Zu viele Gedanken

Es ist ja keinesfalls so, dass ich nur bescheuerte Kollegen um mich herum schare. Ich bekomme hin und wieder Kommentare oder Nachrichten, dass der Eindruck entstünde. Nein, selbstverständlich ist die Mehrzahl der Menschen, mit denen ich irgendwie zu tun habe, so, wie ich mir meine Umwelt vorstelle und wie ich sie akzeptieren kann. Aber darüber jeden Tag zu bloggen, wäre mir zu langweilig. Und ich glaube, das will auch niemand lesen. Und ich glaube auch, dass ich nach über sechs Millionen Klicks behaupten darf, zu wissen, was gelesen wird. Aber hin und wieder muss ich es dennoch erwähnen. Heute zum Beispiel.

Ich beobachte Menschen ja bekanntlich sehr genau. Nein, ich gaffe nicht, aber mir fallen sehr viele Details auf und ich bin auch sehr kritisch. Übrigens auch mit mir selbst. Zwar vorrangig nach meinen eigenen Maßstäben … okay, nicht rumlabern, Socke. Komm auf den Punkt.

Es gibt in meinem Arbeitsbereich einen Kollegen, der demnächst in den wohlverdienten Ruhestand geht. Hat vor etwa vierzig Jahren Medizin studiert, damals gleich im Anschluss seinen Facharzt in Kinderheilkunde gemacht und dann im Krankenhaus gearbeitet. Ohne Ambitionen, dort aufzusteigen und Karriere zu machen, sondern er hat einfach nur gearbeitet. Irgendwann war er mal für 10 Jahre als angestellter Arzt in einer großen Praxis, seit fünf Jahren ist er wieder in der Klinik. Er ist sehr freundlich, sowohl zu mir als auch zu den anderen Kolleginnen und Kollegen, und ich habe das Gefühl, er mag mich sehr. Er lobt mich regelmäßig, er interessiert sich für mich, betont immer wieder, dass ich mich bei Fragen immer an ihn wenden kann, fragt immer, wie es mir geht, wünscht mir immer einen schönen Abend oder ein schönes Wochenende, begrüßt mich, je nach Laune, sogar mal mit „Na, mein Mädchen, wie geht es dir denn heute?“ – auf Plattdeutsch. Ja, wir sind hier im Norden. Und nein, das ist nicht aufdringlich. Und unaufgefordert würde ich es nicht sprechen. Aber es ist für mich völlig okay.

Das alles wäre wunderbar, wenn ich nicht immer so hohe Ansprüche hätte. Jeder Mensch hat ja seine Schwächen und vielleicht auch seine Fehler, und gerade andere, ältere Generationen haben lange Zeit nach ganz anderen Werten gelebt. Oder leben heute noch nach ihnen. Und auch wenn sie fachlich vielleicht nicht in jeder Nische auf dem aktuellen Stand sind, so haben sie doch jahrzehntelange Erfahrung, die auch für junge Menschen ein Segen sein kann, wenn sie denn partizipieren dürfen. Dennoch: Ich kriege selbst mit ihm, der es eigentlich so gut mit mir meint, regelmäßig einen Föhn!

Zum Beispiel neulich: Er behauptet vor einer Runde versammelter Studenten, immer im Krankenhaus gearbeitet zu haben und ein Kritiker von niedergelassenen Ärzten zu sein. Das seien oft Menschen, die nicht teamfähig seien. Mir sind fast die Ohren abgefallen, als ich das beiläufig hörte. Erstmal finde ich diese These schon unmöglich: Wenn ich an Maries Mama denke, und an ihr Praxisteam, wenn ich daran denke, wie sie Marie und mich im Studium in ihre Praxis eingebunden hat, dann rollen sich mir schon die Fußnägel hoch. Ich habe ihn anschließend direkt darauf angesprochen: „Was erzählst du denn hier für einen Scheiß? Du bist doch zehn Jahre lang in einer Praxis gewesen! Warum verleugnest du das?“ – „Das war ja eine Großpraxis, wo wir dennoch im Team arbeiten müssen.“ – Und dann wird ganz schnell das Thema gewechselt.

