Ölwechsel und Glitzerstaub

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Ich habe zu Weihnachten von Maries Eltern eine Winterjacke geschenkt bekommen. Genauso wie Marie. Worüber ich mich sehr gefreut habe. Genauso wie Marie. Marie und ich haben jeweils dem anderen traditionell einen neuen Badeanzug geschenkt. Vielleicht schaffen wir es ab Sommer ja, mal wieder regelmäßig gemeinsam zu trainieren.

Von meinen Kolleginnen und Kollegen der letzten Station habe ich ein T-Shirt bekommen, auf dem steht: „Ich habe es mit Laufen versucht, aber es hat mir nicht gefallen.“ – Soll witzig sein (ich schreib es extra dazu, weil bisher alle nur müde gegrinst haben). Mal sehen, vielleicht steht demnächst mal wieder ein Ölwechsel oder eine Renovierung an, dann hätte ich auf jeden Fall schon mal die passende Kleidung.

Und von Schatzi? Ein Flausch-Onesie-Overall zum Loungen in dunkelrot, mit Flauschkapuze (diese jedoch zum Glück ohne Plüschohren). Der fühlt sich auf jeden Fall gut an. Einziger Nachteil ist natürlich, dass man zum Pinkeln obenrum erstmal alles ausziehen muss. Und einen Gutschein (keinen selbstgemachten, sondern einen offiziellen) von einem Sauna-Klub. Ja, richtig gelesen, keine Eintrittskarte für eine Therme (wohin ich sonst rollen würde, wenn ich nicht gerade bei und mit Marie im Garten saunieren kann), sondern er möchte mit mir in einen Sauna-Klub.

Ich habe natürlich erstmal weder Contenance noch Continence verloren, sondern mich nur überrascht gezeigt und ihn gefragt, was genau dort passiert. Er hat mir dann mit einem gewissen Funkeln in den Augen erzählt, dass er sich im Internet und telefonisch informiert hat, dass dort ausschließlich Paare hingehen (als Einzelperson kommt man nicht hinein), und dass es dort nicht nur eine Sauna-, sondern auch eine Badelandschaft mit märchenhaften Grotten, Whirlpools und Relaxräumen sowie einem großen Garten geben soll. Attraktiv ist aus seiner Sicht, dass man dort miteinander nicht nur küssen darf, was, so sind seine Worte, im Wasser gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität vielleicht noch die eine oder andere ungeahnte Möglichkeit bietet. Und nein, Partnertausch sei nicht zwingend vorgesehen.

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das wirklich will, habe das Geschenk aber erstmal als „spannend“ angenommen. Ich werde in den nächsten Tagen dazu noch ein wenig recherchieren…

Über Silvester bekommen wir von Marie und einer Freundin Besuch. Wir sind zur Zeit an der Ostsee und lassen uns den viel zu warmen Wind um die Nase pusten. Am morgigen letzten Tag des Jahres wollen wir Fondue machen, und entsprechend hatte ich für heute bereits Fleisch und Baguettes vorbestellt. Um elf Uhr sollte beides zum Abholen bereit sein, anschließend wollte ich Marie und Freundin vom Bahnhof der nächsten größeren Stadt abholen (nachdem Marie derzeit kein eigenes Auto hat – ein neues ist noch nicht ausgeliefert und bei ihrem alten hat das Automatikgetriebe bei 260.000 km den Geist aufgegeben).

Ich kam also gegen kurz vor zwölf Uhr bei der Fleischerei an und fragte nach meinem vorbestellten Fondue-Fleisch. Nein, das sei noch nicht fertig, man wollte es heute morgen frisch schneiden, aber es sei zu viel los gewesen. Ob ich es in etwa einer Stunde abholen könnte, wollte man wissen. An der Bedientheke arbeiteten drei Leute die anstehenden Kunden ab, etwa zehn warteten, im hinteren Teil des Raums lag auf einer Arbeitsplatte ein großes Stück Schweinefleisch, ich hätte es als nur bedingt sachkundige Person für die Oberschale, also ein Teilstück des Schinkens, gehalten. Das Stück Fleisch lag auf einem Schneidebrett und dieses Schneidebrett bedeckte den Namen „Müller“ auf einem Stück Papier so, dass man nur „Müll“ lesen konnte – was mir spontan ins Auge fiel.

