Infekt und Mobilität

Ich wollte gerade schon schreiben, dass nichts Außergewöhnliches passiert ist, da sitze ich im Dienstzimmer, schreibe noch meinen letzten Bericht fertig, habe eigentlich schon Feierabend und alles an meine Nachtdienst-Kollegin übergeben und sehe plötzlich einen Kopf um die Ecke des hölzernen Türrahmens schauen. „Frau Socke? Könnten Sie sich noch um eine ambulante Patientin kümmern?“ – „Kann das nicht die Kollegin machen? Ich bin jetzt seit 12 Stunden hier und habe eigentlich Feierabend.“ – „Theoretisch schon, sie hat auch gerade nicht viel zu tun, aber wenn ich Ihnen morgen davon erzähle, würden Sie mich anmeckern, wenn ich Ihnen die Dame vorenthalten hätte.“ – „Wieso? Kenne ich sie?“ – „Möglich. Auf jeden Fall rollt sie auch. Ist 17 und total schüchtern. Hat Fieber und ein intimes Problem, wie sie sagt. Möchte bitte von einer Frau behandelt werden.“

Wieder eine mit Haselnüssen? Oder anderem Spielzeug? Aber eine rollende Patientin weckt dann doch mein Interesse. Wie gut, dass ich noch nicht umgezogen bin. Ich rolle um die Ecke, schiebe die Tür hinter mir zu und werde mit großen Augen angeschaut. „Wer bist du denn? Wir Rollifahrer sagen ‚du‘, oder?“ – „Wie kann ich dir denn helfen?“ – Sie seufzt. Druckst rum. Ich beginne zu raten: „Blase, Darm, Druckstelle.“ – „Blase, ja.“ – Sie fängt an zu weinen. Es ist ein einfacher Harnwegs-Infekt, ihr allererster, und ihr ist das alles unendlich peinlich. Die Nieren waren bei der Untersuchung unauffällig, vermutlich ist nur die Blase betroffen. Am Ende haben wir eine Probe zur Keimbestimmung gewinnen können, die aber erstmal gezüchtet werden muss. Anhand ihrer Angaben (war nicht im Krankenhaus, hatte keinen Geschlechtsverkehr), ist es höchstwahrscheinlich, dass ein Darmkeim für den Infekt verantwortlich ist. Mit Blick darauf, dass sie bereits Fieber hat und wegen ihrer angeborenen Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden besteht, hat sie ein Penicillin gegen den vermutlich gram-negativen Erreger aufgeschrieben bekommen.

Mit ein paar Tipps und Infos, unter welchen Umständen sie noch einmal zum Arzt muss, darf sie wieder nach Hause. Sie bedankt sich mehrmals und scheint froh zu sein, einerseits zu wissen, woran sie ist, andererseits eine gute Chance zu haben, dass das schon morgen wesentlich besser ist. Ich mache Feierabend, setze mich ins Auto und muss noch an einer Apotheke vorbei, um Insulin für Helena zu holen. Das wollte ich gestern schon und vorgestern, aber ständig muss ich länger bleiben, weil nicht genügend Personal da ist. Heute nun könnte ich es noch gerade vor 20 Uhr schaffen, in die Apotheke zu kommen. Vier Straßen weiter, ich stehe bereits auf dem Kundenparkplatz, schließt die Mitarbeiterin gerade die Tür ab. Es ist zehn Minuten vor Acht.

Ich rolle bis vor die Tür. Die Mitarbeiterin lässt mich mit genervtem Gesichtsausdruck doch noch rein. Ohne nachzuschauen weiß sie: „Das müssen wir bestellen.“ – „Eigentlich hatte ich angerufen.“ – „Mit wem haben Sie gesprochen?“ – Das ist doch jetzt völlig egal, oder? Ich zucke mit den Schultern. „Aber Sie sind sich sicher, dass es unsere Apotheke war?“ – Noch so ein Spruch nach einem Zwölfstundendienst und ich springe über den Tresen. Sie geht los, schaut in den Kühlschrank. „Haben Sie Glück, haben wir da. Sie wissen, wie Sie das anwenden müssen?“ – Ich sage nichts. Niemand bekommt Insulin verordnet, ohne zu wissen, was er damit machen soll. Aber sie will auch gar keine Antwort. „Möchten Sie ein paar Gummibären dazu? Oder Taschentücher?“ – „Nein, vielen Dank.“ – „Eine Zeitschrift?“ – „Nein.“ – Sie ist noch gar nicht fertig, da geht sie seufzend an mir vorbei zur Tür und öffnet sie erneut. Wer kommt rein? Die Patientin von eben. Ich darf nichts sagen. Aber sie spricht mich an, dieses Mal überhaupt nicht schüchtern: „Hey, das ist ja ein Zufall! Lange nicht gesehen, würde ich sagen.“ – „Tja, da hast du recht. Und, was machst du hier? Bist du krank?“ – Sie grinst: „War gerade im Krankenhaus. Harnwegsinfekt. Aber die haben tolles Personal da. Sehr einfühlsam und so. Und ich musste überhaupt nicht lange warten.“

