Physikum – schriftliche Prüfung

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Ich habe es überstanden. Das Ergebnis habe ich noch nicht, es ist also theoretisch denkbar, dass ich in einem halben Jahr noch einmal ran muss, aber für den Moment kann ich das Thema vor allem in meinem Kopf weit zur Seite schieben. Ich rede von schreibe über den ersten Teil der ärztlichen Prüfung, früher offiziell Physikum genannt, heute inoffiziell noch immer. Den mündlichen Teil hatte ich in der vorletzten Woche schon hinter mich gebracht, der schriftliche Teil war zu Beginn dieser Woche dran. Zwei Tage zu jeweils vier Stunden, pro Tag 160 Multiple-Choice-Fragen aus insgesamt vier Fächern. Es handelt sich dabei um eine Zwischenprüfung nach Ende des 4. Semesters. Sie schließt den Teil des Studiums ab, in dem man lernt, wie der Körper funktioniert, wenn er gesund ist. In weiteren mindestens 9 Semestern (Mindeststudienzeit) kann man nach Bestehen des Physikums lernen, welche Krankheiten es gibt und wie man sie behandelt.

Im Moment glaube ich fest daran, dass ich diese Zwischenprüfung bestanden habe. Der mündliche Teil ist bestanden, denn ansonsten hätte ich vor dem schriftlichen Teil schriftlich erklären müssen, ob ich trotz Nichtbestehen des mündlichen Teils den schriftlichen Teil ablegen möchte. Das hätte beispielsweise dann Sinn gemacht, wenn man den mündlichen Teil einfach ein halbes Jahr später noch einmal machen möchte. Die Erfahrung zeigt aber wohl, dass etliche Leute, die den mündlichen Teil nicht bestehen, hinwerfen. Immerhin gab es wohl auch dieses Mal diverse Leute, die mit unter 10% korrekten Antworten sang- und klanglos abgesoffen sind. Wenn ich durchschnittlich mehr als 9 von 10 Fragen falsch habe, würde ich mir, glaube ich, auch Gedanken mache, ob das Studium für mich das richtige ist. Es sei denn, ich kann mir erklären, warum ich die mündliche Prüfung schlicht verkackt habe, gleichwohl aber die schriftliche bestehen werde.

Ich habe mich mit Marie und anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen ausgetauscht, und ich habe ein sehr gutes Gefühl. Bei einer Frage weiß ich jetzt schon, dass ich mit einem falschen Wert multipliziert habe, zwei oder drei Fragen habe ich nicht gewusst, da habe ich irgendwas angekreuzt (immerhin um 20% besser, als nichts anzukreuzen), bei zehn oder zwölf Fragen war ich mir unsicher und habe … naja „geraten“ wäre der falsche Ausdruck, aber ich war froh, nur Kreuze setzen und weder Lösungsweg noch Begründung abliefern zu müssen. Einige davon sind aber richtig gewesen, wie ich hinterher festgestellt habe. Also ich habe ein sehr gutes Gefühl und ich war auch bereits mit einem sehr guten Gefühl in die Prüfung gegangen. Auch wenn ich dafür bereits ausgiebig belächelt wurde.

Ich muss aber auch sagen, dass ich so derbe unter Strom stand, dass ich mich erst heute wieder einigermaßen ansprechbar fühle. Ich habe von den letzten 48 Stunden mindestens 35 im Bett verbracht und nur geschlafen. So aufgeregt wie am ersten Prüfungstag war ich schon lange nicht mehr. Mein Herz raste so sehr, dass ich schon Angst hatte, mein Kreislauf würde schlapp machen. Hat er aber nicht. Ich bin an beiden Tagen mit dem Taxi zur Prüfung gefahren. Selbst Auto fahren wollte ich nicht, dafür war ich zu aufgekratzt, Bus und Bahn wollte ich mir auch nicht antun.

