Schnucki

Natürlich kann ich kurzfristig einspringen und Nachtdienst machen. Dass ich mein obligatorisches Mittagsschläfchen vor dem Nachtdienst nicht hatte, ist nicht weiter schlimm. Dass ich heute morgen eine ambulante OP hatte, auch nicht. Natürlich komme ich, damit mein aktueller Lieblingskollege nicht so alleine ist. Und ich weiß zu schätzen, dass es nur Bereitschaftsdienst ist. Dann kann ich mich vielleicht eine Stunde zwischendurch hinlegen. Ist noch Zeit für einen Klogang, bevor ich spontan los muss? Gerade noch.

Der Lieblingskollege begrüßt mich mit: „Na, Schnucki, gehen bei dir zu Hause auch die Uhren nach?“ – „Du kannst gerne nachfragen, wenn du meinen Namen nicht richtig verstanden hast.“ – „Ach komm, ‚Schnucki‘ ist doch süß. Ist nicht böse gemeint.“ – „Nee, nur sexistisch, ich weiß. Ich geb dir einen Tipp: Lass es einfach sein, auf die Dauer sparst du dir damit jede Menge Ärger ein.“ – „Sind wir heute wieder zickig?“ – „Du raffst es nicht, oder? Dir haben das doch jetzt schon so viele Leute so oft gesagt, was ist daran so schwierig?“ – „Diese Frauenlogik ist jenseits meiner Auffassungsgabe.“ – „Soll ich dir eine geistige Stärkung aus der Apotheke holen?“ – „Wie nennt dein Freund dich denn, wenn nicht ‚Schnucki‘?“

Ich überhöre das und blättere die Übergabevermerke durch. Mein Lieblingskollege wendet sich der männlichen Pflegekraft zu, die die ganze Zeit im Raum ist: „Sie hat auf Durchzug geschaltet.“ – Die Pflegekraft seufzt tief und geht ohne ein Wort nach draußen. Er wendet sich wieder mir zu: „Wenn Schnucki alles durchgelesen hat, könnte sie ja vielleicht in Zimmer 34 schonmal die Kanüle legen.“ – „Jetzt hör mal zu, Kollege: Wenn du mich im Dienst nochmal ‚Schnucki‘ nennst, noch dazu vor anderen Kollegen, dann kriegen wir beide richtig Ärger miteinander.“ – „Soll das heißen, wir gehen demnächst mal zusammen einen trinken? Nein, vergiss es, es macht einfach Spaß, dich zu ärgern. Nimm es einfach nicht so persönlich, ich meine es nicht böse.“ – „Es belästigt mich. Du kannst gerne dein Haus-Schaf so nennen, aber für Kolleginnen am Arbeitsplatz ist das ungeeignet.“ – „Am besten kaufst du dir ein Fahrrad. Aber eins, das nicht so klemmt wie du. Zimmer 34, nicht vergessen, übrigens die Schokolade hier kommt von der Mutter der kleinen Luisa und ist sehr lecker!“

Als wir das nächste Mal auf dem Flur aneinander vorbei kommen, singt er: „Schnucki, ach Schnucki, roll mal nach Kentucki, in die Bar ‚Old Shatterhand‘, dort spielt ne Indianerband.“ – Wie nervig. Keine Ahnung, was man nehmen muss, um so drauf zu sein. Das geht bei ihm ständig so und ich bin (zum Glück) nicht die Einzige.

Um halb drei kann ich mich einen Moment hinlegen. Da er Nachtdienst (und ich Nachtbereitschaft) hat, muss er wach bleiben. Um halb vier piept mein Melder. Als ich auf der Station ankomme, grinst er mich an. Ich überlege, ob meine Haare nicht ordentlich sind oder mein Hemd verknittert ist, er sagt: „Ich mag dein Orgasmus-Face. Oder hast du etwa nur geschlafen?“

Ich würde natürlich gerne etwas unternehmen, denn diese ewigen Sprüche nerven. Leider gibt es immer keinen Zeugen. Und wenn es doch mal einen gibt, wie den Kollegen aus der Pflege, dann sind es Banalitäten. Hinzu kommt, dass meine Oberärztin gefühlt keinen Bock hat, sich um irgendwas zu kümmern. Also eskaliert es irgendwann, und damit es dann fruchtet, schreiben zwei junge Kolleginnen, die er auch schon gefragt hat, ob er ihnen beim Umkleiden helfen soll und warum sie keine schwarzen Strings unter der weißen Hose tragen etc., bereits alles auf. Schnucki hat es bisher noch nicht getan, protokolliert dann aber ab heute auch mal mit.

