Dicker als dick

Ich hatte es ja schon befürchtet. Das dicke Brett ist richtig dick. Nachdem ich ja schon mit dem Direktor von Helenas Schule gesprochen hatte, war ich einigermaßen zuversichtlich, dass in naher Zukunft keine Missgeschicke mehr passieren.

Anfang Januar bekamen wir erstmal einen Verwarnungsgeld-Bescheid des Landkreises ins Haus: 35 Euro werden fällig, weil wir trotz des abgelehnten Freistellungsantrags Helena einen Tag eher in die Weihnachtsferien nahmen. Wir haben mit ihr ja einen Schwänz-Deal, bei dem sie ohne Rückfrage von mir eine Entschuldigung bekommt, damit sie keine unentschuldigten Fehlzeiten hat. Marie und ich halten das im Rahmen ihrer schwierigen Vorgeschichte für angezeigt – im Ergebnis schwänzt sie nicht mehr. Bis jetzt.

Merkwürdig war ja die Formulierung „trotz des abgelehnten Freistellungsantrags“, da weder Marie noch ich einen solchen gestellt hatten und auch keine Ablehnung bekommen haben.

Also habe ich mir Helena vorgeknöpft und sie gefragt, ob sie am letzten Schultag vor den Ferien in der Schule war. Sie nickte und verstand sofort, dass ich nicht ohne Grund fragen würde. Ich bohrte nach: „Du möchtest also keine von deinen Entschuldigungen haben? Der Deal gilt: Ich frage nicht weiter.“ – Sie antwortete: „Nein! Ich war da. Ich habe doch sogar noch diese alberne Weihnachtsmütze beim Wichteln bekommen. Das weiß ich genau.“

Ich sagte: „Gut, ich vertraue dir da, und ich weiß, dass du mich nicht anlügst. Also schreibe ich der Behörde, die uns eine Strafe aufbrummt, weil du am letzten Tag nicht da gewesen sein sollst, dass sie sich irren und ich die 35 Euro nicht zahle. Oder meinst du, ich sollte sie einfach zahlen und dann wäre Ruhe?“ – Das sollte eine Brücke sein. Stattdessen fing Helena zu weinen an. Setzte sich zu mir auf den Schoß, lehnte sich an meine Schulter. „Ich hab nichts gemacht, okay? Ich bin in der Schule gewesen. Wirklich.“ – „Ja, Helena, dann haben die sich vertan. Ich schicke denen ne Mail, damit das nochmal überprüft wird.“

Seitdem haben wir nichts mehr von denen gehört oder gelesen. Ich bin gespannt. Und Helena fragt. Fast jeden Tag.

Gestern gab es Zeugnisse. Zeugnisse sind für Helena sowieso schon eine sehr große Sache, da das Stück Papier in Helenas früherer Pflegefamilie regelmäßig und systematisch dafür genutzt wurde, Helena als wertlos, dumm und behindert darzustellen und sie auszugrenzen. Dieses Verhalten hatten sich dann irgendwann wohl auch die in der Familie wohnenden leiblichen Kinder angewöhnt. Also ganz schlimm.

Am Abend vor dem Zeugnistag verschwand sie schon früh in ihrem Zimmer, wünschte uns auch schon früh eine gute Nacht. Nervös. Die meisten Noten sind besprochen, so dass es eigentlich keine Überraschungen mehr geben dürfte. Außer in Englisch, wo es große Probleme mit der Lehrkraft und ihrem Verständnis von Chancengleichheit bei körperlichen Einschränkungen gibt. Und genau das machte Helena Angst. Inzwischen brauche ich nur noch wenige Minuten bis sie sagt, was ihr auf der Seele liegt. „Helena, wir brauchen das gar nicht zu vertiefen. Du bist super gut in der Schule, besser als ich es in deinem Alter war. Und sollte es ernsthafte Probleme mit irgendeiner Note geben, weil sie ungerecht ist, dann können Eltern, auch Pflegeeltern, ein Zeugnis auch anfechten. Also nicht einverstanden sein und mit dem Direktor sprechen. Und alle Noten, die gerecht sind, sind in Ordnung. Auch wenn es eine 5 oder eine 6 ist. Das ist eine Moment-Aufnahme, wie ein Lehrer deine Leistungen einschätzt. Und Marie und ich haben dich mit einem Zeugnis voller Fünfer genauso lieb wie mit einem Zeugnis voller Dreier. Und Susi und Otto auch.“

