Eulenspiegel

„Quäle stets ein Tier mit Schmerz, denn es fühlt wie du den Scherz.“ – Diesen verballhornten Spruch hörte ich kürzlich von Jugendlichen, die versuchten, im Bus eine Fliege mit einem Feuerzeug anzukokeln. Der Busfahrer hat die Jugendlichen auf offener Strecke rausgesetzt, ob wegen der Tierquälerei oder aus Sorge, dass demnächst sein Bus brennt, weiß ich nicht. Vielleicht auch aus beiden Gründen.

Keinen Brummer, sondern einen lebendigen Hund hat der Überlieferung nach Till Eulenspiegel, der vor 700 Jahren lebte und in Mölln in Schleswig-Holstein senkrecht begraben sein soll, beim Bier brauen in einen heißen Kessel geworfen. Der Hund hieß Hopf, und der Bierbrauer hatte Eulenspiegel gebeten, Hopfen in die Braupfanne zu werfen. „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt“, soll es damals geheißen haben. Eulenspiegel sollte lustig sein und nicht nur Majestät haben darüber gelacht: Der Spruch ist noch heute an der Tagesordnung.

Ich kam kürzlich in den Genuss, die allererste Folge einer Vorabendserie sehen zu dürfen, deren aktuelle Folgen noch heute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden. Als sie gedreht wurde, waren die Charaktere überrascht, dass künftig auch Frauen im Streifendienst eingesetzt werden sollen. Kinder, wie die Zeit vergeht: Meine Halbschwester Emma ist in diesem Jahr zur Oberkommissarin befördert worden und hat damit einen höheren Dienstrang als alle Charaktere dieser Serie vor dreißig Jahren. Wertschätzung und respektvoller Umgang hätten enorm zugenommen, sagt sie. Die älteren Kollegen erzählten oft, dass es früher sogar Prügeleien unter den Beamten gegeben hätte, das Klima sehr viel rauer war. Schimpfworte wie „Arschloch“, „Neger“ und „Penner“ seien an der Tagesordnung gewesen. Das sei heute undenkbar und würde sofort sanktioniert.

Trotzdem gibt es Ausgrenzung und Dummheit noch immer. Es gibt noch immer Menschen, die glauben, Frauen sind nur dumm und können gut backen. Und Kinder gebären. Okay, Männer können meistens weder backen noch Kinder gebären. Irgendwie müssen wir uns ja unterscheiden. Homosexuelle sind eklig. Behinderte sowieso. Vor allem, wenn sie sabbern, brummen und inkontinent sind. Dass mir jemand nicht die Hand gibt, weil er denkt, er könne sich anstecken, kommt auch in 2019 noch vor. Nicht täglich. Und nicht häufig. Aber so etwas gibt es. Und ich muss weiter dagegen kämpfen.

Ich kämpfe. Zum Beispiel mit einem Blog, der über 7 Millionen Mal aufgerufen wurde. Aber ich kämpfe zum Glück nicht alleine gegen die Dummheit.

Anlässlich meiner doch rund umfangreichen Schilderungen über das Krankenkassen-Gutachter-Drama von Helena hatte ich einen recht umfangreichen Dialog mit einem Kumpel, den ich seit meiner Reha, also seit nun schon zehn Jahren kenne. Höheres Tier in einer Sozialbehörde, begleitet ehrenamtlich gerade eine junge Frau, die seit über einem Jahr versucht, einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Die Frau hat, wie Helena, eine leichte Cerebralparese, also eine Hirnschädigung, die die Motorik (nicht die geistige Leistungsfähigkeit, die junge Dame macht gerade Abitur) einschränkt. Sie benutzt für längere Strecken (so ab 700 Metern) ebenfalls einen Rollstuhl, spricht ein wenig undeutlich und hat erhebliche Schwierigkeiten mit der Feinmotorik, vor allem der der Hände. Sie schreibt in der Schule beispielsweise am Laptop. Ich selbst kenne die Frau nicht persönlich.

