Mehraufwandszuschlag

Ich bin auch vor meinem Unfall immer mal zu Frau Sör gegangen. Ja, ich weiß, „Frau Sör“ ist flach, aber den Spruch habe ich von einem Kumpel, der an dieser Stelle immer wissen möchte, ob es eine „Frau Sör“ oder ein „Herr Sör“ war. Ohne weiteren Hintergrund, einfach des Wortspiels wegen. Er drückt sich damit und mit der erstmal erzeugten Verwirrung darum, so meine Vermutung, über eine neue Frisur Ge- oder Missfallen äußern zu müssen. Frau ist ja meistens und dann gerne begeistert, wenn Mann erkennt, dass einem am Kopf was fehlt. Und entzückt, wenn etwas Gewagtes einer wichtigen Person gefällt.

Bei mir wurde noch nie etwas gewagt. Ich bin farblos, kann einen Pferdeschwanz und unter einer Badekappe auch mal einen Dutt. Derzeit, also nachdem Frau Sör es mal wieder gerade geschnippelt hat, hängt mir das Gewächs bis knapp unter die Brustwarzen. Das unter den Armen ist etwas kürzer, nachdem ich es am letzten Freitag erst rasiert hatte.

Also: Vor meinem Unfall, da habe ich mich als 15 Jahre altes Mädchen hin und wieder mal von Mama zu Frau Sör schicken lassen. Und dann für einen Mädchen-Haarschnitt acht bis neun Euro bezahlt. Nach meinem Unfall waren es bei einer deutschlandweit vertretenen Kette genau zehn, dazu gab es eine Treuekarte, mit der der zehnte Besuch gratis war. Also für 11 mal Spitzen schneiden habe ich 100 Euro bezahlt, macht rund 9,10 Euro pro Schnitt.

Letzte Woche war ich, wie erwähnt, bei Frau Sör. Wieder nur Spitzen schneiden. Wieder dieselbe deutschlandweit vertretene Kette. Jetzt allerdings eine andere Filiale und jetzt allerdings mit Waschen und Föhnen. Hat genau 30 Minuten gedauert. Einschließlich drei Mal unterbrechen, weil das Telefon klingelte. Die Dame, die das bei mir macht, ist die stellvertretene Salonleitung. Gekostet hat es mich 61 Euro.

Okay, kein Vergleich zu den 9,10 Euro für einen „Mädchen-Haarschnitt“, aber 61 Euro für eine halbe Stunde Arbeit? Vor dem Jahreswechsel habe ich 45 Euro bezahlt, das fand ich schon grenzwertig. Jetzt haben die die Preise mal eben um 13 Prozent erhöht und dazu noch einen „Meister-Mehraufwands-Zuschlag“ in Höhe von 10 Euro eingeführt, der fällig wird, wenn Herr oder Frau Sör einen handwerklichen Abschluss hat.

Weil es ja mehr Aufwand bedeutet, wenn jemand mit Brief mir die Spitzen schneidet. Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin sehr dafür, dass eine Friseurin von ihrem Einkommen leben kann. Und tatsächlich soll ihr Gehalt wohl zum Jahreswechsel um rund 400 Euro brutto pro Monat auf 2.150 Euro angehoben worden sein. Was sie mir ganz stolz mit feuchten Augen erzählte. Und was ich gerechtfertigt finde und ihr auch sehr gönne, denn sie ist sehr korrekt und sehr fleißig. Das heißt: Sie bekommt etwa 1.500 Euro netto überwiesen.

Um auf diese Summe zu kommen, müsste sie pro Monat 36 Frauen bedient haben. Das dürfte sie in einer Woche schaffen. Ich weiß, was ein Ladengeschäft kostet – brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber wir reden über 30 Minuten Haare schneiden. Wenn ich jemanden eine halbe Stunde auf der Straße reanimiere, ihm einen Zugang lege, ihn in Narkose setze, ihm einen Beatmungsschlauch in die Lunge lege und ihn bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Herzdruckmassage und Beutelbeatmung über Wasser halte, darf ich ihm dafür anschließend rund 50 Euro in Rechnung stellen. Ich glaube, dann schneide ich dem Nächsten lieber die Haare.