Also erst zum Bahnhof und anschließend das Fleisch abholen. Dafür aber jetzt noch schnell zum Bäcker. Dort hieß es: „Also, wenn Sie um zwölf Uhr kommen, eine Stunde vor Ladenschluss, dann müssen Sie damit rechnen, dass keine Baguette-Brote mehr da sind.“ – „Deswegen hatte ich ja extra vorbestellt.“ – „Ja, aber nicht mehr um zwölf. Da haben wir die noch nicht abgeholten Vorbestellungen auch mit abverkauft.“ – „Ich hatte aber bereits bezahlt. Und hätte jetzt gerne meine Ware.“ – „Bei wem haben Sie das bezahlt?“ – „Bei Ihrer Kollegin. Etwa Eins-Sechzig groß, blond, blaue Brille.“ – „Haben Sie denn einen Beleg bekommen?“ – „Ja, Moment … hier.“ – „Das ist ein Kassenbon über drei Baguette-Brote. Die haben Sie an dem Tag gekauft.“ – „Jetzt ist es aber genug! Sie haben es verpeilt, dann wäre es wohl das Mindeste, sich zu entschuldigen.“ – „Sie kommen nicht von hier, oder? Das hört man. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und einen guten Rutsch“, sagte sie und hielt mir die Tür auf.

Okay, das war das letzte Mal, dass ich dort etwas gekauft habe. So eine blöde Schrippe! Da ich in den nächsten zwei bis drei Wochen dort nicht wieder hinfahre, lohnt es sich vermutlich auch nicht mehr, sich die Kollegin mit der blauen Brille zur Brust zu nehmen. In dem Ort, in dem meine Ostsee-Wohnung steht, gibt es gar keinen Bäcker, und in diesem nächsten Nachbarort zum Glück gleich drei. Ein Wechsel ist also angezeigt.

Marie und ihre Freundin kamen pünktlich mit dem Zug an. Die Freundin, die Fußgängerin ist, kümmerte sich um das Verladen unserer Rollstühle in den Kofferraum, was gerade bei zwei Rollstuhlfahrerinnen im selben Auto eine Erleichterung ist. Zur Fleischerei wollte sie auch schnell reinlaufen, aber ich wollte unbedingt dabei sein. Aus Gründen. Tatsächlich lag das Stück Fleisch dort immer noch genauso wie vor einer Stunde. Ungekühlt, ungeschützt, immer noch ein Teil des Namens auf dem Papier verdeckend. Mein Fondue-Fleisch war noch nicht fertig. Immerhin wollte man jetzt aber beginnen, es zu schneiden – und zwar aus diesem Stück Fleisch, das dort seit über einer Stunde ungekühlt auf der Arbeitsplatte lag.

„Moment mal bitte! Das Fleisch liegt da jetzt seit über einer Stunde bei Zimmertemperatur auf Ihrer Arbeitsplatte. Daraus möchte ich kein Fonduefleisch geschnitten haben.“ – „Das hab ich vor zwei Minuten aus der Kühlung geholt.“ – „Und wieder genauso auf das Stück Papier gelegt wie vor einer Stunde?“ – „Das weiß ich nicht, aber das habe ich eben gerade erst aus der Kühlung geholt.“ – „Okay, dann schneiden Sie bitte die ersten Stücke ab, füllen sie in die Tüte und lassen mich die Tüte bitte einmal anfassen.“ – „Wozu das denn?“ – „Ich möchte mich gerne davon überzeugen, dass das Fleisch in der Kühlung war, denn ich habe das anders wahrgenommen.“ – „Ich kann auch ein neues Stück aus der Kühlung holen, damit habe ich doch gar kein Problem!“ – „Sie brauchen mir doch nur einmal zu zeigen, dass das aktuelle Stück dort kalt ist.“

Konnte er wohl nicht. Er holte ein neues Stück. Worüber ich gar nicht nachdenken möchte. Als er die Verpackung öffnete, lief die gesamte darin enthaltene Flüssigkeit einmal quer über einen Leitz-Ordner mit Zetteln drin, der ebenfalls offen rumlag. Neben dem offenen Stück Fleisch. Was für eine Sauerei, im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich möchte wetten, dass er das warme Stück Fleisch anschließend wieder in die Kühlung packt, sobald ich weg bin. Jedenfalls begann er nun damit, dünne Scheiben aus dieser frischen Oberschale zu schneiden. „Nur noch einmal zur Sicherheit: Ich wollte Fondue-Fleisch.“ – „Ist das keins?“ – „Das sind eher dünne Schnitzel. Vielleicht für Raclette. Fondue ist das mit der Gabel und dem heißen Topf.“ – „Ah, entschuldigen Sie, jetzt habe ich tatsächlich an Raclette gedacht. Aber Sie können das ja noch durchschneiden.“