Hinzu kommen angeborene Fehlbildungen beider Hüftgelenke und eine Überreaktion auf Wasser: Sobald sie duscht, bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Außerdem reagiert sie allergisch auf Insektengift-Proteine, muss also ständig hochpotente Medikamente injektionsfertig mitführen, falls sie mal von einer Wespe gestochen wird und der Notarzt nicht rechtzeitig kommt.

Behinderung? Nö. Fehlanzeige. Das Versorgungsamt sagt: Das reicht nicht. Sie ist nicht so stark eingeschränkt, dass ihr Zustand in erheblichem Maße von dem eines gesunden Menschen ihres Lebensalters abweicht. Schließlich hat auch nur ihr Kinderarzt was dazu attestiert und kein Neurologe. Unser Haus-Gutachter kommt nach Aktenlage zu dem Ergebnis, es liege auch keine Hirnschädigung, sondern eine Entwicklungsretadierung vor.

Ich weiß noch, wie es mir ging, als mir mitgeteilt wurde, dass ich ein Vollpfosten bin. Wobei man mir ja eher gutmütig die Dinge attestiert hatte, die wirklich vorlagen. Retadiert war ich noch nie. Nicht mal auf dem Papier. Krüppel halt. Aber alleine diese Tatsache schwarz auf weiß zu lesen, hat mir damals schon gereicht.

Die junge Frau legt also Widerspruch ein und lässt sich brandaktuell von einer spezialisierten Kinderneurologin noch einmal von Kopf bis Fuß durchchecken. Legt ihr Hirn in eine bildgebende magnetische Röhre. Mit glasklaren Ergebnissen. Nix retadiert, sondern eine waschechte Cerebralparese. Reichte dem Amt wieder nicht. Dieses Mal sei die Abweichung zwischen dem (oberflächlichen und auf den Alltag bezogenen) Bericht des Kinderarztes und dem (fachlich bis in die tiefste Ebene abgegrenzten) Bericht der Fachärztin zu groß, von daher sei das alles unplausibel. Man setze alles auf Null und beauftrage einen externen Gutachter, einen niedergelassenen Neurologen, damit, das alles einzuschätzen.

Die junge Dame holt sich also schulfrei, muss einen handgeschriebenen Lebenslauf schreiben (kenne ich irgendwoher), taucht dort pünktlich auf und fährt, dem Rat ihres Rechtsanwalts folgend, natürlich nicht alleine dorthin, sondern nimmt eine Vertrauensperson mit. Bevor der Termin starten kann, kommt der Gutachter ins Wartezimmer und blubbert die junge Frau an: Schön, dass Sie eine Begleitperson mitgenommen haben, die bleibt aber draußen. Die Begutachtung führe ich nur unter vier Augen durch. Als die junge Frau darauf besteht, dass die Vertrauensperson sich bei der Untersuchung still in eine Ecke setzt und zuschaut, verweigert der Gutachter die Untersuchung und kündigt an, ihr im Gutachten eine „mangelnde Kompromissbereitschaft“ zu attestieren. Was die Behörde später als mangelnde Mitwirkung auslegen werde, mit dem Ergebnis, dass es weder einen Ausweis, noch eine Gleichstellung gebe.

Ähm ja. Wie, du willst nicht angegrapscht werden? Bist du etwa zu keinen Kompromissen bereit? Ein Totschlag-Argument aus der Sicht jedes Rambos, eine Disqualifikation mit Pauken und Trompeten aus der Sicht all jener, die Machtmissbrauch und Mobbing auch gegen den Wind riechen.

