Entspannter Praktikumstag

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Der vierte Praktikumstag verlief ohne größere Zwischenfälle, was doch auch mal schön ist. Einzig aus der Reihe tanzte, Achtung Ekelalarm, ein Mann Mitte 20, der mit dem Rettungswagen eingeliefert wurde, völlig zugedröhnt und stark alkoholisiert. Der stank so pervers, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Dieser Mann hatte seine Bundeswehr-Cargohose und seine rote Daunenjacke vermutlich in den letzten 96 Stunden nicht ausgezogen. Weder zum Schlafen, noch … richtig, zum Pinkeln und Kacken auch nicht.

Die Ärztin, die ihn untersuchen musste (wir mussten zum Glück nur zuschauen), meinte hinterher zu uns: „Bei der Ananmese braucht man nicht zu fragen, ob er in den letzten Tagen Stuhlgang hatte, wenn man sich da auch auf die eigene Nase verlassen kann.“

Ansonsten waren nicht wirklich spannende Fälle dabei. Ein offenes Bein, zwei unterzuckerte Diabetiker, die aber schon wieder bei Bewusstsein waren, eine, die nicht wusste, ob sie schwanger sein könnte oder ob die Bauchschmerzen vielleicht vom Saufen kommen – und jede Menge betrunkenes Elend. Bei einer Frau mit rasselnder Lunge durften wir mit abhören, ansonsten haben wir nur zugeguckt und hinterher mal das eine oder andere gefragt.

Wie gesagt, es ist auch mal schön, wenn kein Alarm ist und keine von meinem Magneten angezogene Idioten mit mir Kontakt suchen.

Polo oder Golf?

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Altes Thema, noch immer keine Entscheidung: Ich muss mir bis zum Jahresende noch ein neues Auto kaufen, wenn ich die dafür bereits gezahlten Zuschüsse nicht verlieren möchte. Derzeit setzt sich immer mehr der VW Transporter mit entsprechend höherwertiger Ausstattung durch, endgültig sicher bin ich mir aber noch nicht. Ich möchte auf jeden Fall ein großes Auto haben, um meine ganzen Sportgeräte (für einen Triathlon brauche ich immer ein Rennbike und einen Rennrolli) auf einmal transportieren zu können. Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen zu diesem Thema bislang.

Gleichzeitig liebäugel ich aber auch damit, für den Alltag nicht immer mit so einer riesigen Kiste durch die Gegend fahren zu müssen. Der Verbrauch, die Parkplatzsuche, das umständliche Ein- und Ausladen … nichts, um mal eben einkaufen zu fahren. Die Lösung könnte sein, für den Alltag einen Kleinwagen zusätzlich anzuschaffen, der zwar erstmal zusätzlich kostet, allerdings am Ende wohl billiger ist, als ständig mit der großen und damit teuren Blechkiste herumzugurken.

Für mich kommen, wenn ich das mache, eigentlich nur Golf oder Polo in Frage. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob ich mir mit einem zweitürigen Polo einen Gefallen tue. Wenn man da die Rückbank umgeklappt oder sogar ausgebaut lässt und ein Netz einbaut, hätte man sogar viel Platz für einen zweiten Rolli oder ähnliches. Eine Freundin im Rollstuhl hat ihn auch, sie kommt sehr gut damit zurecht, einer anderen Freundin im Rollstuhl war er viel zu eng, so dass sie jetzt auf den Golf umgestiegen ist. Da ich eigentlich keine großen Ansprüche an ein alltägliches Auto habe, möchte ich ungern so viel zusätzliches Geld in die Hand nehmen, das der Golf nunmal kostet. Als Diesel Automatik würde ich mit Rabatt und einschließlich Behindertenumbau für einen neuen Polo rund 20.000 € auf den Tisch legen müssen, für einen ähnlich ausgestatteten Golf rund 7.000 € mehr. Das ist mir für einen „Cityflitzer“ eigentlich zu viel Geld.

In den nächsten drei Monaten kann man ihn hier ansehen, indem man „V6Z4KONE“ bei „Volkswagen Code“ eingibt. Allerdings muss ich mich in den nächsten 14 Tagen entscheiden. Ich bin irgendwie noch immer so gar nicht schlüssig.

Behinderte Parkplätze

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Diese Veranstaltung habe ich mir zwar nicht zugemutet, aber ich habe inzwischen von mehreren Leuten gehört, dass es ein absolutes Parkproblem vor Ort gab, nachdem die Verwaltungsbehörde keine Möglichkeit gesehen hatte, auf einen zeitlich erhöhten Bedarf von Rollstuhlfahrerplätzen zu reagieren. Der Veranstalter hatte bei der Stadt beantragt, etwa 20 öffentliche Parkplätze in 15 Behindertenparkplätze (also breitere, so dass Rollstuhlfahrer bei ausreichend Abstand zum nächsten Fahrzeug ungehindert ein- und aussteigen können) umzuwidmen. Die Kosten für die Anordnung und die Beschilderung wollte er zahlen – nur war das rechtlich nicht vorgesehen. Die Stadt sah darin eine Bevorzugung von behinderten Menschen. Der Veranstalter, der 200 Menschen mit Behinderung eingeladen hatte, sah darin einen Nachteilsausgleich, weil die üblicherweise gebauten Parkplätze für Menschen im Rollstuhl ungeeignet sind.

