Fahrstunden

Susi und Otto sind ja immer sehr besorgt um ihre beiden Töchter. Sowohl um ihre leibliche als auch um mich. So bekamen wir beide zu Ostern zwei Gutscheine geschenkt: Nach fast zehn Jahren sollten wir beide eine Fahrstunde nehmen und an einem Fahr-Sicherheitstraining teilnehmen. Ich fand die Idee gut, Marie auch. Kann nie schaden, sich nochmal updaten und eingeschliffene Fehler auszumerzen zu lassen. Fahr-Sicherheitstraining ist erst in einigen Monaten, aber wir waren in der letzten Woche bei einer Fahrschule in der nächsten größeren Stadt und haben den ersten Teil des Geschenks eingelöst.

Es gibt ja nicht so viele Fahrschulen mit umgebauten Autos, aber diese hatte eins und der Fahrlehrer, der Chef der Fahrschule, war auch sehr freundlich. Die Rollstühle wurden nach dem Umsetzen im Büro eingeschlossen, ich durfte zuerst fahren. Außer Marie saß noch ein angehender Fahrlehrer auf der Rückbank, nachdem er gefragt hatte, ob es für uns okay ist, wenn er sich das auch mal anschaut. Menschen mit Behinderung, die schon fahren können, habe man nicht alle Tage.

Zum Glück hatte die Fahrschule im Auto auch das gleiche Handbedienungsgerät wie Marie und ich verbaut, so dass wir uns nicht umgewöhnen mussten. Das Auto reagierte auch normal, lediglich die Lenkung war eine besonders leichtgängige, was ich etwas gewöhnungsbedürftig fand. Aber es war kein wirkliches Problem.

Wir waren keine zwei Minuten unterwegs, da musste der Fahrlehrer dann doch gleich mal zeigen, wer der Chef im Auto ist. Wir befuhren innerorts eine zweispurige Straße, auf der 50 erlaubt war. Eine Spur verlief in meine Richtung, eine Spur in die entgegengesetzte. Wir näherten uns einem Fußgängerüberweg, also einem Zebrastreifen. Ich schätze mal, die Fahrbahn war an dieser Stelle acht Meter breit. Links und rechts von der Fahrbahn waren jeweils zum Parken freigegebene Seitenstreifen, vermutlich auch nochmal 2,50 Meter breit, die im Bereich des Fußgängerüberwegs natürlich unterbrochen und auf Höhe des Gehwegs angehoben und gepflastert waren, daneben noch ein rund 1,50 Meter breiter Radweg, daneben der Fußweg. Eine ältere Frau mit Rollator hatte nun die erkennbare Absicht, den Fußgängerüberweg überqueren zu wollen. Erkennbar dadurch, dass sie sich vom Gehweg langsam in Richtung der Fahrbahn drehte und erstmal schaute, ob ein Radfahrer hinter ihr kam. Wohl gemerkt: Das Ganze spielte sich auf der gegenüberliegenden (von mir aus linken) Seite ab.

Da ich bei Annäherung an einen Fußgängerüberweg ja kein Gas mehr geben darf, rollten wir mit etwa 45 km/h auf den Überweg zu. Wir waren, als die Frau sich nach den Radfahrern umschaute, noch etwa 40 Meter von dem Überweg entfernt. Ich entschied mich, nicht anzuhalten. Was den Fahrlehrer dazu veranlasste, hart in die Eisen zu steigen. Nicht mit quietschenden Reifen, aber immerhin so, dass auf der Rückbank alle in den Seilen hingen und wir auch erst auf dem Zebrastreifen zum Stehen kamen. Das Auto hinter uns kam ins Rutschen, krachte aber zum Glück nicht hinten drauf. Die Fahrerin in dem Auto schüttelte ihren Kopf und ich konnte von ihren Lippen das Wort „Fahrschule“ ablesen.