Schon am Mittag des Zeugnistags bekamen Marie und ich eine Nachricht von ihr: „Mein Zeugnis ist super schlimm. Sowas hatte ich noch nie! Ich fühle mich wie ein Stück Dreck.“ – Marie und ich hatten uns die Arbeitszeiten schon extra so eingeteilt, dass den ganzen Tag jemand zu Hause ist. Falls sie früher kommt, falls sie abhaut … hat sie zwar alles noch nicht gemacht, aber wir machen uns ja unsere Sorgen. Ist einfach so. Als sie durch die Tür kam und mich in der Küche sah, breitete ich die Arme aus. Sie blieb wie angewurzelt stehen und hatte einen eisigen Blick im Gesicht. Guckte mich aus dem Augenwinkel an, sagte nichts. Fast schon beängstigend. Ich sagte: „Hey, du hast den Schultag hinter dir. Du bist wieder zu Hause. Lass dich in den Arm nehmen.“

Helena setzte sich auf meinen Schoß. Eiskalt war sie am ganzen Körper. Sie roch säuerlich, und einige Sekunden später erzählte sie mir, warum: „Jule, ich habe gespuckt. Auf dem Weg nach Hause. Das kam ganz plötzlich, ich habe mich gerade noch zur Seite gelehnt und dann habe ich auf die Straße gekotzt. Neben einen Gully. Eine Frau ist mit ihrem Auto stehen geblieben und hat mir Taschentücher gegeben und eine Flasche Wasser, damit ich mir den Mund ausspülen kann. Mir war schon den ganzen Morgen schlecht.“ – „Wollen wir uns kurz dein Zeugnis angucken, damit du diese Last von der Seele hast?“ – Sie nickte und holte das Giftblatt aus ihrem Rucksack.

Religion 2, Deutsch 3, Geschichte 1, Erdkunde 3, Spanisch 1, Biologie 1, Physik 1, Mathe 3, Kunst 3, Musik 2 und Sport 2. Hammer. Ich hatte, glaube ich, niemals vier Einser im Zeugnis. Schon gar nicht in Klasse 8. Noch dazu in solchen anspruchsvollen Fächern. Noch dazu auf gymnasialem Anforderungsniveau. Tja, der Aufreger war dann die Fünf in Englisch. Genau. In dem Fach, in dem die Lehrkraft konsequent ihren Anspruch auf Nachteilsausgleich ignoriert. Da sie in den schriftlichen Arbeiten eine 3 und eine 4 hatte (beides ohne Nachteilsausgleich, also Zeitverlängerung geschrieben) und ihr allgemein eine rege Beteiligung, viel Fleiß und eine strukturierte Arbeitsweise bescheinigt wird, möchte ich jetzt schriftlich begründet haben, wie diese Note zustande gekommen ist. Wir werden also notfalls einen Anwalt einschalten und das Zeugnis rechtlich anfechten, wenn nicht im ersten Anlauf eine verständliche Erklärung präsentiert oder eine sofortige Änderung vorgenommen wird.

Bisher habe ich Menschen belächelt, die sowas tun, weil ich immer der Meinung war (und auch immernoch bin), dass jeder Mensch die Beurteilung seiner Leistung akzeptieren muss. Und das neben allen objektiven Kriterien auch immer eine subjektive Komponente vorhanden ist. Aber, und ich entschuldige mich schon vorab für meine Wortwahl, es kotzt mich an, wenn ein offensichtlich benachteiligtes Kind einen Nachteilsausgleich zugesprochen bekommt (darüber gibt es einen schriftlichen Bescheid), eine Lehrkraft aus ignoranter Bequemlichkeit die Vorgaben missachtet und offenbar keine Skrupel hat, das verzerrte Ergebnis dann auch noch durch die Zeugniskonferenz zu prügeln. Ich bin sehr auf die Erklärung des Direktors gespannt, der sich der Sache ja bereits vorher annehmen wollte und – so sieht es für mich im Moment aus – diese (mutmaßliche Fehl-) Beurteilung nicht gestoppt hat.

23 Gedanken zu „Dicker als dick

  1. Glückwunsch zu dem super Zeugnis, offen gestanden auch besser wie meines damals 😉
    Die 5 in Englisch ist eine Beleidigung. Ich selbst bin Pädagoge, wenngleich nicht im Lehramt tätig, meine engsten Freunde sind im Lehramt tätig. Zu den halbjahren gibt es oft ähnliche Gesprächsthemen. Das Ergebnis lautet: Eine 5 wird nicht einfach so vergeben. Eine 5 ist eine freundliche 6. Und diese Note wird in extremen Situationen vergeben. Beides muss begründet werden. Aber dies ist sehr sehr gut überlegt. Vielleicht habe ich das Glück Freunde zu haben die noch nicht mitte 50 sind, sondern erst „neu“ dabei, sodass diese sehr viel Reflektieren und sich privat auch über das (un)gerechte Notensystem austauschen.
    Ich könnte mich jetzt stundenlang aufregen, aber ich bin mir sehr sicher, dass es hier ein „Happy End“ geben wird.
    Ein Dank an die Frau die angehalten hat und ihr geholfen hat ! Und letztlich auch euch 🙂