Ich ließ ihn stehen und rollte ohne ein weiteres Wort nach draußen. Irgendwann ist meine Geduld auch mal am Ende. Marie rollte wortlos hinter mir her, die Freundin ebenfalls. Dreihundert Meter weiter ist ein Supermarkt mit Fleischerei. Normalerweise kaufe ich Fleisch nicht in Supermärkten, aber schlimmer konnte es nicht mehr werden. Ohne irgendein Problem und ohne vorbestellt zu haben, bekam ich an der dortigen Fleischtheke die Menge Fonduefleisch, die ich haben wollte.

„Kann ich sonst noch etwas Gutes für Sie tun?“, fragte der junge Mann hinter der Theke. Zum ersten Mal wurde ich heute freundlich bedient. Vielleicht war es doch ein Fehler, den lokalen Einzelhandel unterstützen zu wollen. Zumindest könnte der sich in diesem Punkt von dem Lebensmittel liebenden Filialbetrieb noch eine Scheibe abschneiden.

Bald ist ein neues Jahr. Ich wünsche euch mehr Liebe, Freundschaft und Wahrheit. Weniger Missgunst, Hass und Lüge. Ich wünsche euch mehr Sonne für die Herzen, und für Zwischendurch einen Schirm, mit dem es sich im Regen tanzen lässt. Ich wünsche allen, die im Moment nur graue Wolken sehen, dass sie schon ganz bald einen Regenbogen finden, an dessen Ende die Einhörner Glitzerstaub verteilen.

59 Fragen

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Jetzt hat es mich doch angesteckt. Ich bekam von einer Bekannten einen 50-Fragen-Fragenkatalog, und da ich ja schon lange keine Fragebögen mehr beantwortet habe, geht es gleich los. Und zum Schluss kommen dann auch gleich noch die Fragen, die in den letzten Wochen über meine Kommentare oder auf anderem Weg an mich gestellt wurden.

1. Hast du dich schonmal über jemanden geärgert für etwas, was er in deinem Traum getan hat?
Interessante Idee, aber: Nein. Wirklich noch nie. Ich war vielleicht mal einen Moment lang verdattert, habe dann aber sehr schnell realisiert, was Traum und was Realität war.

2. Hast du schonmal durch ein Loch in der Kabinenwand geguckt und dabei Augenkontakt mit dem Benutzer der Schüssel nebenan gehabt?
Nein, ich würde ein Klo nicht nutzen, wenn da Löcher in der Kabinenwand wären.

3. Hast du schonmal jemanden zur Begrüßung von hinten auf den Po geklatscht und dann festgestellt, dass es der Falsche war?
Nein, ich klatsche niemandem zur Begrüßung auf den Po.

4. Hast du schonmal einen Käfer unter einer Lupe ankokeln lassen?
Nein!

5. Hast du schonmal jemandem eine falsche Handynummer von dir gegeben?
Tatsächlich ja. Ein einziges Mal. Da war ich mit einer Freundin unterwegs, als sie plötzlich ein Typ ansprach. Total aufdringlich hat er sie dichtgelabert, aber sie war total distanziert. Am Ende wollte er ihre Nummer. Sie gab ihm eine ganz andere. Dann wollte er meine. Ich war so perplex, dass ich einfach begann, meine Handynummer aufzusagen. Meine Freundin funkelte mich an – und dann bin ich bei den letzten vier Ziffern falsch abgebogen. Hinterher erzählte sie mir, dass das ihr ehemaliger Oberstufenlehrer war.

6. Hast du schonmal eine SMS oder Whats-App-Nachricht an eine falsche Person geschickt?
Ja. Klärte sich aber schnell auf: „Ups, falsches Fenster.“ – Thema erledigt.

7. Hast du schonmal so heftig gelacht, dass du dir in die Hosen gemacht hast?
Als Kind ist mir das mal passiert.

8. Hast du dich mal krank gemeldet, obwohl du gar nicht krank warst?
Ich hoffe, dass meine künftigen Arbeitgeber das nicht lesen, wenn ich jetzt „Ja“ sage. Ab sofort werde ich vermutlich immer schon am ersten Tag meiner Arbeitsunfähigkeit zum Amtsarzt vorgeladen.

