Immenhof

Inzwischen hat es Zeugnisse gegeben. Ich bin ganz überrascht, wie groß das Interesse unter meinen Leserinnen und Lesern ist. Diverse Nachfragen habe ich dazu bekommen. Maries und mein Interesse war natürlich auch sehr groß. Und Helena war, obwohl wir keinen Druck gemacht haben, so aufgeregt, dass sie morgens überhaupt nichts essen wollte. Zum Glück hat sie das nicht erst nach den ersten zwei Bissen gemerkt, sondern vorher, so dass wir die Insulindosis anpassen konnten. Und dabei waren die Noten eigentlich alle halbwegs bekannt.

Ich hatte an dem Tag frei, war morgens zwei Stunden zusammen mit Marie schwimmen. Als Helena mittags von der Schule kam, verschwand sie zunächst ohne ein Wort zu sagen in ihrem Zimmer. Kam dann aber mit ihrer Zeugnismappe in die Küche, legte sie aufgeschlagen auf den Tisch und setzte sich wortlos daneben. Aus ihrem Gesicht waren keine Emotionen abzulesen. Ich wusste nicht, wie ich das einordnen sollte. Ich bekam aber ein unmissverständliches Bild davon, welche Bedeutung der Zeugnistag bei ihren vorherigen Pflege-Eltern gehabt haben musste.

Ich rollte zum Tisch. Sie guckte mich nicht an, sondern starrte auf das Zeugnis. Ich klappte die Zeugnismappe zu, ohne irgendwas gesehen zu haben. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie guckte mich an. Ich fragte: „Möchtest du jetzt darüber sprechen?“ – Sie zuckte mit den Schultern. Ich fragte: „Wie fühlst du dich denn überhaupt? Du musst doch Hunger haben, wenn du heute morgen schon so gut wie nichts gegessen hast.“ – „Nö. Ich möchte das hier möglichst schnell hinter mich bringen, okay?“ – „Helena, setz dich doch nicht so unter Druck. Wegen so einem blöden Zettel!“

Marie holte Luft, aber Helena sagte: „Okay. Ihr bestraft mich ja nicht. Das hab ich ja inzwischen gelernt. Folgendes: Es gibt eine Sache, die ist ganz kacke, eine ist doof und vier sind so naja.“ – Marie fragte: „Und der Rest?“ – Helena lächelte. Marie sagte: „Die guten Dinge darfst du auch gerne erzählen, junge Frau.“ – Helena sagte: „Ich bin gespannt, wie ihr das findet. Bei meinem letzten Zeugnis hat es von meinem Pflegevater richtig Dresche gegeben. Und da war im Zeugnis eigentlich nix Kacke. Sondern nur ‚doof‘ und ’naja‘.“ – Marie antwortete: „Helena, …“ – Helena unterbrach: „Ja, ich weiß, ihr seid nicht mein Pflegevater.“

Ich blätterte die Mappe wieder auf. Deutsch 3, Mathematik 2, Englisch 4, Biologie 2, Physik 2, Geschichte 1, Geographie 3, Religion 3, Kunst 3, Musik 2, Sport 1, Spanisch 2. Noten auf der gymnasialen Anforderungsebene. Allgemeines Lernverhalten (Raster): Arbeitsorganisation und Selbstständigkeit stark, Methodik im Mittelfeld, Konzentration und Engagement gut. Sozialverhalten in Team- und Konfliktfähigkeit: Vorbildlich.

Helena guckte mich mit großen Augen an. Marie schaute mir über die Schulter und las mit. Was sollte hieran nun „Kacke“ sein? Die Vier in Englisch? Hab ich andere Maßstäbe? Ich fand das Zeugnis toll. Sie hatte in einer Klassenarbeit in Englisch eine Fünf. In der zweiten eine Drei. Von einem fragwürdigen Test in Erdkunde abgesehen, war alles andere gut oder zumindest okay. Marie kam mir zuvor: „Kannst du mir mal bitte erklären, was du an diesem Zeugnis doof findest?“ – „Die Vier in Englisch.“ – „Und was ist ‚ganz kacke‘?“ – Sie deutete auf zehn unentschuldigte Fehlstunden. Marie sagte: „Das stimmt. Das ist Kacke. War das dein Strandausflug?“ – „Ja.“ – „Und was noch?“ – „Darf ich das bitte verschweigen?“