Ich will nicht meckern. Eine Assistenzärztin im Krankenhaus bekommt im ersten Jahr laut Tarif zwischen 2.500 und 2.700 Euro netto monatlich ausgezahlt. Dazu kommen hin und wieder Schicht-Zulagen. Und oft besteht in Kliniken eine solche Personalknappheit, dass man mit etwas Geschick auch als Anfänger einige hundert Euro mehr raushandeln kann. Genug Geld, um nach Frau Sör auch nochmal Herrn Sör, Herrn Maniküre, Frau Pediküre, Frau Walküre und die Stadt Küre in Nord-Anatolien zu besuchen. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass hier ganz offensichtlich die Gehaltserhöhung dazu benutzt wird, den Kunden im Verhältnis noch mehr Geld aus dem Kreuz zu leiern, um denjenigen die Taschen vollzustopfen, die vermutlich noch nie Kamm und Schere in der Hand gehabt haben. Während Frau Sör jahrelang gerade so eine Großstadtmiete bezahlen konnte.

Und fände ich meine Frau Sör nicht so sympathisch, würde ich irgendwo hinrollen, wo nicht der Name einer großen Kette an der Eingangstür klebt.

27 Gedanken zu „Mehraufwandszuschlag

  1. Als ich die Überschrift las und die ersten Sätze befürchte ich ja erst dass da wirklich wer auf die idee kommt dir mehr zu berechnen weil es als Mehraufwand gesehen wird, dass du vielleicht 10 Sekunden länger zum umsetzen brauchst als andere zum hinsetzen oder so.
    Was soll mir das jetzt nur über mein weltbild sagen…

    Der Preis ist aber auch echt krass.
    Das ist nicht normal.
    Also ein Zuschlag an sich schon.
    Ist bei meinem Friseur auch nicht anders. Aber da geht das von knapp 30 Euro bis etwas über 40 Euro. Und ist mit 60 Minuten kalkuliert.
    Und das empfinden manche schon als teuer. Aber bei dem Preis den du zahlst ist man ja eher bei nem stundenpreis von Marlies Möller.

  2. Die Überlegungen, ob es ein angemessener Preis ist für eine halbe Stunde Arbeit, finde ich schwierig. Ein Vergleich wäre ja am ehesten mit Stundensätzen, die von anderen Handwerkern berechnet werden, sinnvoll. Und die verdienen ja auch noch über Aufschläge auf das Material…

    Zum Gerechtigkeitsaspekt ist aber auf jeden Fall festzustellen, dass die Preiserhöhung überproportional ist, denn die Frisörin erhält 23 % mehr während du insgesamt 31 % mehr zahlst. Dass die Preise beim Frisör nach wie vor abhängig vom Geschlecht sind, finde ich auch skandalös. Gibt es eigentlich noch irgendeine andere Branche, in der dies noch der Fall ist?

  3. Ich glaube der Preis ist einfach so hoch, weil du deine langen Haare nicht selbst geföhnt hast. Da dies recht lange dauert, nehmen die Frisöre, gerade bei langem Haar, dafür mittlerweile echt gutes Geld. Denn dafür hätten sie sonst einen zweiten Schnitt bei einem anderen Kunden machen können.

  4. Hi Juli, ich würde Dir da einfach mal empfehlen, nicht zu einer „grossen Kette“, sondern zu einem kleinen Saloon bei Dir in der Nähe zu gehen, da kommt ein evtl. Preisaufschlag i.d.R. auch bei den Mitarbeitern an…

  5. 61 EUR ist viel Geld für eine halbe Stunde. Der Preis sollte auch im Verhältnis zum Aufwand stehen. Und tendenziell sind Damenschnitte aufwändiger. Andererseits, ist das „Produkt“ die Dienstleistung (inkl. Kopfmassage) oder der fertige Haarschnitt. Wenn es nur auf das Endergebnis ankommt, warum sollte jemand der 60 min für dasselbe Ergebnis benötigt mehr Geld bekommen als jemand der es in 30 min schafft (bessere Ausbildung, mehr Übung…)?