Das Glück der jungen Frau war wohl die Begleitung durch den Sozialrechts-Fuchs. Der hat die junge Frau, die nicht nur wegen der eigentlichen Begutachtungs-Situation unter großer Anspannung stand, sondern mit diesem Benehmen des Gutachters auch völlig überfordert war, ins Auto gepackt und ist mit ihr auf dem direkten Weg zu der Behörde gefahren, die das Gutachten in Auftrag gegeben hat. Frei nach dem Motto: „Hier bin ich. Begutachten Sie. Mitwirkung liegt vor. Maximal. Kopie der Akte, alle Befunde, handgeschriebener Lebenslauf: Alles dabei.“

Die Sachbearbeiterin an der Publikumsfront hat nach zwei Sätzen die Flinte ins Korn geworfen und das Gespann in die Chef-Etage geführt. Die junge Frau durfte daran teilhaben, wie ihr Begleiter und eine ältere Dame aus dem höhere Dienst der Behörde sich über den grundgesetzlich garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör und den damit verbundenen Anspruch auf ein faires Verfahren austauschten und sofort derselben Meinung waren. Dass beide der Überzeugung waren, dass insbesondere in einem Widerspruchsverfahren der freie und gleichberechtigte Zugang zur Justiz eher überkorrekt berücksichtigt werden müsse, zumal Deutschland bei der Umsetzung der anerkannten UN-Forderung ohnehin defizitär sei.

Nach kurzer Wartezeit auf dem Behördenflur, in der die Beamtin den Gutachter anfunkte, ließ sie durchblicken, dass sie höchstpersönlich vor Jahren eine Anordnung verfügt hatte, die Begleitpersonen bei Gutachten ausdrücklich zulasse. „Solange die Begleitperson sich nicht ungefragt einmischt oder dort randaliert, sondern der Gutachter seine Arbeit machen kann, soll sie doch still in der Ecke sitzen. Ich würde meinen Mann auch nicht unbegleitet zum Doktor lassen, alleine schon, weil er immer nur die Hälfte versteht.“

Ende vom Lied: Die Frau hat die Antragstellerin im Namen der Behörde ausdrücklich für diesen Vorfall um Entschuldigung gebeten und ihr einen neuen Termin bei einem anderen Gutachter in Aussicht gestellt. Den kenne sie persönlich, dorthin würde sie auch gehen. Und sie habe ihn extra angerufen: Selbstverständlich dürfe jederzeit eine Vertrauensperson dabei sein.

Ich frage mich nun, was wohl passiert wäre, wenn der Sozialrechts-Fuchs nicht dabei gewesen wäre. Dann hätte der Gutachter wohl festgestellt, dass noch immer keine Behinderung vorliege. Wer so drauf ist, ist aus meiner Sicht als Gutachter untauglich. Machtspiele und die damit verbundene Ausgrenzung haben in fairen Verfahren nichts zu suchen!

Fand übrigens damals auch schon Till Eulenspiegel.

23 Gedanken zu „Eulenspiegel

  1. Wenn du alleine bist, wirst du gefickt.
    Das gilt nicht bloß in der Disse, sondern vor allem bei Ämtern und Versicherungen.
    Und vermutlich gilt das sogar auch für Deinen Idiotenmagneten: Der funktioniert doch, soweit ich das überblicke, vor allem dann, wenn Du allein bist, und ist im Idle-Modus, wenn Ihr im Rudel unterwegs seid, oder hab ich Deine Blogeinträge da in der Erinnerung falsch summiert?

  2. Meine. Güte. Als ob der Gutachter oder die Leute in Behörde und Krankenkasse alle Hilfestellungen, die nötig sind aus eigener Tasche bezahlen müssten. Man kann nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte…

  3. Also wenn die junge Frau nicht 94 ist, kann ich wohl davon ausgehen, dass ein Rollstuhl etwas ist, was vom Lebensalter typischen Zustand abweicht. Irgendeiner tickt doch da nicht richtig.

