Guten Rutsch 2013

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Zehn Stunden Sonne, angenehme 24 Grad, etwas Wind, links von mir weißer Sand, rechts von mir weißer Sand, warmes Meer, kein Lärm, entspannte Leute, keine Böller – ich glaube, ich habe noch nie einen so entspannten Silvestertag erlebt!

Mir tut es sehr gut, mal für ein paar Tage nur Leute in meiner Nähe zu haben, die mich nicht irgendwie nerven oder ärgern. Gerade in letzter Zeit hatte ich öfter mit nicht altersentsprechendem Verhalten meiner Mitmenschen zu tun, und ich habe mir, mit etwas Abstand zu den Ereignissen des zweiten Weihnachtstages, als Vorsatz für das neue Jahr vorgenommen, auf solche Dinge künftig etwas egoistischer zu reagieren.

Ich muss in diesem Jahr noch ein wenig schwere Kost verdauen, denn fehlen darf der zweite Weihnachtstag in meinem Blog nicht: Marie hatte einige Leute vom Sport (gruppenübergreifend) zum Weihnachts-Brunch eingeladen. Unter anderem war ein Sportkollege dabei, der kein Rollstuhlfahrer ist. Er legt immer sehr, sehr schüchternes Verhalten an den Tag. Ich möchte gar nicht wissen, ob es dazu vielleicht sogar eine Diagnose gibt, da ich den Menschen sehe: Einen Mann Anfang 20, auffallend lange Haare, die er stets offen trägt, eher groß, recht athletisch gebaut. Er fällt mir regelmäßig durch eine große Hilfsbereitschaft auf. Ich kenne ihn nur vom Rennbike-Training, er trainiert auf dem Rennrad in einer parallel stattfindenden Fußgängergruppe, Marie hatte ihn zum Weihnachtsbrunch eingeladen, weil sie ihn nett findet.

Und zwei Leute „vor Ort wieder ausgeladen“, um genau zu sein: Ein Pärchen durfte gehen. Oder fahren, denn die beiden sitzen im Rollstuhl. Sie trainieren nicht mit uns, sondern sind uns (oder mehr Marie) aus der „Rolliszene“ bekannt. Und können auch nett sein. Marie hat den beiden kurzerhand beim Essen die Teller aus der Hand genommen und sie aufgefordert, die Party auf direktem Wege zu verlassen. Ich hatte das erst nicht richtig mitbekommen, aber was sie mir nachher erzählte, … wie gesagt, ich bin froh über den Abstand, den ich im Moment nach Hamburg habe.

Hauptsächlich der männliche Teil des Paares hat wohl keine Gelegenheit ausgelassen, um über diesen jungen Mann abzulästern. Dieser junge Mann verhält sich halt ein wenig auffällig, gerade wenn unbekannte Leute da sind. Er kommt immer schon sehr früh, ich vermute, um zu vermeiden, dass er auf andere Leute zur Begrüßung zugehen muss. Wenn dann doch schon jemand da ist, dann läuft er ein paar Mal im Sichtbereich dieser Gruppe auf und ab und traut sich nicht, sich den anderen Leuten zuzuwenden und sie zu begrüßen. Ich kenne das schon vom Sport, ich mache dann immer kurzen Prozess, rolle auf ihn zu und rede dabei schon mit ihm, mache ihm deutlich, dass ich ihn gesehen habe und mich über seine Anwesenheit freue: „Hallo XY, schön, dass du da bist, bist du gut durchgekommen?“ – Dann gebe ich ihm die Hand und danach ist alles gut. Dann kommt er mit, setzt sich neben mich oder stellt sich zu einer bereits bestehenden Gruppe dazu oder ähnliches. Es braucht halt diesen einen Anschub, und ganz ehrlich: So oft, wie ich mal einen Schubs bei einer Stufe brauche, wo ist das Problem, den jungen Mann an seiner „Grenzlinie“ abzuholen?