  6. Der Preis bedeutet ja über 120€/h – das ist selbst für einen Handwerksmeister ein sehr sportlicher Stundensatz. Da berechnen andere Handwerksbranchen um Einiges weniger. Insbesondere, wenn man bedenkt, das die Stundensätze der Coiffeurzunft bis dato eher am unteren Ende des Preisspiegels angesiedelt waren (von ein paar Haardesignern mal abgesehen..). Und Frau Sör verdient ja an dem Material, das sie meist mit viel Geschick versucht, im Nachgang noch an den Kunden zu bringen, ja auch ganz gut.
    Das eine Meisterstunde im Handwerk mehr kostet, als die eines Gesellen oder gar Lehrlings, ist so üblich. Nur stellt sich dann unwillkührlich die Frage, ob für das simple Spitzenschneiden tatsächlich die fachliche Expertise eines Meisters notwendig war.
    Also ich muss meinen Kunden schon erklären, warum nun gerade für das Problem der Meister herbeigerufen wurde…
    Summa summarum halte ich den Stundensatz für zu hoch. Aber unser gesellschaftliches Geschäftsmodell lautet ja Marktwirtschaft – also wird der Markt schon zeigen, ob sie solche Sätze auf Dauer halten kann.
    PS: Alle Bezeichnungen meinen selbstverständlich immer die männliche und weibliche Form.

  7. Tja, ich zahl nur für schneiden 16 € bei einem netten, eigentümeringeführten Salon. Aber, was mir hier schon öfter aufgefallen ist: Dieses Gejammer, dass Ärzte ja sooo wenig verdienen — stimmt so schlicht nicht. In jedem Gehaltsvergleich stehen Ärzte ganz oben, und ein EFH mit Pool in HH und Bahncards 100 kann man sich nunmal nur leisten, wenn man richtig gut verdient. Ärzte arbeiten viel und lang und haben eine elend lange, anspruchsvolle Ausbildung hinter sich, dafür sollen sie auch ordentlich Geld bekommen, aber dieses ewige „wir haben viel zu wenig!“ entspricht nicht der Realität.

  8. Bei mir auf dem Dorf (auch bei der selbstständigen Meisterin) kostet der Damenschnitt nicht über 20€, als Herr zahle ich 13€, das sind ja Mondpreise in der Stadt…

  9. Nicht nur un ca. 2.30 Uhr nachts machen mir diese famos formulierten Worte viel zu viele Bilder um Filme im Kopf:

    „Bei mir wurde noch nie etwas gewagt. Ich bin farblos, kann einen Pferdeschwanz und unter einer Badekappe auch mal einen Dutt. Derzeit, also nachdem Frau Sör es mal wieder gerade geschnippelt hat, hängt mir das Gewächs bis knapp unter die Brustwarzen. Das unter den Armen ist etwas kürzer, nachdem ich es am letzten Freitag erst rasiert hatte.“

    Mancher wird fragen, was Jule einen Pferdeschwanz und einen subbadekappigen Dutt kann.
    Das mit dem Gewächs wäre fehlinterpretierbar als „Mancher trägt ne Ratte auf der Schulter, Veganer vielleicht Efeu, um es zu retten“.
    Welche Größenunterschiede verschiedene bei dem etwas im Text vermuten, wäre zu erheben auch nicht uninteressant.

    Ebenso, wie viele das leider wohl aussterbende Wort „Keuschheitslänge“ und seine Bedeutung kennen.

    Zu den unterschiedlichen Stundensätze: da stutzt man (nicht nur als Herr Sör) doch an vielen Stellen. Das Sicherheitspersonal an Flughäfen möchte, weil es um Sicherheit un Menschenleben geht, 20.-€/h. In der Pflege geht es aber auch um Menschenleben.

    Um Sachfragen wie Prüfungsrecht geht es, wenn man dafür eine in Verwaltungsrecht erfahrene und renommierte spezialisierte Kanzlei beauftragt. Der Junior, also der von der Berufspraxis her jüngste dort, ruft einen Stundensatz von 400.-€ auf.

  10. Ich finde ja fies, dass man als Neukunde oft keine Ahnung hat, wer da jetzt Chef(in) ist oder einen Meisterbrief hat. Man setzt sich unbedarft dahin und bekommt die Haare geschnibbelt, hat vielleicht selbst sehr sparen müssen und es hätte einem gereicht, wenns der Azubi macht aber zack -Meisterzuschlag fällig ohne dass man es vorher ahnte.