„Wenn jemand erkennbar den Fußgängerüberweg überqueren will, müssen Sie anhalten“, belehrte mich der Fahrlehrer. Ich dachte mir: Wenn man das so extrem in Hamburg macht, bestehen beste Chancen, dass einem gleich einer hinten reinkachelt. Nicht falsch verstehen: Ich halte am Zebrastreifen immer an. Aber nicht, wenn jemand noch lange nicht an der Fahrbahnkante ist. Denn die ältere Dame wackelte nun langsam über den Radweg, musste nun noch über den gepflasterten Bereich des Parkstreifens, dann noch über den Fahrstreifen der Gegenrichtung … in der Zwischenzeit fuhren auf der Gegenspur noch acht Autos durch. Die ich gezählt habe. Und als die Dame am Fahrbahnrand stand, hielt das neunte Auto sofort an. Und irgendwie hatte ich den Eindruck, die Dame fühlte sich gehetzt, weil ich schon gefühlt lange auf sie wartete. Aber wenn das die Vorschriften sind…

Es ging weiter in ein Wohngebiet. Eine ruhige Sackgasse. Tempo 30. „Wenn ich gleich ‚jetzt‘ sage, machen Sie bitte eine Gefahrbremsung.“ – Soso. Ich machte mir Gedanken über die Anwohner, denn auf der Fahrbahn waren diverse Reifenspuren zu erkennen und uns kamen auch noch zwei andere Fahrschulautos entgegen. Wenn ich mir vorstelle, ich würde hier wohnen und hätte alle zehn Minuten Reifenquietschen vor der Tür, ich glaube, ich würde jede einzelne Fahrschule auf Unterlassung verklagen. „Jetzt“, kam das Kommando. Ich stieg voll in die Eisen. Das Auto hatte Bremsassistent und ESP, von daher war das Manöver nun wirklich kein Kunststück. Ich dache an meinen ersten Golf zurück, bei dem man für eine Gefahrbremsung noch richtig mechanische Kraft aufwenden musste. Der angehende Fahrlehrer auf der Rückbank kommentierte: „Oha. Wow.“

Inzwischen bekam wohl auch der Chef auf dem Beifahrersitz den Eindruck, dass hier nicht Klein-Doofi mit Plüschohren sitzt. „Daran gibt es nichts auszusetzen“, kommentierte er. Weiter ging es. Im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt. Durch eine Dreißigzone, am Ende konnte man nur rechts oder links, erstmal kamen Radfahrer aus beiden Richtungen, und dann kam uns von links ein Gelenkbus entgegen, der natürlich allen Platz brauchen würde und bis in meine Fahrspur ausholen wollte, um abbiegen zu können. Er hielt extra an einer Stelle, an der noch eine Parklücke frei war, blinkte mich an, ich sollte fahren. Platz genug war eigentlich, also fuhr ich los. Der Fahrlehrer trat schon wieder auf die Bremse. „Das machen wir nicht. Nicht quetschen. Da gehen so viele Rückspiegel bei drauf, das muss nicht sein.“

Aha?! Ich habe mir noch nie einen Rückspiegel abgefahren. Ich weiß doch, wie breit mein Auto ist. Also blieben wir stehen. Der Busfahrer blinkte uns noch einmal an. Dann bekam er wohl einen dicken Hals, zog vor, holte aus und bremste einen Meter vor unserer Motorhaube scharf ab. Nun mussten wir zurücksetzen. Der hinter uns auch. Der dahinter auch. Im Schneckentempo. Der Gelenkbus fuhr mit seiner letzten Achse über den Radweg. Anschließend quetschte er sich an mir vorbei. Zentimeter für Zentimeter. „Wenn jetzt der Spiegel dran glauben muss, hat er Schuld. Wir quetschen uns nirgendwo durch.“