9. Hast du schonmal was aus einem Hotel gestohlen?
Nein. Ich bin lieb.

10. Hast du in einem Restaurant schonmal kein Trinkgeld gegeben?
Ja, schon öfter. Bedienung ist im Preis enthalten. Ich gebe (tatsächlich) 10% tip, allerdings auch wirklich nur, wenn alles okay war. Wobei ich keine hohen Ansprüche habe, aber wenn zum Beispiel noch Spülwasserreste im Glas sind oder ich um Messer und Gabel bitten muss oder irgendwas fünf Mal wiederhole oder die Dame oder der Herr absolut unfreundlich ist, gibt es auch mal gar nix obendrauf. Dann ist zwar klar, dass es drei Minuten dauert, bis das Wechselgeld beisammen ist, aber das juckt mich dann auch nicht.

11. Hast du schonmal jemandem deine Kreditkarte geborgt?
Nein.

12. Hast du schonmal Textnachrichten beim Autofahren geschrieben?
Nein. Da ich mit den Händen fahre, wäre das wohl unverantwortlicher als es ohnehin schon ist.

13. Hast du schonmal eine berühmte Persönlichkeit getroffen?
Ich bin doch wohl selbst eine berühmte Persönlichkeit! Mit über 5 Millionen Klicks darf ich mir das einbilden, oder? Allerdings, auch wenn das unglaubwürdig klingt, treffe ich zum Quatschen regelmäßig, etwa einmal pro Quartal, eine Schauspielerin. Sie ist etwas älter ist als ich und hat sowohl in Kinofilmen als auch in Fernsehserien mitgespielt. Die Schwester einer Freundin ist ebenfalls eine im Norden relativ bekannte Schauspielerin, sie sehe ich meistens auf der Geburtstagsparty meiner Freundin. Mehr Kontakt habe ich zu ihr aber nicht. Und ich habe mal eine berühmte Künstlerin in Hamburg in der S-Bahn getroffen und mich mit ihr unterhalten. Ich habe sogar noch ihre Handynummer. Da besteht aber derzeit kein Kontakt.

14. Hast du schonmal etwas Illegales besessen?
Nein.

15. Hast du schonmal was in der Mikrowelle vergessen?
Tatsächlich ja. Ich wollte mir Nudeln warm machen, habe die auch angeschaltet, war aber so erschöpft, dass ich nach dem Klogang direkt Zähne geputzt habe und ins Bett geklettert bin. Am nächsten Tag habe ich mich dann gewundert, warum da Essen in der Mikrowelle steht. Praktisches Jahr kann anstrengend sein!

16. Bist du schonmal betrunken oder zugedröhnt am Arbeitsplatz erschienen?
Nein.

17. Hast du dich schonmal an jemandem gerächt?
Auch wenn Rache süß ist: Nein.

18. Hast du schonmal eine Nahtoderfahrung gehabt?
Ich denke, dass es bei meinem Unfall kurz vor Ende gewesen ist. Aber daran habe ich keine Erinnerung. Von daher habe ich eine solche nicht bewusst wahrgenommen.

19. Bist du schonmal verprügelt worden?
Mein Vater ist mal gewalttätig geworden und hat mich verdroschen. Aber sonst nicht. Eine solche Erfahrung reicht mir, ehrlich gesagt, auch.

20. Hast du schonmal etwas gewonnen?
Tatsächlich habe ich im letzten Jahr 440 € mit einem Los gewonnen, das mir jemand geschenkt hat.

21. Hast du schonmal in der Öffentlichkeit irgendwo hingespuckt?
Ich hasse das, wenn Menschen ihren Speichelfluss nicht unter Kontrolle haben. Vereinzelt habe ich mal eklige Sachen wieder ausgespuckt, zum Beispiel hatte ich mal eine verschimmelte Nuss in einem Schokoladenbonbon. Und ich erinnere mich daran, dass ich auf einem Schulsportplatz mal meinen Oberkörper auf ein Geländer gelehnt habe und dort ein bißchen herumgerotzt habe. Hauptsächlich, um einem Jungen zu imponieren. Das war in der Grundschule.

22. Hast du schonmal ein Auto geschrottet?
Sagen wir es mal so: Ich habe schon mehrmals in einem Auto gesessen, während andere es zerlegt haben. Ich selbst habe noch keinen Schaden verschuldet oder angerichtet.