  4. Achja, das Versorgungsamt. Hatte mit denen auch Streit. Merkzeichen G und aG beantragt, weil ständig und immer auf den Rolli angewiesen. Bin aber kein Fall ausm Lehrbuch. Versorgungsamt lehnt die Merkzeichen ab, gibt mir GdB von 50%. Mein erfahrener Rechtsantwalt legt Widerspruch ein, verzichtet auf Begründung, weil Widerspruch ohnehin zurückgewiesen wird. Klage beim Sozialgericht. Rechtsanwalt erreicht mit juristischen Mitteln, dass es nur ein Anhörungstermin wird und kein Entscheidungstermin. Gut für mich, denn der untersuchende Arzt beimSozialgericht sieht nicht die Voraussetzungen für Merkzeichen G , aG .
    Richter schraubt aufgrund des anwaltlichen Schreibens den Termin auf eine Anhörung herunter und schickt mich zu einem vom Gericht bestellten Gutacher. Sein Ergebnis: die Frau ist auf den Rollstuhl angewiesen, Merkzeichen G und aG sind erfüllt.
    Das Versorgungsamt stellt mir zähneknirschend den entsprechenden Schwerbehindertenausweis befristet aus und geht gleichzeitig in Revision zum Landessozialgericht. Mit an sich sträubenden Haaren herbeigezogenen Argumenten. Der Richter des LSG beauftragt einen zweiten Gutachter. Dieser kommt zum gleichen Ergebnis wie der erste Gutacher: die Frau ist auf den Rollstuhl angewiesen, Voraussetzungen für Merkzeichen G und aG sind erfüllt.
    Anhörungstermin beim Landessozialgericht: Der ältere, erfahrene Richter macht dem (jungen) Vertreter des Versorgungsamtes in freundlichen, aber unmissverständlichen Worten klar: Die Ergebnisse eines (bzw. 2) vom Gericht bestellten Gutachters hat das Versorgungsamt nicht mehr anzuzweifeln!
    Fazit nach 3 nervenaufreibenden Jahren: Wenn man wirklich was hat, sind die Sozialgerichte auf deiner Seite.

  5. Is klar. Erst zu wenig behindert, dann zu doll, ein Gutachter solls richten, aber der führt irgendwas im Schilde. Wo sind wir hier eigentlich? In einem Rechtsstaat?

  6. Ich kann das so gut nachvollziehen, ich hatte auch so einen merkwürdigen Gutacher. Der hat sich meine Füße angeguckt und meinte: Hornhaut! Dann sitzen Sie nicht im Rollstuhl.

  7. Sehr schön geschrieben, Jule. Es ist eine Schande, was der jungen Frau passiert ist. Wie sollen junge Menschen so Vertrauen in den Rechtsstaat bekommen, wenn ihre Rechte mit Füßen getreten werden? Vermutlich wird wieder nichts passieren und der Gutachter macht mit dem nächsten Menschen weiter wie bisher.

  8. Moin Jule ! Ich bin nicht so gut mit schreiben , aber ich habe eine Werkstatt und wenn da einer beim Auto schrauben dabei sein will hab ich auch nichts gegen einzuwänden , wenn ich meinen Job machen kann ist doch alles gut ich weiß nicht wo das Problem ist . Außer man hat etwas zu verbergen . Mach weiter so und der jungen Frau alles gute !

  9. Richtig so! Nun lass mal keine Begleitung dabei sein und dann hätte der sie da nach Strich und Faden verarscht. Das durchschaut sie doch ohne juristische und medizinische Fachkenntnisse so schnell gar nicht, vor allem, wenn sie aufgeregt ist. Sie kann echt froh sein, dass es Menschen gibt, die sowas in ihrer Freizeit machen und es ist traurig, dass das überhaupt nötig ist. Alles Gute für die junge Frau und PS: Die Jugendlichen mit der Fliege haben jawohl ein Rad ab und dass das mit dem Hund in der Pfanne von Eulenspiegel kommt, wusste ich nicht, wieder was gelernt!

  10. Was gibt es da denn noch zu diskutieren? Man beantragt so einen Schein doch nicht ohne Grund. Und wenn eine Neurologin schon sagt, dass da was vorliegt, was reicht denn daran nicht oder ist missverständlich? Anstatt dann zu sagen: Du kriegst von uns deine 50 Prozent oder wieviel auch immer, aber du kriegst sie erstmal. Und wenn es der Frau dann zu niedrig ist, kann sie ja immernoch was einreichen. Aber erst gar nichts wegen zu Allgemein und dann gar nichts weil zu Speziell – da piepts doch.