Am Mittwochabend bekam ich von Ronja noch eine Ganzkörper-Entspannungs-Massage – statt Physiotherapie. Ich bin auf der Liege fast eingeschlafen. Heute morgen hatte ich meine erste vernünftige Mahlzeit nach vier Tagen Appetitlosigkeit. Doch, ich habe in den vier Tagen was gegessen, aber es schmeckte mir nicht. Im Gegensatz zu heute morgen.

Noch eine andere Idee

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Ich hatte es ja bereits angedeutet: Wenn ich verhindern möchte, dass bei der aktuellen Zins- und Inflationslage meine Entschädigung, die ich wegen meines unverschuldeten Unfalls einst bekommen habe, immer mehr an Kaufkraft verliert, muss ich sie anders anlegen. Darauf bin ich nun schon mehrmals hingewiesen worden, und zwar nicht nur von meinem Bankberater, der vielleicht noch selbst ein Interesse an neuen oder anderen Abschlüssen haben könnte. Das weiß eigentlich auch jeder inzwischen – die Frage ist nur, wo man sein Geld vernünftig anlegt. Irgendwelche spekulativen Geschäfte, bei denen man sehr schnell sehr viel Geld verlieren kann, kommen für mich überhaupt nicht in Frage.

Es gab daher in der letzten Woche die Überlegung, in Wohneigentum zu investieren, und es gab auch bereits eine etwas konkretere Idee, die sich aber inzwischen wieder zerschlagen hat. Die Übernahme eines Grundstücks mit einem begonnenen Bau aus einer Versteigerung nach Tod des Eigentümers kommt nicht in Frage, da der Rohbau Schrott ist und abgerissen werden müsste. Die Bauarbeiten wurden im Oktober eingestellt und das Ding hat erhebliche Frostschäden erlitten, sagte zumindest ein Freund von Maries Vater, der sich das vor Ort angeguckt hat und das beurteilen kann. Im Gegensatz zu mir.

Aber, und das ist absolut lustig, ich ziehe ja immer alle möglichen Leute an. Viele Idioten, aber anscheinend auch Nicht-Idioten. Während also Marie und Maries Papa und dieser besagte befreundete Fachmann und ich dort standen und die beiden Männer über den Zustand des halben Rohbaus fachsimpelten, kam in Hausschuhen ein alter Mann mit weißen Haaren in brauner Cordhose mit Hosenträgern und Holzfällerhemd aus dem Gebäude auf der gegenüber liegenden Straßenseite angeschlurft und stellte sich dazu. Grüßte mit „Moin moin“, fragte, ob die beiden das Grundstück kaufen wollen. Maries Vater gab ihm die Hand und sagte: „Eher nicht, das sieht nicht so toll aus, was die hier gemacht haben.“ – „Nö, das muss wieder abgerissen werden, das haben sie ja alles vergammeln lassen. Ein Schandfleck hier vor meiner Haustür, bald 50 Jahre wohnen wir hier, ich habe schon überlegt, ob ich das aufkaufe, den Schrott wegmache und dann wieder verkaufe. Teuer kann es ja nicht sein, gerade wenn man der Bank erklärt, dass das alles Schrott ist. Aber die Nerven habe ich nicht mehr. So gucke ich dann auf der anderen Seite aus dem Fenster und hoffe, dass sich hier schnell jemand findet, der das Grundstück kauft.“

„Wie ärgerlich“, antwortete Maries Vater. „Wir suchen eigentlich was für die beiden jungen Damen, die wollen bauen, da wäre das Grundstück eigentlich gut geeignet.“ – Marie und ich guckten uns an. Wir wollen bauen? Davon wussten wir ja noch gar nichts. Aber es ist spannend, wer sich so alles Gedanken um die sinnvolle Anlage meines Geldes macht und Maries Vater wird schon wissen, warum er das dem alten Mann so erzählt. Und tatsächlich: „Nee, das ist kein Schnäppchen hier, da handeln Sie sich nur Ärger mit ein. Da lassen Sie mal die Finger von! Obwohl ich die beiden Hübschen ja gerne als Nachbarn haben würde, so ist das ja nicht!“ – Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Spaß muss sein, ja? Meine Frau und ich haben schon goldene Hochzeit gefeiert, also bitte nicht falsch verstehen.“ – „Ich fühl mich geschmeichelt“, antwortete ich.