Anderes Beispiel: Es gibt einen Kollegen, der eine fundamentale Aversion gegen Akten hat. Der ist fachlich sicherlich sehr gut, aber Dokumentation gehört nunmal zum Job genauso dazu. Ich liebe es, heiß zu baden, aber irgendwann muss ich zumindest mal einen Lappen und etwas Scheuermilch nehmen und die Badewanne auswischen. Irgendwann muss ich mein Rennbike auch mal säubern. Oder das Auto aussaugen. Das gehört einfach dazu. Er nimmt Betäubungsmittel aus dem Schrank und schreibt dazu: Nichts. Das geht nicht. Das fällt auch auf mich zurück, wenn da plötzlich was fehlt. Es ist nicht so, dass er damit Schindluder betreibt. Sondern ich glaube, dass er das völlig korrekt einsetzt. Aber er muss es dokumentieren. Und bekommt deswegen auch ständig Ärger. Er spricht dann immer ganz charmant darüber, wie schlusig er doch sei. Neulich musste ich was eintragen, merke aber, dass der Anfangsbestand nicht stimmt. Also hält das den ganzen Betrieb auf. Die Patientin braucht dringend das Medikament, ich bin anschließend damit beschäftigt, die Liste in Ordnung zu bringen. Um es nicht melden zu müssen, was der schlusige Kollege sofort als Angriff werten würde. Mein väterlicher Kollege steht plötzlich neben mir und sagt: „War das wieder der schlusige Kollege? Meine Güte, wie ist der überhaupt Arzt geworden? Entweder ist der ständig voll oder bedröhnt, anders kann ich mir das bald nicht mehr erklären. Das haben wir doch schon so oft gesagt.“ – „Redest du mal mit ihm? Als älterer Kollege? Ich habe das jetzt schon so oft gemacht und jedes Mal ist er hinterher sauer auf mich.“

Was passiert? Er sagt dem schlusigen Kollegen: „Sie ist da halt sehr genau, ist noch sehr jung und so – schreib da einfach irgendwas rein, damit das stimmt und [Socke] Ruhe gibt.“ – Hallo? Wieso fällt er mir in den Rücken? Ich spreche ihn auch darauf an, er sagt: „Dachtest du, ich ändere ihn? Ich habe nur eine Lösung für das aktuelle Problem gesucht. Und um Verständnis für dich gebeten. Da musst du mir schon vertrauen. Alles wird gut. Du musst mehr das Große Ganze sehen, sonst verzettelst du dich.“ – Alles klar, nur die Bücher müssen doch trotzdem stimmen. Sonst brauchen wir den ganzen Zirkus doch nicht zu machen, und wohin das dann führt, wissen doch alle. Was schreibt er rein? Er hat eine Ampulle fallen gelassen. Der ist so dämlich, das ist so unplausibel, wenn dann der nächste Eintrag Tage später von einer anderen Person ist. Wenn ich eine Ampulle runterwerfe, dann hole ich mir sofort einen Zeugen, der die zerbrochene Ampulle sieht, und lasse den das mit unterzeichnen. Und anschließend, und das ist der Knackpunkt, nehme ich die gleiche Ampulle noch einmal raus und mache damit das, was ich vorhatte. Also müsste es zwei Einträge geben. Ist aber nicht mein Problem. Und nein, ich werde nicht petzen gehen. Obwohl es mir gegen den Strich geht.