Ich sagte: „Ich geb dir mal einen Tipp, Helena. So von Schulschwänzerin zu Schulschwänzerin. Okay?“ – Sie guckte mich mit großen Augen an. „Melde dich beim Lehrer ab. Geh nicht einfach so weg.“ – „Nee, die unentschuldigten Stunden kommen davon, wenn ich von zu Hause keine Entschuldigung mitbringe.“ – „So ein Eintrag im Zeugnis ist wirklich unnötig, Helena. Er dient dazu, dass wir das erfahren. Er macht aber gleichzeitig einen schlechten Eindruck, wenn du dich mal bewerben musst. Und beim Jugendamt. Marie und ich erfahren es sowieso. Dann kannst du auch gleich zu uns kommen und nimmst eine Entschuldigung mit.“ – „Fürs Schwänzen?“ – „Ja.“ – „Häh? Wo bleibt denn da die Erziehung?“ – „Was brauchst du denn da, als Erziehung?“ – „Das klingt ja fast so, als wenn ihr keine Ideen mehr habt. Kapitulation? So schnell?“ – „Sei bitte nicht so frech, Helena. Ideen haben wir genug, aber wir sind hier auch nicht im Kasperle-Theater. Du weißt, wie es läuft, du bist alt und schlau genug. Marie und ich möchten unsere Zeit mit dir gerne anders verbringen, als dir zu erklären, warum du nicht schwänzen darfst.“ – „Zum Beispiel?“

Marie sagte: „Eigentlich wollten wir mit dir in die Stadt fahren und dich heute abend ins Kino einladen. Und anschließend mit dir zusammen nett essen gehen und danach bei [meinen Eltern] schlafen. Aber wir können auch gerne übers Schwänzen philosophieren und uns gemeinsam Erziehungsmethoden überlegen. Wenn du das lieber möchtest.“

Helena guckte einen Moment auf das Zeugnis, dann sagte sie: „Das mit dem Kino, meint ihr das ernst?“ – „Na sicher.“ – „Und das mit der Entschuldigung meint ihr auch ernst?“ – „Ja. Wenn es sich im Rahmen hält.“ – „Was ist der Rahmen?“ – „Zehn Stunden im nächsten Halbjahr.“ – „Und wenn ich weniger als 10 Stunden schwänze, bekomme ich dann für jede nicht geschwänzte Stunde eine Prämie oder was? Ich finde zwei Tage im Halbjahr voll im Rahmen. Und mehr werden es nicht. Versprochen.“

Damit können wir wohl alle leben. Wenn sie diesen einen Tag der Regelübertretung pro Quartal so unbedingt braucht, dann soll sie den bekommen, ohne dass wir das immer wieder ausdiskutieren müssen. Ihr ist es wohl enorm wichtig. Insofern haben wir das Thema abgehakt und sie ausgiebig gelobt. Das Zeugnis zeigt nämlich nicht nur, dass sie zwei Tage geschwänzt hat, sondern vor allem, dass sie 100 Tage lang dort war und einen sehr guten Job gemacht hat.

Wir haben uns „Immenhof“ im Kino angeschaut. Ich meine … was auch sonst?! Es war unterhaltsam. Viele Pferde, hübsche Mädchen, … Zu Maries Eltern hat Helena ihr Zeugnis auch mitgenommen. Maries Mutter hat nicht danach gefragt. Nach dem Abendessen kam Helena damit an. „Möchtest du mal gucken?“, hat sie sie gefragt und sich bei ihr auf den Schoß gesetzt. Ganz anders als bei uns. Maries Mama hat den Arm um sie gelegt. Und dann gefragt: „Geschichte ne Eins? Sport auch eine Eins? Und dazu fünf Zweier? Das ist doch klasse! Da siehst du mich wirklich positiv überrascht.“ – Helena deutete mit dem Finger auf die zehn unentschuldigten Fehlstunden. Maries Mutter guckte sie an und flüsterte ihr ins Ohr: „Geschwänzt?“ – Helena nickte und flüsterte zurück: „Zwei Mal. Mit Absicht. Das musste sein.“ – „Gab es Ärger?“, flüsterte Maries Mutter weiter. Helena antwortete: „Richtigen Ärger nicht. Den bekomme ich von Jule und Marie nicht. Also wirklich nicht. Und für nächstes Halbjahr haben wir heute einen Deal ausgemacht.“

