das Verh√§ltnis zu deinen Eltern? Gibt es √ľberhaupt eins?

Zum Vater nicht, die Mutter versucht hin und wieder, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, schreibt Postkarten, dreht aber insgesamt am Rad. Ich antworte nicht.

25. Was ist aus der Sache mit der nicht weitergeleiteten Zahlung der Versicherung an deinen Vater geworden?

Die pr√ľfen noch.

26. Ich lese, dass ihr Rollifahrer da Anscheinend ein ganz anderes Verh√§ltnis zur Nacktheit habt. Wenn Du von deinen Katherterm√§usen schriebst, die sich beim Training oder beim Rennen eben mal schnell in der Halb-√Ėffentlichkeit selbst kathetern, werd ich schon rot wenn ich das nur lese. Vorallem wenn ich bedenke, dass da ja auch andere Fu√üg√§nger sind und ihr ja auch nicht unbedingt eine reine M√§dchengruppe seid, oder? Seht ihr Euch als Rollifahrer h√§ufig untenrum nackt oder beobachtet Euch insgeheim, wenn mal wieder jemand kathetern muss, wenn Windeln an- oder ausgezogen werden, wenn man sich zum Schwimmen am Strand fertig macht?

In meiner Clique ist es so, in einigen anderen Sportgruppen, die ich bei Camps o.√§. kennen gelernt habe, ist es auch so, das muss aber nicht √ľberall so sein. Ich denke, es kommen viele Faktoren zusammen. Als gesunder, nicht behinderter Fu√üg√§nger muss man sich ja eigentlich nirgendwo ausziehen. Wenn du aber als frischer Querschnitt ein paar Monate im Krankenhaus liegst und da gepflegt wirst oder wenn du von Geburt an eine Behinderung hast und Therapien bekommst, bekommst du ein anderes Verh√§ltnis zu den Dingen. Und mit wem spricht man √ľber irgendwelche Probleme? Doch mit Freundinnen, von denen man wei√ü, dass sie die gleiche Behinderung haben. Und es gibt auch wirklich nette Jungs, die auch sehr einf√ľhlsam sein k√∂nnen und insgesamt ist die Szene sehr offen und direkt. Wir beobachten uns da nicht bewusst, aber wir verstecken uns auch nicht.

27. WARUM willst du eigentlich diese Fragen h√∂ren und beantworten? Hast du „Mitleid“ mit den Leuten? Hoffst du dadurch weniger solche Fragen in anderen Beitr√§gen zu erhalten? Willst du sehen, wer sich alles hier rumtreibt? Findest du die Fragen so lustig oder interessant? Macht es dir Spa√ü oder erregt es dich, hier √ľber intime Themen zu schreiben?

Wie schon im Eingangsbeitrag gesagt, ich m√∂chte insbesondere einzelne Kommentare einer bestimmten Geschmacksrichtung vermeiden, die sonst regelm√§√üig zusammenhangslos gepostet werden. So sind alle diese Fragen erstmal f√ľr das n√§chste halbe Jahr beantwortet, so dass auch nicht mehr nachgefragt werden muss. Hat ganz gut funktioniert, der Deal, beim letzten Mal. Und es ist eine gute M√∂glichkeit, zu erfahren, was meine Leser so interessiert – ich will ja auch die Gedanken meiner Leser kennen und wissen, auf was f√ľr Fragen oder Ideen jemand kommt, der meine Texte liest. Und was interessiert. Und was nicht. Und wer das hier aus welchem Grund liest. Erregen tut es mich jedoch nicht.

28. Was hast du alles in deiner Geldbörse (in diesem Moment, wo du die Frage beantwortest, und hey, nix vorher rauspacken!)???

Ein 20-Euro-Schein, eine Visa-, eine Master- und eine EC-Karte, ein Blutgruppenausweis, ein Mitgliedsausweis von meinem Sportverein, eine Guthabenkarte vom Schwimmbad, eine ADAC-Mitgliedskarte, eine Karte von meiner Autoversicherung, eine Bahncard 25, ein Perso, ein F√ľhrerschein, eine Zulassungsbescheinigung, ein Schwerbehindertenausweis und 7,83 Euro in M√ľnzen.