Tolles Prinzip. Zurück zur Fahrschule. Auf dem letzten Kilometer fuhren wir über eine Kreuzung und direkt hinter der Kreuzung wurden aus meiner einen Fahrspur zwei. Das heißt: Rechts von mir öffnete sich eine neue. Ich dachte mir: Rechtsfahrgebot, also gleich dem rechten Begrenzungsstreifen gefolgt, rechts geblinkt (weil ich ja eine an dieser Stelle beginnende gestrichelte Mittellinie überfahre), und: Anschiss bekommen. Schulterblick vergessen! Nun fragte ich doch mal nach: „Entschuldigung, aber wer soll denn da sein? Die Fahrspur beginnt da.“ – „Immer Schulterblick machen. Es könnte ein Radfahrer in ihrem Windschatten gefahren sein, der Sie auf der Spur überholen will.“ – „Ich bin doch aber am Bordstein entlang gefahren. Mit 50. Der müsste dann ja mit 60 über den Bordstein hämmern, um vor mich oder zumindest neben mich zu kommen.“ – „Nicht diskutieren, einfach machen.“

Aha. Gut. Am Ende relativierte er ein wenig und sagte: „Sie sind regelkonform gefahren. Wäre das eine Fahrprüfung gewesen, hätten Sie wohl bestanden. Über die Fußgängerin am Anfang kann man verschiedener Ansicht sein und wir lernen hier, dass wir Fußgänger einladen, über den Überweg zu gehen. In der Fahrprüfung hätte ich nicht gebremst.“ – Hat er wohl selbst gemerkt, dass das Asche war. Insofern: Gelernt habe ich was: So schlimm kann meine Fahrerei nicht sein. Das zu wissen, ist auch gut. Und Spaß gemacht hat es allemal.

Der angehende Fahrlehrer war anschließend etwas entspannter: Als ich auf der Rückbank saß und Marie fuhr, sagte er: „Ich finde das faszinierend, dass kein Unterschied zu merken ist. Wenn ich aus dem Fenster schaue, würde ich nicht vermuten, dass jemand das Auto nur mit den Händen fährt.“

Darauf der Chef-Fahrlehrer: „Sie sollen aber nicht aus dem Fenster schauen, sondern hierher! Aber ich gebe Ihnen Recht: Wenn jemand viele Jahre so fährt, merkt man keinen Unterschied mehr. Und wir wollen an der nächstmöglichen Stelle links abbiegen!“

Marie blinkte links, bog ab. Kaum waren wir über den Rad- und Fußweg, stieg der Fahrlehrer in die Bremsen. „Einbahnstraße!“ – Marie widersprach: „In 100 Metern stand da. Die Einfahrt zum Supermarkt ist aus dieser Richtung frei.“ – „Ja, aber da wollen wir doch nicht hin.“ – „Das weiß ich doch nicht. Sie haben ’nächste Möglichkeit‘ gesagt, und das ist die nächste Möglichkeit.“ – „Sie sind sehr spitzfindig, oder?“ – „Hm. Weiß ich nicht.“ – „Dann wenden Sie mal.“ – „Ich würde jetzt einmal über den Parkplatz fahren.“ – „Ist verboten. Sie dürfen einen Parkplatz nur zum Parken befahren, nicht zum Wenden.“

Oh. Wusste ich auch noch nicht. Was ist denn, wenn ich auf dem Parkplatz merke, dass ich mein Geld vergessen habe und dann umkehre? Die Frage habe ich natürlich nicht gestellt. Also kurbelte Marie das Auto in einer engen Straße acht Mal hin und her, statt einmal eine Runde über den Parkplatz zu drehen.