Maries Hündin lag die ganze Zeit bei Helena. Ließ sich kraulen und konnte gar nicht eng genug an ihr dran sein. Helena setzte sich extra auf den Fußboden, um besser mit ihr kuscheln zu können. Und Helena krault sie dann auch eine Stunde lang. Hin und wieder dreht die Hündin sich von der linken Seite auf die rechte Seite oder umgekehrt, streckt Helena ihren Bauch hin und schaut entsetzt auf, wenn Helena aufhört. Ansonsten ist die Hündin tiefenentspannt und lässt sich von ihr überall anfassen.

Am nächsten Morgen waren Helena, Marie und ich in der Sauna. Pool gibt es wegen der kalten Außentemperaturen nicht mehr, sondern nur noch eine Dusche und ein paar Liegen, auf denen man sich in eine Art Schlafsack einwickeln und an der frischen Luft, bei Schnee oder Regen auch unter einem Vordach, ruhen oder schlafen kann. Die Sauna war auf 60 Grad eingestellt und Helena genießt das. Sie sitzt zwar ganz unten und schwitzt meistens erst beim dritten Saunagang richtig, aber wir müssen sie vom fünften Saunagang abhalten. Sie würde dieses Rein und Raus und dampfend nackt bei Schneefall durch den Garten gehen am liebsten den ganzen Tag machen.

Außerdem haben wir an diesem Wochenende endlich ihre Insulinpumpe in Betrieb nehmen können. Nach der Sauna, versteht sich. Es ist für sie ein wenig ungewohnt, weil neu und völlig anders, aber sie ist sehr interessiert und lernt sehr schnell. Wir haben ausgenutzt, dass einerseits Maries Mutter als erfahrene Ärztin vor Ort ist, andererseits wir dort zu dritt in einem Zimmer schlafen, so dass wir mitbekommen, falls nachts irgendwas los ist, und quasi auch im Halbschlaf den Blutzucker bestimmen können. Es hat aber alles gut funktioniert bislang.

21 Gedanken zu „Immenhof

  1. Uuuhhh, das ist doch super gelaufen <3
    Helena kann stolz auf sich sein – sicher sieht sie die vier, und blendet dabei auch die guten Noten aus – aber das habt ihr richtig erkannt mit den guten Noten, und das Verhältnis zwischen unentschuldigt fehlen vs. Anwesend.
    Ich freue mich, dass sie endlich mal Kind sein kann und erfährt wie Kindheit auch sein kann. Wie sie nicht sein sollte weiß sie mittlerweile zu genüge.
    Wisst ihr wie ihre Zensuren zuvor waren?
    Bekommt sie einen "Bonus" , scheinbar keine Freistellung, aufgrund ihrer körperlichen Grenzen?

  2. Na das ist doch mal ein ordentliches Zeugnis! Glückwunsch an Helena 🙂
    Zu der 4 in Englisch: Mein Vater sagt immer „Vier ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist fast ’ne 1“ 😀

    Da ihr den neuen Immenhof mochtet: Schaut euch die originalen an! Die sind zwar aus den 50ern und daher vielleicht ein bisschen altbacken, aber für Pferdefans ein absolutes Muss (zumindest die ersten 2)! 🙂

  3. Finde es sehr cool wie ihr mit dem blaumachen umgeht, und eine sehr gute Lösung. Glaube das hätte mir damals sehr geholfen 😀

  4. Ich möchte echt mal gerne wissen, ob der Pflege“Vater“ bei so einem definitiv nicht schlechtem Zeugnis auch bei seinem leiblichen Kindern einen Aufstand gemacht hat, oder ob das nur als Vorwand diente, um Helena fertig zu machen.