23. Hast du schonmal ein Tatoo stechen lassen?
Nein.

24. Bist du schonmal wegen Benzinmangel liegengeblieben?
Nein.

25. Bist du schonmal ohne Unterwäsche auf einer Party gewesen?
Nein.

26. Hast du schonmal eine Affäre gehabt?
Nein.

27. Hast du schonmal in der Öffentlichkeit Sex gehabt?
Ja. Allerdings nie demonstrativ.

28. Hast du schonmal gleichgeschlechtlichen Sex gehabt?
Nein. Gekuschelt und geküsst ja, aber Sex nicht.

29. Hast du schonmal jemandem in der Öffentlichkeit die Hose runtergezogen, um ihn oder sie zu blamieren?
Nein.

30. Hast du schonmal nackt im Meer gebadet?
Ja.

31. Hast du schonmal einen Dreier gehabt?
Nein.

32. Hast du schonmal Sex mit jemandem gehabt, der doppelt oder halb so alt war wie du?
Nein. Und nein!

33. Hast du schonmal masturbiert?
Endlich kann ich mal mit „Ja“ antworten!

34. Bist du schonmal angespritzt worden?
Ja.

35. Bist du schonmal angekotzt worden?
Ja. Und es war nicht lecker. In einem Schockraum. Derjenige ist später an einer Hirnblutung verstorben.

36. Hast du schonmal nach Essbaren in Mülltonnen gesucht?
Nein.

37. Bist du schonmal barfuß in Hundekacke getreten?
Nein.

38. Hast du dein Handy schonmal ins Klo fallen lassen?
Nein, tatsächlich noch nie.

39. Hast du schonmal in ein Schwimmbecken gepinkelt?
Ja.

40. Hast du schonmal Alkohol an Minderjährige ausgeschenkt, um sie betrunken zu machen?
Nein!

41. Hast du schonmal Selbstgespräche geführt?
Ja.

42. Hast du schonmal Kaugummi unter den Tisch geklebt?
Nein. Ich esse nur sehr selten Kaugummi und dann spucke ich das in einen Mülleimer und klebe das nicht irgendwo hin, wo sich der nächste die Klamotten versaut.

43. Hast du dich schonmal als Mann verkleidet?
Nein.

44. Hast du schonmal darüber nachgedacht, was Menschen auf deiner Beerdigung sagen würden?
Nein.

45. Hast du dir mal vorgestellt, dass eine tote Person, die du kennst, dich aus dem Himmel beobachtet?
Nein.

46. Hast du dir schonmal heimlich Volksmusik angehört?
Nein. Wenn ich die hören möchte, mache ich daraus kein Geheimnis. Aber ich möchte sie nicht hören. Trotzdem kann wohl jeder hören, was er mag.

47. Hast du schonmal einen Haushaltsgegenstand zum Masturbieren zweckentfremdet?
Nein.

48. Hast du schonmal einen Popel quer durch einen Raum geschossen?
Nein.

49. Hast du schonmal beim Duschen gepinkelt?
Ja.

50. Hast du schonmal Sex für Geld angeboten?
Nein.

Und hier noch die Fragen, die mir in den letzten Wochen über meine Kommentare oder auf anderem Weg gestellt wurden:

– Willst du künftig regulär arbeiten oder wirst du deinen Job nur als Hobby betreiben?
Ich werde regulär arbeiten, allerdings werde ich, sobald ich mit meinem Facharzt fertig bin (2022?), versuchen, die Stunden auf 75% zu reduzieren.

– Wenn du im Sommer mit dem Studium fertig bist, müssen wir dich dann mit „Frau Doktor“ ansprechen?
Ich habe mich bisher von allen Bloglesern duzen lassen und werde das auch weiterhin tun. Da ich nicht promoviert habe, wäre „Frau Doktor“ ohnehin nicht richtig.

– Darfst du, wenn du fertig studiert hast, Gras (also Joints) legal im Rucksack mitführen?
Nein?! Im Gegenteil, das würde mich -je nach Menge- vermutlich meine Approbation kosten.

– Kannst du mir künftig als Ärztin Heroin verordnen, so dass ich es mir aus der Apotheke besorgen kann?
Nein. Es gibt zwar unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, in ein Diamorphin-Behandlungsprogramm aufgenommen zu werden, aber ein einzelner Arzt kann (kann, will und darf) das nicht einfach so verschreiben.

– Was für ein Handy benutzt du derzeit?
Ein Galaxy S7.

– Was für einen Rollstuhl nutzt du derzeit?
Einen Sopur Helium.

– Was für ein Auto fährst du derzeit?
Einen E-Klasse-Kombi Baujahr 2015.