Warum können so viele Männer eigentlich Komplimente von sexistischen Sprüchen nicht unterscheiden? Ganz viele können das, aber so viele können das eben nicht. Ist es wirklich so kompliziert?

32 Gedanken zu „Schnucki

  1. Ich empfehle dir ein handschriftliches Belästigungsprotokoll. Datum. Uhrzeit. Äußerung. Ggf. Kontext.
    Auch ohne Ohrenzeugen kann das als Indiz genommen werden. Erfahrungsgemäß hört es bei sexistischen Sprüchen nicht auf. Er zieht bereits Kollegen mit rein (Pfleger). Da kann in heftiges Mobbing ausarten.

  2. 1. Der Mitarbeiter geht gar nicht.
    2. "Du kannst gerne dein Hausschaf so nennen." Auch wenn es ernst ist, ich habe schallend gelacht. Dein Humor ist wirklich gut.
    3. Notiere das alles und gib es gesammelt ab.

  3. Nimm einfach den Stock aus dem Ar*** und lächle. Das macht alles viel einfacher und erträglicher. Ja, der ist ein wenig kindisch mit seiner Schnucki. Aber das Lied, was er singt, gibt es wirklich. Er mag dich wahrscheinlich gerne und ist ein wenig überdreht. Und vielleicht sahst du wirklich ganz süß nach deinem Schlaf aus. Meine Frau hat auch dieses Orgasmus-Face und dann sieht sie wirklich süß aus.

  4. Welches Kompliment gefällt dir denn besser? "Du hast die Haare schön?"

    Darf ein Mann einer Frau heute nicht mehr sagen, dass sie sexy aussieht, ohne dass die Frau ihn gleich wegen sexueller Belästigung anzeigt? Was ist das für eine Welt, in der Frau sich rattenscharf anzieht und Mann dann darauf eingeht und ein paar vor die Fresse kriegt?

  5. Ich bezweifle irgendwie, dass Jule sich für die Arbeit "rattenscharf" anzieht. Möglicherweise hat der Anonyme Kommentator über mir zuviele einschlägige Filme über den Krankenhausalltag gesehen um sich ein realistisches Bild über die Arbeitskleidung zu machen.

    Für Komplimente gibt es, wie für alles Andere, einen passenden Rahmen und einen unpassenden. Einer Frau auf dem ersten Date zu sagen, dass sie sexy aussieht, wenn sie sich in schale geworfen hat ist passend. Einer Arbeitskollegin solche Komplimente zu machen, insbesondere wenn sie bereits klar gemacht hat, dass sie stören, ist mehr als unpassend und belästigend.

    Ich sehe nicht warum ihr noch mehr Zeugen braucht. Offenbar sind mindestens Drei Frauen von dem Kollegen belästigt worden. Das sollte hoffentlich reichen.

  6. @Anonym um 14:57

    Ganz simpel: Alles was mit "Schnucki" anfängt und NICHT vom Partner kommt, ist kein Kompliment. Sondern abwertend und belästigend.

    Am Arbeitsplatz bleibt man professionell. Komplimente über das Aussehen sind in keinster Weise eine Notwendigkeit.

  7. Mit der Argumentation der Beiden Kommentatoren über mir ist es dann ja vollkommen ok, einen Deppen immer mit Depp anzusprechen, weil: er benimmt sich ja so. Es ist auch ok, das in aller Öffentlichkeit zu tun und obwohl man weiss, dass Derjenige das nicht möchte – sogar schon mehrfach gesagt hat, dass er das nicht will…

    In diesem Sinne ist der Schnucki einfach ein Depp und andere Kommentatoren dürfen überlegen, ob sie sich angesprochen fühlen.