  5. Das ist ja wohl mal echt ein prima Zeugnis! Eine 4 im Schulenglisch finde ich auch nicht bemerkenswert und euern Deal finde ich für die Vertrauensebene gut. Bei uns ist das mehr so ein „ich hab Bauchweh, kann ich zu Hause bleiben“ – so nutzt wohl jedes Kind ein anderes Ventil um mal ein bisschen durchzuschnaufen. Aus Elternsicht kann ich das nicht so gutheißen, aber ich war auch mal in dem Alter und habe viel viel viel blau gemacht und mir wäre es um Längen lieber, mein Kind sagt mir das und wir klären das als das es lernt meine Unterschrift zu fälschen.

  6. So ein Zeugnis hätte ich gerne gehabt. Aber ich kam (außer in Musik) nie über eine 3 hinaus. Meisten 4er. Was zu einem an Legasthenie und Dyskalkulie lag und zum anderen am Mobbing. Ihr könnt stolz sein

    LG Anne

  7. @Frau Laterne: Genauso sehe ich das auch. Und zum Thema „Unterschriften fälschen“ gibt es gerade schon Nachschlag. 🙂

    @Shark: Es diente zweifelsfrei dazu, Helena fertig zu machen, weil auch die früheren Zeugnisse nie richtig schlecht waren (wobei dieses sich schon deutlich abhebt). Aber selbst ein schlechtes Zeugnis wäre für mich kein Grund, ein Kind „fertig zu machen“, der „Vater“ hat sich einfach widerlich verhalten. Ob er zu den leiblichen Kindern auch so war, weiß ich nicht, laut Helena aber nicht.

    @Clavicular von PL: Sie hat verschiedene „Nachteilsausgleiche“, wie Zeitverlängerung, darf am Laptop schreiben, darf Tafelbilder abfotografieren, die „äußere Form“ von handgeschriebenen Texten fließt nicht in die Note ein, Mathezeichnungen haben größere Genauigkeitstoleranzen, im Sport werden nur die Übungen bewertet, die sie ohne ihre Einschränkung auch erfüllen kann, …

  8. Nachteilsausgleiche? Hätte es früher nicht gegeben. Da sieht man mal, wie alles über einen Haufen geworfen wird, nur um gute Noten zu vergeben.

  9. @OOI: Nicht, um gute Noten zu vergeben, sondern um gerechte Noten zu vergeben. Oder ist es zielführend, wenn alle Schüler ohne Arme in Sport eine 6 bekommen, weil sie die Bälle nicht mit beiden Händen fangen und bei den Bundesjugendspielen im Turnen weder den Felgaufschwung noch das Rad noch den Handstand vorführen können?

  10. @OOI

    Ich bin auch kein großer Fan von „Jeder muss Abi schaffen“ oder Inklusion für alle in alles*.
    Aber einen gewissen Ausgleich muss es trotzdem geben. Im krassen Falle könnte man sonst sagen, dass Linkshänder keine guten Noten fürs Schönschreiben bekommen, weil deren Tinte oft verwischt, Schrift zur falschen Richtung neigt und was es noch so für tolle Effekte gibt, wenn man mit Links statt Rechts schreibt. Und dann macht die Schönschreibenote 50% der Gesamtnote aus. Und da kann das Kind noch so toll und klasse und wissend sein: die Schönschreibenote reißt die Gesamtnote ins Schlechte.

    Ein Nachteilausgleich um körperliche Defizite abzubauen ist vollkommen in Ordnung. Solange der Betroffene die Inhalte versteht und wiedergeben kann, ist doch egal, wie er sich die Leistung aneignet. Beim Sport kann man in gewissen Maßen darüber streiten, denn ein massiv-übergewichtiges Kind, sportfauler Nerd oder Schickimicki-meine-Finger-Nägel-Mimimi-Mädel sollte keinen Ausgleich per se bekommen… aber ein Kind mit Gehbehinderung, dass einfach aus körperliche Sicht 100m nicht in 12 Sekunden schaffen kann und niemals schaffen wird, sollte deswegen keine Benachteiligung haben. Jemand im Rollstuhl sollte nicht benachteiligt werden, weil er keine Standfiguren auf den Schwebebalken machen oder bockspringen kann. Es ist ja keine generelle Entschuldigung von Sport… die betroffenen Kinder müssen immer noch in anderen Disziplinen Leistung zeigen – und haben dann eben nachteilig weniger Möglichkeiten um schlechte Noten auszugleichen. (eine 6 und eine 1 ergibt eine schlechtere Gesamtnote (3,5) als eine 6 und sechs 1er (=1,09). Wenn man die eine Disziplin komplett verhaut, eine richtig gut macht und bei den anderen nicht mitmachen darf, wäre das durchaus drin… während der Schüler ohne Ausgleich die 6 einfach wegarbeiten kann)

    Bei behebbaren, schweren Benachteiligungen (wie massives Über- oder Untergewicht) kommt es dann eben darauf an. Kein Kind sollte aufgrund seiner Erkrankung der Noten wegen gesundheitliche Risiken eingehen müssen. Dafür gibt es keine generelle Lösung – aber Helena betrifft das aktuell ja nicht.