Ich nehme mein Insulin auf den Schoß, die junge Frau kommt dran. „Oh, das hab ich nicht hier. Davon hatte ich heute schon mehrere. Brauchen Sie das dringend?“ – „Ich glaube schon“, sagt die Patientin und guckt mich an. Ich nicke. Die Mitarbeiterin sagt: „Ich könnte Ihnen ein ähnliches Präparat geben, da müsste ich aber einmal mit dem Krankenhaus Rücksprache halten.“ – „Entschuldigung, an welches haben Sie dabei denn gedacht?“, frage ich. Die Mitarbeiterin fährt mich an: „Geht Sie das was an? Sie haben Ihr Insulin bekommen, da ist die Tür, auf Wiedersehen. Und nächstes Mal bitte nicht wieder fünf Minuten vor Ladenschluss, wir wollen auch mal nach Hause.“ – Alter Verwalter! Schlecht gefrühstückt? Bevor ich was antworten kann, wiederholt die Patientin: „An welches denken Sie denn dabei?“ – „Ich würde Ihnen […] geben. Das ist aus derselben Gruppe.“ – Ich ergänze: „Naja, das wird aber vom Darm ganz schlecht aufgenommen.“ – „Das stimmt ja so nicht“, sagt die Mitarbeiterin.

Okay, sie kennt die Evidenz nicht. Interessant, aber erstmal egal. Wenn ich mit einer Querschnittlähmung (und der damit einhergehenden relativen Darmlähmung und fehlender Kontrolle über den Schließmuskel) davon abhängig bin, möglichst nicht noch Durchfall zu bekommen (und dadurch nebenbei möglicherweise noch mehr Keime in den Harnweg), sollte ich schon Präparate vermeiden, von denen bekannt ist, dass sie vom Darm schlecht aufgenommen werden, dort entsprechend lange verbleiben und die ganze Besiedlung killen. Das sollte schon mit einfließen in die Auswahl. Ich sage: „Ich würde alternativ […] geben, wenn Sie das vorrätig haben.“ – „Das hätte ich da. Aber das können wir jetzt hier nicht so einfach austauschen, das müsste das Krankenhaus entscheiden.“ – „Das entscheidet das Krankenhaus so. Gib mir mal bitte die Verordnung“, sage ich zu der Patientin, die in derselben Sekunde das Rezept vom Tisch nimmt, es mir grinsend unter die Nase hält und aus der in ihre Rückenlehne eingenähten Tasche einen Kugelschreiber hervorzaubert.

„Sie können da jetzt aber nicht einfach so drauf herum malen“, sagt die Mitarbeiterin und guckt mich mit großen Augen an. Ich denke mir so: Ich kann noch ganz andere Dinge. Und ich würde hier auch nicht so eine Show abziehen, wenn du mich eben nicht grundlos so rotzfrech angemacht hättest. Ich antworte: „Ich male nicht, ich ändere nur den Verordnungstext. Können Sie mir sagen, mit welchem Hersteller die [Krankenkasse] da Verträge hat? Dann würde ich den gleich aufschreiben.“ – Die Mitarbeiterin verschwindet im hinteren Teil der Apotheke und kommt kurz danach mit der Apothekerin wieder. Zu erkennen am Namensschild und den hübschen silbernen Knöpfen am Kittel. Sie stellt sich zwischen uns, beugt sich herunter und schaut sich die Verordnung an. „Haben Sie das gerade geändert?“ – „Ja, Sie haben das, was ich der Patientin ursprünglich verordnet hatte, nicht hier.“ – „Was heißt ‚ursprünglich verordnet‘?“ – „Die Patientin war vor einer halben Stunde bei mir in der Ambulanz und hat dort diese Verordnung bekommen. Nur das Präparat haben Sie nicht da.“ – „Können Sie sich mal bitte ausweisen?“ – „Liegt im Auto.“ – „Jaja. Ich komme da mal mit.“ – „Ach, wären Sie dann vielleicht so freundlich, bei dem Regen? Ich gebe Ihnen eben meinen Schlüssel, mein Portmonee liegt im Fach in der Fahrertür. Das geht schneller, als wenn ich die ganze Rampe entlang fahren muss. Schauen Sie, der dort hinten.“