    Aufschreiben und zur gegebenen Zeit eskalieren, würde ich sagen.

  8. @Anonym 14.54 und 14.57:
    Davon abgesehen, dass nicht nur Jule so angesprochen wird, bedeutet die konsequente Vermeidung ihres Namens eine Beleidigung Ihrer Person. Sie wird weder als erwachsene Frau noch als approbierte Ärztin von diesem Subjekt wahrgenommen. Das ist auf die Dauer beschämend.
    Evtl. hilft es sich vorzustellen, wie es sein könnte auf der Arbeit von den Frauen nur noch mit "Hasi" angesprochen zu werden?

  9. Ich bin von einigen der Kommentare hier sehr angewidert.
    “schnucki“ ist kein Kompliment, und wer das ernsthaft in Frage stellt ist ein widerlicher sexist.

  10. Hhhmmm, also ich als Frau finde Schnucki von einem netten Kollegen gar nicht schlimm. Aber dann muss er ggf auch mit Hase leben. Ich finde das auch nicht sexistisch. Warum auch? Ich finde es höchstens unangebracht, wenn man ganz offenbar kein engeres Kollegenverhältnis hat. Ich glaube aber, dass er statt Schnucki auch andere Dinge sagen könnte. Wenn man eine Person nicht mag, dann ist jeder Spruch ausserhalb der professionellen Ebene falsch.

    Generell habe ich schon das Gefühl, dass du im Dienst tatsächlich etwas arrogant erscheinst. Das könnte aber auch einfach nur ein empfinden von deiner Schutzmauer sein. Ich hatte das Problem nämlich auch mal. Heute lächle ich bei so einem Spruch und sage höchstens mit einem lächeln, dass ich das nicht möchte. Ohne weitere Diskussion. Alles andere bringt die falschen Leute erst richtig in Fahrt und du wirst bald keinen Spaß mehr im Dienst haben.
    Vielleicht täuscht es auch und du bist im Dienst auch total nett und umgänglich.

  11. Moin,

    "Warum können so viele Männer eigentlich Komplimente von sexistischen Sprüchen nicht unterscheiden? Ganz viele können das, aber so viele können das eben nicht. Ist es wirklich so kompliziert?"

    Sie wollen Macht haben. Und beachtet werden. Viele sind m. E. Narzissten.

    Auch ich würde mitprotokollieren. Ich könnte mir eventuell auch nicht verkneifen, ihm mitzuteilen, dass rundum protokolliert wird. Eventuell wäre das aber kontraproduktiv…?

    Ich habe regelmäßig mit ein, zwei nach Aufmerksamkeit heischenden männlichen Exemplaren zu tun, die sich allerdings nicht sexistisch äußern. Sie ließen von mir ab, als sie merkten, dass ich ihnen keine bzw. nicht ausreichend Aufmerksamkeit schenke. Es ist aber fraglich, ob das bei "deinem" Exemplar auch funktionieren würde… was denkst du, Jule?

    Es grüßt, kopfschüttelnd,

    die M.

  12. "Sie wollen Macht haben. Und beachtet werden. Viele sind m. E. Narzissten."

    @die M.

    Wer? Alle Männer? Und unter Frauen gibt es keine Narzissten?

    Deine Verallgemeinerung ist doch ebenfalls sexistisch…

  13. Hallo Jule,
    ich finde es sehr erschreckend wie oft du mit Menschen konfrontiert wirst die deine Grenzen einfach ignorieren, obwohl du diese klar und deutlich kommuniziert hast.
    Und ich finde es deshalb folgerichtig, das Verhalten des Kollegen zu protokollieren, denn scheinbar ist er ohne zusätzliche Konsequenzen nicht fähig sein eigenes Fehlverhalten als solches zu erkennen.

    Ich wünsch' dir ganz viel Kraft und dass die Situation sich bald zu deinem Gunsten ändert.