    *=Nicht falsch verstehen. Inklusion an sich ist erst einmal etwas sehr gutes, sie sollte nur nicht mit aller Gewalt statt finden, so dass sinnvolle Mindestanforderungen zu weit runtergeschraubt werden, dass die Ziele letztlich nichts mehr wert sind oder am Ende sogar eine Gefahr darstellen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir damit zu unkritisch umgehen. Aber das ist ein anderes Thema.

  11. Das ist ein richtig super Zeugnis. Klar, ich selbst wäre auch nicht erfreut über die vier, aber so dramatisch ist es auch nicht. Ich wäre richtig stolz auf Helena und würde ihr sagen „Gut gemacht“, und zur Belohnung erstmal Eis essen gehen. Daumen hoch!

  12. Ich hatte eine Mitschülerin, die seit ihrer Geburt den linken Arm nicht bewegen konnte. Ich hatte im Sport (7. Klasse Schwimmen) eine 3, sie war nicht 5, nicht 10, sondern 20 Sekunden langsamer über 50 Meter Kraul und bekam eine 2. Und dann wunderst du dich, wenn ich das nicht leiden kann, wenn mit ganzen 60 Sekunden eine 2 bekommt und ich mit 40 eine 3? Woran hat die Lehrerin das festgemacht? Gewürfelt?

  13. Aus persönlichem Interesse: Was für eine Insulinpumpe benutzt Helena? Zusammen mit einem Sensor?
    Mit ersterem habe ich gar keine Erfahrungen, letzteres halte ich für eine der besten technischen Entwicklungen auf diesem Gebiet.

    Und das Zeugnis ist wirklich gut!

  14. @OOI: Wenn wirklich diese eine Leistung so verglichen wurde, nehme ich an, dass die Lehrerin entsprechende Vergleichstabellen hatte. Ich würde mal behaupten, dass der heutige Weltrekord der Frauen mit Armplexus-Geburtstrauma über 50 Meter Kraul bei etwa 32 Sekunden liegt. Der Weltrekord bei Männern ohne Armlähmung liegt über 50 Meter Kraul bei etwa 20 Sekunden. Du hast also auf 50 Meter die 2,0-fache Zeit des Weltrekords gebraucht und deine Mitschülerin nur die 1,8-fache Zeit. Vielleicht sah es bei ihr zudem flüssiger aus oder sie hat sich in dem Jahr enorm verbessert … keine Ahnung. Mit der Zeit hätte sie sich übrigens direkt zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Die ist sie im Schulschwimmen mal eben so geschwommen? Alle Achtung, dann hätte sie eigentlich sogar eine 1 verdient!

  15. Nachteilsausgleich finde ich völlig gerecht. Mal angenommen ein Kind mit auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kann einzelne Worte nicht von anderen unterscheiden. Graus ist für dieses Kind das gleiche Wort wie kraus und Kirche das gleiche wie Kirsche und es hat dadurch eben auch große Probleme beim Schreiben und Lesen lernen eben weil diese Worte für das Kind völlig gleich klingen.
    Sollte das Kind dann wirklich mit schlechten Noten bestraft werden für etwas, was in seinem Gehirn nicht richtig funktioniert oder sollte man dem Kind den Nachteilsausgleich gewähren indem man sagt „das Kind macht es so gut es geht und an dieser Stelle hat es durch die Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (die ein zentrales Hörproblem ist) keine Chance, es besser zu machen.
    GERECHT ist an dieser Stelle, solche Probleme durch einen Nachteilsausgleich auszugleichen, nicht dem gleichen Maßstab anzulegen wie bei Kindern ohne diese Probleme. (es sind nicht immer nur körperliche Einschränkungen, die zu einem Nachteilsausgleich führen können, es sind manchmal auch die, die man nicht sieht und die manchmal auch echt schwer zu diagnostizieren sind)