Ich sehe darin jedenfalls kein Problem. Nicht nur, weil ich als Rollstuhlfahrerin hin und wieder mal Hilfe brauche. Sondern auch sonst. Genauso, wie man ihm sagen muss: „Nimm dir auch was zu essen! Das Buffet ist für alle da!“ – Er fragt auch nicht, wo das Klo ist, sondern ob er es benutzen darf. Besagtes Pärchen (oder vielmehr der männliche Part des Pärchens) sah wohl, wie dieser junge Mann sich nicht traute, rein zu kommen oder zu klingeln, und meinte dann: „Wollen wir ihn mal zwei, drei Stunden vor der Tür rumtickern lassen? Mal sehen, wann er Hunger hat und doch noch klingelt.“

Auf ein scharfes „das finde ich jetzt gerade überhaupt nicht witzig – Jule kannst du ihm mal die Tür aufmachen?“ von Marie kam dann, so erzählte sie mir später: „Okay, therapeutischer Ansatz. Wir zählen, wie oft er da draußen im Kreis rennt und je angefangenes Dutzend muss er einmal klingeln, und für jedes Mal Klingeln darf er sich eins von diesen süßen kleinen Fruchtstückchen von der Platte nehmen.“

Es soll Leute geben, die sowas nach ihrem 5. Bier am frühen Morgen lustig finden. Entsprechend gab es wohl Gelächter, und auf Maries bösen Blick fing der weibliche Teil des Pärchens an, zu beschwichtigen: „Jetzt mal im Ernst, dass dem so ein kleiner Ziehfaden aus der Mütze hängt, kann doch niemand abstreiten. Er ist ja ganz nett und das ist auch überhaupt nicht böse gemeint, aber der Haschi ist doch offensichtlich.“

Daraufhin hat Marie erst ihr und dann ihm, selbst noch halb kauend, den Teller vom Schoß genommen und dann gesagt: „Es gibt immer mal so Momente, da muss man als Gastgeberin Entscheidungen treffen. Dieses ist so ein Moment und ich habe mich entschieden, meine Einladungslite zu überdenken und ohne euch beide weiter zu feiern.“

Reaktion von ihm: „Okay?! Wenn du meinst, dass deine Reaktion angemessen ist, … bitte. Ich finde, du machst dich gerade ein bißchen lächerlich, aber es ist deine Party und dein Haus. Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß, die Stimmung anschließend wieder über den Nullpunkt zu heben.“

Marie ließ sich zu einer weiteren Antwort provozieren: „Es ist nicht mein Haus, sondern das meiner Eltern, und ihr könnt beide froh sein, dass sie das nicht gehört haben.“ – Während die beiden sich betont langsam die Jacken überzogen, machten sie noch weitere 20 Sprüche, anschließend verschwanden sie und keine zwei Stunden später war in einem sozialen Netzwerk unter einem Foto zu lesen: „Spontan ein bißchen Weihnachten feiern mit … und … und … und … und … an der Elbe bei wunderschönem Wetter und drei Thermoskannen Glühwein.“

Nun denn, wir hatten keinerlei Probleme, die Party ohne Glühwein wieder in einen positiven Stimmungsbereich zu schieben. Irgendwie hatte niemand mehr Lust, über dieses Thema weiter zu diskutieren. Dennoch dauerte es nicht lange, bis der junge Mann mitbekommen hatte, was da los war. Seine Reaktion: „Hätte ich das gewusst, wäre ich gar nicht erst gekommen.“ – Maries Antwort: „Gut, dass du es nicht gewusst hast. Dass ich die beiden an die Luft gesetzt habe, hat weniger was mit dir zu tun. Gerade in meinem Zuhause dulde ich keine Ausgrenzung. Und gerade wegen meiner Behinderung bin ich da sehr sensibel.“

Am Abend verblieben noch ganz wenige Leute, vier insgesamt, zu einer gemeinsamen Sauna-Nacht. Der war wiederum richtig nett und eine tolle Einstimmung auf die wärmende Sonne in Dubai.

Für mich war das der letzte Beitrag in meinem Blog im Jahr 2013. Es war mein fünftes Blog-Jahr. Und wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Es ist aber gerade nicht am schönsten, sondern es gibt noch viele, viele Dinge, die schöner sein könnten. Darum mache ich weiter und schreibe weiterhin über mein Leben und alles, was mich so bewegt. Ich freue mich über die vielen Leserinnen und Leser, die mir und meinem Blog auch im Jahr 2014 treu bleiben wollen und wünsche allen einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr!

Eine Woche Urlaub

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Der Winter ist in Norddeutschland derzeit -zum Glück des rollenden Volkes- kein richtiger Winter. Von ein paar Hagelkörnern und etwas Schneegriesel im Zusammenhang mit dem Sturmflut-Orkan am Anfang dieses Monats abgesehen, hatten wir in Hamburg in der letzten Woche Temperaturen deutlich über 10 Grad. Plus.