„Fragen Sie doch mal dahinten bei … nach. Der will schon seit Jahren verkaufen und kommt nie in Schwung. Vielleicht lässt er sich ja von ihrem Wimpernaufschlag hinreißen. Da hätten Sie wirklich ein tolles Grundstück. Große, ebene Fläche, sehr reizvoll.“ – Maries Vater fragte nach: „Darf man da denn überhaupt bauen?“ – „Das ist als Bauland verkauft worden, damals. Er hat sogar richtig Ärger gekriegt, weil er es nicht bebaut hat. Musste Strafe zahlen, und nicht zu knapp. Irgendwann haben sie ihn dann aber in Ruhe gelassen. Er hat das damals nur gekauft, weil er eine große Fläche für seine Schafe und Ziegen haben wollte. Die hat er aber schon lange nicht mehr. Soll ich den mal anrufen? Ich kenn den noch von früher. Ich ruf den gleich mal an. Kommen Sie doch kurz mit rein. Ach nee, Sie kommen die Stufen ja nicht hoch. Dann kommen Sie doch alle mit auf die Rückseite zur Terrasse.“

Er schlurfte vorweg, die Karawane hinterher. Ein Schäferhund stand an der Grundstücksgrenze und beobachtete alles genau. Herrchen streichelte ihm im Vorbeigehen über den Kopf und sagte: „Ist gut, Dicker, Opa bringt Besuch mit.“ – Das war das este Mal, dass ich jemanden über 70 das Wort „Dicker“ in den Mund nehmen hörte. Sonst ist „Digger“, „Alder“ und so weiter ja eher Jugendslang – furchtbar, wie ich finde. Seine Frau, ebenfalls weiße Haare, mit bunter Kittelschürze, guckte erstaunt. „Wen schleppst du denn da an?“ – „Muddi such doch mal das Telefon raus, ich will Erwin eben anrufen.“ – „Was willst du denn von Erwin?“ – „Hier die suchen ein Baugrundstück. Erwin hat doch immernoch seinen Acker da. Wo die ganzen toten Bäume draufstehen. Vielleicht verkauft er den ja endlich. Die beiden Männer suchen was für ihre Töchter hier. Ich wollt den mal eben anrufen.“ – „Wenn der sich mal nicht gerade hingelegt hat.“ – „Denn steht er eben wieder auf, sowas hat man ja nicht alle Tage.“

Maries Vater sagte: „Wir wollen keine Umstände machen, wir können auch später nochmal vorbei kommen.“ – „Nö nööö, nu lassen Sie mal, Erwin und ich kennen uns nun auch schon 50 Jahre, ich hab ihm damals geholfen, als er sein Haus gebaut hat. Das kriegen wir schon hin. Möchten Sie was trinken?“ – Ein schnurloses Telefon wurde weitergereicht und tutete schon. Der alte Mann ging ran: „Moin Erwin, hier ist …, du hör mal: Ich hab hier gerade zwei Männer in der Bude stehen, die wollten sich das Grundstück von dem alten … angucken, das ist aber nichts für die. Die suchen Bauland für ihre beiden Töchter und die Töchter sitzen beide im Rollstuhl. Ich hab gedacht, wir können uns doch mal deinen Acker angucken eben, oder? Steht der noch zum Verkauf? Im Prinzip ja, siehste. Dann kommen wir mal eben rum oder machst du gerade ein Nickerchen? Mutter kommt auch mit, die hat noch frische Eier für dich. Ja bis gleich. Ende.“

Und so machten wir uns auf den Weg. Der Hund blieb zu Hause und bewachte den Hof, alle anderen trotteten oder rollten rund 500 Meter weiter zu Erwin, der schon aufgeregt am Straßenrand stand. Ich könnte jetzt noch stundenlang erzählen, aber ich kürze es mal ab: Zwischenzeitlich hatte das Grundstück schonmal jemand gekauft, der dort ein Verwaltungsgebäude für eine Spedition bauen wollte, das hatte das Bezirksamt aber untersagt, weil Gewerbe im Wohngebiet nicht erlaubt ist, und entsprechend sei der Kaufvertrag anulliert worden.