– Was befindet sich gerade in deinem Portmonee?
203,80 Euro in bar, ein USB-Stick, ein Toilettenschlüssel, ein Abholschein aus der Apotheke, eine Gutschein, ein Personalausweis, ein Führerschein, ein Schwerbehindertenausweis, eine Bahncard, eine Gesundheitskarte, eine Geldkarte, eine silberne Visakarte, ein ADAC-Mitgliedsausweis, ein Blutgruppenpass, eine Service-Karte meiner Autoversicherung, ein Studierendenausweis, eine Wertkarte fürs Schwimmbad, ein Organspendeausweis, eine Wertmarke vom Versorgungsamt, ein Fahrzeugschein, drei Kundenkarten.

– Wieviel Grad sind gerade in deinem Zimmer und wieviel Grad sind draußen?
22,5 Grad drinnen und 5,5 Grad draußen.

Terror und Maschinenpistolen

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Es hat in diesem Monat in der westlichen Welt keinen Terroranschlag gegeben – wenn man von den beiden gescheiterten Sprengstoff-Attentaten in New York und Malmö absieht. Wobei beim letzten ja noch nicht klar ist, ob der Täter überhaupt eine politische Motivation hatte. Es scheint, als würde unsere diesjährige Advents- und Weihnachtszeit vom Terror verschont bleiben. Und darüber bin ich sehr froh.

Nachdem ich mir heute die mediale Berichterstattung über einen eigentlich harmlosen Vorfall in der Hamburger Michaelis-Kirche, der sich am Heiligen Abend zugetragen hat, angeschaut habe, drängt sich mir allerdings der Eindruck auf, ein Boulevardblatt könnte den nächsten Anschlag nicht abwarten.

Was war passiert? Ich weiß es aus erster Hand, denn ich war, wie fast jedes Jahr, Besucherin des letzten Heilig-Abend-Gottesdienstes im Hamburger Michel. Dieses Mal waren auch zwei junge Männer in der Kirche. Sie hatten einen Rucksack dabei, haben sich vor dem Gottesdienst unterhalten und sich, offenbar entzückt von der Größe und der Schönheit der über 2.000 Menschen Platz bietenden Kirche, gezielt auf bestimmte Dinge, wie die große Orgel, durch Zeigen aufmerksam gemacht.

Einem Besucher kamen die beiden Männer dadurch offenbar merkwürdig vor, er informierte das anwesende Sicherheitspersonal. Dieses wollte wohl kein Risiko eingehen, konnte die Lage nicht einschätzen, informierte zur Sicherheit die Polizei. Die schickte vier Beamte in Zivil, die diskret zu diesen beiden Männern gingen, ihren Dienstausweis vorzeigten und die beiden „Verdächtigen“ mit nach draußen baten. Dort schaute man offenbar einmal in den Rucksack, fand nichts Verdächtiges, überprüfte die Personalien, fand ebenfalls nichts Verdächtiges, und kam am Ende zu dem Schluss, dass die beiden Jungs völlig harmlos sind und wohl nur Weihnachten feierten.

Ich will das aber nicht einmal kritisieren. Man muss heutzutage ja mit allem rechnen, und der Michel-Gottesdienst böte politischen Wirrköpfen freilich eine gewisse Bühne. Also lieber einmal überprüfen lassen, bevor wirklich etwas passiert.

Auf der Internetseite eines Boulevardblattes heißt es heute darüber:

1. Die Polizei habe die Kirche „gestürmt“. What?! Ein Sturmangriff, der hier gemeint sein dürfte, suggeriert mir, etliche Polizeikräfte seien vor der Tür zusammengezogen worden, hätten sich langsam angenähert und wären dann kämpfend oder zumindest drohend überfallartig, den Überraschungseffekt nutzend oder ihn sogar mit Nebel- und Blendgranaten und der damit verbundenen Verwirrung verstärkend, in das Gebäude eingedrungen, mit einem Gegenangriff rechnend stets das Ziel verfolgend, die betroffenen Personen auszuschalten. Tatsächlich sind vier Leute unauffällig reinschlurft, haben sich unauffällig umgeguckt, die Personen angesprochen, nach draußen begleitet, fertig.

2. „Dreizehn Streifenwagen“ seien entsandt worden. Was bedeutet hätte, dass man aus mehreren Stadtteilen diverse Fahrzeugbesatzungen zum Michel geschickt hätte. Und diese angewiesen hätte, vor der Kirche keinen Lärm zu machen, um die Täter nicht zu warnen. Und auch das Blaulicht auszuschalten, da man es durch die Kirchenfenster sehen könnte. So einen Einsatzbefehl könnte es bestimmt geben. Bestimmt würden dann auch gleich Rettungsdienst und ähnliches alarmiert. Führungsbeamte, … keine Ahnung. Ich habe von alledem nichts mitbekommen. Und auf Nachfrage eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders wollte der Lagedienst der Polizei nur drei eingesetzte Fahrzeuge bestätigen.