  11. Nach Aktenlage ist es eine Retadierung, obwohl die Neurologin, die sie gesehen hat und Kernspin-Bilder anfertigt eine klare Diagnose stellt? Und anhand des Schulbesuchs klar ist, dass sie bereits den Realschulabschluss in der Tasche hat? Die trauen sich was.

  12. Eine Vertrauensperson darf nicht abgelehnt werden. Es sei denn, es gibt im Einzelfall ganz konkrete Gründe, die man auch klar und stichhaltig und objektiv und nachvollziehbar benennen kann. Ein Gutachter, der in einem rechtlichen Verfahren etwas feststellen soll, muss sich an Recht und Gesetz halten, und zwar 100%. Wenn er hier schon das Recht bricht, fehlt jedem das Vertrauen, dass er den Rest noch rechtmäßig erledigen wird. Mich wundert, dass der offenbar so derbe mit seiner Glaubwürdigkeit spielt. Alles richtig gemacht: Unzumutbar.

  13. Wir machen auch Gutachten (allerdings nicht für/gegen die Anerkennung von Behinderungen) und versuchen auch immer erst den Betroffenen „allein“ zur Begutachtung zu bekommen. Nicht um diese ins Boxhorn zu jagen, sondern damit das Gespräch wirklich vertraulich und frei ist. Der Begleiter kann den Betroffenen ja durchaus unter Druck gesetzt haben und will nun aufpassen, was genau passiert. Damit nur nichts falsches gesagt wird.
    Man stelle sich nur vor Helena wäre von ihren Vor“pflegern“ begleitet worden – hätte sie da wirklich frei und ungezwungen sprechen können, wenn man sie nach ihrer familiären Situation fragt?

    Besteht die Person dann auf ihren Begleiter, versuchen wir ihr immer noch die Möglichkeit kurz allein mit dem Gutachter zu sprechen und wenn sie das auch ablehnt – tja dann ist es eben so. Im positiven wie negativen. Wir begutachten natürlich trotzdem und das so ehrlich wie nur möglich. Gibt ja auch durchaus Situationen, wo man die Begleitung zwingend benötigt.

    Ich frage mich allerdings was der Gutachter deiner Nicht-Bekannten macht, wenn er jemanden begutachten soll, der zwingend einen Dolmetscher braucht. Egal ob nun für Gebärden- oder Fremdsprachen. Oder Übersetzungshilfen, wenn man mal jemand hat, der aufgrund seiner Schädigung so unverständlich spricht, dass nur ein geübter Hörer versteht, was gesagt werden soll, weil der das ganze Leben mit dem Zubegutachteten verbringt.
    Oder haben die bei dem ein automatischen Vorteil, weil die ihre Begleitperson ja zwingend benötigen und daher nicht verwehrt werden können?

    Lebensläufe >muss< bei uns nebenbei niemand schreiben – aber wir raten unter Umständen dazu. Nicht für uns, sondern damit man während der Stresssituation der Begutachtung keine wichtigen Dinge vergisst – sozusagen ein Spickzettel mit dem Thema "Was ist wichtig?". Ob der dann handgeschrieben ist oder nicht – wurscht. Ob der überhaupt geschrieben wird? Egal. Ist ja nicht für uns – sondern dient als Gedankenstütze für den Betroffenen.
    Aber vielleicht ist das bei der Begutachtung wegen Behinderungen anders. Wie gesagt: solche Gutachten machen wir nicht.

  14. Gegen den Gutachter würde ich bei der Kammer Beschwerde einreichen.
    Ansonsten wünsche ich euch viel Kraft. Haltet dagegen, so gut ihr könnt und lasst euch nicht kleinkriegen. Diese Schickanen muss niemand hinnehmen.