29. Was f√ľr ein Verh√§ltnis hast du zu deinen Beinen? Sind sie noch „Teil von dir“? Bist du freundlich zu ihnen oder sind die dir vollkommen egal?

Sie sind Teil von mir und ich behandle sie ganz normal.

30. Schreibst du außer dem Blog hier auch noch andere Sachen?

Nein.

31. Wenn ihr nachts traniert, wie schaffst du das?

Nur, wenn ich am Tag danach ausschlafen kann. Der m√ľde Punkt ist bei mir meist so gegen 0.30 Uhr, ab 1.00 Uhr bin ich wieder fit.

32. Kannst du mir das vielleicht bissl erklären was hier zb. Th7 bedeutet?

Th7 ist der 7. Brustwirbel. Um zu verstehen, was bei einer Querschnittlähmung vor sich geht und inwieweit die Lähmungshöhe darauf Einfluss nimmt, muss man sich intensiv mit dem Thema befassen. Es gibt zum Beispiel bei Wikipedia einen guten Artikel.

33. Du hast mal davon geschrieben, deine Fotoausr√ľstung aufzustocken (DSLR) Schon eine Besorgt? Wenn ja: welche und wie bist Du zufrieden?

Ich habe mir inzwischen die 60D von Canon gekauft und bin bisher sehr zufrieden. Habe aber noch nicht viele Gelegenheiten gehabt, zu fotografieren und sie ist auch erst wenige Wochen alt.

34. Weiß Markus von deinem Blog und was hält er davon?

Er wei√ü davon, ich schreibe √ľber ihn nur Dinge, von denen ich wei√ü, dass ich sie schreiben darf; er selbst sagt immer, er k√∂nnte sich nicht vorstellen, andere, wildfremde Menschen an seinem Leben so intensiv teilhaben zu lassen, aber er respektiert es und redet mir nicht rein.

35. Schreibst du deine Beitr√§ge um eure Treffen herum oder gibt es auch Tage, an denen er auf dem Sofa/Bett/am K√ľchentisch sitzt und du schreibst?

Wenn ich Zeit mit ihm verbringe, schreibe ich nichts. Sondern erst hinterher oder eben vorher. Es sei denn, er zieht sich zur√ľck, weil er noch was am Laptop arbeiten muss o.√§.

36. Hast du schon jemanden √ľber dein Blog n√§her kennen gelernt und dich sogar mit einer Person angefreundet?

Es gibt einige wenige intensive Internetkontakte, ich bekomme regelmäßig Mails von einzelnen mir bis dahin unbekannten Lesern und es gibt einige, die meinen Blog kennen bevor sie mir das erste Mal begegnen, wie zum Beispiel dieser Prof neulich. Aber dass mich jemand nur aufgrund meines Blogs persönlich kennenlernen wollte, hatte ich noch nicht und das möchte ich auch nicht.

37. Magst du Wollsocken?

M√∂gen nicht, ich finde sie im Winter recht n√ľtzlich. Ich brauche nur auch jemanden, der sie strickt, denn selbst stricken … dazu habe ich meistens keine Zeit.

38. Welche Zahnpasta benutzt du?

Aktuell blend-a-med classic.

39. Kannst du stricken?

Es kommt etwas dabei raus, aber es ist nicht mein Hobby und ich habe auch nicht die Zeit daf√ľr.

40. Wie alt ist dein Handy?

Inzwischen knapp 2 Jahre. Und es funktioniert noch und es hat kein Internet. Wahnsinn.

41. Welche Musik magst du und warst du schon mal auf einem Konzert? Oder findest du das doof weil du zB nicht direkt vor der B√ľhne stehen kannst?