„Das ist das gute Stück“, sagte Erwin, der mit Gummistiefeln am Straßenrand stand und gerade eine handvoll herum wedelnde Zeitungsseiten eingesammelt hatte. Anhand der Aussage war schon deutlich, dass man mit ihm durchaus ins Geschäft kommen könnte. Nach einigem Hin und Her fragte Maries Vater: „Und was wollen Sie für das Prachtstück haben?“ – Und da mischte sich der alte Mann mit der Cordhose ein: „Nu überleg dir das gut, die Chance kommt so schnell nicht wieder. Für die beiden Hübschen hier musst du eigentlich noch was dazu geben, wenn sie sich zu dir in die Nähe trauen.“ – „Na du bereitest mir ja gleich den richtigen Einstieg. Also so 50 bis 70 Braune wollte ich da schon noch für haben.“ – „Bist du verrückt, 70 Braune, das sind junge Frauen, woher sollen die das denn nehmen?“ – „Der letzte wollte mir 100 geben.“ – „Der war ja aber auch nicht ganz beieinander, der hatte hier schon ein großes Schild stehen, bevor er überhaupt gefragt hatte, ob er hier graben darf. Das war ein Vollidiot! Die hättest du auch nie bekommen, der hätte nämlich nach einem halben Jahr Konkurs angemeldet, so einer war das nämlich.“ – „Ach ihr kanntet euch? Du bist vielleicht ein Schnacker. Ja pass auf, wir machen 50 Braune. Die Hälfte wenn ihr anfangt und die andere Hälfte sagen wir in 10 Jahren. Wenn ich dann schon unter der Erde bin, habt ihr Glück gehabt. Sonst krieg ich nochmal was für mein Auskommen.“

Maries Vater antwortete: „Nee wenn, dann schaffen wir gleich entspannte Verhältnisse. Also fünfzigtausend Euro wollen Sie haben?“ – „Euro doch nicht – Mark! Euro ist zu viel. Die Hälfte in Euro. Also 25.“ – Der alte Mann mit der Cordhose mischte sich wieder ein: „Das ist ein fairer Preis, Erwin. Das reicht auch, um mich mal zum Bierchen einzuladen, schließlich hab ich den Leuten überhaupt erst von deinem Acker erzählt.“ – „Ja du bist der Beste.“

Ich verrate Erwin natürlich nicht, dass die Bank für das andere Grundstück 192 T€ hätte haben wollen. Allerdings mit dem angefangenen Bau, der Preis ist aber nicht zu halten. Und dabei ist Erwins Acker eigentlich viel schöner. Für 25 T€ ist das ein Schnäppchen, selbst für 50 oder 60 T€ wäre es noch okay gewesen. Aktuell haben sich Frank und Maries Papa nun folgendes angedacht und mit dem Architekten besprochen, der auch bereits unsere WG realisiert hatte: Es soll ein Wohnhaus gebaut werden, in dem unten zwei große Wohnungen und oben vier kleinere Wohnungen Platz finden. Komplett barrierefrei, mit Tiefgarage und Aufzug. Das Grundstück hat rund 500 m², die Grundfläche des Hauses wurde mit rund 300 m² angesetzt. In die Wohnungen unten könnten Marie und ich einziehen, wenn wir das denn wollten, die vier Wohnungen oben an jeweils einen Single-Haushalt mit Rollstuhl vermieten. Die vier Wohnungen oben werden öffentlich gefördert, die unten nicht. Die unten könnten natürlich auch an andere Interessenten vermietet werden. Ich habe von solchen Planungen natürlich keine Ahnung. Also ich kann das schon nachvollziehen, aber ich würde niemals auf solche Ideen kommen. Aber insbesondere Frank vertraue ich da und Maries Papa natürlich mindestens genauso.