Einen hatten wir noch: Links abbiegen auf einer großen Kreuzung. Wir standen vor dem aufgemalten weißen Kreuz mitten auf der Kreuzung. Der Gegenverkehr bekam Rot und für uns leuchtete der grüne Pfeil auf. Der sogenannte Räumpfeil, der uns anzeigt, dass wir fahren dürfen. Marie gab Gas. Der Fahrlehrer stieg voll in die Eisen. Der Hintermann fuhr fast drauf. Der Fahrlehrer zeigte auf einen Radfahrer, der mit hoher Geschwindigkeit auf dem Radweg an die Kreuzung herangeprescht kam. „Den hab ich gesehen, aber der hat Rot, wenn ich einen Räumpfeil eingeblendet bekomme.“ – „Das mag sein, aber Sie müssen mit dem Fehlverhalten anderer rechnen.“ – „Ja, das kann ich doch aber immer noch vor der Radfahrerfurt, wenn der wirklich rüberprescht.“ – „Nee, dann knallt Ihnen vielleicht einer hinten rein und schiebt Sie auf den Radfahrer. Besser hier warten.“ – Der Radfahrer bremste scharf und hielt an der Ampel, der Querverkehr bekam grün und wir standen regelkonform mitten auf der Kreuzung. Und die hinter uns auch. Die Autos schlängelten sich um uns herum, zeigten uns Vögel, Scheibenwischer und andere Gesten – und jetzt hätte nur noch gefehlt, dass der Fahrlehrer anmerkt, dass man nur in die Kreuzung einfahren darf, wenn man sie auch sicher vollständig überquert.

Okay. Das klingt nach viel Gemecker. Soll es gar nicht sein. Auch Marie fand die Fahrstunde am Ende gut. Weil auch sie den Eindruck hatte, sie macht nichts Gravierendes falsch. Und das war es ja, was wir wissen wollten. Bleibt nur zu hoffen, dass das Sicherheitstraining noch ein paar Neuigkeiten für uns bereithält.

16 Gedanken zu „Fahrstunden

  1. Interessant. Getreu Kurt Tucholsky „Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“ Ich hatte ebenfalls daran gedacht einfach nochmal eine Fahrstunde zu nehmen. Ich fahre seit meinem Führerschein Unfallfrei, und erhalte von allen Personen positives Feedback – aber das wäre spannend.
    Was ich übrigens ebenfalls spannend fand waren meine beiden Fahrsicherheitstrainings. Da hat man noch etwas lernen können. Manches gerät halt doch in Vergessenheit, oder es gibt zu manchen Dingen bereits eine andere Lehrmeinung.

  2. Also ich kann da absolut kein Gemecker Deinerseits erkennen. Der Fahrlehrer hat nen Vogel. Absoluter Blödsinn, den der da verzapft. Da kann einem Angst und Bange werden, wenn der Leuten, die keine Ahnung davon haben, Fahren beibringt.

  3. Also am Zebrastreifen hatte der Kollege wohl an jene Prüfer gedacht, die da sehr schnell durchfallen lassen. Ich finde es nach deiner Beschreibung sehr übertrieben, aber ich war nicht dabei. Beim Bus hat er vermutlich ausgeblendet, dass du schon einige Jahre fährst. Ich lasse meine Schüler auch nicht so enge Manöver fahren, dabei geht viel schief. Schulterblick soll automatisiert laufen und nicht überlegt. Das mit dem Räumpfeil hätte ich anders gelöst. Wenn einer drauffährt, weil du wegen des Fehlverhaltens eines anderen bremsen musst, hat der Schuld (und nicht der Radfahrer, denn der Auffahrende hätte Abstand halten müssen). Das mit dem Parkplatz kenne ich nur mit „also Abkürzung nutzen“, das ist nicht erlaubt. Wenden? Bin ich mir gar nicht sicher, ich hätte vermutet, das darf man.

  4. Man darf auf Parkplätzen nicht wenden? Ha! Man gut, dass es trotzdem alle machen. Was gäbe das für ein fürchterliches Gewurschtel, wenn stattdessen alle mitten auf Straßen und Kreuzungen wenden würden. Zumal Ortsunkundige. Hallo?
    Fahrsicherheitstraining ist nicht schlecht. Da werden z.B. rutschige Straßenverhältnisse simuliert und man darf da drauf mal eine Vollbremsung versuchen und schauen, wie oft sich jeder dreht. Ich habe das gemacht (auch als Geschenk bekommen), weil ich nach dem Führerschein lange kein Auto und eben auch keine Fahrpraxis hatte. Ist sicher auch interessant, wenn man schon viele eigene Erfahrungen hat. Wünsche viel Spaß dabei.