Drittes Beispiel: Mein väterlicher Kollege kommt auf die Idee, einer jugendlichen Patientin, die bei uns auf der Station liegt, noch ein zusätzliches Medikament zu geben, weil sie so verschleimt ist. Ich will das im Einzelnen nicht beschreiben, weil ich keine inhaltliche Diskussion auslösen will, es ist nur so, dass dieses Medikament in Kombination mit anderen Medikamenten, die sie bereits bekommt, ein absolutes No-Go ist. Steht in jeder Fachinformation, sogar im Beipackzettel, das geht nicht. Sagt er: „Doch, das kann man machen. Zur Nacht nicht, wenn sie schläft, aber tagsüber kann man das durchaus mal tun.“ – Nun muss ich das aber mit verantworten, spätestens wenn ich davon weiß. Ich sehe das nicht nur kritisch, sondern würde das niemals geben, weil ich es anders gelernt habe. Und sage ihm das auch so. Antwort: „Da bist du einfach zu ängstlich. Ich weiß, dass es diese Probleme, die du beschreibst, nicht gibt. Das sind irgendwelche haftungsrelevanten Vorsichtsmaßnahmen des Pharmaherstellers, sonst nichts.“ – Und dann ist er sauer, weil ich den Weg trotzdem nicht mitgehen möchte und mein „Fachwissen“ höher ansetze als seine „Erfahrung“. Und sagt: „Ich werde das bei der nächsten großen Visite ansprechen.“

Ich weiß, ich bin noch lange nicht angekommen. Ich weiß auch, dass es immer wieder Differenzen gibt. Aber es ist so anstrengend manchmal. Selbst mit Leuten, die es wohl insgesamt gut mit mir meinen. Argh. Ich denke wohl zu viel darüber nach. Und mache mir zu viele Gedanken.

20 Gedanken zu „Zu viele Gedanken

  1. Puh, soweit ich das verstanden habe bist du noch recht frisch an der neuen Arbeitsstelle, aber so wie du das beschreibst führst du dich eher so auf, als ob du die Chefin wärst und als einzige wüsstest wie der Laden zu laufen hat. Bei gefährlichen Handlungen von Kollegen sollte man eingreifen, keine Frage, aber ganz erlich, ich würde dich nicht als Kollegin haben wollen.

    Wenn man übermässig häufig mit Kollegen Stress hat, dann könnte man sich auch mal Fragen ob man mit seinem Verhalten mit dazu beiträgt.

  2. Ach Jule, es kommt mir wirklich so bekannt vor! Ich weiß, dass du sehr hohe Ansprüche an deine Kollegen hast, weil du es so von dir gewohnt bist. Aber sie werden diese Ansprüche nie erfüllen kennen. Ich musste leider selbst schmerzhaft erfahren, dass man sich nur kaputtmacht, wenn man so weiter macht. Bitte versuche es einfach mal zu lassen. So lange es wirklich keine Konsequenzen für dich oder Patienten hat, so sprich diese Dinge nicht mehr an. Lass sie ihre Dinge so machen wie sie es wollen. Und du machst es so wie du es brauchst. Du kannst sie nicht ändern und so schwer es auch fällt, manche sind einfach schludrig und es wird nie etwas passieren.

  3. Finde ich nicht, dass Du Dir zu viele Gedanken machst. Stelle Dir mal vor, du wärest autistisch, der damit verbundene Wahrheitsanspruch würde zu ständigen Korrekturen und Konfrontationen mit den Kollegen führen (obwohl es auch autistische Ärzte gibt die im Krankenhaus arbeiten…). Du dagegen bemühst Dich nur um die Vermeidung jeglicher Art von grober Fahrlässigkeit. Also bist Du genau die "Sorte" Arzt die man selber gerne hätte, wenn man ins Krankenhäuschen müßte. Alles gut, Deine Kollegen sind die "schrägen" Typen, nicht Du.