    Liebe Grüße!

  15. Ich war mal daran beteiligt, einem Gutachter seinen Posten zu entziehen.
    Wir bekamen das Gutachten parallel zum Gericht. Und schrieben dem Gutachter mit Kopie ans Gericht, sein Gutachten weise offensichtlich einen Mangel auf, da er bei dem begutachteten älterem Herren das Nichtvorliegen einer behaupteten Beeinträchtigung mit einem Arztbefund begründete. Allerdings war der nicht von einem der Ärzte, die von dem älteren Herrn genannt und von der Schweigepflicht entbunden wurden. Zudem war der Befund auf einen völlig anderen Namen und eine Dame ausgestellt.
    Es kam ein freundliches Schreiben vom Gutachter, er bedauere, dass man nicht folgen könne, das Gutachten sei aber korrekt und sorgsam erstellt und ausweislich des Arztbefundes (mit Datum usw., nur nicht mit Name der Dame genannt) läge die behauptete Beeinträchtigung zu seiner festen gutachterlichen Überzeugung eben nicht vor.
    Als nächstes kam der Beschluss des Gerichtes mit der Beauftragung eines neuen Gutachters. Begründet mit der offensichtlich unzweifelhaft fehlenden Eignung des ersten Gutachters, als eben solcher tätig zu sein.

  16. Es geht zum Glück aber auch anders. Ich habe von Geburtan Klumpfüße und das Versorgungsamt hat mich irgendwann zum internen Gutachter geschickt, um zu prüfen, ob eine Verbesserung eingetreten ist.

    Als erstes fragte der Gutachter, ob ich seit dem letzten Bescheid operiert worden sei an den Füßen, als ich dies verneinte, hat er nur endlos den Kopf geschüttelt und ich konnte wieder gehen.

    Gutachten: Den Verwaltungsmenschen nach dem Verstand gefragt, denn OP kann sich am Zustand nichts geändert haben, von weiteren Nachprüfungen ist abzusehen weil unnötig. Seitdem ist mein Ausweis auch unbefristet.

  17. @GlückGehabt:
    „Gutachten: Den Verwaltungsmenschen nach dem Verstand gefragt“
    Als Verwaltungsmensch hätte ich darauf bestanden, dass gegen den Gutachter disziplinarische Maßnahmen eingeleitet werden. Ich bin nicht medizinisch sachverständig, und der bisherigen befristeten Einstufung lag ein medizinisches Gutachten zugrunde. Wenn ich das dann aufgrund des ersten Gutachtens befriste, habe ich nach Ablauf der Frist zu fragen, ob es eine Veränderung gegeben hat. Was weiß denn ich über deine Klumpfüße? Vermutlich hätte es aber ausgereicht, einen aktuellen Befundbericht vom Orthopäden einzureichen, aus dem sich eindeutig ergibt, dass sich nichts geändert hat. Vermutlich lag der nicht vor oder war nicht aussagekräftig.

  18. Oh man wenn ich solche Geschichten lese schäme ich mich ja schon fast mit 3 Bandscheibenvorfällen und 2 Arthrose-Knien (links Gras 2 und rechts Grad 3) 40% bekommen zu haben.

    LG Anne

  19. Moin, moin,
    ich bin sicherlich jemand mit viel Verständnis für das Denken und Handeln von Verwaltung. In Sachen „Landesamt für Soziale Dienste“, das hier für Schwerbehindertenausweise zuständig sind, habe ich den Vater einer Freundin im Kopf, der einmal, nicht mehr ganz nüchtern, vom Stapel ließ, dass ihm sche..egal sei, was die Doktoren und Akademiker in die Gutachten und Atteste schreiben. Am Ende entscheide er!
    Bei solchen Sachbearbeitern ist natürlich Willkür nicht weit und das verbunden mit einem Machtgefälle zwischen Antragstellern und Entscheidern ist das einfach ganz mies.
    Eine Freundin, selber Volljuristin und Richterin, hat erlebt, welche Behördenhürden sie neben dem Überwinden einer sehr schweren Erkrankung bewältigen musste. Für sie einfach nur nervig, denn fachlich wusste sie deutlich mehr als die Ämter. Dennoch war es für sie erschreckend, wie da mit Menschen umgegangen wurde. Nun kann sich nicht jeder so wehren, wie ein Volljurist. Die Sozialverbände haben sicher nicht umsonst rasante Mitgliederzuwächse.
    Dieses Thema betrifft auch die Hilfsmittelversorgung durch Krankenkassen aber auch Pflegeeinstufungen oder viele Fragen rund um ALG2.