    Keine Frage, die Meisterschule kostet echt Geld, das muss wieder reingeholt werden. Ich habe auch mehrere tausend Euro für meine Ausbildung gezahlt und auch wenn das nach „kannste mal eben drübergucken, das ist doch nicht viel“ aussieht, so müssen meine Kunden für das Wissen, was ich habe um ihren Tieren zu helfen, bezahlen. Die Ausbildung muss wieder hereingeholt werden, die Spritkosten, die Zeit, die es kostet den Termin auszumachen und ggf. in den Tagen vor dem Termin für die Patientenbesitzer da zu sein und auch im Nachhinein erreichbar zu sein, das ist streng genommen alles Arbeitszeit die bezahlt werden will, denn in der Zeit kann ich schon keiner anderen Arbeit nachgehen.
    Nichts desto trotz muss ich sehr mit meinem Geld rechnen und wenn ich bisher immer 25€ für meinen Haarschnitt bezahlt habe und plötzlich über 60€ zahlen müsste, dann ist das Geld, was ich unter Umständen für den Lebensmitteleinkauf gebraucht hätte.

    (meinen 2x jährlichen Haarschnitt habe ich letztes Jahr in der Hitzewelle selbst erledigt. Es ist erstaunlich gut geworden für rundrum 7cm ab, das werde ich wohl wieder so machen, wenn mir die Haare zu lang werden.)

  11. Ich habe die letzten beiden Male fürs Spitzenschneiden im inhabergeführten Familienbetrieb 22 € bezahlt. Ohne Waschen und vom Lehrling erledigt (was völlig in Ordnung ist, sie macht das nicht schlechter als der Meister). Zeitaufwand: einmal 14 Minuten, einmal 11 Minuten vom Betreten bis zum Verlassen des Ladens. Materialeinsatz: Schere, Bürste und drei Klämmerchen. Verbrauchsmaterial: Null
    Verdienst des Lehrlings (3.Lehrjahr) 745 €/Monat
    Mir ist natürlich klar, dass der Lehrling mehr kostet als das Gehalt. Trotzdem fand ich das überzogen und schneide mir die Spitzen nun wieder selbst.

  12. @Lara: „Was soll mir das jetzt nur über mein weltbild sagen…“ -> Du liest wohl die falschen richtigen Blogs.

    @23.08 Uhr: Du meinst, der Preis ist wegen des Föhnens so hoch? Das ist ja noch schlimmer! Obwohl: Föhnen kostet mehr Strom als Schneiden, da sie bei mir nicht mit der Rasiermaschine rangeht. Und Strom ist teuer.

    @Andreas Glaesemer: Danke für die Empfehlung, nur isses bei mir so, dass ich meine Friseurin so ungerne eintauschen möchte. Ich bin schlecht darin, etwas aufzugeben oder zu wechseln, was mir eigentlich gefällt oder was sich bewährt hat. Wie gesagt, es ist auch nicht so, dass ich es mir nicht leisten könnte, aber es nervt mich, dass hier neuerdings ganz offensichtlich Preise ausgeworfen werden, die irgendwem im Hintergrund die Taschen füllen. Ich beobachte noch. Vielleicht reguliert sich das bald wieder.

    @Micha: „Alle Bezeichnungen meinen selbstverständlich immer die männliche und weibliche Form.“ -> Und was ist mit den anderen Formen? 😉 Frau Sör ist übrigens immer weiblich! 😉 😉 😉

    @Pupsi: „was mir hier schon öfter aufgefallen ist“ -> Das ist ja spannend. „Wir haben viel zu wenig!“ stand hier, glaube ich, noch nie. Schreib mir gerne, wo du es gelesen hast. Da steht: „Ich will nicht meckern.“ Und da steht: „Genug Geld.“ – Es geht mir um Unverhältnismäßigkeiten. Wenn jemand auf der Straße dafür sorgt, dass meine Freundin nach einem Herzinfarkt am Leben bleibt, ist mir das mehr wert als einmal Spitzen schneiden. Ich muss aber für das Spitzen schneiden mehr zahlen. Da stimmt was nicht.

    @Olli: Ich habe die Keuschheitslänge in die Suchmaschine eingegeben, da kam 50 Mal nur Schweinkram!