  16. Kommt wohl darauf an, worin man den Sinn von Noten und eines Zeugnisses sieht. Nur als Feedback für das Kind bzw. Datenbasis für Lehrer und Eltern, wo Nachholbedarf besteht? Dann sicherlich stimmt das – wieso soll man verstärkt an einer Schwäche arbeiten, die sich objektiv nicht mehr beheben lässt – dann drückt man die Akzeptanz dadurch aus, dass man die Schwäche nicht nachteilig in die Benotung einfließen lässt. Das ist doch aber kaum der komplette Zweck eines Zeugnisses – damit wird doch ebenfalls der künftige eventuelle Arbeitgeber darüber informiert, was er von dem (vermutlich dann Ex-)Schüler erwarten kann – inwieweit ein gefordertes Leistungsprofil erreicht wurde. Und ein Schüler mit solcher Schwäche kann das Leistungsprofil nun nicht so erreichen, wie ein Durchschnittsschüler das kann – das ist bei durchgeführtem Nachteilsausgleich aber nicht mehr aus dem Zeugnis ablesbar. Im Endeffekt wird also das Beherrschen einer Tätigkeit bescheinigt, ohne dass die Tätigkeit tatsächlich beherrscht wird. Wie man es richtig macht, weiß ich auch nicht (Leistungsausgleich nicht komplett durchführen evtl.), das ist sicherlich Stoff für längere Diskussionen.

  17. Schöne Grüße an „Helena“,
    Das Zeugnis ist super!
    und Englisch finde ich wichtig, steht und fällt allerdings bei unserem Schulsystem regelmäßig mit der Fähigkeit des Lehrers.
    Hatte auch mal ne 4 in Englisch, heute spreche und schreibe ich es fließend und fast akzentfrei.
    Mein Tipp: Filme auf Englisch, vor allem Disney Filme sind da recht gut um ein besseres Feeling für die Sprache zu bekommen.
    Dass sie Sprachen kann sieht man an Spanisch.
    Für mich gibts an dem Zeugnis nichts zu meckern.

  18. @OOI 4. Februar 2019 um 19:47 Uhr

    Ganz ohne Sarkusmus: es tut mir leid, dass Du so im Bewertungswahn, den unsere sogenannte Leistungsgesellschaft verbreitet, gefangen bist, dass dich eine Notenstufe bei irgendeiner Noten in irgendeinem Jahreszeugnis so beschäftigt.

    Selbst wenn es „um was ginge“, zur Information, die sogenannte Meritokratie ist großteils Schwindel https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe)

    „Woran hat die Lehrerin das festgemacht?“

    Erzähl’s uns. bitte. Oder hast Du dich nicht getraut, die Frau Lehrerin zu fragen, aber der Druck ist so groß, dass er jetzt raus muss und da muss dann eben ein Blog herhalten?

  19. „Häh? Wo bleibt denn da die Erziehung?“

    Naja, ein bisschen Metabedenken kann man da schon haben. Ob das laissez-faire beim Jugendamt gut ankommt. So wegen der Gefahr der moralischen Verwahrlosung des armen Kinds. wenn die Erziehungsberechtigten, das mit der Schulpflicht nicht ganz genau nehmen. Aber was weiss ich. 🙂

    Also dann

    „Spanisch 2“

    ¡felicidades a Helena y adelante con los faroles!

  20. @ Sven 11. Februar 2019 um 7:16 Uhr

    „Filme auf Englisch, vor allem Disney Filme sind da recht gut um ein besseres Feeling für die Sprache zu bekommen.“

    Legt sich oft mit Aufkommen der Begeisterung für Pop.

    Da kann man sogar für’s Medizinstudium lernen

    „You may not be familiar with the common types
    Of hernias that you could get
    So just settle down, let me clue you in there’s
    – incomplete
    – epigastric
    – bladder
    – strangulated
    – lumbar hernia
    – richter’s hernia
    – obstructed
    – inguinal and
    – direct“

    https://www.youtube.com/watch?v=X8Ow1nlafOg

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