Als Maries Eltern ihren Winterurlaub gebucht haben, hätten sie nicht damit gerechnet, dass es am Strand von Dubai im Dezember kälter sein könnte als am Strand von Scharbeutz. Marie fliegt sowieso gerne mit in den Familienurlaub, ich wurde zum zweiten Mal gefragt. Nach den Erlebnissen im letzten Jahr warte ich mit der Antwort höchstens aus Bescheidenheit länger als zwei Sekunden.

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass es in den Vereinigten Arabischen Emiraten einige Menschen gibt, die viel Geld haben, und die zur Behandlung schwerwiegender chronischer Krankheiten nach Deutschland kommen. Es ist nicht unüblich, dass diese sich auf der Privatstation einer angesehenen Klinik ein Zimmer mieten und sich dort vom Chefarzt behandeln lassen – koste es, was es wolle. Teilweise schließen Kliniken zu solchen Anlässen sogar kurzfristige Arbeitsverträge mit allen möglichen fachlich versierten Leuten aus dem örtlichen und überörtlichen Dunstkreis, stellen also nur für den einen Patienten ein optimales Team zusammen. Wenn sich so etwas wirtschaftlich rechnet, kann ich mir vorstellen, welche Summen dabei fließen. Nicht selten kommen die betroffenen Menschen regelmäßig wieder nach Deutschland, bringen teilweise sogar Freunde und Familie mit.

Nicht selten ergeben sich dadurch aber auch persönliche Kontakte. Und so kann es dann passieren, dass man sich eine Woche lang ein 200 m² großes Haus in einer Ferienanlage leisten kann, das sonst für eine Woche mal eben 8.500 € kostet. Pro Person, versteht sich. Mir wäre dieser Luxus so viel Geld nicht wert, mir reicht auch eine Luftmatratze in einer Turnhalle. Aber: Ich verzichte natürlich nicht darauf, wenn ich ihn nutzen darf. Und nachdem ich es im letzten Jahr schon sehr luxuriös fand, als wir „lediglich“ eine Hotelsuite hatten, habe nicht schlecht gestaunt, als ich vor Ort realisierte, wo wir eine Woche lang wohnen werden. Nein, Marie und ihre Eltern würden so viel Geld ebenfalls nicht ausgeben. Maries Mutter stellte schon auf dem Flug klar, dass sie eingeladen worden sind und ein wohlhabender Patient die Unterbringung über Vitamin B eingefädelt hat. Trotzdem: Alleine der Flug wird pro Person schon vierstellig und ich bin ehrlich gesagt (nicht nur deshalb) sehr gerührt, dass sie mich dabei haben möchten und mich dazu einladen.

Diese Ferienanlage ist ins Meer hinein gebaut und steht teilweise auf Stelzen, was dazu führt, dass Marie und ich in unserem Overwater-Schlafzimmer eine Glasplatte im Fußboden haben, durch die man die Fische beobachten kann. Falls gerade welche vorbei kommen. Zieht man die Vorhänge auf, hat man gute Chancen, eine zu hohe Welle schon aus 10 Kilometern Entfernung zu erkennen. Und dass zu diesem Haus auch eine riesige Strandterrasse und privater Pool direkt vor den beiden Schlafzimmern gehört, wir uns zu viert eine eigene Jacuzzi teilen, kostenlos zwei Fitness-Center mit täglich einem Ganzkörper-Massage-Termin nutzen dürfen, grenzt schon an Wahnsinn.

Der Hammer ist eine 10.000 m² große Poolanlage, die aus drei großen Abschnitten besteht und die nicht nur einen eigenen Sandstrand, sondern auch verschiedene ins Wasser eingelassene Massageliegen hat. Hin und wieder schwimmt ein ferngesteuertes Schiff vorbei, auf dem Cocktails oder Obstgläser stehen. Man stellt einfach sein leeres Glas drauf und nimmt sich ein neues Glas runter. Nein, ich träume nicht und es ist auch keine Märchenstunde. Cool ist auch die Swim-Up-Bar, an der man sich bequem auf einen im Wasser verankerten Stuhl setzen kann. Die Theke ist gleichzeitig der Abschluss des Beckens, so dass die Bedienung auf der anderen Seite der Theke im Trockenen läuft und alles serviert, was man haben möchte. Man selbst sitzt bis zum Bauch im Wasser und wenn man ausgetrunken oder aufgefuttert hat, schwimmt man einfach weiter. Bis wir wieder zurück nach Deutschland fliegen, wachsen Marie und mir vermutlich noch Schwimmflossen.