  5. Also die Fahrschule finde ich nicht gut. Da ist deine Kritik schon berechtigt. Nur werden das Fahrschüler nicht erkennen.
    Ich habe hier im Ort auch schon ein paar Fahrschulen gesehen, wo ich mich gefragt habe, was der Lehrer grad macht.
    1. Kopfhörer in den Ohren und Blick auf das Handy gesenkt.
    2. Missachtung der gelben Baustellenmarkierung.
    3. Zu langsames auffahren auf die Autobahn mit Missachtung der Schilder Reißverschluss erst in… Meter. Dabei so eng vor dem LKW eingeschert, dass dieser stark bremsen musste um sie nicht zu fressen.

  6. Die Diskussion mit dem Schulterblick hatte ich mal mit einem Fahrlehrer, als ich auf der Autobahn auf die Ausfahrt wechseln wollte. Scheinbar sollte ich auch da damit rechnen, dass ein Fahrradfahrer mit etwas über 140 km/h auf dem Seitenstreifen rechts hinter mir unterwegs sein könnte. Aber gut, was macht man nicht alles, wenn man freundlich darum gebeten wird… 🙂

  7. Ich finde das sowieso merkwürdig, dass ihr den Fahrschulwagen verwendet habt.
    Ich kenne das so, dass bei solchen „Überprüfungsstunden“ (bot mein Fahrleher auch an, z.B. für ältere Menschen, die wissen wollten, ob es Zeit wird, den Führerschein abzugeben) das Kundenfahrzeug genommen wird.
    Die Zusatzpedale usw. sind ja auch gar nicht nötig, der Fahrer hat ja ne Fahrerlaubnis.
    Und dann gibt’s entweder sofort oder hinterher ein Feedback … aber nur mündlich.

    @Jan (#6): Fahrradfahrer gibt’s auf der Autobahn vielleicht nicht, aber Strategen, die dich vor der Ausfahrt noch eben schnell rechts auf dem Seitenstreifen überholen wollen, schon 😉

  8. „Was für ein Klugscheißer!“, habe ich mir beim ersten Lesen gedacht, dann darüber nachgedacht und bleibe dabei: „Was für ein Klugscheißer!“
    Der Fahrlehrer weiß ja, dass ihr schon länger fahrt, also geht es euch eher um ein konstruktives Feedback, als um das Erlernen des Autofahrens.
    Dem Fahrlehrer macht es aber anscheinend sehr viel Spaß, euch (und ggfs. anderen) zu zeigen, dass er als einziger weiß, wie man richtig Auto fährt. Anders lassen sich diese zwanghaften Vollbremsungen gar nicht erklären.
    Warum ihr nicht mit eurem Auto gefahren seid, erschließt sich mir nicht… wobei: In eurem Auto hätte er keine Pedalerie auf der Beifahrerseite gehabt und hätte nicht ständig zeigen können, dass ihr keine Ahnung habt.
    Dein Idiotenmagnet funktioniert immer noch ziemlich gut.

  9. Ich werde das Gefühl nicht los, der Fahrlehrer hatte an Euerem Fahrstil eigentlich (praxisorientiert) nichts auszusetzen und musste sein Ego mit theoretischen, praxisfernen Bremsungen und Belehrungen aufpolieren. Nach 10 Jahren Praxis immer noch perfekt fahren (und noch dazu mit den Händen) – das kann und darf nicht sein *kotz*

  10. Auf die Idee, so ’ne Fahrstunde zu nehmen, kommen immer die, die es am wenigsten brauchen. Ich sehe auch kein Gemecker von dir, sondern übermäßige Oberlehrerhaftigkeit und zweifelhafte Rechtsauskünfte. Und das
    „Sie sind sehr spitzfindig, oder?“
    Die arme Marie.
    X sagt „Tu A“
    Y tut A. Reaktion „Sie sind sehr spitzfindig, oder?“
    Y tut nicht (genau) A. Reaktion: „Ich hab gesagt tun Sie A!“
    So hat man immer was zu Nörgeln. Y kann es nicht richtig machen. Typisches Reaktionsmuster von Leuten, die das eigene Handeln nicht kritisch sehen können.