Das zuständige Bezirksamt würde, vorausgesetzt, eine andere Stelle stimmt dem ganzen „Projekt“ noch zu und alles andere passt auch, grundsätzlich eine Baugenehmigung erteilen. Das wurde Frank bereits so in Aussicht gestellt. Der Architekt rechnet die Baukosten auf rund 1,35 Mio Euro. Es würde öffentliche Fördergelder geben für den Bau, nämlich rund 170 T€, dazu einen zinsgünstigen Kredit bis maximal rund 780 T€. Der Eigenanteil, der selbst finanziert werden muss, liegt bei rund 250 T€. Über die nächsten 30 Jahre würden die vier Wohnungen, die vermietet werden, mit jeweils 91 T€ subventioniert werden. Gleichzeitig müssten rund 100 T€ für den Kredit gezahlt werden (Zinsen und Bearbeitungsgebühr).

Am Ende sieht es im optimalen Fall so aus, dass nach 30jähriger Laufzeit die gleiche Summe herauskommt, als hätte man den Eigenanteil von 250 T€ mit 4,3% verzinst. Plus ein komplett bezahltes Wohnhaus mit 6 Parteien. Im ungünstigsten Fall ist das Geld weg und das Haus eingestürzt. Alles dazwischen ist möglich. Damit es im schlimmsten Fall bei diesem Eigenanteil bleibt (und nicht noch jemand auf den Rest meines Privatvermögens zugreifen kann), ist es auch wichtig, dass nicht ich direkt der „Veranstalter“ bin, sondern dass eine Firma gegründet wird, die mit ihren Einlagen haftet und ich die Einlagen bereit stelle, zumindest zu einem großen Teil. Ich bin gespannt, wie es weitergeht – als nächstes müssen sich die Investitionsbank und das Bezirksamt positionieren, ob sie für das Ding grünes Licht geben würden. Falls ja – ich glaube, ich würde zuschlagen. Zumindest klingt es sehr verlockend.

Physikum – mündliche Prüfung

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Es gibt einen ersten Teilerfolg zu vermelden: Ich habe nach gefühlter viel zu langer Wartezeit heute endlich die Mitteilung bekommen, dass ich für den schriftlichen Teil des Physikums zugelassen bin! Das heißt: Ich habe den mündlichen Teil bestanden! Ick freu mir!!!

Im Medizinstudium gibt es nach vier Semestern eine Zwischenprüfung, früher offiziell „Physikum“ genannt, heute inoffiziell auch noch so, die sich in einen mündlichen und einen schriftlichen Teil gliedert. Der mündliche Teil ist in Hamburg vor dem schriftlichen – und sah so aus, dass ich, zusammen mit noch zwei Kommilitonen über 210 Minuten geprüft wurde. Jeder ist etwa eine Stunde lang dran, zwischendrin gab es zwei Mal eine Viertelstunde Klo- und Trinkpause, und ich empfand es als blanken Horror.

Zum Anmelden muss man ja sowieso schon jede Menge Dokumente vorlegen, an dem Tag mussten wir dann noch eine Stunde vor dem eigentlichen Termin vor Ort sein, die Personalausweise wurden kontrolliert, die Handys mussten abgeschaltet werden, es gab ein Vorgespräch, in dem man uns erklärte, was auf uns zukommen würde und in dem wir gefragt wurden, ob es uns gut ginge und wir uns den Anforderungen der Prüfung gewachsen fühlen. Und dann sollten wir einmal bei uns gegenseitig Blutdruck messen…