Um ins Meer zu kommen, muss man nur aus der Terrassentür und dann über den Strand. Am ersten Tag sind Marie und ich gekrabbelt, am zweiten Tag hatte man von unserer Terrasse bis drei Meter vor das Wasser ineinander verhakte Plastikplatten verlegt. Keine Ahnung, ob das Hotelpersonal das nachts gemacht hat, sie lagen da jedenfalls plötzlich. Für Silvester sind wir zu einem Galadinner eingeladen – es wird das erste in meinem Leben.

Leider hat an den ersten beiden Tagen das Wetter absolut nicht mitgespielt. Als wir ankamen, regnete es bei 11 Grad. Man muss dazu wissen, dass die durchschnittliche Nachttemperatur im Dezember bei 15 Grad liegt und die durchschnittliche Tagestemperatur bei 26 Grad. Und es gibt statistisch einen einzigen Regentag im Monat. Den hatten wir ausgerechnet erwischt. Entsprechend kühlte auch das Meer von 26 schlagartig auf 23 Grad ab. Seit heute knallt aber wieder die Sonne und bei 24 Grad Lufttemperatur und relativ trockener Luft ist es sehr angenehm. Ohne Lichtschutzfaktor 50+ geht gar nichts. Dass man außerhalb der Hotelanlage sich komplett bedecken muss (im Bikini an den öffentlichen Strand oder im Top und kurzer Hose auf öffentlichen Straßen ist ein absolutes No-Go und kann zur Verhaftung führen), ist gar nicht so schlimm…

Auch wenn es hier absolut faszinierend ist und ich gerne gefragt werde, ob ich noch einmal mitfliege – ich bleibe trotzdem mit allen vier Rädern auf dem Boden. Mein nächster Urlaub wird wieder einer mit Schlafsack und Campingkocher…

Frohe Weihnachten 2013

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Ich hatte in diesem Jahr das Glück, mir meine Zeit so einteilen zu können, dass ich nicht am Heiligabend noch in irgendwelche Läden und Geschäfte musste. Lebensmittel hatte ich bereits in der letzten Woche eingekauft und alle Weihnachtsgeschenke waren auch schon da. Und obwohl ich in diesem Jahr absolut nichts über das Internet bestellt hatte, klingelte mich heute morgen ein gelber Paketdienst aus dem Bett. „Ich bringe die Weihnachtsgeschenke“, meinte er und hatte zwei große Kartons auf seiner Karre. Für mich waren sie nicht, sondern für Cathleen, die aber nicht zu Hause war. Eine Pampersbestellung von Anfang Dezember, nach einem Lieferengpass wurde sie ausgerechnet am Heiligmorgen ausgeliefert. Natürlich habe ich dem Paketfahrer nicht gesagt, worum es sich handelt. Er meinte nur: „Aber schön gerecht aufteilen, nä? Und nicht alles auf einmal auffuttern!“ – Okay. Möchte jemand eine Windel haben? Ich weiß allerdings nicht, wie sie schmeckt.

Wenn ich auch schon alle Geschenke besorgt hatte: Eingepackt hatte ich sie noch nicht. Also ran. Marie und ich schenken uns gegenseitig einen Badeanzug. Wenn man regelmäßig trainiert, braucht man ja ständig neue. Das ist zwar ein bißchen albern, aber wir mögen halt albern. Ich hatte nun im Kaufhaus einen erwischt, den sie gerne trägt, Etiketten waren noch alle dran, Klebestreifen im Schritt auch, keine Ziehfäden, kein Schmutz, kein Chlorgeruch – gekauft. In dem Moment, in dem ich heute das Preisschild abschneiden will, sehe ich, dass auf dem Preisschild eine andere Größe steht als auf dem eingenähten Etikett. Und beim genaueren Hinsehen merke ich: Der ist falsch ausgezeichnet und entsprechend hing der auch falsch. Argh!!!