  4. Ich verstehe, dass der Eine oder Andere Leser keine Ahnung von der Brisanz hat, die hier beschrieben wird, und deshalb zu solchen Kommentaren kommt. Betäubungsmittel auf Station sind im verschlossenen Stahlschrank gesichert, den Schlüssel darf nur ein Arzt haben, die Mengen müssen auf das Gramm genau stimmen und übergeben werden, es muss für jedes Medikament eine einzelne Liste fortgeschrieben und jede Entnahme dokumentiert werden. Da kann man nicht einfach mal eine Ampulle rausnehmen und dann ist sie weg. Da würde ich mich auch weigern, irgendwas zu unterschreiben, wenn schon der Anfangsbestand nicht stimmt, und künftig den Schlüssel nur noch gegen Übergabe annehmen (oder sonst eben gar nicht). Ein solcher Kollege würde bei uns, sobald er das einräumt (schlusig), abgemahnt und im Wiederholungsfall fristlos entlassen werden.

  5. "So lange es wirklich keine Konsequenzen für dich oder Patienten hat, so sprich diese Dinge nicht mehr an."

    Hat es ja. Wenn die Betäubungsmittelliste nicht stimmt, kann sie entlassen werden. Sie wäre da nicht die Erste, die wegen eines solchen "formalen Fehlers" ihren Hut nehmen müsste.

    Auch wenn das komisch klingt, aber wenn mir im Nachtdienst eine Ampulle runterfällt, mache ich davon ein Foto, kehre das zusammen und lasse den Dreck bis zur Frühschicht auf dem Mülleimer liegen, damit mir eine Kollegin oder ein Kollege das mit abzeichnen kann. Mich wundert, dass dieser schlusige Mensch noch keine ernsthaften Konsequenzen erleben musste.

  6. Man muss sicherlich nicht mehr als korrekt arbeiten. Ob du das tust, Jule, kann ich nicht einschätzen. Aber wenn in einer Fach-Info steht, dass man A und B nicht zusammen geben darf, dann steht es da nicht aus versicherungsrechtlichen Gründen, denn auf diese Texte hat der Pharmakonzern ja keinen Einfluss, sondern sie werden durch die Überwachungsbehörde angeordnet, wenn genügend passiert ist.

  7. Als Mutter von einem Kind mit ausgeprägter Krankenhauserfahrung wünsch ich mir genau solche Ärzte wie dich. Schon öfter habe ich es erlebt, dass Dr. Schludrig Medikamente anordnet, gegen die das Kind bekanntermaßen allergisch ist, Berichte voller Fehler schreibt oder sich zu haarsträubenden Aussagen hinreißen lässt. Und immer wieder erlebe ich es dann, dass Krankenschwestern und Eltern an Dr. Schludrig vorbei dem Kind helfen. Es gibt zum Glück auch ganz viele absolut korrekte Ärzte, die auf Zack sind wie du. Ich glaube, du bist auf dem richtigen Weg.

  8. @14. Dezember 2018 um 22:02

    Den Schlüssel darf nur der Arzt haben?
    Hab bis jetzt noch in keinem Krankenhaus erlebt, dass nicht das Pflegepersonal diesen Schlüssel hätte! In keinem. Außer vielleicht im OP, aber da gibt es ohnehin mehrere Schlüssel pro Schrank.

    Ich weiß, verantwortungsvoller Umgang mit BTMs ist wichtig, aber mir geht das ganze Geraffel schon ein bisschen auf den Geist.
    Am besten immer zu zweit raus nehmen/austragen, neue Mitarbeiter erst recht und selbst im "Notfall" möglichst erst einmal Buch führen.

    Gleichzeitig habe ich aber selbst als Student schon mehrfach allein im Patientenzimmer! BTMs gespritzt. Hätte ich sonst was machen können. Generell kann man sich das Buch auch sparen, wenn nicht bis der Patient das Mittel genommen hat immer zwei Leute auf die Spritze/die Tablette gucken. Inkonsequenz²

    Worum ging es beim Schleimlöser? Hat die Patientin Codein bekommen? Finde ich bei adäquaten Patienten relativ harmlos, man kann Schleim ja nun auch willkürlich abhusten, Codein soll ja nur unproduktiven Husten unterdrücken.