Und danach war ich natürlich als Erste dran, ob es an meinem Nachnamen liegt, dessen Anfangsbuchstabe ziemlich früh im Alphabet dran kommt, oder an meinem immerwährenden „Glück“ bei solchen Dingen, lasse ich mal offen. Es waren insgesamt sechs Leute plus wir drei im Raum. Ein Prof führte fast ausschließlich das ganze Gespräch und ich muss sagen: Es war kein Zuckerschlecken. Er war sehr freundlich, hat auch überhaupt keinen Druck aufgebaut, aber es war nie genug und er wollte alles genau wissen. Immer, wenn ich auf eine Frage geantwortet habe, kam noch eine weitere Nachfrage. Und immer, wenn man die Nachfrage beantworten konnte, kam noch eine weitere Nachfrage. Er kam sozusagen von einem Detail ins nächste und hat sich am Ende so in dem ganzen Kram verfahren, dass er, zusammenfassend betrachtet, alle drei Schwerpunkte behandelt hatte und auch eine rote Linie erkennbar war – aber eben erst bei nachträglicher Betrachtung. In dem Moment habe ich immer wieder gedacht: Was für ein konfuses Gespräch!

Es begann in etwa so: „Zur Einstimmung habe ich erstmal eine lustige Frage: Wo befindet sich der kleinste Knochen des menschlichen Skeletts?“ – Das war ja noch einfach und das könnte wohl auch jeder Zweite beantworten, der nicht Medizin studiert. Nachdem wir uns nun ausgetauscht hatten, dass der im Ohr sitzt und Steigbügel heißt, wollte er wissen, ob ich wüsste, warum er so heißt. Ich antwortete, dass seine Form namensgebend war, und er fing zu diskutieren an, ob ich mir da sicher sei. Schließlich hätte der Steigbügel ja auch was mit dem Gleichgewichtssinn zu tun und den wiederum bräuchte man auch beim Reiten. Da lief das eigentliche Prüfungsgespräch aber gerade erst eine Minute lang. Ich habe es mit etwas Charme versucht und geantwortet: „Deswegen haben den auch nur Leute, die regelmäßig auf dem Pferd sitzen.“

Das fand er wohl ganz gut. Er fragte nach: „Ist das so?“ – Ich antwortete: „Nein, ist es nicht, aber er hat auch nichts mit dem Gleichgewicht zu tun.“ – Worauf er dann fragte: „Wie funktioniert das eigentlich, das Gleichgewicht?“ – Naja, und so weiter. Vom Ohr kamen wir dann zum Gehirn, vom Gehirn über Herz und Lunge zu den Verdauungsorganen und dort dann ließ er sich dann bis ins gefühlt letzte chemische Detail die Verwertung von Fruchtzucker erklären, um dann über die in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormone mit einem Sprung zur Schilddrüse zu gelangen und … bevor wir dort noch tiefer einsteigen konnten, war meine Zeit rum.

Die anderen beiden Kommilitonen hatten beide deutliche Lücken, und ließen sich auch wiederholt in die Fangfragen des Prüfers verstricken, und obwohl ich dachte, ich wäre schon fertig, wurde ich dann immer nochmal gefragt. „Wissen Sie es? Erklären Sie das bitte mal Ihrem Kollegen.“ – Peinlich. Aber ich werde sicherlich nicht aus Empathie sagen, dass ich es nicht weiß. Er hatte ja die gleichen Möglichkeiten, sich vorzubereiten, und wenn er seine Schwerpunkte anders gesetzt hat, sind das eben meine Punkte.

Ob es am Ende gereicht hat, wollte man uns vor Ort nicht sagen. Heute habe ich Bescheid bekommen: Ich bin zum schriftlichen Teil zugelassen. Damit weiß ich zumindest, dass der mündliche Teil bestanden ist. Die Note erfahre ich hoffentlich auch noch. Die anderen beiden haben es allerdings nicht geschafft. Was mich ehrlich gesagt sehr überrascht hat, denn etliche Fragen haben sie beantworten können. Insofern hoffe ich mal, dass ich nicht nur so „gerade eben“ bestanden habe. Aber die Hauptsache ist: Ich bin durch. Durch den mündlichen Teil. Schriftliche Arbeiten liegen mir mehr, von daher bin ich zuversichtlich, auch das zu schaffen. Nächste Woche ist es soweit: Ich bin schon tierisch aufgeregt.