3. „Beamte mit Maschinenpistolen stürmten die Kirche“. Ob sie stürmten, hatte ich ja oben schon für mich geklärt. Ob die vier natürlich Maschinenpistolen im Fahrzeug hatten, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, jeder Streifenwagen hat zumindest eine dabei. Wie das in Zivilfahrzeugen ist, weiß ich nicht. In der Kirche habe ich niemanden gesehen, der eine Waffe in der Hand hielt oder gar eine Machinenpistole um den Hals hängen hatte.

4. „Polizisten unterbrachen die Christmesse“. Es handelte sich um einen evangelischen Gottesdienst. Und eine kurze Unterbrechung gab es allenfalls aus Sicht der beiden jungen Männer, als diese für gefühlt zehn Minuten nach draußen gegangen sind, während drinnen weiter gesungen wurde. Die Zivilpolizisten sind so diskret vorgegangen, dass maximal 50 Personen im Umkreis dieser beiden Männer überhaupt etwas mitbekommen haben. Also nicht mal drei Prozent der Besucher.

Ich frage mich jetzt: Warum? Was soll das? Braucht man das?

Und was das Schlimmste ist: Gleich mehrere große Zeitungen, die eigentlich keine Boulevardblätter sind und nach meinen Informationen auch nicht zum selben Verlag gehören, haben diesen Unsinn bereits, offenbar ungeprüft, auf ihre Webseiten übernommen. Und -wie zu erwarten war- dauerte es keine zwei Stunden, bis bei Twitter auch die rechtspopulistische Partei einer Neckar-Großstadt auf diese Meldung aufgesprungen ist.

Na dann: Frohe Weihnachten!

Battle of Potatoes

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Lange habe ich mich darauf gefreut, mal wieder ein paar Tage zusammen mit Marie zu verbringen. Und mit ihren Eltern. Ich bin gestern zu ihr gefahren und kam mittags an, gerade als es zu regnen aufhörte. Bevor ich überhaupt irgendwas sagen konnte, sprang mir ihre dreißig Kilogramm schwere Hündin stürmisch auf den Schoß und schleckte mir mit der Zunge diagonal durch mein Gesicht. Die gute Erziehung wird, wenn man sich so lange nicht gesehen hat, gerne mal vergessen.

Auch wenn es bereits dunkel wurde, bin ich erstmal und endlich mal wieder mit Marie zusammen Handbike gefahren. Zwölf Kilometer sind wir auf dem Deich entlang gesaust, einmal zu einem Badesee und wieder zurück. Weder Marie noch ich haben im Dunkeln im See gebadet, dafür aber diejenige, für die die Pause eigentlich gedacht war. Maries Hündin musste natürlich schwimmen gehen und schleppte alle möglichen Stöcke an. Und war eher enttäuscht, dass niemand einen ins Wasser werfen wollte. Fast demonstrativ legte sie einen völlig vermoderten Ast vor Maries Füße. Wälzte sich im nassen Sand. Wollte einen mindestens drei Meter langen Ast mit nach Hause nehmen. Ließ ihn am Ende aber doch noch zurück, als Marie ihr erklärt hatte, dass die Eigentümer der Autos, an denen sie damit vorbeischrammt, nicht begeistert sein würden.

Als wir wieder zu Hause waren, war ich so müde, dass ich am liebsten sofort ins Bett gefallen wäre. Die letzten Wochen meines Praktischen Jahres haben eindeutig Spuren hinterlassen. Während es auf der chirurgischen Notaufnahme zwar anspruchsvoll, aber zeitlich relativ geregelt zuging, war die chirurgische Station eine ziemliche Quälerei. Ich habe gefühlt mehr Zeit damit verbracht, mich dagegen zu wehren, ausgenutzt zu werden, als mit meinen eigentlichen Aufgaben. Aber nun ist das ja vorbei, mein letztes Drittel wird hoffentlich so entspannt bleiben wie es gerade anfängt.