Hauptsache, sie fährt nicht mit meinem Auto weg. Nein, sie kommt mit meinem Portmonee wieder. Ich krame den Ausweis von der Klinik raus. Den von der Handwerkskammer will sie gar nicht mehr sehen. „Können Sie wieder wegpacken. Sie müssen uns aber auch verstehen. Das kommt ja nun nicht alle Tage vor, dass jemand seine Patienten in die Apotheke begleitet.“ – „Wir haben uns hier zufällig wiedergetroffen. Und mit dem Verständnis ist das so eine Sache. Wissen Sie, ich bin heute morgen auch um 7 Uhr angefangen, hatte noch nichts Vernünftiges zu essen, und hatte am Telefon gefragt, wie lange Sie da sind. Bis acht, hieß es. Und zehn Minuten vor Acht ist bei mir eben ‚bis Acht‘, vor allem, wenn ich nur etwas rausholen möchte.“ – Die Dame hinter dem Tisch bekommt einen hochroten Kopf.

„Was machen wir jetzt hier?“ – Sie deutet auf die Patientin mit dem Harnwegsinfekt. Die Mitarbeiterin hinter dem Tisch sagt: „Ich hatte […] empfohlen, aber das wollte sie nicht.“ – Meine Güte, mach Feierabend! Ich frage meine Patientin: „Darf ich was zur Diagnose sagen?“ – „Jaja, unbedingt.“ – „Bei einer Darmlähmung ist das nicht sinnvoll.“ – Die Apothekerin sagt: „Nee, das würde ich dann auch nicht machen.“ – Danke. Und ich hätte es ihr nicht noch einmal unter die Nase gerieben, wenn die Mitarbeiterin nicht noch einmal davon angefangen hätte. Zumal es meine Verantwortung ist und es auch die Apothekerin eigentlich nichts angeht, warum ich das so oder anders entscheide.

Zu Hause angekommen, werde ich begrüßt. Helenas Rollstuhl wurde heute geliefert. Das Blau gefällt mir noch besser als in dem Katalog. Ein „Speedy 4teen“, ein typischer Rolli für Jugendliche. „Ich war mit Marie vorhin schon einkaufen damit. Der fährt sich super! Und der ist total wendig! Und ich bin mindestens genauso schnell wie sie. Und morgen fahre ich damit zur Schule. Und kann eine halbe Stunde länger schlafen.“ – „Meinst du denn, dass das alle akzeptieren können? Oder gibt es blöde Kommentare, wenn du da mit so einem Ding ankommst?“ – „Es gibt blöde Kommentare. Aber die gibt es auch, wenn ich im Regen stolper und mit der Nase voraus in den Dreck falle.“ – „Nicht wirklich.“ – „Ja, doch. Voll auffe Fresse. Und alle stehen daneben und klatschen. Aber [ihre beste Freundin] kam angelaufen und hat mir geholfen. Ich wäre aber auch alleine wieder hochgekommen. Ich habe das schon geklärt, in der Klasse kann ich den hinten in der Ecke parken und dann da zu Fuß rumlaufen.“ – „Das klingt nach einem Plan.“ – „Gut, oder?!“

„Sehr gut.“ – „Schade, dass das draußen regnet und kein Sommer ist, sonst wären wir zwei noch eine Runde um die Häuser gefahren, Jule. Du und ich und Marie. Oder alle nochmal ans Wasser und schauen, ob heute Wellen da sind. Und ein Foto machen vom Sonnenuntergang.“ – „Da brauchst du wirklich noch etwas Geduld. Aber es wird schon ganz bald wieder wärmer.“ – „Ich möchte mit euch im Meer schwimmen. Und Sandburgen bauen.“

Gib dem Kind Mobilität!