    @Frau Laterne: Ich habe die Preissteigerung auch erst erfahren, als die Kasse klingelte. Das fand ich auch nicht so nett, musste mir dann aber eingestehen, dass die neuen Preise im Schaufenster ausgehängt sind. Leider gibt es offenbar immer mehr Orte, an denen man vorsichtig sein muss, damit einem nicht das Fell über die Ohren gezogen wird.

  13. „Wenn jemand auf der Straße dafür sorgt, dass meine Freundin nach einem Herzinfarkt am Leben bleibt, ist mir das mehr wert als einmal Spitzen schneiden.“
    Die Behauptung, dass die Arztrechnung geringer sein wird, halte ich allerdings nicht für haltbar. Neben der Wiederbelebung für 53,62 € (Ziffer 429) werden sicherlich auch noch andere Gebührenziffern anwendbar sein wie zum Beispiel Besuch, einschließlich Beratung und symptombezogene Untersuchung für 42,90 € (Ziffer 50), Zuschlag E für dringend angeforderte und unverzüglich erfolgte Ausführung für 9,33 € und ggf. weitere.

  14. Das ist natürlich sehr ärgerlich, ein teures Lehrgeld für dich.

    Ich für meinen Teil bin da inzwischen sehr klar. „kannste mal kurz drübergucken“ oder „kannst du mir einen Tipp geben“ mache ich nicht mehr, da hat mich jemand sehr sehr ausgenutzt mit dem Versprechen, einen Termin auszumachen mit mehr Zeit. Meine Preise sind bekannt, ich mache gerne Termine aus. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch weiß wie es ist sparen zu müssen. Nur: ich muss auch satt werden. Und Miete zahlen. Und Krankenversicherung und so. Das kann ich halt nicht vom kostenlosen „mal kurz drübergucken“ oder „nur schnell einen Tipp geben“ – mein Wissen habe ich mir hart und teuer erarbeitet, genau wie du dein Studium und das ist seinen Preis wert.

  15. Was ich kackdreist finde, ist, wenn mir ein Friseur für meinen Kurzhaarschnitt mehr abknöpft als meinem Mann für seinen Kurzhaarschnitt. Beides Maschinenschnitt und oben mit der Schere durch. Dauer maximal 15min. Bezahlt habe ich manchmal 200% des Herrenhaarschnitts.
    Ich habe nach langem Suchen endlich jemanden gefunden, bei dem das nicht so ist. Aber es macht mich immer noch wütend.

  16. Führen wir deinen Vergleich mit dem Notarzt mal weiter.
    Was kostet ein Notarzteinsatz
    Laut https://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/burg/981033_Ein-Rettungswagen-Einsatz-kostet-den-Krankenkassen-mehr-als-260-Euro.html

    kosten der NAW 149 € und der Notarzt selber ca 210 € pro Einsatz.
    Durchschnittliche Dauer dürfte mit 30 min auch ungefähr hinkommen.
    Im Verhältniss halte ich die 61 € deshalb für gerechtfertigt.
    Das Problem ist dass sowohl im Salon wie auf der Straße bei den eigentlichen Leistungserbringern zu wenig übrigbleibt.
    Es muss einem aber auch kalr sein dass sämmtliche Statlichen Leistungen wie Straßenbau Polizei, Sozialhilfe.. über die Differenz bezahlt werden. In einem Land in dem das nicht so ist möchte ich auch nicht leben.

  17. Also die Argumente, dass Ärzte ja so gut verdienen, sind ja nie ganz objektiv zu betrachten.

    Klar, 2500 bis 2700 netto hätten viele gerne. Aber dafür am Wochenende, Nachts, mit Blut, Urin, Kotze, Kot. Betrunkenen, Kindern zu arbeiten und dann in einem Job, in dem eine Fehlentscheidung andere Folgen haben kann als eine Fehlentscheidung im Aldi an der Kasse, das sind schon andere Argumente. Und dann die Stunden. Gerade im KKH, wo auch niedergelassene Ärzte zuerst arbeiten, sind die Tage schnell mal 12 Stunden oder länger. Gehen wir der Einfachheit halber mal von nur 50 Stunden bei 6 Tagen die Woche aus.
    2500 € verteilt auf 50 St. mal 4 Wochen sind 12,50 € netto pro Stunde.