Ich habe sogar schon auf der B√ľhne gestanden, an der Seite hinter einer Wand und bekam ein pers√∂nliches Interview, ohne dass ich darum gebeten hatte. Die S√§ngerin sprach mich einfach an, w√§hrend eine Vorband spielte und fragte mich, wie es mir ginge und ob meine Freundin und ich den Sound hier ausreichend f√§nden oder ob wir Kopfh√∂rer haben wollten. Dann wollte sie wissen, ob wir genauso aufgedreht seien wie sie. Sie w√ľrde jetzt am liebsten 20 Flicflacs machen, h√§tte aber Angst, das sie dabei ihre Verkabelung verliert. Das war total lustig. Und wir waren einmal bei einem (√§lteren) Komiker, der hat sich erstmal mit uns allen (wir waren 6 oder 7 Leute) in einem Nebenraum fotografieren lassen (oder wir mit ihm), das war auch total toll. Bei Open-Air-Konzerten gibt es meistens am Rand eine Extra-Trib√ľne f√ľr Rollifahrer, das finde ich meistens okay. Zuletzt war ich bei Lotto King Karl. ūüôā

42. Wie findest du es, dass man in manchen Sportarten jahrelang trainiert um zu Paralympics zu fahren und in anderen fängt man den Sport erst 2 Jahre vorher an und es klappt trotzdem?

Das liegt in der Natur der Sache. Wenn man alleine beim Schwimmen 10 Behinderungsklassen und gef√ľhlte 20 Altersklassen hat, fallen da nat√ľrlich mehr und schneller Medaillen ab als beim Rollibasketball. Ich finde das recht ungl√ľcklich gel√∂st, das wertet diese einzigartige Veranstaltung etwas ab. Aber ich wei√ü da auch keine bessere L√∂sung – ich hoffe, das relativiert sich selbst irgendwann dadurch, dass immer mehr L√§nder und Athleten an der Veranstaltung teilnehmen. Mit einer konkurrenzlos „erk√§mpften“ Medaille wagt sich aber innerhalb der Szene niemand ernsthaft zu schm√ľcken.

43. Benutzt du hier im Blog die echten Namen, wenn du von Leuten erzählst, oder gibst du ihnen andere Namen?

Ich benutze, von meinem eigenen Namen abgesehen, niemals echte Namen. Cathleen hei√üt zum Beispiel nicht Cathleen, sondern hat einen viel k√ľrzeren Namen, sagte mir aber, dass sie Cathleen toll findet. Bei Mitsch√ľlern nenne ich entweder gar keine Namen oder verwende einen, der in irgendeiner Assoziation mit der Person steht – wie bei Zeitungsberichten. Es m√ľsste also immer drunter stehen: Namen von der Redaktion ge√§ndert. ūüôā

44. Mich w√ľrde interessieren, ob du dir keine Sorgen oder Gedanken machst, wenn du √ľber Leute in deinem Blog schreibst. Manche Dinge sind ja doch recht pers√∂nlich, oftmals berichtest du ja auch von seltsamen Begebenheiten aus deinem Verein o.√§., und das sind ja nicht immer positive Dinge. Ich h√§tte da, ehrlich gesagt, irgendwie viel zu viel Angst, dass sich jemand da mal deswegen beschwert oder schlimmeres… Oder hast du das mit Frank abgesprochen?

Bei sensiblen Dingen lasse ich mindestens eine weitere Person dr√ľberlesen, oft auch den oder die Betroffene und lasse mir die Erlaubnis geben, bei rechtlich brisanten Themen auch Frank – aber ansonsten schreibe ich das, was ich denke. Die meisten Dinge, die hier stehen, sind kein Geheimnis. Ich sage Leuten mitunter auch direkt, was ich von ihnen halte. Das lesen sie nicht erst in meinem Blog, sofern sie ihn lesen. Und ansonsten hilft: Immer bei der Wahrheit bleiben, dann kann sich auch niemand beschweren. Ach, und: Auch andere Leute haben Sex oder masturbieren. Und machen trotzdem einen guten Job. ūüėČ

45. Wie denkst du √ľber das Thema „Freunde“? Was w√ľrdest du selber √ľber dich sagen – hast du viele Freunde, nur Bekannte, einige wenige, eine allerbeste Freundin der du alles erz√§hlen kannst, etc…?

