Du kannst mehr als du denkst

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Cool. Morgen läuft ein Kinofilm an über drei paralympische Athletinnen und Athleten, die in London bei den Paralympics dabei waren und lange Zeit bei den Vorbereitungen begleitet wurden. Er soll absolut sehenswert sein, und was ich spannend finde: Die beiden Produzenten kommen aus Hamburg, einer von ihnen war auch maßgeblich an einer großen Image-Kampagne für den Hamburger Behindertensport beteiligt.

„Gold – Du kannst mehr als du denkst“ heißt der Film. Nachdem heute ein riesiger Artikel in einer Hamburger Tageszeitung über die Hamburger Premiere dieses Films zu lesen ist, zu der 1.400 Ehrengäste zu seiner Sondervorstellung in einen Lufthansa-Hangar eingeladen wurden, können meine Freunde und ich es kaum noch erwarten, den endlich auch im Kino zu sehen. Wenn schon über Sportler mit Behinderung ein Kinofilm gedreht wird, dann will und muss ich den sehen, am liebsten gleich morgen!

In Hamburg läuft er ab morgen. In vier Kinos. Nämlich im Abaton am Grindelhof, im Passage Kino in der Mönckebergstraße, im Zeisekino in Altona und in der Koralle in Volksdorf. Nur irgendwie frage ich mich gerade, ob sich der Slogan „du kannst mehr als du denkst“ auch an die potentiellen Zuschauer richtet. Denn leider ist in Hamburg kein Kino dazwischen, das … doch, wirklich wahr! Das Abaton ist nur über Treppen erreichbar, im Passagekino und im Zeise gibt es zwar Säle, die barrierefrei erreichbar sind, jedoch wird der Film leider in den anderen Sälen gezeigt, die nicht barrierefrei sind (in einem Fall sind es 20 Stufen, im anderen ist das Kino so klein, dass es keine Stellfläche für Rollis gibt) – und bei der Koralle handelt es sich um einen Lichtspielraum in einem Bürgerhaus, wo ebenfalls keine Rollstuhlplätze vorhanden sind.

Als nächste Möglichkeit käme das 35 Kilometer entfernte Lüneburg in Betracht. Leider gibt es dort auch nur einen Rolliplatz und leider ist es nicht erlaubt, dass Rollifahrer zwei, drei, vier, fünf, sechs, … über die Stufen im Saal krabbeln und sich auf die anderen Plätze setzen und jemand die Rollis wieder rausschiebt. Im Evakuierungsfall kann man eben nicht mehr als man denkt. So kann ich mir jetzt überlegen, ob wir nacheinander alleine nach Lüneburg fahren und den Film angucken – oder ob ich vielleicht warte, bis er auf DVD rauskommt. Schade eigentlich.

Nachtrag vom 28.02.13:
Wie auch in den Kommentaren zu sehen ist, hat sich das Zeise-Kino aus Altona gemeldet und erklärt, dass der Film in drei Nachmittagsvorstellungen (14.15 Uhr) auch in dem großen, barrierefreien Kino zu sehen sein wird. Ich bedanke mich für die Reaktion – das finde ich super!

Nachtrag vom 01.03.13:
Und wie ebenfalls aus den Kommentaren zu sehen ist, hat sich auch das Passage-Kino aus der City gemeldet und erklärt, dass es den Film ebenfalls in zwei Abendvorstellungen im großen, barrierefreien Kino laufen lässt. Auch für diese Reaktion bedanke ich mich!

Gangnam Style und Tischgespräch

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Es war mal wieder so weit: Maries Muddi fragte, ob wir noch einmal einen Sauna-Sonntag im Garten verbringen wollen. Sie war mit ihrem Mann am Samstagabend dran, bei Kerzenschein und Schneetreiben. So eine Frage lasse ich mir doch nicht zwei Mal stellen, Cathleen und Jana auch nicht, so waren wir für den frühen Sonntagmorgen viel zu gut drauf und auf dem Weg zum Müsli-Orangensaft-Frühstück.