15 Gedanken zu „Infekt und Mobilität

  1. Meine Güte, Dein Magnet funktioniert wirklich zuverlässig. Kannst Du den nicht mal in Urlaub schicken? 😉

  2. Ich staune auch immer mal wieder über diesen Magneten!
    Aber das Gespräch liest sich sehr amüsant von außen – genauso hatte die Mitarbeiterin sich das verdient 😉

  3. Genau wg. solcher Beiträge liebe ich deinen Blog einfach! Auch wenn die Olle sicherlich höchst nervig war, finde ich es einfach genial, wie du solchen Schrullen dann trotzdem noch ein Schnippchen schlägst :-). Das hat einfach ganz hervorragend gepasst mit euch beiden Rollis und ich hätte zu gerne das Gesicht der Mitarbeiterin gesehen, als du da auf dem Zettel angefangen hast herumzumalen ;-D.

  4. Moin, moin,
    ich denke gerade darüber nach, was passiert wäre, wenn du nicht zufällig dabei gewesen wärest, als die Patientin dein Rezept einlösen wollte.
    Vielleicht sollte man der Apothekerin noch einmal deutlich aufzeigen, wie inkompetent ihre Verkäuferin ist. Abgesehen davon, dass es unmöglich ist, schon 19:50 abzuschließen, wenn bis 20:00 geöffnet ist.
    Bezüglich deiner Aussage, niemand bekäme Insulin verordnet, der nicht wüsste, was er damit tun soll befürchte ich, dass es da viele Patienten gibt, die ihre Diabetes nicht verstehen und auch nicht verstanden haben, was das externe Insulin in ihrem Körper macht. Von Spritz- Essabständen will ich mal lieber gar nicht anfangen. Ich habe da auf meiner Schulung Leute erlebt, die haben einfach nichts verstanden und das waren nicht nur Senioren.
    GRuß Frank

  5. @Frank: Wenn ich nicht zufällig dort gewesen wäre, hätte die Dame meine Nachtdienst-Kollegin angerufen und sich dort das okay für das andere Medikament geholt. Ich kann die Kollegin nicht einschätzen, ob sie die Akte öffnet oder ob sie einfach nur überlegt, ob die beiden Antibiotika generell austauschbar sind. Und ja, ich gebe dir völlig Recht, nicht alle, die sich Insulin spritzen, wissen, was sie da tun. Aber ich bezweifel doch, dass sich das bei diesen Menschen in der Apotheke beheben ließe.

  6. Vermutlich war es einfach Routine, auch beim Insulin nachzufragen. Dass ein Patient gleich „mit Arzt kommt“ bzw. die sich in der Apotheke treffen ist schon ungewöhnlich, dass die Apothekerin da misstrauisch ist, wer jetzt das Rezept ändert, kann ich verstehen. Da würde mich das Gegenteil mehr beunruhigen.

    Zu den Mitschülern: Wäre es möglich, dass mal ein Projekttag zum Thema Rolli oder Behinderungen allgemein gemacht wird? An meiner Schule wurden Schülergruppen losgeschickt, um Barrierefreiheit zu testen – je zwei Schüler zu Fuß mit einem, der im Rolli saß (der auch laufen konnte, aber striktes Aufstehverbot hatte). Das hat für mehr Rücksicht im Schulalltag gesorgt. Wir hatten zwei Schüler und einen Lehrer im Rolli. Integration/Inklusion war zu der Zeit noch nicht an Regelschulen vorgesehen.

  7. Naja, verstehen kann ich die Helferin schon. Auch wenn ich es so nicht gemacht hätte. Jule, du hast auch keinen guten Ton drauf. Und so wie es in den Wald hineinruft…: Eigentlich hatte ich angerufen, noch so ein Spruch und ich springe über den Tresen, ich antworte nicht.
    Du kommst oft aggressiv rüber. ( oder du bist oft aggressiv 🙂 ).
    Hey, für mich sind 12-Stunden Tage auch normal . Aber so respektlos habe ich nich nie jemanden behandelt.
    Schnauze doch Marie mal so an zuhause.!
    Ja, ich finds nicht gut dass du immer andere bloßstellst. Und dabei den größten Dreck am Stecken hast.
    Auch wenn du es nicht lesen willst.
    Trotzdem viele Grüße

  8. @Bea: Ich kann deine Gedanken nicht nachvollziehen. Du schreibst: „Wie man in den Wald hineinruft…“