Freunde sind sehr wichtig. H√§tte ich keine, w√§re ich ein einsamer Mensch und vermutlich sehr ungl√ľcklich. Fr√ľher war ich eher eine Einzelg√§ngerin, obwohl ich auch Freunde hatte. Ich habe heute einige sehr enge Freundinnen und Freunde, denen ich alles erz√§hle, aber auch viele lose Bekanntschaften, die ich hin und wieder mal treffe etc.

46. Auf welcher Ecke wohnst du?

Derzeit wohne ich im Nordwesten Hamburgs zwischen Volkspark und Niendorf, wenn das mit dem WG-Umzug alles klappt, werde ich bald östlich der Altstadt wohnen.

47. Wie findest du die Barrierefreiheit in HH?

Es bessert sich, gerade bei den √∂ffentlichen Verkehrsmitteln, aber es ist an vielen Ecken immernoch beschissen. Wenn man mit der S2 von Bergedorf nach Altona f√§hrt, sind auf dieser Strecke 14 Stationen und davon gerade mal 4 barrierefrei. Fahre ich jedoch mit der S1 von Wedel nach Altona, sind da 10 Stationen und davon alle bis auf eine barrierefrei. Ich habe das Gef√ľhl, gerade bei Neubauten sind die Verantwortlichen so langsam aufgewacht. Aber vieles, auch Neues, ist immer wieder atemberaubend chaotisch.

48. Kannst Du Dir vorstellen, den Blog irgendwann mal nicht mehr zu schreiben?

Im Moment möchte ich ihn weiterschreiben.

49. Was denkst Du √ľber die Leute, die deinen Blog lesen?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten weil es ja ganz verschiedene Leute sind, die das aus ganz unterschiedlichen Motivationen lesen.

So. Zur 50. Frage ist es nicht mehr gekommen. Beziehungsweise: Die Fragen 50 bis 80 habe ich hier beantwortet, um allen, die leicht err√∂ten, die Chance zu geben, nicht zu klicken. Wetten, es klicken doch alle? ūüėČ

9 Gedanken zu „Ganze 80 Fragen

  1. Hm, ich schwimme nur zum Ausgleich, und weiß daher nur, dass ich in einer Stunde ca 2,2 bis 2,5 km schaffe, je nach Trainingszustand und Laune:)
    Aber ich werde mal versuchen zu stoppen, wenn ich dran denke!

  2. Vielen Dank f√ľr Deine Antworten und insgesamt f√ľr Dein Blog. Wollte ich schon lange mal sagen.

    Ich habe selber keine Frage gestellt, es gab ja schon genug, aber ich habe die Antworten mit Interesse gelesen.

    Ich finde das hier eine wirklich tolle "Veranstaltung". Erstens ist es einfach interessant zu lesen, was Du so erlebst, weil Du sch√∂n schreibst und Dir eine ganze Menge spannender Dinge passieren. Zweitens ist f√ľr mich als Fu√üg√§ngerin wirklich n√ľtzlich, Deinen fr√∂hlich-sachlich-informativen Umgang mit der Behinderung zu lesen; man erf√§hrt so viel und bekommt eine Vorstellung und wird sich vielleicht auch im Alltag ein bi√üchen weniger unbeholfen benehmen, wenn man mit Rollifahrern o.√§. zu tun hat.

    Und nicht zuletzt finde ich Deine Art grandios, so offen √ľber k√∂rperliche Sachen und Sex zu schreiben. Eben nicht, weil ich es erregend finde; manchmal lese ich auch √ľber eklige Abschnitte weg, die ich mir nicht SOO genau vorstellen will. Aber ich finde (wie Du hier ja auch mehrfach schreibst), Menschen gehen nunmal auch aufs Klo, Menschen haben halt auch Sex, und ich find es so entspannend und …menschlich, auch dar√ľber ganz normal zu sprechen und zu erz√§hlen. Und da gehst Du imho mit ungemein gutem Beispiel voran.