    Also mich hätt’s genervt und solche Fahrlehrer sind echt ein Grund, den guten Vorsatz, sowas mal zu machen aufzuschieben. Aber wenn es für euch „am Ende gut“ war, dann ist ja alles ok.

    Zur Entschuldigung des Oberfahrlehrers kann man anführen, dass es schon was hat, dass man heutzutage nicht so genau vorhersagen kann, wie der Verkehrsrichter ggf. entscheidet. Da hat man schnell mal 10% Mitschuld kassiert, obwohl man realistischerweise kaum etwas machen hätte können.

    Das Kernproblem ist eigentlich die übermäßige Zunahme des Individuakverkehrs, den weder die Städte aufnehmen könne noch dass er durch das Recht noch durchgreifend regelbar ist. Gott Auto siegt über die Vernunft.

  11. Schulterblick muss immer sein. Als Familienvater, der jeden Tag 13 Kilometer pro Weg durch Hamburg mit dem Rad zur Arbeit fährt, bin ich extrem dafür, dass man sich das einfach angewöhnt und eben nicht situationsabhängig entscheidet, ob sich der Schulterblick gerade lohnt oder nicht. Zwei bis drei Mal am Tag tötet mich nämlich jemand fast, weil er eben keinen Schulterblick macht. Gerne Lieferwagen, die es ja eh komisch finden, dass Leute auf dem Radweg unterwegs sein könnten und bei grüner Ampel auch noch geradeaus fahren.

  12. Ich denke, bei einigen Punkten war der Fahrlehrer wohl etwas sehr päpstlich – aber er ist es ja auch gewohnt, Schüler auf Prüfungen vorzubereiten und es gibt nunmal auch sehr päpstliche Prüfer. Oder sehr spezielle … wie mein Fahrlehrer vor der LKW-Prüfung gesagt hat: „Zum Glück ist es nicht Prüfer X, der mag keine Frauen. Vor allem nicht am LKW-Steuer“. Und solche Spezialisten lassen dann ggfs. auch Fahrschüler durchfallen, die nicht anhalten, wenn die Oma sich noch überlegt, ob sie über die Straße möchte oder lieber auf den Bus wartet …
    Ich kann mir vorstellen, dass man da als Fahrlehrer schwer aus seiner Haut kann, wenn es mal nicht um Prüfungsvorbereitung geht.
    Fahrsicherheitstraining bietet da aber sicher mehr Lerneffekt!

  13. Ich wäre ausgeflippt! Genau das ist nämlich der Grund , warum ich Fahrlehrer hasse. Die gefährden nämlich mit ihrem Getue den Fahrschüler und andere Autofahrer. Regeln sind wichtig und diese zu lehren absolut! Aber dieses sch…. gebremse, um etwas zu erklären, obwohl keine tatsächliche Gefahr da war, da bekomme ich die Krise. Es würde reichen, wenn er erklärt hätte, dass man jetzt besser gebremst hätte weil….Oder er bremst im wirklichen Notfall. Aber so….. ich will ihn man sehen, wenn man ihn in seiner Freizeit so unvorbereitet ausbremst. Das macht der keine 2 Tage mit. Aber weil man ja der Oberlehrer, pardon Fahrlehrer, ist, kann man es ja machen.

  14. Du musst mal dringend Deinen Rolli in die Werkstatt bringen – da ist wohl die Sicherung kaputt, die verhindert, dass Dein Idiotenmagnet in den proaktiven Modus geht und gezielt nach Idioten sucht, anstatt sie einfach nur anzuziehen…