    Wie wird denn in den Wald hineingerufen? Da kommt eine Kundin, die (vermutlich für ein paar hundert Euro) vorbestellte Medikamente abholen will und dann sperrt man ihr während der Öffnungszeiten die Tür vor der Nase zu. Das ist schonmal die erste Frechheit. Warum schließe ich die Tür ab, wenn ich die Leute anschließend doch noch reinlasse? Doch nur, um mitzuteilen, dass sie (um diese Zeit) nicht willkommen sind. Reine Dominanz. Wie ja auch später noch durchsickert: „Da ist die Tür.“

    Ich könnte ja Umsatz machen, wenn nur diese nervigen Kunden nicht wären, die bei mir einkaufen und mein Geschäft sichern. Und gerade bei Insulin … es könnte ja eine Stammkundin werden. Der stoße ich am besten gleich mal vor den Kopf! Geht überhaupt nicht!

    Zweite Frechheit: Ohne nachzugucken sagen, dass man etwas nicht da hat. Was soll das? Wenn Jule jetzt sofort wieder los wäre, wäre ihr der Umsatz durch die Lappen gegangen. Obwohl das Medikament vorrätig ist. Kann nicht im Interesse der Apotheke sein, also hatte es einen anderen Hintergrund: Die Angestellte ist latent aggressiv und will dominieren.

    Dritte Frechheit: Die Kundin sagt, sie habe angerufen. Ich äußere: „Mit wem haben Sie gesprochen?“ Und signalisiere dem Kunden, spätestens mit dem Satz, ob er sich sicher ist, in der richtigen Apotheke zu sein, dass ich davon ausgehe, dass er zu doof zum Telefonieren ist.

    Da wäre ich auf jeden Fall als Kunde aggressiv und auch mit Recht. Nur: Jule bleibt sachlich. Sie denkt sich zwar sowas wie „ich springe gleich über den Tresen“, aber sie sagt es nicht. Das halte ich für völlig legitim, zumal für mich deutlich wird, dass sie das auch ein wenig scherzhaft meint, denn sie kann ja gar nicht über den Tresen springen. Das ist für mich sowas wie „du gehst heute barfuß ins Bett“.

    Dreck am Stecken? Lesen wir dasselbe Blog?

  9. @Nanny Ogg, in Berlin hat der Blindenverein ein Schulteam. Schulen können sich bei Bedarf über den Blindenverein einen Blinden einladen. Der Koordinator fragt dann in den Kreis der angemeldeten, ob jemand Zeit und Lust hat. Der Blinde muss dann praktisch Rede und Antwort stehen. Ich war schon ein Mal und bald ist das zweite Mal. Zudem gibt es hier die lebendige Bibliothek, wo behinderte oder auch bestimmte Berufsgruppen als Bücher hingehen und die Kunden für je 20 Minuten mit ihnen sprechen können. Eine sehbehinderte Freundin geht dort hin. Ich selbst bin blind.

    So etwas wäre für andere Städte und Behindertengruppen sicher auch denkbar, weiß nicht, was es da gibt.

    Gruß Sebastian

  10. Also ich arbeite selbst als PTA in einer großen Apotheke und kann verstehen, dass auch mal Schluss sein muss. Wann das ist, steht draußen am Schild. Wir kämen nie auf die Idee, die Apotheke zehn Minuten vorher zuzusperren, das verägert doch alle Kunden, die sich den Besuch bei uns eng in ihren Tagesplan eintakten. Und alles, was danach noch kam, hätte bei uns ein sehr deutliches Gespräch beim Chef nach sich gezogen. Das wäre mir im Traum nicht eingefallen, mit einer Kundin so umzuspringen. Es gibt Kunden, die unmöglich sind, und man muss sich auch nicht alles gefallen lassen, keine Frage. Aber hier geht die schlechte Stimmung eindeutig von der Dienstleisterin aus und nicht von der Kundin.

  11. @Nanny Ogg: Vermutlich war es Routine. Und es hätte mich auch nicht gestört, wenn sie vorher nicht schon so unmöglich gewesen wäre. Das Klima war halt schon beim Wieder-Aufschließen so giftig, sie hatte eindeutig keinen Bock und hätte mich gerne am nächsten Morgen wieder antanzen lassen. Das sie nachfragt, wenn jemand das Rezept ändert, ist völlig klar.