  9. "Ärzte sind auch nur Menschen." Hach, was für ein Klischee-Satz. Aber es ist was Wahres dran. Ich hab einige Jahre mit Ärzten in einem medizinischen Betrieb zusammengearbeitet, und das hat mir den letzte Rest Respekt vor Ärzten genommen. Wenn die Natur mal wieder einen besseren Idioten erfindet, bekommt er/sie einen medizinischen Doktortitel. Nein, nicht alle Ärzte sind blöd, aber es gibt welche, die besser Taxi fahren oder Straßen fegen sollten. Genau wie in allen anderen Berufsgruppen auch.

    Ich denke, im Krankenhausalltag schleichen sich irgendwann Routine, Bequemlichkeit und Abstumpfung ein. Das führt zu Pfusch. Sei es bei der Dokumentation von BTM oder beim Umgang mit Patienten. Aber anders als bei Möbeltischlern oder Malern ist der Pfusch in dem Berech sehr schnell sehr gefährlich.

    Vor einigen Jahren mußte ich mal einige Tage in einer Uni-Klinik verbringen. Dazu gehörten Blutuntersuchungen und intramuskuläre Injektionen. Alles kein Problem, wäre da nicht ein absolut unfähiger Schlachter gewesen, der schlicht und ergreifend nicht in der Lage war, eine Vene anzustechen, ohne mit der Nadel vorher das umliegende Gewebe zu Hackflisch zu verarbeiten. Am dritten Tag habe ich mich geweigert, mir von diesem Typen Blut abnehmen zu lassen. Das gab etwas Chaos, mit genervtem Chefarzt am Bett. "Herr Tux, verweigern sie die Behandlung?" – "Keineswegs, ich möchte nur meinen Arm weiter benutzen können. Und das geht nicht, wenn der Schlachter darin herumrührt." – "OK, dann macht das bei ihnen ab sofort jemand anderes." – "Mehr wollte ich auch nicht." Zwei Tage später noch einmal fast die gleiche Szene: "Herr Tux, warum verweigern sie die Injektion?" – "Weil ich die Stelle vorher ordentlich desinfiziert haben möchte. Ich hab keinen Bock auf eine zusätzliche Infektion." Es wären 30 Sekunden mehr Arbeit gewesen, auf die die medizinische Kraft keinen Bock hatte. Vielleicht hat sie das Desinfektionmittel auch einfach vergessen. "Desinfizieren oder keine Injektion" war meine Ansage gewesen. Chefarzt: "Ab sofort wird vor Injektionen desinfiziert." – "Na also, geht doch."

    Klar, Einzelfälle. Und Mediziner in Ausbildung. "Sorry, ich find die blöde Vene nicht. Soll ich mal den anderen Arm versuchen?" Beim Zahnarzt (nach Rückfrage vom Arzt) 10 Minuten mit dem Sensor vom Digital-Röntgen im Mund rumfummeln, weil eine Azubine den Umgang damit lernen soll. Alles kein Problem. Aber wer mit seinen Händen ungefähr so geschickt ist wie ich mit einem eingeschlafenen linken Fuß, sollte nicht zum Blut abnehmen auf Patienten losgelassen werden. Auch nicht, wenn Papa einen neuen Klinikflügel spendiert (was ich nicht unterstellen möchte, aber der Eindruck drängte sich sehr auf). Und wer aus Faulheit die Gesundheit der Patienten gefährdet, hat im Krankenhaus (oder auch in einer Praxis) nichts verloren.

    In meinem Beruf kann Pfusch dazu führen, dass Menschenleben gefährtet werden. Mein Chef erwartet zu recht von mir, dass ich nicht pfusche, sondern sauber und sorgfältig arbeite und mich an bestenende Normen und Vorschriften halte. Und genau das erwarte ich auch von Leuten, die mich medizinisch behandeln, egal ob einfacher Krankenpfleger oder Chefärztin.