  15. @Anonym 23. Mai 2019 um 8:57 Uhr
    Haben Sie schon mal daran gedacht, daß Sie sich im toten Winkel vom Fahrzeug befunden haben ?
    Oder daß Sie so schnell waren, daß, als der erste Blick erfolgte, Sie noch gar nicht erkannt werden konnten ?
    Der abbiegende Autofahrer hat noch mehr Richtungen in sehr kurzer Zeit zu kontrollieren als nur den Rückspiegel/Schulterblick.
    Aus diesem Grund: Wenn Sie sich als Radfahrer _hinter_ einem Fahrzeug befinden, welches offensichtlich abbiegen will, dann bleiben Sie bitte hinter dem Fahrzeug und lassen es abbiegen! Egal was die Rechtslage sagt.
    Es nutzt Ihnen nämlich nichts, wenn Sie zwar Recht hatten, der Lieferwagen Sie aber vom Rad holt und verletzt oder gar schlimmeres passiert. Denken Sie an Ihre Kinder.

    Leider vergessen viele Fahrradfahrer – die auch Auto fahren, daß die Rundumsicht bei heutigen Autos eben deutlich eingeschränkter ist im Gegensatz zu ihrer eigenen als Fahrradfahrer. Außerdem wird die Größe des toten Winkels von vielen unterschätzt. Bei einem LKW passen mehrere Mittelklassefahrzeuge hinein.
    siehe
    https://nationaler-radverkehrsplan.de/sites/default/files/styles/praxisbsp_home_large/public/images/praxisbeispiel/2153_aufmacher.jpg
    https://hamburg.adfc.de/fileadmin/_migrated/pics/csm_ToterWinkel_cf58598e27.png
    https://de.wikibooks.org/wiki/Autofahren_(Schweiz):_Theorie#/media/File:Toter_Winkel.png
    Meiner Meinung nach bedarf es auch keiner technischen Aufrüstung, wenn man sich als Radfahrer folgende drei einfach zu merkenden Regeln einprägt:
    Regel Nummer 1: Ein Fahrradfahrer hat neben einem LKW oder PKW nichts zu suchen.
    Regel Nummer 2: Ein Fahrzeug ist immer stärker als der Fahrradfahrer – handle entsprechend
    Regel Nummer 3: Denke an den toten Winkel der Fahrzeuge – handle entsprechend

    Und abschließend noch ein Hinweis oder Tip:
    Solange man als Fahrradfahrer den Fahrer über den Außenspiegel sehen kann, kann der Faher auch den Fahrradfahrer sehen. Sieht man als Fahrradfahrer den Fahrer nicht mehr, befindet man sich in der Gefahrenzone.

    Abgesehen davon, bin ich bei Ihnen:
    Blinken und Schulterblick sind absolute Pflicht.

    Viele Grüße aus dem Süden und für ein respektvolleres Miteinander auf unseren Straßen ohne Neid oder Haß (gegen große SUVs oder kleine Kleinwagen oder gegen Radfahrer/Fußgänger)

  16. „Regel Nummer 1: Ein Fahrradfahrer hat neben einem LKW oder PKW nichts zu suchen.“

    Wenn ich vor einer roten Ampel anhalte, auf dem Radweg, neben einer zu diesem Zeitpunkt freien Fahrspur und es kommt dann von hinten ein KFZ / LKW, dann hält dieses neben mir. Wo soll ich in dem Moment hin?
    Mir bleibt doch in dem Moment gar nichts anderes über, als an der Haltelinie vor der ich stehe weiter zu warten und darauf zu hoffen, dass der Fahrzeugführer seine Augen auf der Straße (und seinen Außenspiegeln) und nicht auf dem Mobiltelefon, dem Navi oder seinem Fernseher hat.

    Ja, ich wäre in dem Moment auch lieber auf der Straße vor dem LKW statt auf dem Radweg neben ihm. Nun habe ich mich aber auch an die Verkehrsführung und eine Radwegsbenutzungspflicht zu halten. Dumm gelaufen, tot?