    1500 € verteilt auf 38 Stunden mal 4 Wochen sind 9,86 € netto die Stunde.
    Das ist am Tag ein Unterschied von 21,12 € für einen Unterschied zwischen Tag und Nacht, einen Unterschied von 2 Jahren mehr Schule, ein paar Jahren Studium und Facharztausbildung, Verantwortung etc pp.

  18. Mal so als Preisvergleich:

    Die Deutsche Telekom nimmt für eine Technikerstunde im „IT Vor-Ort-Service“ laut https://www.telekom.de/dlp/agb/pdf/43964.pdf 24,95 € pro angefangener Viertelstunde, macht einen Stundensatz von rund 100 €. Ausbildung dürfte hier Fachinformatiker oder vergleichbar sein, ausgebildet wie ein klassicher Handwerker (duales System aus Berufsschule und Lehrbetrieb).

    Der Werkskundendienst von Miele nimmt von Privatkunden 99.80 € pro Stunde (Stand Januar 2017) für Reparaturen an Haushaltsgroßgeräten (Waschmaschine & Co). Hier rückt wohl der klassische Elektriker (oder vergleichbar) aus, der – wie auch Friseure – eine duale Ausbildung an Berufsschule und Lehrbetrieb hinter sich hat, außerdem sehr wahrscheinlich eine sehr gründliche Schulung auf die Geräte der eigenen Marke.

    Tux2000

  19. @Jule: ööööööööööhhhhhm, das war so nicht intendiert. Habe beim googlen gerade selber nur unpassenden Schweinekram gesehen.
    Google scheint das, was ich für nicht so spezielles und seltenes tradiertes Wissen hielt. völlig entgangen zu sein.
    Also: Keuschheitslänge kenne ich als so viele und so lange Haare bei Damen, dass auch bei freiem Oberkörper die sekundären Geschlechtsmerkmale im Bedarfsfall eben nicht zu sehen sind.

  20. Die Frage ist letztlich allerdings schlicht, ob es Jule (und einer ausreichend großen Anzahl anderer Kunden) diesen Preis wert ist.

    Danach ergeben sich in der Marktwirtschaft nun mal die Preise, ob das Unternehmen dabei wenig oder viel Gewinn macht, ist eine Frage, die sich eigentlich nicht unter dem Aspekt der Angemessenheit bewerten lässt. Zu kritisieren wäre allenfalls die moralisierte Darstellung der erheblichen Preiserhöhung in Zusammenhang mit der doch deutlich geringeren Gehaltserhöhung, welche offenbar dazu dienen soll das Wertempfinden der Kunden zu manipulieren, indem diesen die bessere Bezahlung der Mitarbeiter als Mehrwert vermittelt werden soll.

  21. @11.01 Uhr: Besuch? Wenn ich zufällig an einem Menschen vorbei komme, der gerade wegen eines Herzinfarktes den Löffel abgegeben hat? Das ist kein Besuch. Und ich berate den auch nicht, der ist tot. Da ist auch nix angefordert und unverzüglich ausgeführt, sondern ich kam zufällig vorbei. Ich darf dem (oder seinen Erben) rund 50 Euro in Rechnung stellen. Selbst die vollständige Untersuchung der Brustorgane ist nicht abrechenbar, weil ich dafür auch den Blutdruck messen müsste und es ein grober Fehler wäre, bei einem nicht tastbaren Puls und nicht hörbarem Herzschlag erstmal Blutdruck zu messen. Im Gegensatz zu einem Laien-Ersthelfer, von dem man nur erwartet, dass er nicht vorbei fährt oder rumsteht, würde das bei mir höchstwahrscheinlich dazu führen, dass meine Versicherung mich in Regress nimmt, wenn der Mensch hinterher einen Hirnschaden davon trägt, weil ich, statt dem Sauerstoff ins Hirn zu führen, erstmal minutenlang mit einer Blutdruckmanschette rumgehühnert habe.

    @Frau Laterne: Ich hätte es nie für möglich gehalten, mit welchem Schwachsinn Leute ankommen, wenn sie glauben, mein Fachwissen kostenlos in Anspruch nehmen zu können.

