Nicht vermittelbar

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Pflege und Assistenz von Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen wird, nachdem die Kosten oft die Höchstbeträge der gesetzlichen Pflegeversicherung überschreiten (oder dort nicht vorgesehen sind), von den betroffenen Personen, unabhängig ihres Verschuldens, selbst gezahlt. Oder von ihren Ehe- bzw. Lebenspartnern. Nur wenn diese die oft hohen Summen nicht zahlen können, springt der Staat, in diesem Fall die Sozialhilfe, für die Kosten ein. Immerhin wird, wenn auch oft lückenhaft oder unangemessen begrenzt und oft nicht standardisiert, sondern mitunter von Faktoren wie Wohnort oder Sachbearbeiter abhängig, Menschen mit entsprechenden Behinderungen schonmal grundsätzlich das Recht auf Teilhabe und damit verbunden die dazugehörige Leistung zuerkannt, sodass eine Zahlung aus Sozialhilfemitteln, also Steuermitteln, überhaupt in Betracht kommt.

Nach Ansicht des Deutschen Landkreistages vertreten die steuerzahlenden Menschen und Unternehmen in unserem Land überwiegend die Meinung, dass eine gleichberechtigte Teilhabe der Menschen am Leben in der Gesellschaft zunächst Sache des Einzelnen ist. Es sei dem Steuerzahler nicht vermittelbar, warum ein Betroffener nicht über die von ihm regulär gezahlten Steuern hinaus bis an seine Armutsgrenze heran zu den Kosten herangezogen werden sollte.

Ich möchte dazu sagen, dass ich den Steuerzahler für nicht ganz so dumm halte. Ich denke schon, dass er den dargestellten Sachverhalt gut versteht, wenn man ihm die Inhalte gut vermittelt. Und das, so finde ich, gehört eben auch zu den Aufgaben unserer Politiker. Menschen zu vermitteln, dass es unerträglich ist, nicht nur eine schwere körperliche Beeinträchtigung zu haben, sondern gleichzeitig auch noch für die Kosten aufkommen zu müssen, die entstehen, weil man anders ist. Weil man in der Welt, in der man lebt, alleine nicht zurecht kommt. Meistens unverschuldet und sogar ungefragt.

Ich stimme zu, dass eine staatliche Grundversorgung sich an dem Mindestmaß des Notwendigen orientieren sollte. Ich kann auch nachvollziehen, dass dieses Mindestmaß an der individuellen Leistungsfähigkeit und dem Wohlstand einer Gesellschaft bemessen wird. Wenn ich mir das allerdings für Deutschland so angucke, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, wieso es in 2015 noch immer Menschen gibt, die ab halb sechs Uhr abends ihre Hausarbeiten für das Studium aus dem Bett heraus erledigen müssen, weil es keine finanziellen Möglichkeiten gibt, den Pflegedienst um halb elf noch einmal vorbeischauen zu lassen. Und nein, es ist kein Einzelfall.

Birne mit Rosenkohl

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Dass Miley Cyrus mitunter auch gerne mal auf sächsisch singen würde und das dann eher nach Rosenkohl als nach Abrissbirne klingt, dürfte inzwischen die Runde gemacht haben, auch ohne dass ich den Link dorthin noch einmal poste. Dass jedoch sich jemand zwei Stöpsel ins Ohr steckt und dieses für einen Mann von Tonlage und Tonumfang recht anspruchsvolle Lied in einer Fußgängerzone unweit des Hamburger Hauptbahnhofs absolut falsch, völlig schräg und betont laut mitsingt, um Aufmerksamkeit zu bekommen, fand ich durchaus mal lustig. Während ich auf eine Freundin wartete, schaute ich mir das Treiben aus sicherer Entfernung an. Im ersten Moment vermutete ich, der etwa 40 Jahre alte Mann, der seine Augen hinter einer Sonnenbrille versteckte, könnte irgendwelche Drogen genommen haben. Es hätte mich zumindest nicht großartig verwundert.

Allerdings entdeckte ich nach einiger Zeit, dass er von zwei Kameras gefilmt wurde. Eine war in einiger Entfernung hinter einem Fahrradständer versteckt, die andere wurde von einem Mann bedient, der betont unauffällig auf einer Bank saß. Offenbar sollten die Reaktionen der vorbeigehenden Menschen gefilmt werden. Und die fielen sehr unterschiedlich aus. Die meisten Menschen schmunzelten oder lachten, ein paar Kinder bekamen insbesondere beim fast schon gebrüllten Refrain Angst und wollten schnell weiter – und irgendwann kamen die ersten Mitarbeiterinnen aus den umliegenden Geschäften heraus und forderten den Mann auf, ein wenig weiterzugehen. Was er allerdings nicht tat.