  20. @
    Anonym sagt: 12. April 2019 um 23:22 Uhr
    „Eine Vertrauensperson darf nicht abgelehnt werden.“

    Der Arzt lehnt nichts ab, er schreibt nur einfach das er nicht untersucht hat ins Gutachten. Ich hätte hier mal so einen Fall. Die Betroffene bezog ALG II und meinte, sie hätte wie bei der Behörde ein Recht darauf einen Beistand dabei zu haben. Ich kannte und kenne aber keine Rechtsgrundlage, den Arzt zur Untersuchung zu zwingen.Wenn jemand da besser informiert ist, würde ich mich über eine Mitteilung freuen.

  21. @Verwaltungsmensch sagt: 14. April 2019 um 10:39 Uhr

    „Wenn ich das dann aufgrund des ersten Gutachtens befriste, habe ich nach Ablauf der Frist zu fragen, ob es eine Veränderung gegeben hat.“

    Und zwar den Betroffenen, bei dem die Sozialdaten vorrangig zu erheben sind. Erst wenn diesen Auskunft nicht ausreichen sollte, wäre ein Gutachten einzuholen. Wie hier der Ablauf war, ist nicht erkennbar.

  22. Und dann sind da noch die Leute, die stolz damit prahlen, sie hätten dem Amtsarzt vorgespielt sie „hätten Rücken“ und was im Knie und Haarausfall und sich damit „Punkte“ für den Schwerbehindertenausweis gesammelt und wie schlau sie doch wären, dass sie sich damit alle Begünstigungen, die mit solcher einem Status kommt, ergattert hätten.
    Womit wir wieder beim Hund wären. Solche Leute würde ich am liebsten mit der Nase auf/in den Beitrag oben stoßen, so wie man das (nach falschem Erziehungskonzept) mit dem Hundewelpen in den eigenen Haufen machen soll. Argh!

    Überreaktion auf Wasser! Was für ein Scheiß denkt die Natur sich da aus?! 😮 Was machen denn die Betroffenen dann? Quasi Trockenshampoo für den ganzen Körper nehmen und pudern..?

  23. @BigDigger: Ich glaube, der Idiotenmagnet funktioniert immer, nur wenn ich mit anderen unterwegs bin, denke ich nicht so sehr darüber nach, weil ich mit anderen beschäftigt bin. 🙂

    @blubber: Es gibt sicherlich Situationen, in denen es wichtig ist, dass die Patienten frei sprechen können. Aber genauso wenig, wie ich der Vertrauensperson unterstellen darf, dass sie das Verfahren durch Dazwischenreden stören will, darf ich der unterstellen, dass sie den Patienten unter Druck setzt. Wenn es klare Anhaltspunkte dafür gibt, sieht die Situation anders aus. Bis dahin gilt für mich: Wenn der Patient jemanden dabei haben möchte, soll er doch jemanden mitbringen.

    @thorstenv 16.11 Uhr: Ich halte es für ziemlich dämlich, einen Auftrag anzunehmen, den man unter Umständen ausführen möchte, die nicht dem Willen des Auftraggebers entsprechen. Und dann in Folge für ein neutrales Gutachten die Patientin unter Druck zu setzen, geht wohl mal gar nicht.

    @Shark: Ich glaube, es kommt sehr drauf an, wie heftig diese Reaktionen auf das Wasser ausfallen.

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