Natürlich ging direkt vor uns noch die Bahnschranke zu. Neben uns in der zweiten Spur hielt ein voll krasser Dreier-BMW als Cabrio mit offenem Verdeck. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Zwei obercoole Typen mit Schirmmützen drin, die allerdings beide schon einen Hörsturz haben mussten, da sie „Gangnam Style“ in der Version von PSY so laut gedreht hatten, dass ich für einen Moment lang überlegt hatte, ob der Zug schon kommt. Neben mir auf dem Beifahrersitz fing Cathleen an, die Unterarme gekreuzt herumzuschwingen und im Rhythmus ihre Mähne wild hin und her zu werfen. Als der Refrain kam, sang sie den Text mit: „Eh Sexy lady, eh eh eh eh!“

Jana fragte von hinten: „Soll ich das Fenster runtermachen und fragen, ob sie hinten noch einen Platz für dich haben?“ – Cathleens einzige Antwort: „Oppan Gangnam Style!“

„Gucken sie rüber?“, fragte ich Jana, die hinter mir hinter einer abgedunkelten Scheibe saß und somit die beiden beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Sie sagte: „Jepp! Der eine starrt in deine Richtung und leckt sich andauernd mit der Zunge über die Oberlippe.“ – „Nicht wirklich.“ – „Doch, guck doch hin!“

Cathleen rockte immernoch zu der in unserem Auto bei geschlossenen Fenstern und Türen und laufender Heizung deutlich wahrnehmbaren Geräuschkulisse ab und sprach im Takt mit: „Gangnam Style!“

Ich guckte rüber. Der Beifahrer zwinkerte mir zu und machte einen Kussmund. Ich tat so, als würde ich träumen und ihn gar nicht wahrnehmen. Jetzt hupte der andere noch. Cathleen sagte: „Die sind auf LSD. Jede Wette. Gangnam Style!“

Ich sagte: „Ich überlege, ob ich meinen blauen Parkausweis in die Scheibe halten sollte. Und dann mal gucken, ob er immernoch zwinkert.“ – Jana krümmmte sich vor Lachen bei der Vorstellung. Die Schranke öffnete sich. Der Motor des BMW heulte mehrmals auf. Wollte er damit jetzt ein Wettrennen gegen einen Touran beginnen? Bei dem Wetter? Und unabhängig davon wäre ich mir nicht mal sicher, ob meine Karre nicht sogar schneller auf 100 wäre als Gangnam Style.

Nein, wir fahren vernünftig. Als wir in Maries Straße einbogen, hielt sich ein Mann, schätzungsweise Anfang 20, an einer Birke fest und reiherte. Zweihundert Meter weiter krabbelte eine Frau mit halb zerrissener Strumpfhose auf allen Vieren durch den Schnee. Barfuß. Sah uns, wollte aufstehen, fiel aber gleich wieder um. Die Party schien etwas länger gedauert zu haben. Schnapsbuddel Nummer Drei sahen wir, als wir vor Maries Haus hielten und darüber diskutierten, ob wir wirklich in die Kälte aussteigen wollten. Man konnte den Mann sehen, wenn man schräg durch die Büsche hindurch guckte, er stand etwa fünf Häuser weiter und versuchte, die Haustür aufzuschließen, was sich schwieriger gestaltete als ihm in dem Moment lieb war. Er hibbelte von einem Bein auf das andere und presste mehrmals eine Hand in den Schritt. Dann lehnte er sich mit dem angewinkelten Arm gegen die Tür, die Stirn gegen den Arm und schaute an sich herunter. Und hibbelte nicht mehr. Cathleen grinste mich an: „Das ist aber auch fies. Nun hat er sich stundenlang gequält, und dann ist der Weg am Ende doch drei Meter zu lang.“

Ich weiß, wir sind unmöglich. Aber es kommt noch schlimmer. Als wir am Frühstückstisch saßen, fragte Jana Marie: „Sag mal, warst du schon mal so breit, dass du auf allen Vieren nach Hause gekrabbelt bist?“ – „Ich krabbel immer auf allen Vieren, egal ob ich breit bin oder nicht“, antwortete sie schlagfertig. Wusste aber gleich, worauf Jana anspielte: „Habt ihr die Leute vom Haus Nummer .. getroffen? Die sind jeden Sonntagmorgen breit.“

Cathleen sagte: „Der eine kotzte gegen die Birke, die zweite krabbelte auf allen Vieren in Strumpfhosen durch den Schnee und der dritte bewässerte seine Fußmatte.“ – Maries Mutter sagte: „Das ist unglaublich, die sind jeden Samstag auf irgendeiner Party und kommen Sonntagmorgen sternhagelvoll nach Hause. Ein paar Mal haben Nachbarn mich schon aus dem Bett geklingelt, aber inzwischen rufen sie gleich den Rettungsdienst. Was anderes kann ich ja auch nicht machen.“