    Liebe Grüße,

    Florian

  14. @anonym, 20.00 Uhr

    Hallo anonym,

    ich beziehe mich durchaus konkret auf Männer, die sexistische Sprüche nicht von Komplimenten unterscheiden, deswegen das Zitat, und ich schreibe "viele" und bewusst nicht "alle".
    Weiters schreibe ich "ein, zwei".

    Wo konkret siehst du hier meinerseits Sexismus?

    Es grüßt

    die M.

  15. "Warum können so viele Männer eigentlich Komplimente von sexistischen Sprüchen nicht unterscheiden?"

    Nobody is perfect, aber die richtige Frage hier lautet: Warum können so viele Männer eigentlich Komplimente von sexistischen Sprüchen nicht unterscheiden, selbst wenn man es ihnen schon mehrmals gesagt hat?

    Im Übrigen sehe ich keinen Grund, warum Du sowas klaglos ertragen müsstest, auch wenn niemand dabei war. "Schnucki" hört auf oder "Schnucki" muss gehen. Die Oberärztin kannst Du auch überspringen, das wird dann schon runtergereicht. Gibt es keine Frauenbeauftragte, Vertrauensperson, Personalrat?

  16. Das Offenmachen des Protokolls würde ich frühestens angehen, wenn genug auf der Liste ist. Sonst schaltet er um auf Intrige und dann wirds gefährlich.

  17. Lol jetzt kommen wieder die armen "oah, darf man einer Frau kein Kompliment mehr machen?" Opfer.
    Okay, mal ganz klar, damit auch die Langsamen es verstehen:

    Man darf. Wenn man die Frau gut kennt und weiß, dass das in Ordnung geht.
    Man darf NICHT, wenn: es am Arbeitsplatz geschieht.
    Man darf besonders dann NICHT, wenn: einem schon einmal gesagt wurde, dass es nicht erwünscht ist.
    Man darf am allerwenigsten, wenn: Die Beschwerden von mehreren Personen kamen. Je öfter ihr es hört, desto sicherer könnt ihr euch sein: es liegt nicht an der Verklemmtheit anderer, sondern an eurer eigenen Unausstehlichkeit. Hört auf!

    Und jetzt hört auf zu weinen, dass ihr nicht mehr wüsstet, was ihr überhaupt noch sagen dürft. Lernt mal ein bisschen Empathie, die fehlt euch ganz offensichtlich.

  18. Bei manchen Kommentaren hier wird einem ja ganz anders… *würg*

    Mit dem Gejammer: "Verstehen Frauen denn keine Komplimente mehr!? Mimimi!" ist ja zu rechnen, aber von (vermeintlich?) weiblicher Seite ein: "Ich weiß gar nicht was du hast, ich fände das süß, so genannt zu werden!" zu hören, verursacht bei mir ein Schleudertrauma vor lauter Kopfschütteln.

    Wenn irgendein Mensch mit einer bestimmten Bezeichnung nicht versehen werden möchte und der Sprecher setzt sich über den Wunsch hinweg, dass ist das ein saudämliches Machtspielchen, das nichts mit Kompliment(annehmen), (missverstandenem) Flirten oder einem Frauen/Männer-Ding allgemein zu tun.