Einen Moment lang überlegte ich, ob ich mich einfach mit Stöpsel in den Ohren neben ihn stellen und ihm mit noch schrägerer falscher Stimme die Show stehlen sollte, doch dann kam meine Freundin und ihre erste Frage war: „Wer ist er denn?!“ – Es dauerte nicht mehr lange, dann kam eine private Sicherheitsfirma und scheuchte ihn weg. Kurz darauf nahm er seine Brille ab, montierte die Kamera vom Fahrradständer ab und nickte seinem filmenden Kumpel zu. Zu gerne hätte ich gewusst, ob es einen ernsten Hintergrund zu diesem Unsinn gab, aber dann waren sie leider ganz schnell weg.

Noch ne Seefahrt 3

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Heute ist bereits der letzte Tag unseres Ausflugs im Mittelmeer. Sollte mich Hamburg irgendwann mal so derbe anöden, dass ich nur noch weg möchte, kaufe ich mir eine Insel im Mittelmeer und mache den ganzen Tag nichts anderes als das schöne Wetter zu genießen. Vielleicht kommt der schöne Sommer ja noch nach Norddeutschland. Ich würde es mir wünschen und bin bislang noch wirklich unzufrieden. Etwas weiter südlich gab es ja bereits schon einige schöne Tage und auch einige sehr warme Nächte, aber auch Hamburg würde Sonne mal sehr gut stehen! Falls also eine verantwortliche Stelle mitliest: Meinen Wunsch habe ich hiermit geäußert!

Inzwischen reicht es aber auch mit der Party. Und dem eher abgedrehten Leben. Heute morgen mussten wir rund zwanzig Kilometer mit der Yacht in den nächsten Hafen waren, weil uns das Crush-Eis ausgegangen war. Eine Tankstelle hatte noch welches…

Ich kann derzeit übrigens nicht behaupten, dass ich mich untervö… sportlich unterfordert fühle. Der Kitzel, nachts auf einer Art Sonnenterrasse erwischt zu werden, ist zwar recht groß und entsprechend faszinierend. Aber das Gefühl, wenn mein Puls in die Höhe schießt, weil es dann tatsächlich passiert und plötzlich jemand mitten in der Nacht schwimmen, ein paar Stückchen der total leckeren Ananas essen oder einfach nur seinen letzten Cocktail wegbringen möchte und unangekündigt um die Ecke biegt, macht auf mich allergrößten Eindruck. Mein Kopf weiß natürlich, dass wir uns gerade auf einer Veranstaltung befinden, auf der alle jederzeit mit solchen Dingen rechnen müssen. Mein Herz weiß in dem Moment aber von nichts und lässt meinen Puls in atemberaubende Höhen schnellen.

Ich werde aber dennoch nicht zur leichtsinnigen Egoistin und werde zu Hause weiterhin auf die Gefühle meiner Mitmenschen achten. Soll heißen: Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich nicht. Auch werde ich mich freuen, wenn demnächst mein Studium weitergeht und ich wieder arbeiten kann. Bei aller Faszination, die so ein Wochenende voller Massagen, leckerem Essen, Ruhe und unentwegtem zärtlichen Geschaukel haben kann: Auf Dauer wäre es mir zu langweilig.

Absolut fasziniert war Philipp übrigens von dem Gefühl, das entsteht, wenn man in einem warmen Bett in einem warmen Raum neben einer Stinkesocke liegt, die gerade eine halbe Stunde lang im kühlen Wasser schwimmen war. Die letzten Wassertropfen noch auf der kalten Haut, kann diese Kälte in der warmen Umgebung wohl sehr erotisieren. Bevor ich aber auch das zu umfangreich beschreibe, möchte ich lieber jene Worte von Marie erwähnen, die mich am Ende doch sehr nachdenklich gemacht haben: „Ich würde mich freuen, wenn ihr mich nächstes Jahr wieder dabei haben wollt.“ – Leider ist es schon gedanklich nicht einfach, sich als Single mit einem Paar ein Schlafzimmer zu teilen. Und ich fürchte, sie hat sich doch zu sehr als drittes Rad der Schubkarre gesehen. Ich muss aber dennoch ganz deutlich sagen: Ohne sie würde ich gar nicht mitfahren wollen. Denn dass ich mit jemandem eine Partnerschaft habe, bedeutet ja nicht, dass mir dabei meine Freunde egal sind. Was mir dabei nur immer wichtig ist, den Mittelweg zu finden: Zwischen dem nötigen Respekt vor den Freunden und dem Verlangen nach dem Partner. Ich glaube, dass wir das alle zusammen sehr gut hinbekommen haben.