Marie fragte entsetzt: „Hat der wirklich gegen seine Haustür gepinkelt?“ – Jana antwortete: „Naja, in die Hose. Und stand dabei halt auf seiner Fußmatte.“

Woraufhin Marie meinte: „Sowas bescheuertes, dann würde ich mich doch schnell irgendwo hinhocken oder meinetwegen ins Gras setzen, bevor das alles in die Schuhe und über die Fußmatte läuft, das kriegst du doch nie wieder sauber!“ – Maries Mutter kommentierte: „Sie hörten einen Tipp aus dem Alltag einer Blasenlähmung. Er kann die Fußmatte ja künftig unter sein Auto legen, vielleicht hilft ihm das gegen Marderbisse.“ – Marie antwortete: „Apropos, kennt ihr den? Stehen zwei Männer vor ihren Pissoiren, einer guckt zum anderen rüber und sieht, dass der vierstrahlig pinkelt.“

Maries Mutter verdrehte die Augen. Cahtleen meinte: „Ich kenne den nicht! Erzähl!“ – Marie erzählte weiter: „Wie ist denn das passiert? Der Mann antwortet: Beim Urologen, bei mir wurde eine Zystoskopie gemacht und der Assistenzarzt hatte ein paar Mal in der Vorlesung gefehlt und wusste nicht, was ‚unter Sicht‘ bedeutet.“

„Häh, was?“, fragte Cathleen nach. Maries Mutter klärte auf: „Blasenspiegelung. Beim Mann wird das Endoskop immer unter Sicht vorgeschoben. Unter Sicht bedeutet, dass du gucken musst, wohin du manövrierst, damit du die Harnröhre nicht durchstichst. Und der Mann vor dem Pissoir war an der Stelle wohl etwas perforiert und hatte mehr als einen Strahl.“

„Oh Scheiße, gibt es sowas wirklich?“, fragte Cathleen. Maries Mutter schüttelte den Kopf. Cathleen fragte: „Was macht man denn, wenn man da durchsticht?“ – „Durchstechen ist ganz schlecht, dann muss der Chirurg ran und das alles bei einer OP freilegen. Wenn du es nur verletzt, kann es reichen, über einige Tage einen Katheter reinzulegen und zu hoffen, dass das möglichst ohne Narben abheilt.“

Marie fuhr fort: „Okay. Nach ein paar Tagen steht er also wieder vor einem Pissoir, neben ihm pinkelt einer sechzehnstrahlig. Er fragt wieder: Wie ist denn das passiert? Antwort: Der Urologe hat bei der Vorlesung nicht aufgepasst und wusste nicht, was ‚unter Sicht‘ bedeutet. Drei Wochen später kommt er wieder zu einem Pissoir, steht ein Mann davor, pinkelt 64strahlig. Ist das auch bei einer Operation passiert? Antwort: Nee, mein Reißverschluss klemmt.“

Tolle Gespräche am Frühstückstisch. Anschließend waren wir locker sieben oder acht Stunden mit Sauna, draußen bei Schneegestöber und eiskaltem Wind bis zum Hals eingemummelt schlafen, schwimmen, Obstsalat essen, trinken, quatschen und Seele baumeln lassen beschäftigt. Was mal wieder absolut toll war. Heute abend geht es mir schon wieder sehr viel besser. Gangnam Style!

Drei Wochen konzeptioniert

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Im Moment bin ich wieder in einer Phase angekommen, in der mich alle paar Stunden irgendetwas auf Hundertachtzig bringt und in der ich einmal mehr einzelnen Leuten den Laufpass gebe. Ich bin gerade mal wieder völlig von der Rolle.

Da findet heute bei mir im Sportverein eine Veranstaltung für Kinder und Jugendliche statt. In letzter Sekunde bekomme ich natürlich mal wieder eine Anfrage, ob ich vor Ort spontan helfen könnte, da -wie immer- etliche Helferinnen und Helfer spontan abgesagt hätten. Wie immer bleibt die Arbeit an den dümmsten Leuten hängen, ich weiß auch nicht, wieso ich mich immer wieder dazu breit schlagen lasse. Doch, eigentlich weiß ich es: Ich möchte den Kindern den Tag nicht vermiesen.