Also doch am Heiligabend morgens nochmal in die Stadt, Geschenke umtauschen. Die Kassiererin hat sich mehrmals entschuldigt, so etwas passiere nur sehr selten. Wenn, dann natürlich bei mir… Ich bekam ihn in die richtige Größe getauscht, nichts wie raus. Wenn das mal so einfach wäre: Direkt vor dem Kaufhaus war eine Menschentraube versammelt und an Durchkommen nicht zu denken. Ich tippte einige Leute an, aber die waren irgendwie alle in Weihnachtsgedanken. Plötzlich fängt fünf, sechs Leute neben mir eine Frau zu singen an, in einer Tonlage und in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, so dass sich mir sofort alle Nackenhaare aufstellten. Etliche umstehende Leute guckten dumm aus der Wäsche und suchten Distanz zu ihr, im ersten Moment dachte ich ernsthaft, mit ihr stimmte irgendwas nicht. „TochtäherrZieh On frohohohoheue Dich, jahahahauchzeLautJeruhuhusalem!!!“

Am anderen Ende der Menschentraube fuhr ein junger Mann mit Sonnenbrille und Mütze fort: „Siehihihihieh Dein König kohohommt zu dir.“ – Und plötzlich sangen noch wesentlich mehr Leute mit. Ein Flashmob. Und die Stinkesocke mitten drin. Zum zweiten Mal in meinem Leben, vor einem halben Jahr gab es einen in einer Einkaufspassage, den ich aber nur draußen gehört habe, ins Getümmel wollte ich mich dann nicht stürzen, sondern habe abgewartet, bis der Spuk zu Ende war. Heute handelte es sich um einen Chor aus der benachbarten Kirche. Okay, es war ganz gut gelungen, singen konnten sie auch, das Solo am Anfang war sehr irritierend, vermutlich, weil es so unerwartet kam. So schnell wie es losging war es auch wieder vorbei und dann konnte ich endlich nach Hause. Der Busfahrer hatte einen kleinen Weihnachts-Elch auf seiner Kasse sitzen, ein kleines Kind an Mamas Hand fragte alle drei Minuten, ob der Weihnachtsmann schon da gewesen sei, wenn sie zu Hause ankämen – und mir gegenüber in der ersten Sitzreihe hinter der Mitteltür saßen zwei Jungs, geschätzte 16 Jahre alt, die meinten, Weihnachten sei voll nervig. Sie hätten ihre Playstation 4 schon bekommen, als Papa sein Weihnachtsgeld aufs Konto überwiesen bekommen hatte, also Anfang des Monats, und nun müssten sie heute mit Oma und Opa in die Kirche. Hoffentlich sei das schnell vorbei.

Tja, ich bin zwar etwas älter, aber ich freue mich schon. Auf die Kirche. Ich werde heute abend dort sein, in welcher, verrate ich allerdings nicht. Vorher werde ich noch mit all jenen aus unserer WG, die am Heiligabend nicht zu ihrer Familie fahren (oder keine mehr haben), einen schönen Abend im Gruppenraum, diesmal mit Tannenbaum, verbringen, mit anschließendem Kirchenbesuch. Morgen bin ich bei Marie eingeladen zum Mittagessen und am zweiten Weihnachtstag steigt bei Marie eine Sauna-Garten-Party mit ganz vielen netten Leuten.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern ein paar schöne Festtage. Genießt die Ruhe, ob mit Familie, ob mit Freunden oder alleine. Selbst wenn du keinen Menschen hast, der heute oder morgen mit dir zusammen sein möchte, geht das Leben spätestens am Freitag wieder seinen alten Trott. Und bis dahin ist genug Zeit, zum Beispiel um noch einmal in meinen ganzen Texten der letzten fünf Jahre zu stöbern! Oder um andere Dinge zu schaffen, die man sonst nicht schafft! In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Der Pfeil ist geil

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Es ist vorbei. Marie und ich haben gestern unser vorbereitendes Praktikum für das nächste Semester geschafft. Alles bestens. Die Professorin war sehr zufrieden mit uns, was will man mehr?

Auf dem Weg nach Hause fuhren wir mit der S-Bahn. „Verehrte Fahrgäste, dieser Zug hält wegen eines Polizei-Einsatzes nicht am Bahnhof Sternschanze.“ – Nanu? Ach ja, die City wurde ja zum Gefahrengebiet erklärt, weil ein paar Demos angemeldet waren und einige Teilnehmer zu Gewalt aufgerufen haben sollen. Nachdem wir wohlbehalten zu Hause angekommen sind, spricht man in den Nachrichten von den schwersten Ausschreitungen seit Jahren. Immer wieder hauen sich Menschen in unserer Stadt die Köpfe ein und ich bekomme mehr und mehr den Verdacht, es wäre irgendwann billiger, wesentlich mehr Kohle für Deeskalation auszugeben. Das sagt übrigens auch Marias Assistenz, die sich geweigert hat, Flaschen für sie auf die Polizei zu werfen…