  3. Hey Jule,
    ich meld mich jetzt auch mal zu Wort ūüėČ
    Ich les hier schon seit ein paar Monaten mit und hab alle, also wirklich alle deine Beiträge gelesen. Ich find du schreibst total gut und ich freu mich immer wie ein Honigkuchenpferd wenn es einen neuen Blogeintrag von dir gibt^^
    Ich finds ja immer total beeindruckend irgendwo junge Leute im Rollstuhl zu sehen, die sich nicht aufgegeben haben und ihr Leben in die Hand nehmen… und bei dir scheint das auch so zu sein. Echt super.. total interessant das Leben mal aus der anderen "Perspektive" zu sehen.. mir w√ľrde zum Beispiel im Traum nicht mehr einfallen auf einem Behindertenparkplatz zu parken, weil ich echt verstanden habe, dass ihr den Platz braucht.
    Und was du auch wissen "solltest" – ich hab heute Nacht von deinem Blog getr√§umt ūüėČ und zwar war ich (in meinem Traum) im Schwimmbad und hab mich da mit einem jungen M√§del unterhalten, das auch querschnittsgel√§hmt war. Ich hab sie dann gefragt, ob sie eigentlich auch den Blog von Jule, der Stinkesocke kennt und sie meinte dann jaaa, nat√ľrlich, DEN Blog kennt doch jeder, der ist super^^ das war auch schon alles ūüėČ
    Liebe Gr√ľ√üe und mach weiter so(:
    Ina, 18-jährige Abiturientin aus Bayern =)

  4. Hallo Jule!

    Ich habe in den letzten drei Tageb deinen kompletten Blog gelesen. Ich bin begeistert. Dein Blog könnte auch als Buch durchgehen und damit war es das beste "Buch", das ich seit langem gelesen habe. Ich will hier nicht rumschleimen, aber ich bin tief beeindruckt von deinem Leben. Mach weiter so! Ich bin wahnsinnig gespannt wie es bei der Uni weitergeht!

    Liebe Gr√ľ√üe von einer Ex-Hamburgerin

  5. Hi Jule,

    auch wenn die Fragen-Zeit eigentlich vorbei ist, ist mir vor ein paar Tagen bei der Lekt√ľre eines Zeitungsartikels zum Thema Inklusion noch eine Frage an dich eingefallen, die mich wirklich sehr interessiert. Sie hat auch nichts mit irgendeinem (bei mir sowieso nicht vorhandenen) Windel-Fetisch oder √Ąhnlichem zu tun.

    Nach der Lekt√ľre deines Blogs habe ich den Eindruck, dass du in deiner Freizeit √ľberwiegend Kontakt mit anderen behinderten Menschen, bzw. insbesondere Rollstuhlfahrern hast (WG, Sport, usw.)… und auch die anderen Rollstuhlfahrer aus deinem Umfeld scheinen sehr viel unter Ihresgleichen zu sein.
    Ist dieser Einduck richtig? – Wenn ja, komme ich jetzt zu meiner eigentlichen Frage:

    Warum glaubst du, dass das so ist?
    Haben nicht behinderte Menschen zu viele Vorurteile und Vorbehalte? Begegnen sie dir mit zu viel oder zu wenig R√ľcksichtnahme und Verst√§ndnis gegen√ľber deiner Behinderung? Gibt es zu wenig M√∂glichkeiten f√ľr dich, mit nicht behinderten Menschen Kontakt zu haben? Oder hast du aus irgendwelchen Gr√ľnden wenig Interesse am Kontakt mit nicht behinderten Menschen?