Noch ne Seefahrt 2

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Wahnsinn! Es sind 27 Grad im Schatten, der Himmel strahlt in seinem schönsten Blau, kaum ein Lüftchen weht und das Wasser soll immerhin schon erfrischende 21 Grad haben. „Es sind erstaunlich wenige Leute aus dem letzten Jahr dabei“, dachte ich mir, bevor Philipp darauf bestand, mich an Bord zu tragen. Meinen Rollstuhl brachte Shane höchstpersönlich hinterher. Ich war mir einen Moment lang nicht sicher, ob es sich um dasselbe Boot (um nicht zu sagen: dieselbe Yacht) handelte wie im letzten Jahr, aber ich hatte es wohl zunächst lediglich anders in Erinnerung. Wir bekamen dasselbe Zimmer, das Bett war frisch bezogen, lediglich ein neues großes Panoramafoto einer Mittelmeer-Insel bei Nacht hing über unserem Bett. Marie hatte seit der Landung unangenehmen Druck auf den Ohren und bekam den trotz der üblichen Manöver zum Druckausgleich nicht in den Griff. Aber das sollte sich bald geben und dann stand einem zugleich entspannten wie aufregenden Pfingstwochenende nichts mehr im Wege.

Der Kapitän war derselbe wie im letzten Jahr. Er sprach nur englisch und war sehr zurückhaltend, hatte aber, wie ich fand, einen tollen Job. Um das Ungetüm lenken zu dürfen, brauchte man zweifelsohne einen vernünftigen Führerschein. Und eine Köchin war an Bord, jedoch kannten wir ihr Gesicht noch nicht. Ich hätte mir durchaus zugetraut, mich (oder auch die komplette Gruppe) ein Wochenende lang selbst zu verpflegen, zumal man bei der Wärme draußen sowieso eher wenig isst, aber ich lasse mich natürlich auch in dieser Hinsicht gerne verwöhnen.

Insgesamt war die Veranstaltung mindestens genauso abgehoben wie im letzten Jahr. Absolut ungeeignet für Menschen, die bereits an einem normalen FKK-Strand über den Sittenverfall philosophieren würden, und mindestens genauso ungeeignet für Leute, die nicht „Nein“ sagen können. Philipp brauchte einen Moment, um sich einzugewöhnen, aber dann hatte er jede Menge Spaß. Ein großer Sonnenschirm auf dem Deck wurde mein Freund und der Text würde abdriften, wenn ich über nahtlose Bräune und gepflegte Körper weiterschreiben würde. Obwohl mich immer wieder fasziniert, wie schön einige Menschen aussehen.

Von daher greife ich lieber ein paar himmlische Stunden im kristallklaren Wasser über einer großen Sandbank auf, schwärme über herrliche Möglichkeiten, die eine knapp überspülte Badeplattform am Heck des Bootes bieten und denke wehmütig an den Sternenhimmel zurück und an den Kitzel, nachts außerhalb des Schlafzimmers erwischt werden zu können. Nein, nicht beim schlafwandeln. Noch ist es nicht soweit, aber Philipp und ich haben uns „heimlich“ verabredet und werden Marie einige Momente alleine lassen. Vielleicht braucht sie auch mal eine halbe Stunde ihre Ruhe vor uns.

Vorher steht für heute abend noch ein Gummitier-Rennen an. Es gibt einige aufblasbare Badeinseln, Schwimmreifen und tierisch geformtes Plastikzeugs und wer am schnellsten damit von der imaginären Start- zur Ziellinie kommt, gewinnt einen Cocktail. Ja, der Einfall mag eher aus einem intellektuellen Tiefdruckgebiet stammen, macht aber nichts, denn auch Unsinn kann Spaß machen. Und Marie und ich freuen sich bereits, nicht wegen der Cocktails, sondern weil der Einsatz der Beine zum Fortkommen aus Gründen der Gleichbehandlung generell verboten wurde. Ich hoffe, es gibt auch alkoholfreie Cocktails, denn wir werden gewinnen!