Ich bin nur wenig politisch aktiv, wenngleich ich mir schon zu etlichen Dingen eine Meinung bilde. Aber wenn ich sehe, dass linksautonome Demonstranten den Staat bekämpfen, in (von) dem sie leben, läuft hier was falsch. Wenn ich sehe, und das war auf Videos zu sehen, welche Angriffsflächen die Polizei den Chaoten bietet, die eben nicht friedlich demonstrieren wollen, habe ich den Eindruck, hier läuft genauso viel falsch. Wenn ich sehe, dass einige Leute nicht dorthin fahren, um für eine Sache zu demonstrieren, sondern um des Krawalls wegen Krawall zu machen, läuft erst recht was falsch. Und wenn Leute, die für eine Sache demonstrieren, nicht friedlich demonstrieren, sondern nur provozieren, gewälttätig werden, Flaschen, Knallkörper und Steine schmeißen, läuft hier auch was falsch. Und wenn man dann die einschlägigen Medien liest, die nur die Sichtweise der Polizei darstellen, läuft hier noch mehr falsch. Wenn ich sehe, dass ein 20 Jahre existierendes Stadtteil- und Kulturzentrum an einen Investor verkauft wird, der dort Profit machen will, … genau, auch dann läuft was gehörig falsch. Genauso wie in der Politik etwas falsch läuft, wenn Probleme wie derzeit eben die Rote Flora, die Esso-Häuser, die Lampedusaflüchtlinge nicht gelöst, sondern nur vertagt oder aus sicherer Entfernung betrachtet werden. Es läuft was falsch, wenn sich die Bürger in ihrer Stadt nicht mehr sicher fühlen können. Und so langsam ist eine Schmerzgrenze erreicht. Deeskalation wäre ein richter Ansatz. Menschen ernst nehmen. Herrje!

Stattdessen denken Leute sich so einen Unsinn aus, wie man europäische Banküberweisungen vereinheitlicht. Die Betonung liegt dabei auf „europäisch“. Kann mir mal einer sagen, wieviele Banküberweisungen von Privatleuten über die Landesgrenzen hinweg getätigt werden? Bei mir sind es aktuell weniger als 5%. Komme ich auf die Idee, beim Telefonieren mit meiner Freundin die 004940 vorweg zu wählen? Nein, denn die acht- bis zehnstellige Anschlussnummer in Großstädten reicht mir schon völlig. Demnächst gibt es hierbei auch noch eine zweistellige Prüfzahl, die zwischen Vorwahl und Anschlussnummer eingefügt werden muss, um zu verhindern, dass sich ein Besoffener nachts um halb vier an der falschen Stelle ein Taxi ordert?! Ich habe mich mit dem neuen Bank-Account-System nie beschäftigt, aber ich bin mir sicher, es hätte eine gute und vor allem kundenfreundliche Alternative zu IBAN, dem Schrecklichen, gegeben!

Und wo ich schon beim Rummotzen bin: Die Bahn, habe ich gerade erfahren, hat endlich eine fahrzeuggebundene Rampe an ihren Fernverkehrszügen eingeführt. Öffentlich angekündigt hatte die Bahn das schon 2008, nun, fast sechs Jahre später, gehen bundesweit die ersten vier ICE-Züge damit auf die Schiene! Eigentlich sollten bis 2011 schon 16 Züge unterwegs sein, aber es hapert mal wieder an allen möglichen Ecken. Zulassungsprobleme, Streitigkeiten zwischen der Bahn und den Herstellern – ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass bis 2020 bereits sämtliche IC-Züge mit diesem System ausgerüstet sein sollen und bis 2025 auch sämtliche ICE-Züge. Aber noch etwas anderes fällt auf: Die neuen ICEs haben nur 2 bis 3 Rollstuhlplätze. Ja, richtig, gelesen – die Flotte, die ab 2025 eingesetzt wird und dann vermutlich bis mindestens 2045 auf den Schienen rollt, ist mitunter mit weniger Stellplätzen geplant als heutige ICEs. Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft. Die Bahn macht mobil, die Bahn kommt.

Apropos „Kommen“: Gestern war Welt-Orgasmus-Tag. Juchu! Leider habe ich morgens nicht genug Zeit gehabt und abends war ich zu kaputt, um das zu feiern. Aber ich bin mir sicher, es hat genügend Einladungen mit Hinweis auf das Thema gegeben. Ich fühle mich so frei, ein ferkeliges Bildchen zu posten, gesehen auf einem Hamburger Volksfest. In diesem Sinne: Der Pfeil ist geil!