    Tux2000

  10. Hallo Jule, bitte höre auf, an dir zu zweifeln. Das kostet Kraft, die du brauchst, um all diesen (subtilen) Formen von Gewalt die Stirn zu bieten. Du hast nicht die Macht, die Leute zu ändern, aber entlang deines Empfindens, was in einer Situation korrekt ist, setzt du deine Grenzen und verweigerst damit (subtile) Mittäterschaft. Von einem "väterlichen" Kollegen, der mir so in den Rücken fällt, würde ich mich nicht mehr vertraulich mit "Mädchen" anreden lassen wollen… — Ich freue mich sehr über Eure gelungene "Familienzusammenführung", die glückliche Fassungslosigkeit von Helena in der ihr so wohltuenden Nestwärme und das therapeutische Durchstarten mit Hilfe von Maries Mutter. Gute Besserung für den Fuß!!

  11. Ich hätte dich sehr gern als Kollegin!
    Es geht darum richtig zu handeln, nicht um „Stress“ zu vermeiden. Der Stress, wenn etwas passiert, ist viel größer und ggf hängt ein Leben daran. Und ehrlich-die Befindlichkeiten der anderen sind mir da egal. Mein Gewissen und berufrechtliche Pflichten müssen stimmen. Von Duckmäusertum oder „sei doch nicht so, weil zu jung/zu unerfahren/ne Frau/oh Gott die anderen haben dann Stress“ habe ich die Nase voll,
    Danke für deine Arbeit. Und deine Beiträge,

  12. Du bist eine sehr gute Ärztin und nimmst deinen Job zurecht völlig ernst. Die Kollegen sind da entspannter und schneiden schon mal die Kurve. Weil das ja geht. Weil man das ja immer so gemacht hat. Weil man doch nicht immer exakt nach den Regeln vorgehen kann. Weil das doch viel zu stressig ist. Weil das doch so in der Praxis viel besser ist. Weil da nie was passiert ist.

    Solange bis was passiert.

    Etwa bei der Kontraindikation. Natürlich hat der Kollege da nie Probleme gesehen. Der Beipackzettel beschreibt ja meist nur eine Möglichkeit. Muss nicht zwangsläufig so kommen. In der Praxis hat es funktioniert. Solang bis es danebengeht. Wenn er meint, er wüsste einen sicheren Einsatz, soll er einen Fachartikel schreiben und Kontakt mit klinischen Forschern aufnehmen.

    Bei dem BTM-Fall-Fall dachte ich zuerst, "Nicht in Ordnung, aber nicht Jules Problem. Steht ja nur falsch drin. Kommt nie raus und wenn, dann muss sich der Kollege rechtfertigen". "Kommt nie raus". Dann las ich deinen Einwand, dass dann eine zweite Ampulle fehlen müsste. Ja von wegen "Kommt nie raus". Gut gedacht Frau Kommissarin. Du bist mir über. Und Du bist vermutlich 90% deiner Kollegen über. Minimum. Da hab ich keinen wirklich guten Tipp, was man da machen kann – wenn es einen gibt, wüsstest Du ihn wohl schon denn Du bist mir ja – siehe vorhergehenden Satz.

    Der Mensch ist ein zur Schlamperei neigendes Wesen. Die Kluft zwischen Fassade und Wirklichkeit meist tief. Wer gründlich arbeitet, ist oft schon deswegen der Außenseiter, nicht nur in der Medizin. Er hält den Betrieb auf mit seiner Pedanterie. https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bgh-azrizr115-arbeitstempo-richter-dienstrecht-erledigungsquote-richterliche-unabhaengigkeit/

    Es ist leicht gesagt und es bürdet dir eigentlich eine viel zu große Last an Erwartungshaltung auf, aber ich schließe mich dem an, was schon viele hier gesagt haben. Bleib, wie Du bist. Ich kann nur wiedermal hoffen, dass Du so einigermaßen durchkommst. Die Kollegen vielleicht ein bisschen reformieren und ein bisschen wegsehen, wo es nicht so relevant ist. Aber was weiß ich schon (siehe oben).