Ich hatte eiskalte Beine. Das kommt vor, wenn man einige Zeit bei den Temperaturen draußen ist und seine Beine nicht bewegt. Da kann irgendwann auch die am dicksten gefütterte Hose nicht mehr helfen. „Sauna oder Badewanne?“, fragte Marie. So müde, wie ich war: Badewanne. Vor allem, weil ich so lange schon nicht mehr in einer Badewanne war. Während das Wasser einlief, prüfte Marie die einzelnen Badezusätze, die auf dem Wannenrand standen. „Welchen Geruch hätte ich gerne heute nacht neben mir? Lieber Mandel-Öl oder lieber Hibiskus? Ich finde Mandel-Öl gut.“

Lange schon hat mich meine Querschnittlähmung ja nicht mehr bis auf die Knochen blamiert. Es war wohl mal wieder an der Zeit. Ich lag in der Badewanne, Marie stand neben mir und zeigte mir lauter Fotos auf ihrem Tablet und erzählte, erzählte, erzählte. Und ich? Pupste erstmal. Beim ersten, zweiten und dritten Mal habe ich nichts gesagt, beim vierten Mal sagte ich: „Meine Güte, sind das die Bratkartoffeln von heute mittag?“ – „Eher die Zwiebeln dazwischen. Guck mal, das hier war zum Nikolaus, da hat [die Hündin] endlos nach ihrem Knochen gesucht und ist etliche Male an dem Stiefel vorbei gewetzt. Mein Vater war aber auch so fies, dass er mit dem Knochen vorher zehn Mal draußen auf den Steinen herumgerieben hat, um es ihr etwas schwerer zu machen. Am Ende hätte sie fast den Schuh zerlegt, um dran zu kommen. Willst du mich gerade pranken oder spielst du heimlich Silent Hunter 8?“

„Silent Hunter 8? Was ist das denn?“ – „Silent Hunter 8, The Battle of the Bathtub.“ – „Sagt mir nichts.“ – „Das ist ein Videospiel mit U-Booten. Sagt mein Vater immer, wenn ich aus Versehen beim Baden in die Wanne gekackt habe.“ – Jetzt war ich schlagartig wieder wach und strich mit meiner Hand den Badeschaum zur Seite. Igitt. Wurde ich gefragt? Will ich das? Querschnittlähmung kann so eklig sein. Und erniedrigend. Gerade dann, wenn man emotional sowie schon auf dem Zahnfleisch geht, muss sich mein Darm natürlich vom warmen Wasser anregen lassen. Ich stützte mich hoch, setzte mich aufrecht hin.

„Bleib sitzen, ich hole ein Sieb.“ – Marie kam mit einem Küchensieb mit Stil wieder. „Damit schöpfen wir sonst immer die Nudeln ab“, sagte sie ohne eine Miene zu verziehen. Natürlich stimmte das nicht, da sie das Ding nicht aus der Küche, sondern aus einem Putzschrank geholt hatte. Ich weinte inzwischen. Es war einfach zu viel. Für heute. Für den Moment. Marie zog sich Einmalhandschuhe an. Gab mir einen Kuss auf den Mund. Sagte nichts mehr, sondern kümmerte sich um mich. „Wieso kümmerst du dich um die Sauerei?“, fragte ich. Und die Betonung lag auf „du“. – „Weil du jetzt badest. Wenn er sich wieder beruhigt hat, lassen wir einmal das Wasser raus, du duscht dich einmal ab und dann gibt es neues Wasser. Und danach schläfst du dich erstmal aus. Du bist völlig fertig, Jule.“

Als das Wasser getauscht war und Marie kurz draußen war, kam die Hündin rein. Schnüffelte, guckte mich fragend an, leckte mir über die Wange und legte den Kopf auf den Badewannenrand. Als Marie wieder rein kam, drehte sie sich um. „Na du siehst vielleicht bescheuert aus mit dem Schaum auf dem Kopf. Komm mal her“, sagte sie und wischte ihr das Fell trocken. „Und jetzt raus hier, du hast im Bad nichts zu suchen.“ – Jetzt musste ich doch lachen. Marie brachte mir eine Pampers mit. Fehlte nur noch der Schnuller. Aber sie hatte ja recht. Falls das nachts noch weiter gehen sollte.

Ging es aber nicht. Allerdings habe ich vierzehn Stunden durchgeschlafen. Mehr als doppelt so lange als ich zuletzt nachts regelmäßig geschlafen habe. Um zehn Uhr kam Marie, die schon vor einer Stunde aufgestanden war und Frühstück für die ganze Familie vorbereitet hatte, an mein Bett. „Wollen wir frühstücken?“