Vor allem weil es bei Möbeltransporten bei privaten Umzügen oder bei Filmaufnahmen oder ähnlichen Dingen überhaupt kein Problem ist, Parkplätze komplett mit Halteverbotsschildern zu sperren und für den Umzugswagen oder andere Fahrzeuge zu reservieren, sind nun Fragen aufgetaucht, ob man hier wirklich nichts für Menschen mit Behinderungen tun kann, ob man sie ausreichend bedacht hat, oder nicht solche Möglichkeiten geschaffen werden können.

Man muss anscheinend nur die richtigen Leute kennen, dann wird eine solche Sache ziemlich hoch aufgehängt: In Kürze muss sich die Bürgerschaft der Stadt Hamburg mit diesen Fragen befassen. Ein Abgeordneter, der, als er von der Sache Wind bekam, zunächst sich an den Kopf und anschließend eine entsprechende Anfrage in seinen PC getippt hat, hat den Stein ins Rollen gebracht. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt.

Nicht im Stehen

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Wo ich gerade beim Thema „eklig“ bin …

Wenn man sich zu sehr über irgendetwas beschwert, man gleichzeitig aber mit Privilegien ausgestattet ist, kann es passieren, dass man diese Privilegien wegen der Beschwerde verliert. Wenn mir meine Oma also jede Woche zwei Euro Taschengeld zusteckt, sollte ich mir gut überlegen, worüber ich mich bei meiner Oma beschwere.

So ähnlich funktioniert es auch in der Politik. Wer Grund hat, sich zu beschweren, wird mit einem Privileg ausgestattet, damit er die Klappe hält. Hält jemand trotz Privileg die Klappe nicht, wird ihm das Privileg wieder weggenommen.

Toll ist es nun, wenn die sonst als selbstverständlich angepriesene Barrierefreiheit gegenüber den Menschen mit Behinderung bei Bedarf als Privileg verkauft wird. Oder wenn man behinderten Menschen Sonderrechte einräumt, um Dinge, die noch nicht so funktionieren oder die sich nicht so regeln lassen, wie es erforderlich wäre, zu kompensieren; dafür aber erwartet, dass niemand aufmuckt.

In dem Schwimmbad, in dem wir trainieren, gibt es einen barrierefreien Umkleideraum, eine barrierefreie Dusche und ein barrierefreies WC. Und Parkplätze für Rollstuhlfahrer. Dass man von den Rollstuhlparkplätzen nur durch schwere Feuerschutztüren in die Schwimmhalle kommt, die sich nur manuell öffnen lassen, kann man dadurch kompensieren, dass es einen Rufknopf gibt, mit dem man die Kassenkraft in die Tiefgarage bestellen kann. Dass eine weitere Brandschutztür abgeklebt und verkeilt wurde, weil sie so öffnet, dass alle Gäste und vor allem auch Rollstuhlfahrer einmal komplett um den Türflügel herum fahren müssen, kommentiere ich mal gar nicht erst.

Die gleiche Fehlplanung gibt es auch bei den barrierefreien Duschen. Die Brandschutztür und die Tür zum barrierefreien Umkleideraum kommen sich beim Öffnen so ins Gehege, dass man erstmal die eine Tür hinter sich zufallen lassen muss, zurückfahren, und dann die andere öffnen zu können. In den Umkleidekabinen fehlen seit Monaten mal wieder die Schlösser (huch, besetzt) … aber das hier ist eigentlich die Höhe:

Seit mindestens zwei Monaten ist regelmäßig die einzige barrierefreie Toilette defekt. Mal funktioniert sie wieder für einen Moment lang, dann ist sie wieder aus. Einen wesentlichen Anteil daran dürfte haben, dass es sich um das weit und breit einzige WC handelt, das im Vereins- und Schulumkleidebereich befindet. Alle Leute, die mal eben dorthin müssen, benutzen das Behinderten-WC. Wenn ich mich umziehe, sind das in 10 Minuten meistens fünf bis sechs Leute.

Beim vorletzten Mal war es trotz „Bitte nicht benutzen“-Schild von oben bis unten vollgekotet, beim letzten Mal war es zwar unbenutzt, dafür aber gesperrt. Die Mutter einer neuen Teilnehmerin zog einen der Schwimmhallenmitarbeiter quasi an der Krawatte dorthin und regte sich tierisch auf. Daraufhin entfernte er das Schild und meinte, wenn sich die Toilette wieder beruhigt, funktioniert sie wieder, sie verstopfe nur ständig, weil behinderte Menschen und Mütter dort Windeln reinwerfen. Im Moment laufe sie nur langsam ab. Es täte ihm für die jetzt anwesenden Leute zwar leid, aber sie würde nicht glauben, welches Klientel hier teilweise einzöge. Dabei werde so viel getan für die Menschen mit Behinderungen. Sie würden immer mit offenen Armen empfangen. Und oft seien sie undankbar und würden sich über alles aufregen.

„Klopapier, Seife und Papierhandtücher wären schonmal ein erster Schritt, um die Aufregung zu legen. Und eine Grundreinigung. Und wenn es solche Probleme mit fremdem Klientel gibt, muss man sich eben was einfallen lassen, so dass die Türen nur noch mit einer Behindertenkarte zu öffnen sind.“ – Das ginge nicht, die Tür sei gleichzeitig ein Fluchtweg.

Aber mit der Grundreinigung hat sie schon recht, wie ich finde. Wenn man sich mal die Fugen ansieht, unter dem Spülknopf und auf dem Fußboden vor dem Becken … auch wenn ich mich lieber nicht zu laut beschweren möchte, aber Rollstuhlfahrer haben da bestimmt nicht im Stehen gepinkelt.