Egal, dieses Problem müssen andere lösen. Aber ein Problem musste durch mich gelöst werden: Mit mir an einem Tisch, an dem Kuchen und Brötchen verkauft werden, steht eine junge Frau, die nicht im Triathlon und auch nicht im Kindersport aktiv ist, wohl aber in einer anderen Sportart unseres Sportvereins. Ich kenne sie nur vom Sehen. Sie gab sich stinkig, weil auch sie kurzfristig um ihren „freien“ Samstag gebracht worden ist – was ich mit einem „ich hatte heute auch was anderes vor, aber lass uns das hier vor allem für die Kinder nett über die Bühne bringen“ zu beenden versuchte. Keine Lust, mir möglicherweise über Stunden dieses Gemecker anzuhören.

Sie dreht aber weiter auf und greift ausgerechnet einen bestimmten Vereinsfunktionär an, natürlich in seiner Abwesenheit, den ich auch noch besonders gerne mag, weil er mir schon sehr oft geholfen hat. Menschlich vor allem. Ich halte ihn für besonders ehrlich und aufrichtig. Ich antworte: „Entschuldige mal, du weißt selbst, wieviel Freizeit der in unseren Laden steckt, ich glaube nicht, dass das fair ist, was du hier gerade sagst.“

Woraufhin sie durchblicken lässt, dass sie ihn für ein absolut falsches Ar…loch hält. Er sei dafür verantwortlich, dass ihr drei Monate Arbeitslohn vorenthalten worden seien. Er habe ihr eine 20-Stunden-Stelle versprochen, sie habe diese in gutem Glauben angenommen, und als es um die Bezahlung ging, soll er sich herausgewunden haben. Starker Tobak.

Und wie es der Zufall so will, eine halbe Stunde später taucht ausgerechnet dieser Funktionär dort auf. Und mehr aus der Wut heraus, dass ich mir sicher war, sie hat mich angelogen, als mit dem Bedürfnis danach, diesen Vorwurf zu klären (schließlich wäre der für mich ein Grund gewesen, mich künftig extrem von diesem Menschen zu distanzieren), habe ich ihn zur Seite genommen und ihn direkt gefragt, warum er sie nicht bezahlt hat. Ja, so kann ich auch sein. Und im Moment tut es mir kein bißchen Leid.

Woraufhin es ein Dreiergespräch in einem Umkleideraum gab. In dem dann ans Licht kam, dass gar nicht er ihr den Job versprochen hatte, sondern jemand zwei Ebenen tiefer, dass sie gar keinen schriftlichen Vertrag hatte, obwohl sie genau weiß, dass der Verein alle Verträge schriftlich macht, selbst mit einmaligen Helfern bei einem Event, und dass sie -und nun kommt es- auch niemals gearbeitet hat. Nach seiner Darstellung war es zwar so, dass sie für so einen Job vorgesehen war, dass auch die Gelder dafür bereit standen, dass sie sich aber nicht entschließen konnte, den Job anzunehmen, weil sie wegen einer anderen parallelen Beschäftigung sehr ungünstig besteuert worden wäre.

„Ich wusste gar nicht, dass du die Arbeit überhaupt aufgenommen hast“, sagte der Funktionär zu meiner „Sportkollegin“ mit den dunkelroten Wangen. – „Naja“, meinte sie, „ich habe zu Beginn der Tätigkeit in meinem anderen Job drei Wochen Urlaub gehabt und war in Norwegen, und in diesen drei Wochen habe ich insgesamt sechzig Stunden konzeptioniert und mir überlegt, wie ich die Arbeit im Sportverein angehen werde.“

Wie mich solche Leute nerven! Einfach mal schnell irgendwas behaupten und in den Raum stellen und andere schlecht machen. Der Funktionär meinte, er sehe das Gespräch als beendet an, sie solle ihm bis heute abend eine Mail schicken, dass sie diese Beschuldigungen nicht noch einmal öffentlich wiederholt; schickt sie ihm das nicht, leiert er ihr das über seinen Anwalt aus dem Kreuz, und das werde teuer.

Ich überlege gerade, wievielen Leute sie wohl diesen Mist bereits aufgetischt hat. Und wieviele Leute das glauben, ohne sich die zweite Seite angehört zu haben. Inzwischen bin ich auf Hundertneunzig. Diese Frau soll mir bloß nicht wieder unter die Augen treten!