    @Ralf: Du kannst gerne Vergleiche führen. Wir führen diesen Vergleich allerdings nicht, weil er nicht passt. Denn ich habe nie geschrieben, dass ein Notarzt gerufen wird. Dass der organisierte Rettungsdienst richtig Geld kostet, vor allem, wenn er per Hubschrauber kommt, ist klar. Ich habe darüber geschrieben, dass ein Arzt zufällig an einem Herzinfarkt etc. vorbei kommt und jemanden mit Kreislaufstillstand wiederbelebt, intubiert und beatmet, Herzdruckmassage durchführt. Das darf mit rund 50 Euro berechnet werden. Aus die Maus.

    @Dennis: Wir sind mit 42 Stunden im Vertrag. 2.500 Euro mal 3 Monate durch 13 Wochen sind 576,92 pro Woche und damit 13,74 Euro pro Stunde. Bei fünf Tagen ohne die 45 Minuten Pause und jeweils rund einer unbezahlten Überstunde sind es tatsächlich rund 51 Stunden, somit effektiv netto 11,37 €. Bei der Friseurin sind es 9,11 €, macht einen Unterschied von 2,26 € pro Stunde. Allerdings bin ich im ersten Jahr … da ist noch etwas mehr drin. Während die Friseurin in meinem Alter vermutlich (sofern sie nicht einen Saloon übernimmt) schon ziemlich am Ende der Spirale angekommen ist.

  22. @Jule 23:14 Uhr
    Besuch wäre in dem Sinne zu versehen, dass die Behandlung außerhalb von gewöhnlichen Behandlungsräumlichkeiten erfolgt. Welche Distanz zum Ort des Besuchs zurückgelegt wurde, dürfte dabei unerheblich sein, eine in anderen Fällen notwendige Anfahrt würde ja separat über das Wegegeld abgegolten werden. Ob also nur die Straßenseite überquert wird, die Nachbarsfrau vom Küchenfenster aus um Hilfe ruft weil der Nachbar im Schlafzimmer kollabiert ist oder der Besuch per Telefon zum 10 km entfernten Behandlungsort veranlasst wird, wäre da erstmal unerheblich. Darüber hinaus dürften aus dem Bereich Injektion und Narkose auch noch ein paar Ziffern abrechenbar sein.

    Auch wenn ich diese Form der Preiserhöhung ebenfalls kritisiere, betrachte ich den Vergleich mit den vermeintlich schlechten Ärzteeinkommen doch eher kritisch.

    Und wenn man es doch Vergleichen möchte, wäre beim Friseur fairerweise auch zu berücksichtigen, dass dieser im Gegensatz zum Arzt die Umsatzsteuer auf seine Preise aufschlagen muss. Der vergleichbare Nettoerlös des Friseursalons beträgt also nur ca. 51 €, wenn brutto 61 € zu zahlen sind.

  23. @1.09 Uhr: Besuch müsste einvernehmlich vereinbart worden sein. Das hier ist eine Geschäftsführung ohne Auftrag, die zustande kommt, weil ich vor Ort bin und da jemanden liegen sehe, der aller Wahrscheinlichkeit nach behandelt werden möchte. Würde jemand über die Straße brüllen, wäre es ein Besuch. Die Kammer ist da im Zweifel sehr genau. Man könnte noch 10 Euro für die Injektion von Medikamenten in die Vene berechnen, falls man eine Infusion dranhängt sogar noch 10 Euro mehr. Aber geh mal davon aus, dass irgendwelche Strähnchen bei Frau Sör auch nochmal 35 Euro extra kosten.

    Meine Message müsste klar sein. Ich weiß eigentlich nicht, warum das so zerredet werden muss.

  24. Versuch es beim nächsten mal einfach mit selber föhnen im Salon. Oder du guckst mal nach, wie die Preise ausgeschrieben sind. Bei mir sind alle Preise als „waschen, schneiden, selber föhnen“ benannt. Wer geföhnt haben möchte, bezahlt je nach Länge ordentlich drauf.

  25. Es kommen zu 2/3 nur noch Beleidigungen oder irgendwelche Texte, die mit meiner Message nichts zu tun haben, und die ich auch nicht mehr veröffentliche. Und nun ist hier Schluss.

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