Reitstunden

Vor etwa vier Monaten bekam ich eine E-Mail, ob jemand Helena damit eine Freude machen würde, wenn er ihr Reitstunden bezahlt. Auch wenn das mit Sicherheit lieb gemeint ist, es fehlt hier nicht an Geld. Und ich möchte keine persönlichen Bindungen zu Menschen, die mich nur über meinen Blog kennen. Umso erschrockener war ich, als ich in der letzten Woche 250 Euro auf meinem Girokonto gutgeschrieben bekam. Von einer mir unbekannten männlichen Person. Verwendungszweck: „Mein Anteil an der Reitbeteiligung.“

Kann sich jemand vorstellen, dass mir beinahe mein Handy aus der Hand gefallen wäre, als mir die Handy-App diesen Zahlungseingang vermeldete und ich den sofort mit dieser E-Mail verknüpfte? Ich habe wirklich einen Moment lang überlegt, wie das sein kann. Meine private Kontonummer sollte eigentlich niemand kennen. Dann habe ich versucht, herauszubekommen, wer das ist. Habe den Namen in eine Suchmaschine eingegeben und bekam eine große Anwaltskanzlei in Hamburg ausgespuckt. Merkwürdig.

Ich suchte die alte E-Mail noch einmal heraus und stellte fest, dass das ein ganz anderer Name war. Gut, das muss nichts heißen, aber in der Mail wurde ein süddeutscher Ort erwähnt und eine Abfrage der IP-Adresse ermittelte einen Einwahlknoten in genau dem Ort, den derjenige auch in der Mail genannt hatte. Also rief ich diese Anwaltskanzlei an. Klären musste ich das ja so oder so. Als ich schilderte, dass ich Geld für Reitbeteiligung auf meinem Konto gutgeschrieben bekam, sagte die Mitarbeiterin: „Das ist etwas Privates. Ich stelle Sie mal durch.“

Ende vom Lied: Papa lebt in Scheidung, ist verplant, hat seiner Tochter versprochen, sich mit 250 Euro an ihren Reitstunden zu beteiligen, hatte keine IBAN, sondern nur Bank und Kontonummer – und dann ist wohl im IBAN-Rechner irgendwas verkehrt gelaufen. Die Namen der Kontoinhaber werden heute wohl nicht mehr abgeglichen, und so hatte ich Geld auf meinem Girokonto, das überhaupt nicht für mich bestimmt war. „Wenn Sie mir 240 Euro zurücküberweisen, wäre ich Ihnen dankbar. 10 Euro Bearbeitungsgebühr dürfen Sie einbehalten. Danke, dass Sie sich gemeldet haben.“

6 Gedanken zu „Reitstunden

  1. Ui, mal wieder ein krasser Zufall den auch nur du erleben kannst.
    Lachen oder weinen? 😉

  2. Seit dem der Kunde die Daten seiner Überweisung selbst eintippt, ist er auch selbst dafür zuständig, daß die Bankverbindung zu demjenigen passt, dem er Geld schicken will.
    Erst wenn man es schafft, eine nicht existente IBAN einzugeben, sie in sich gültig ist, kann man hoffen, daß jemand außer einem Selbst den Empfängertext liest.
    Und selbst dann weiß man nicht ob einfach zurückgebucht oder behalten wird.

  3. Tatsächlich haben die Banken damals die Pflicht, den Namen zu prüfen, von der Aufsichtsbehörde aufheben lassen. Im Gegenzug haben sie sich verpflichtet, Überweisungen innerhalb 24 Stunden durchführen.

    Mit der IBAN ist man eigentlich auch recht gut geschützt gegen Zahlendreher, da die IBAN eine Prüfsumme enthält und so Zahlendreher schon bei der Eingabe auffallen.
    Lücke dabei ist halt, wenn man aus Kontonummer und BLZ die IBAN berechnen lässt. Da wird natürlich auch für die falsche Kontonummer eine passende Prüfsumme berechnet und angehängt.

  4. Oh Gott, ich wäre schon wieder total paranoid geworden. Ich hoffe, dass dies wirklich so passt.

  5. Wenn man einmal so ein Stalker-Erlebnis hatte, blinken bei dem kleinsten Verdacht die Alarmglocken. Das war ja wohl ein krasser Zufall! Aber den ersten Schockmoment kann ich mir gut vorstellen. Puh!

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