Fleisch oder kein Fleisch?

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Gerade meine gestern in den Raum geworfene Forderung, alles was lebe, solle aus dem Leben auch ein Lebensrecht ableiten können, hat mir so viele Mails auf den Rechner gespült, dass ich meine Gedanken dazu aufschreiben und festigen möchte.

Besonders oft wurde ich gefragt, ob ich Vegetarierin sei. Das liegt nahe, denn auch wenn es in der Diskussion mit dem Vater eindeutig um Menschen ging, habe ich sehr bewusst nicht geschrieben, dass meiner Meinung nach „alle Menschen, die leben“ ein Lebensrecht haben, sondern eben „alles, was lebt“.

Nein, ich bin keine Vegetarierin. Ich bin mir nicht sicher, ob ich zurzeit auf Fleisch verzichten würde, wenn ich von BAfÖG leben müsste.

Ich stimme den meisten Menschen, die mir Mails geschrieben haben, völlig zu, dass das Töten von Tieren in das Lebensrecht der Tiere eingreift. Daher verletzt jeder, der ein Stück Fleisch isst, dieses Recht. Klar ist wohl auch, dass dieses Lebensrecht ein von Menschen geschaffenes Recht ist und sich auch nur an Menschen richtet: Kein Tier würde sich selbst ein solches Recht auferlegen oder von einem Menschen auferlegen lassen.

Möglicherweise mit vielen Lesern meines Blogs uneinig bin ich mir aber, wie mit Situationen umgegangen wird, in denen in dieses Recht eingegriffen wird, in denen dieses Recht verletzt wird. Unter Menschen sind diese Situationen relativ klar geregelt und auch sanktioniert, Stichwort Notwehr, Stichwort lebenslange Freiheitsstrafe. Weniger als meines Erachtens erforderlich ist es für die Situationen geregelt, in denen dieses Recht entweder indirekt verletzt wird und in denen das Lebensrecht von Tieren betroffen ist.

Hier wird man meiner Meinung nach zuerst den Konflikt lösen müssen, dass die Regeln der Natur, nämlich dass Lebewesen einander fressen, sich nicht mit dem von den Menschen auferlegten Lebensrecht vereinbaren lässt. Vielmehr ist es sogar völlig paradox.

Auch wird man vorher den Konflikt lösen müssen, dass es viel zu viele Menschen auf der Welt gibt und diese in einigen Teilen sich auch noch einen völlig unverschämt, um nicht zu sagen unverfroren luxuriösen Lebensstandard, zum Nachteil anderer (Menschen, Tiere) entwickelt haben, Stichwort Sklaverei, Stichworte Massentierhaltung und Tierversuche. Die „Natur“ lasse ich mal völlig außen vor.

Ich glaube, ich werde diese beiden Konflikte (und noch einige andere) nicht lösen können. Weder insgesamt für alle, noch für mich alleine. Eine Perspektive in der Argumentation zu suchen, die Evolution gehe ihren Weg, halte ich einerseits für bequem, andererseits für korrekt. Eine Rechtfertigung darin zu suchen, sich rücksichtslos zu verhalten, finde ich jedoch extrem arschig.

Ich denke, dass ich vor einem Anspruch, die Probleme der Welt alleine zu lösen, konsequenterweise nur sofort mit einem Suizid kapitulieren könnte. Der Preis, den andere für mein Weiterleben zahlen, ist sehr hoch, egal ob mit oder ohne Behinderung. Ich habe mich, egoistisch wie ich bin, dafür entschieden, weiter zu leben. Dabei aber relativ bewusst zu leben und beispielsweise kein Fleisch zu kaufen, das aus Massentierhaltung stammt und keine Kosmetik zu benutzen, bei deren Herstellung Tiere gequält wurden.

Trotzdem, und hier möchte ich nun abschließend auch noch den Aspekt beleuchten, dass es angenehmer ist, mit den viel zu vielen Menschen auf der Welt in Frieden zusammen zu leben, werde ich weiter darauf bestehen, dass jedes Leben wegen seines Lebens ein Recht am Leben hat. Und zwar nicht nur aus Egoismus. Auch wenn das letztlich dazu führt, dass noch mehr Menschen auf der Welt sind und ich täglich zum Rechtsbrecher werde – leider nicht nur, wenn ich etwa einmal pro Woche Fleisch esse.