    Ich fand diese Dreier- oder Vierer-Schülergruppen, die durch die Stadt zogen, immer lustig. Ich habe immer schon auf drei Kilometer Entfernung gesehen, was da gerade abging, nicht nur wegen des meistens überhaupt nicht passenden Rollstuhls, sondern auch wegen der Unsicherheit, wenn eine „echte“ Rollifahrerin auftauchte. Und die „Testerin“ oder der „Tester“ dann die Beine extrem verkrampfte, um sie bloß nicht zu bewegen. 😀

    Marie und ich wollen erstmal abwarten, wie sich das entwickelt, bevor wir der Schule was vorschlagen.

    @Bea: Was weißt du über meinen Ton, über Dreck an meinem Stecken und über meine Lesepräferenzen? Als die Dame mir mit verkniffenem Gesicht genervt-seufzend die Tür geöffnet hat, die sie selbst 10 Minuten zu früh abgeschlossen hatte, habe ich noch gedacht, dass ich ihr, auch wenn ich ganz offensichtlich nicht willkommen bin, noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Als sie dann keine Lust hatte, in den Kühlschrank zu gucken, und mich lieber wieder wegschicken wollte, obwohl das Medikament vor Ort war und es mit Rollstuhl nochmal eine zusätzliche Belastung gewesen wäre, war ich immernoch freundlich. Meine zugegebenermaßen irgendwann recht giftigen Gedanken habe ich natürlich nicht laut ausgesprochen. Aber in den Wald hineingerufen hat eindeutig jemand anderes, oder?

    Marie würde übrigens niemals auf die Idee kommen, mir die Tür vor der Nase abzuschließen, wenn sie sieht, dass ich auf dem Parkplatz stehe und gerade aussteige. Oder sie mit mürrischem Gesicht und tiefem Seufzer wieder öffnen. Und das, obwohl ich bei ihr keine Rezepte in der Tasche habe, die ihr in den nächsten drei Minuten knapp 21 Euro Gewinn abwerfen.

  12. Blos gut, dass es stationäre Apotheken gibt. Mit diesem Online-Gedöns hätte sich diese erzählenswerte Begebenheit – nicht begeben.

    Fraglich bleibt, ob Jules Idiotenmagnet nur im realen Leben funktioniert oder auch dann, wenn sie online einkauft oder etwas erledigt.

    P.S.: werden falsch gelöste Rechenaufgaben bei der Spamvermeidung protokolliert? Könnte interessanten Blick auf die Rechenkünste der Leser ergeben.

  13. @ Olli: Jule hatte doch mal Beiträge zu schildbürgerischen Paketzustellung. Der Idiotenmagnet scheint also auch online leider sehr gut zu funktionieren…

  14. Hallo Jule,
    hast Du es bei einer Blasenentzündung mal mit [Wort entfernt] versucht?
    Wirkt zuverlässig und (normalerweise) ohne Nebenwirkungen… DAS Mittel der Wahl!
    Viele Grüße
    Christiane

  15. Hallo Christiane, ich darf über meinen Blog niemanden beraten und damit auch öffentlich keine medizinischen Empfehlungen geben oder freigeben. Was du empfohlen hast, ist mir bekannt, auch die Studie dazu. Die Studie beobachtet Patientinnen, die regelmäßig wiederkehrend Harnwegsinfekte haben und deshalb vorsorglich (!) über einen langen Zeitraum ein Antibiotikum einnehmen. Die langfristige prohpylaktische Einnahme von Antibiotika ist aus meiner Sicht ohnehin ein fragwürdiger Ansatz, solange nicht andere, weniger harmlose Methoden erfolglos geblieben sind. Dazu gehören alternativ zu der von dir vorgeschlagenen Substanz auch andere pflanzliche Wirkstoffe, die beispielsweise auf den pH-Wert des Urins Einfluss nehmen und so das Klima für bestimmte pathogene Keime unattraktiv machen. Ich weiß, es ist ein anderer Ansatz. Für eine Akutbehandlung eines bereits fieberhaften Infekts bei einer Risikopatientin wäre „dein“ Mittel keine Alternative gewesen, und mit Blick darauf, dass es ihr erster Infekt seit Jahren (angeblich sogar ihr erster überhaupt) war, hielt ich eine Prohpylaxe-Empfehlung für verfrüht. Ich selbst habe zum Glück keine Blasenentzündungen und kann daher auch keine eigenen Erfahrungen beitragen. Falls sich das mal ändern sollte, werde ich berichten. Viele Grüße, Jule

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