  13. Ich mag vielleicht etwas ignorant sein, aber: Gibt es bei euch keine Mitarbeiterbesprechungen, bei der solche Sachen auf den Tisch gehören? Oder ein Betriebsrat o.ä.?

    Der eine ist ein I…, der deinen Job und deine Reputation gefährdet. Der andere fällt dir in den Rücken und sabotiert dich – lästert aber gleichzeit über "Teamunfähigkeit" anderer.

    Ich gebe zu: Ich möchte mit dir nicht tauschen.

  14. Was sagt Marias Mutter denn dazu (oder andere Ärztinnen, die doch ihrerzeit sicherlich vergleichbare Erfahrungen haben machen müssen?) Wie sind die damit umgegangen und wie war die Reaktion des Umfelds auf ihre Art Lösung?

    Ich glaube über das von den Personen mitgeteilte kannst du dir dann sinnvoller Gedanken machen als über Meinungen von Leuten in den Kommentaren hier, die weder dich noch die Situation genauer kennen, da sie nie in einer vergleichbaren waren. 😉

  15. Hallo Jule,

    du machst das genau richtig. Und mir geht es oft wie dir, auch wenn es in meinem Beruf nicht um Menschenleben geht. Die Fehler der Kollegen fallen auf alle zurück. Das belastet das Betriebsklima. An manchen Tagen, wenn ich gerade nicht weiß, was ich zuerst machen soll, nervt es besonders, wenn mal wieder jemand Fehler aus Faulheit oder Gedankenlosigkeit gemacht hat. Dann frage ich mich, ob ich das alles zu ernst nehme. Rückblickend erkenne ich immer: Nein, es sind die anderen, die zu demotiviert sind und uns damit alle runter ziehen. Ich finde es auch sehr gut, dass du die Kollegen direkt ansprichst. Dazu gehört Mut und Fingerspitzengefühl, damit sich niemand angegriffen fühlt. So lange du freundlich bleibst, hoffe ich, dass du nie aufhörst, so gewissenhaft zu arbeiten und das auch von anderen zu verlangen.

  16. Juliane, es fehlt dir einfach noch an Lebenswrfahrung, das ist alles!
    Auch wenn ich deine Geschichten manchmal gerne lese, aber du bist nicht der Nabel der Welt, wirklich nicht!
    Dessen solltest du dir klar werden.
    Auch du machst Fehler.
    Vielleicht war es auch ein Fehler dich fürs Medizinstudium zuzulassen? Du weißt, du bist nicht auf dem üblichen , legalen Weg dazugekommen.

    Deshalb glaub mir: andere Leute wissen auch was. Und du musst nich lernen, auch wenn du es dir niemals ( wahrscheinlich) zugestehen wirst können! Schade!

    Bea

  17. Also, Dein väterlicher Kollege hat Dich zum Buhmann/frau gemacht, als er dem dusseligen Schussel sagte, er solle die Betäubungsmedis immer aufschreiben, wenn er welche entnimmt, damit Du, Socke, nicht so n Theater machst, richtig?? Damit macht er Dich zum Sündenbock, erlaubt dem Schussel, dass er nicht aufschreiben muss und untergräbt Deine noch junge Autorität. Und das würde ich ihm sagen. Bzw, wenn er nicht hinter Dir stehen will, dann musst Du dem Schussel klipp und klar sagen, dass Du dafür nicht mehr gerade stehen kannst, willst, und wenn er das nächste Mal nichts aufschreibt, selber etwas dazu schreibst. Sonst macht er das auf seine charmante Art weiter. Manchmal muss man sich eben unbeliebt machen. LG

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