  19. Das Problem ist doch hier einfach, dass er es tut, obwohl Jule und offenbar auch andere Kolleginnen ihm gesagt haben, dass sie das nicht möchten. Hier geht es nicht primär darum, ob "Schnucki" per se Sexistisch ist oder ob man nicht auch mal einen schlechten, anzüglichen Scherz machen darf – selbst auf Arbeit. Darf man, wenn das eben der gewünschte Umgang miteinander ist, der für beide Beteiligte angenehm ist. weil man sich beispielsweise super versteht. Und dann ist auch "Schnucki" nicht zwangsläufig sexistisch – sobald ein Konsens besteht, ist pauschal nämlich immer alles in Ordnung. Das Problem ist hier also nicht die fehlende politische Korrektheit… sondern es ist einfach die Tatsache, dass er die persönlichen individuellen Grenzen des anderen nicht akzeptieren will, es ist, dass er es tut, obwohl offensichtlich kein Konsens besteht. Das ist kein "Männerproblem", dass ist ein individuelles "ich bin ein ignorantes Arschloch"-Problem. Und ich glaube aus eigener Erfahrung nicht, dass so jemand dann besonders einsichtig wird, wenn du ihm mehr oder minder nett erzählst, dass du ja seine sexistischen Kommentare so gar nicht magst… oder es gar nicht witzig findest… oder dich belästigt fühlst… solche Leute bekommst du – bestenfalls – nur wieder auf ne erträgliche Spur, wenn du ihnen deutlich zeigst, dass sie bei dir unten durch sind und sie ansonsten soweit es geht komplett wie Luft behandelst. Kein Smalltalk, kein Grüßen, kein gar nichts, was nicht eine berufliche Notwendigkeit ist.

  20. Je mehr du dich ärgerst, um so mehr macht es dem Typen Spaß, dich zu ärgern. Das ist für ihn eine Art Machtspiel.

    Probier es doch mal, indem du den Spieß umdrehst, ihm sein bescheuertes Verhalten vor Augen führst und ihn als "Pupsi" oder "Hasi" anredest. So in der Art "Ach, hat Pupsi heute mal wieder seine lustigen fünf Minuten?" oder "Hasi, sei doch so lieb und mach mal dies oder jenes." Und so weiter. Und wenn er dann wütend wird, dann kannst du es ja mit seinen Worten sagen: "Wie jetzt, nennt deine Mami dich nicht Pupsi/Hasi? Sagt sie vielleicht Bubi zu dir?"

  21. Wenn er dich das nächste Mal Schnucki nennt, dann nenn ihn halt einfach nur noch Arschloch oder was ähnlich beleidigendes. Gleiches mit Gleichem vergelten hilft manchmal. Schliesslich ist Arschloch noch nett für so jemanden. Kann auch was anderes sein, aber ich würde konrket etwas beleidigendes nehmen und eben nicht Hasi oder etwas niedliches, weil das würde er bestimmt wieder toll finden.
    Vielleicht fällt dir etwas kreativeres ein, das weniger offensichtlich beleidigend ist, er aber nicht mag. Am besten auf etwas anspielen, auf das er nicht gerade stolz ist oder eben gerade sehr stolz, also Mister Inkompetent oder sowas, wenn er stolz ist auf seine Kompetenz.

    Oder du kommst schlagfertig mit sowas wie, ob er mit seinen Sprüchen eigentlich seine Impotenz überspielen will und danach nennst du ihn nur noch Schlappschwanz. Einfach halt irgendwas, das ihn ebenso ärgert, und wenn er sich dann ärgert, kannst du entsprechend kontern.

    Oder du fragst ihn, ob er eigentlich an seinem Job hängt, den ist er nämlich bald los, wenn ihn mehrere Frauen wegen sexueller Belästigung anzeigen.

  22. NewRaven hat meine Gedanken gut zusammengefasst. Und ja, ich bin wirklich eine Frau und finde es nicht sexistisch. Das bedeutet aber nicht, dass das Verhalten des Kollegen in Ordnung ist. Wer solch Behandlung nicht mag, muss dies natürlich deutlich machen. Aber man muss eben auch bedenken, dass der Typ es einfach nicht rafft, wenn man ihm das vor die Nase knallt. Manche sind eben so und für die ist man dann zickig. Da reicht eben nur eine Ansage ala "Ich möchte so nicht genannt werden, egal was du davon hälst , HASI". Danach würde ich gehen und jeden Spruch ignorieren und nur noch handeln, wenn man vernünftig gefragt wird. Es ist nun mal nicht jeder korrekt im Verhalten. Ich kann andere nicht ändern, nur meine Einstellung dazu. Oder ich handel eben und melde es. Dann muss ich hinter allen Konsequenzen stehen.