Schweden, Zinsen, Eigentum

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Heute, am 30. Februar … siehste, wenn ich meinen Eintrag so beginne, sind gleich alle Leserinnen und Leser hellwach. Nee, ich habe nichts geraucht, alle Pillen richtig dosiert und auch nicht zu tief in das Kapitel „kaufmännische Zinsrechnung“ geschaut, das, laut einem unserer Profs, tatsächlich in meiner in den nächsten Wochen anstehenden Zwischenprüfung abgefragt werden könnte.

Kleiner Einschub: Wofür muss eine Ärztin kaufmännische Zinsrechnung können? Ganz einfach. Wenn ich frühestens Ende 2018 mit meinem Medizinstudium fertig sein sollte, verdienen Hausärzte, sofern die aktuelle Entwicklung so weiter geht, nur noch so wenig, dass sie für die Berechnung ihres Überlebenskredits keine Arzthelferin mehr fragen können, denn die können sie sich dann schon lange nicht mehr leisten. Hausärztliche Versorgung auf dem Land oder sogar in ländlichen Gebieten innerhalb des Bundeslandes Hamburg ist kaum noch attraktiv. In dem Bezirk, in dem Maries Mutter ihre Praxis hat, liegt der „Versorgungsgrad“, also der Anteil von hausärztlich tätigen Medizinern pro einer bestimmten Anzahl von Einwohnern, bei unter 50. Angestrebt wird normalerweise ein Grad von 100, das bedeutet im Fall von Maries Mutter: Sie versorgt mehr als doppelt so viele Patienten als ihr eigentlich zuzumuten ist.

Eigentlich müsste sie sich freuen? Weit gefehlt. Ein Hausarzt sollte pro Tag bis zu 50 Patienten sinnvoll behandeln können, so war es vor Jahren, als man in der gesetzlichen Krankenversicherung kürzen und deckeln wollte, berechnet worden. Da chronisch kranke Menschen öfter zum Arzt gehen, manche sterbenden Menschen sogar täglich einen Hausarzt brauchen, ging man mal davon aus, dass pro Tag durchschnittlich etwa 15 Patienten zum ersten Mal in diesem Quartal kommen, bis zu 35 waren in diesem Quartal schon einmal da. So kommt ein durchschnittlicher Hamburger Hausarzt auf etwa 700 bis 800 verschiedene Patienten pro Quartal. Pro Patient bekommt Maries Mutter durchschnittlich etwa 32 bis 35 Euro, so dass sie im Idealfall zwischen 8.000 und 9.000 € monatlich mit ihrer Praxis erwirtschaftet. Auf den ersten Blick viel Geld, wenn man vergisst, dass davon auch die Angestellten und die laufenden Kosten bezahlt werden müssen.

Nun leben in dem ländlichen Gebiet, in dem ihre Praxis liegt, sehr viele Menschen, die nur selten zum Arzt gehen. So dass es gute Chancen gibt, dass von den etwa 2.800 Patienten, für die sie statistisch zuständig ist, tatsächlich auch mal 1.200 bis 1.500 im Quartal in ihre Praxis kommen. Statt der statistisch berechneten 700 bis 800. Ist auch so. Allerdings: Wer jetzt denkt, es gibt dafür auch doppelt so viel Geld, irrt. Maries Mutter kann als Kassenärztin pro Quartal nicht mehr Geld verdienen, als ein durchschnittlicher Hausarzt durchschnittlich verdienen würde. Und das sind nunmal diese 8.000 bis 9.000 €. Nun könnte man sagen: „Macht doch nichts. Sie ist mit dem Herzen Ärztin, dann arbeitet sie halt zum halben Preis.“ – Tatsächlich denkt sie auch so, nur verbrauchen doppelt so viele Patienten natürlich auch mehr Personal, Material und nicht zuletzt Medikamente, für die sie auch nur ein bestimmtes Budget hat, das sie trotzdem nicht überschreiten darf. Kurzum: Rein von ihrer Tätigkeit als Kassenärztin rentiert sich die Praxis nicht. Aus ihrer kassenärztlichen Tätigkeit bleiben ihr monatlich zwischen 1.500 und 2.000 € netto übrig. Es handelt sich also, obwohl hierfür die meiste Zeit beansprucht wird, nur um ein „kleines Zubrot“.