    Nun noch etwas √ľber mich und den Grund, warum mich diese Frage besch√§ftigt:
    Ich bin ein 23-j√§hriger Student aus Baden-W√ľrttemberg und lese deinen Blog fast von Anfang an und habe ja auch schon einige deiner Beitr√§ge kommentiert. Einerseits beeindruckt mich deine rasante Entwicklung trotz aller Widrigkeiten von der jammernden Stinkesocke zu einer optimistischen, selbstbewussten, starken und reifen jungen Frau und andererseits finde ich es einfach immer wieder interessant, etwas von deinen Erlebnissen zu erfahren (manches freut mich, manches regt mich auf, usw.)

    Famili√§r bedingt habe ich schon immer mit behinderten Menschen zu tun (allerdings √ľberwiegend mit geistig behinderten Menschen, die oftmals "zus√§tzlich" noch k√∂rperlich behindert sind), weshalb ich kaum "Ber√ľhrungs√§ngste", Vorbehalte, usw. gegen√ľber behinderten Menschen habe und weshalb ich mich auch mit dem Thema Behinderung besch√§ftige.

    H√§ufig sehe ich aber, wie andere Menschen hier erhebliche Ber√ľhrungs√§ngste, Vorbehalte, Vorurteile, usw. haben und sehe auch teilweise, wie behinderte Menschen relativ wenig mit ihrem nicht behinderten Umfeld zu tun haben. Ich sehe, wie behinderten Menschen teilweise durch √ľbertriebene Betreuung und Bevormundung die Teilhabe am "normalen" gesellschaftlichen Leben erschwert wird, usw.
    Gleichzeitig kenne ich aber auch zwei Gegenbeispiele von k√∂rperlich behinderten Menschen, die einen gro√üen Freundeskreis von nicht behinderten Menschen haben, obwohl zumindest einer der beiden aufgrund seiner Behinderung auf relativ viel Verst√§ndnis, R√ľcksicht und Hilfe von seinen Freunden angewiesen ist, wenn er z.B. mit ihnen auf einer Party ist.

    Deshalb w√ľrde es mich auch die andere Perspektive interessieren – also wie du das Thema Umgang mit der (√ľberwiegend nicht behinderten) Gesellschaft siehst, da ich selbst ja nur als Au√üenstehender gewisse Eindr√ľcke sammeln kann.

    Ich w√ľrde mich wirklich sehr freuen, wenn du meine Frage beantworten w√ľrdest.

    Gruß
    Banane

  6. Ich lerne Deutsche Geb√§rdensprache, weil mich Sprachen interessieren. Die Geh√∂rlosen bzw. die Geb√§rdensprachkompetenten, sagt man, und ich sehe das auch, bilden ja eine eigene Kulturgemeinschaften. Wegen der vielen Gemeinsamkeiten, die eben der Durchschnittsmensch nicht mit ihnen teilt. Sowas kommt dann ja ganz von alleine. Ich k√∂nnte mir das jetzt mit meiner 3-t√§gigen passiven angelesenen "Erfahrung" bei den Rollis/Queris (ach nee, Schnittis heisst das wohl ;)/Spifis/Spastis √§hnlich vorstellen – da ist eine Kulturgemeinschaft, und wegen der vielen gemeinsamen Erfahrungen hat man halt vorwiegend Freunde aus der gleichen Kulturgemeinschaft. Nicht unbedingt nur wegen Vorbehalten, Vorurteilen und Ber√ľhrungs√§ngsten.

    Ich finde das eine schöne Perspektive.

  7. Vielen lieben Dank f√ľr die ganzen Antworten. Und die BC deutete darauf hin, ich habs nachgelesen, ICE mu√üt Du auch zahlen. Also war die Rose f√ľr Markus letzt ja echt eine h√∂chst romantische Aktion *Herzchen-Smiley vermiss*
    Wegen dem keine Leute √ľber Blog kennelernen wollen: h√§tt ich das eher geselen, h√§tt ich die Ideen rund um Meet&Greet nicht geschrieben, Betrachte sie als gegenstandlos.

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