    Im übrigen finde ich es äußerst befremdlich, wenn man meint, man dürfe dieses und jenes auf Arbeit nicht. Ich bin froh, dass ich mich auf Arbeit genauso Verhalten kann wie zuhause. Denn was dort nicht hingehört, dass sollte ich auch zuhause nicht tun. Ich darf auch im Dienst Mensch sein.

  23. @Edelnickel

    Ich stimme dir ja größtenteils zu, aber bei
    "Man darf NICHT, wenn: es am Arbeitsplatz geschieht." im Bezug auf Komplimente nicht.

    Man darf nicht vergessen, dass heutzutage Menschen fast die Hälfte ihrer wachen Zeit bei der Arbeit verbringen, bei Ärzten dürfte das sogar über 50% sein.

    Meinst du wirklich, dass vor dem Hintergrund dass es immer mehr Singles gibt die Entwicklung keinesfalls bei der Arbeit einen Partner kennenlernen zu dürfen da wahnsinnig hilfreich ist? Für beide Geschlechter?

  24. Danke für die vielen Kommentare, Anregungen und Reflexionen. Es ist, und ich glaube, das geht aus dem gesamten Text ("Lieblingskollege") schon hervor, ja nicht so, dass das einmal vorkommt. Sondern dass er es regelmäßig wieder macht. Und Sprüche wie "Orgasmus-Face" sind eben auch ständig an der Tagesordnung.

    Mich mit ihm auf eine Stufe stellen, das möchte ich nicht. Zumal er auch älter ist und schon länger dabei als ich. Ich weiß, dass ich noch Frischling bin, aber "Schnucki" muss nun echt nicht sein.

    Es gibt jetzt ein Protokoll und irgendwann demnächst lassen wir zu dritt das Ding platzen. Den Tipp mit der Frauenbeauftragten werde ich besonders berücksichtigen.

  25. Hallo,
    ich (M) hatte das Problem auch zu Schulzeiten.
    Aus meinem engsten Freundeskreis heraus kam die Idee auf, mich Snoopy nennen zu wollen.
    Ich hatte keinen Zusammenhang gesehen, wollte aber auch keinen anderen Namen haben.
    Als dann irgendwann noch jemand anmerkte, dass der Name zu mir passen würde, weil ich genauso treu doof hinter einem aus dem Freundeskreis hinterherwackeln würde, da habe ich mich das erste Mal mit Aussenwirkung beschäftigen müssen.
    Da ich immer schon recht konsequent war, habe ich die Ansprachen immer ignoriert. Allerdings habe ich mich auch von dem "Freundeskreis" Schritt für Schritt distanziert.
    Irgendwann, viel viel später, hatte mich im Rahmen eines Treffens mal jemand darauf angesprochen, warum sich der Name nicht durchgesetzt hatte; Antwort: "Weil ich nicht wollte".

    Leider, kann man das Problem nur selber oder mit sehr gut vertrauten Personen lösen.
    So eine Machtanmaßung gibt es zwischen Männern, Altersgruppen, Geschlechtern und Herkunft.

    Niemand muss bei Komplimenten immer überzeugen. Fettnäpfe brauchen wirklich nicht auszusterben.
    Aber sobald der Gegenüber seine Abneigung kund tut, ist Schluss.
    Alles, aber wirklich alles, was danach kommt ist Anmaßung, Beleidigung bzw. Belästigung.
    Mal nur mal so unter Männern. Wenn mich jemand nervt und mich 20 Mal herumschubst, ich dem Bereich nicht dauerhaft entfleuchen kann und ich von… "bitte lass das", über "ich will das nicht" hin zu, "Vorsicht, sonst passiert was" meine Reaktion steigere, dann gibt es halt irgendetwas auf die 12.

    Das kann sprichwörtlich eine physikalische Reaktion sein, oder aber eine Liste mit Situationen und Zeugen, wie du sie gerade zusammenstellst.

    Das hatte ich dann auch tatsächlich später nochmal.
    Da hatte sich jemand über ein ausgehängtes Pamphlet über mich beschwert, anstelle die verantwortlichen Personen mit hinzuzuziehen.
    Er hatte einen von mir abgelehnten Vorgang nicht akzeptiert.