    „Regel Nummer 2: Ein Fahrzeug ist immer stärker als der Fahrradfahrer – handle entsprechend“

    Trotzdem muss ich in obiger Situation auch davon ausgehen dürfen, dass sich der Fahrzeugführer an die Verkehrsregeln hält und ich geradeaus über meine grüne Ampel fahren darf, ohne vom rechtsabbiegenden Fahrzeug überrollt zu werden.
    Ich kann vielleicht einen Moment warten und versuchen, Blickkontakt mit dem Fahrzeugführer herzustellen. Das gestaltet sich auf dem Rad bei einem LKW allerdings in der Regel recht schwierig (v.a. wenn ich mit dem Rad quasi seitlich vor dem Führerhaus stehe; wenn der Außenspiegel auf Höhe meines Hinterrades ist, kann ich auch über den keinen Blickkontakt herstellen, beim PKW geht das per Schulterblick im Zweifel schon besser).

    Gleiches gilt übrigens, wenn ich – geradeausfahrend – von hinten kurz vor der grünen Ampel von einem Kraftfahrzeug überholt werden, das dann quasi schon abbiegend den Blinker rechts setzt, während ich gerade geradeaus die grüne Ampel überquere. Natürlich hat der mich gesehen. Er hat mich ja gerade überholt. Natürlich sehe ich ihn. Darum kann ich aber nicht vor jeder grünen Ampel prophylaktisch anhalten, weil vielleicht von hinten ein Auto kommt, das sich möglicherweise im letzten Augenblick überlegt rechts abzubiegen und in den 20m schon vergessen hat, dass es gerade an mir vorbei gebrettert ist.

    Mal davon abgesehen, dass ich in der letzten Woche 2x an der gleichen Stelle fast von – auswärtigen – Linksabbiegern überfahren worden wäre, die der Meinung waren, Radfahrer hätten, ihnen entgegenkommend, offensichtlich die grüne Ampel nicht verkehrsgerecht zu überfahren. Wie gut, dass ich die Kreuzung kenne und weiß, dass die nur „Oh, da ist noch Platz im Parkhaus“ denken und dabei den kreuzenden Radverkehr häufig geflissentlich ignorieren.

    Ich bin schwanger, fett, kurz vor 40 und fahre ein 3-Gang Hollandrad. Ich rausche bestimmt nicht mit 30 Sachen über den Radweg. Ich bewege mich im Straßenverkehr umsichtig (im Moment ganz besonders), der Verkehrslage angemessen und versuche mein Möglichstes zu tun, um nicht der nächste Rechtsabbiegertote zu sein – aber respektvolles Miteinander setzt eben auch voraus, dass der Stärkere dem Schwächeren hin und wieder mal sein Recht gewährt und nicht mit der Grundeinstellung „Ich habe x Tonnen Stahl um mich, soll der scheiß Radfahrer halt mal zurückstecken“ durch den Straßenverkehr walzt. Klar muss ich, egal in welcher Position ich am Straßenverkehr teilnehme, immer damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer Fehler machen, wenn ich aber nicht davon ausgehen kann, dass andere Verkehrsteilnehmer ihre Konzentration auf dem (restlichen) Verkehr haben und sich wenigstens an die grundlegendsten Verkehrsregel halten… dann kann ich die Teilnahme am Straßenverkehr eigentlich direkt sein lassen. Oder ich muss halt direkt aufs Auto umsteigen, weil ich da wenigstens den Schutz von Karosserie und Airbag habe, der mir auf dem Rad flöten geht. Ich kann mich als Radfahrer (oder Fußgänger) so vorsichtig und umsichtig verhalten bis es weh tut, am Ende ziehe ich gegen jeden unaufmerksamen KFZ- oder LKW-Fahrer trotzdem den Kürzeren. Man kann auch aus KFZ oder LKW gerne über jeden Radfahrer oder Fußgänger im Straßenverkehr meckern wie man mag und selbstverständlich gibt es in allen Gruppen jene, die sich an keine Verkehrsregel halten, die ihnen in den Weg kommt, trotzdem hilft es nicht, wenn sich nicht an die Basics gehalten wird. Man kann nicht nur vom Schwächeren Umsicht und Vorsicht fordern und dabei vergessen, dass die vom Stärkeren eben prinzipiell genau so kommen muss. Respektvolles Miteinander kann eben immer nur auf Gegenseitigkeit fußen.

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