Nun war das aber ein großer Einschub. Zinsrechnung. Kaufmännische. Und der 30. Februar. Den es 1712 tatsächlich mal gegeben hat. In Schweden und (dem damals abhängigen) Finnland gab es 1712 einen zweiten Schalttag, weil man 1700 den 29. Februar hat ausfallen lassen und nun der Zeitrechnung einen Tag hinterher war. Am 1. März 1712 war dann in Schweden wieder alles so wie drum herum – wer hätte das gewusst? Dafür hätte Günther Jauch sicherlich eine Million Euro springen lassen!

Apropos Million: Zu Beginn dieses Jahres hat mir mein Finanzberater (nein, nicht der von der Bank) empfohlen, ein Teil meines Geldes in Wohneigentum zu investieren. Auch wenn ich es nicht selbst bewohnen sollte, solle ich bedenken, dass bei den derzeitigen Zinsen, die auf Spareinlagen gezahlt werden, mein Geld immer mehr seines Wertes verliert. Er hat mir dazu geraten, mich nach einer Eigentumswohnung umzusehen und diese gegebenenfalls zu vermieten. Wovon ich allerdings Abstand genommen habe, weil ich mich derzeit voll auf meine Prüfung konzentriere und nicht auf Wohnungssuche. Zumal ich eigentlich aus meiner WG auch nicht ausziehen möchte.

Allerdings gibt es zur Zeit unweit von dort, wo Marie wohnt, also noch im Hamburger Stadtgebiet, aber mit kilometerweitem Blick in die grüne Natur, ein Objekt samt Grundstück, das nach dem Tod des Käufers (gleichzeitig Bauherrn) zwangsversteigert wird. Mehrere Leute haben mich unabhängig voneinander bereits darauf aufmerksam gemacht, unter anderem Maries Eltern. Derzeit ist seit November Baustopp, fertig ist bisher das Untergeschoss (Rohbau) und ein Teil des Erdgeschosses. Das Grundstück und der Grundriss des Hauses sind so groß, dass es sich lohnen würde, nochmal neu zu planen und statt einer Luxusvilla ein Haus mit insgesamt fünf Wohnungen in drei Stockwerken (EG, 1. Etage, Dachgeschoss) zu bauen. Ich weiß, es hört sich verrückt an. Aber Frank, der sich das mit angesehen hat, sagte mir: „An deiner Stelle würde ich sofort zugreifen. So eine Chance bekommst du nie wieder.“ – Tatsächlich habe ich ihn gebeten, Details auszuarbeiten und konkrete Vorgespräche mit dem Bezirksamt zu führen, ob eine abweichende Baugenehmigung überhaupt erteilt werden würde. Als Idee sollen fünf barrierefreie Wohnungen entstehen, von denen ich in eine, maximal zwei investieren würde (je nach Zuschuss). Es müsste sich also noch mindestens ein weiterer Investor finden (nachdem ein weiterer bereits ernsthaftes Interesse angemeldet hat). Ich bin total aufgeregt und kann das eigentlich gar nicht gebrauchen. Daher verdränge ich es auch ganz schnell wieder.

So ist mein Leben im Moment. Viel los, wenig Zeit. Aber bloggen … na klar, das mache ich trotzdem. Oder gerade deswegen.