    Im Ergebnis kam dann meine schriftliche Antwort über den gleichen Weg an die Öffentlichkeit. Inklusive Beschreibung des Ausgangsproblems, meiner Antwort, seiner Reaktion usw.

    Als es danach weitere Blätter gab, die nichts mehr mit der Sache zu tun hatten, habe ich meine Verantwirtlichen eingeschaltet und das Thema war durch.

    Aber, es ist ja nicht so, dass ich nicht auch mal falsch gelegen habe.
    Manchmal dauerte es auch bei mir bis zu meiner Entschuldigung viel zu lange, aber ich versuche immer hinter mir aufzuräumen.

    Es kommt nicht darauf an Fehler zu machen, sondern wie man mit seinen Fehlern umgeht.
    Eine glaubhafte Entschuldigung in einer Situation, lässt zumindest eine Tür für spätere Kommunikation in einer anderen Situation offen.

    Wer das nicht verstanden hat, dem geht es nicht um die Person, sondern nur um sein krankes Machtverhalten.

  26. Also ich seh das soo wie die meisten User hir:

    Kosenamen gehören "nur" ins Private Umfeld und auch nur wenn sich beide Partner einig sind.
    Dumme Sprüche sind OKay solange sich keiner dadurch angegriffen fühlt.

    Das was der Typ da abzieht ist unter aller Kanone, schlimm ist aber auch das die Chefin nicht einschreitet.

    Ich arbeite im Handwerk und da ist der Ton schon öfter mal etwas rauer und kratzt u.U. auch mal am sexistischen, Aber wenn einer solche Kommentare ablassen würde ich glaube der wäre schneler draußen als er Piep sagen kann..

    In diesem sinne:
    Lass dich nicht Unterkriegen und nimm dir die Sprüche nicht zu sehr zu Herzen.

  27. @Anonym
    "Man darf nicht vergessen, dass heutzutage Menschen fast die Hälfte ihrer wachen Zeit bei der Arbeit verbringen, bei Ärzten dürfte das sogar über 50% sein."

    Das macht es nicht okay. Beruf ist Beruf und wenn man sich nicht sehr gut kennt, privat, und ein super Verhältnis miteinander hat und klar geworden ist, dass beide das okay finden, dann hat das im Beruf nichts zu suchen. Das hat aber schon kaum mehr was mit der beruflichen Ebene zu tun sondern mit einer privaten Beziehung im Beruf.

    Partnersuche ist ein anderes Thema.

    Vor der 40h-Woche haben die Menschen übrigens noch mehr Zeit bei der Arbeit verbracht. Aber das nur nebenbei.

  28. Der Vogel weiß sehr wohl, dass das kein Kompliment ist. Darum geht es auch gar nicht. Es geht um Macht. Er hat die Macht, Kolleginnen zu demütigen und solange das geduldet wird, wird er in seinem Tun bestätigt. Er muss ein wirklich armseliger Wurm sein, das nötig zu haben. Ganz, ganz kleines Ego.

  29. Moin, moin,
    steht ja schon viel hier drin, gebe dennoch meinen Senf dazu:
    natürlich kann das Klima zwischen Kollegen so sein, dass es völlig ok ist, den/die andere/n als Hasi, Sugar, Schnucki oder sonst was zu nennen. Das passiert dann aber im Einvernehmen!
    Hier ist die Lage doch ziemlich anders und eindeutig. Wenn der Kollege das dann trotz direkter Ansprache nicht raffen will/kann, dann wird er verbal über griffig. Da geht's dann wirklich tatsächlich um Macht und nicht mehr um Komplimente.
    Das "Orgasmus-face" ist für mich in keiner Situation ein Kompliment. Da darf man mal schmunzeln, da darf man wenn es passt auch sagen die /der andere sähe süß aus, so leicht verpennt usw.
    Für eine passende Gegenwehr gibt's wohl kein Backrezept. Was ist mit Personalrat? Auf keinen Fall auf das Niveau herablassen.
    Gruß Frank

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