  2. Hallo Jule,
    ich finde toll, wie sehr du Helena zeigst, dass man nicht wegen guter Noten geliebt und respektiert wird, sondern weil euch viel an ihr liegt. Ich finde gut, dass du dir zuerst die Benotung erklären lassen willst, gehe aber davon aus, dass die Lehrkraft (wie gendert man diese Wort eigentlich richtig?) sofort auf Konfrontation geht. Kämpfe diesen Kampf, wie die vielen Kämpfe vorher und mache die Welt zu einem gerechteren Ort.

  3. Ich finde es richtig, dass ihr, wenn es nötig ist, gegen die Note in Englisch vorgeht.
    Da ich deinen Blog erst ein paar Tage lese und bis jetzt auch einige ältere Beiträge gelesen habe, verstehe ich nicht, warum der Lehrerin es so schwer fällt sich an Festlegungen zum Nachteilsausgleich zu halten. Da bekommt man ja vom Kopfschütteln nen Schleudertrauma.

  4. Ich bin selber Englisch Lehrerin. Bei uns in Österreich gibt es zwar ein anderes Notenschema und von einem Nachteilsausgleich habe ich auch keine Ahnung (habe bis jetzt nur Kinder mit Lernschwache unterrichtet, die bei uns sonderpädagogischen Förderbedarf zugesprochen bekommen) aber was ich bei dir so lese…. Da kann ich nur den Kopf schütteln und froh sein, dass du und Marie so gute Pflegeeltern für Helena seid. Was manche Kollegen mit SchülerInnen anrichten ist echt schrecklich.
    Ich kann meiner Klasse gar nicht oft genug sagen (egal bei welchen Noten) dass nicht SIE da beurteilt werden, sondern nur ihre Leistungen die sie mir im Unterricht gezeigt haben. Und dass das nichts mit Sympathie für die Kinder zu tun hat. Ich hoffe gerade dass das auch bei allen so angekommen ist, und keineR meiner SchülerInnen sich jemals wegen einer Note von mir so schlecht fühlt.

  5. Es ist schlimm für Helena, aber um ganz objektiv zu sein, ist es nicht die Schuld der Lehrkraft, dass es dieses merkwürdige Notensystem überhaupt gibt. Wie speziell diese Note zustande kam ist allerdings wirklich nicht nachvollziehbar.

  6. Es ist eine Ungerechtigkeit sondergleichen. Ich bin ebenfalls gespannt, was sich der Lehrer bzw. Direktor dabei gedacht hat und bin auf deinen weiteren Bericht sehr gespannt!

  7. Schlimme Sache das. Also nicht das Zeugnis, zumindest nicht aus der Sicht des Schülers.
    Ich hatte wie du mal eine Eins in Sport, aber vier Einsen in solchen Fächern. Hervorragend!!! Beglückwünsche Helena von mir.
    Und Englisch. Auf jeden Fall gegen an gehen. Sowie auf eine Versetzung der Lehrerin hinwirken. Landesschulbehörde informieren. Du kennst es doch noch aus deiner eigenen Zeit. Denn auch das ist grob gesehen Mobbing.

  8. Glückwünsche an Helena für dieses großartige Zeugnis! Ich hatte in 13 Jahren nur ein einziges mal ein ähnlich gutes (2. Halbjahr der 4. Klasse).
    Für die Lehrerin fehlen mir gerade gewaltfreie Worte, aber ich bin froh, dass Helena dich/euch hat & hoffe, dass ihr die Frau irgendwie aus dem Schuldienst, oder zumindest von Helena entfernen könnt.
    Alles Gute euch. <3

  9. Also ich find das Zeugnis klasse. In der 8 bin ich durchgerasselt mit zwei Fünfern im Zeugnis – eine in Mathe, eine in Latein.
    Glückwunsch an Helena unbekannterweise zu diesem tollen Zeugnis, sie kann stolz auf sich sein. Selbst wenn mal eine 5 im Halbjahreszeugnis ist, so ist es doch nur das Halbjahreszeugnis und ist dann ein guter Ansporn, bis zum Endjahreszeugnis auf eine 4 zu kommen. Meine Lehrer haben das immer so kommuniziert, dass das Halbjahreszeugnis sowas wie ein Schuss vor den Bug sein soll (und das am Ende des Jahres haben sie im besten Fall etwas wohlwollender geschrieben…) – Und selbst wenn die 5 im Endjahreszeugnis stehen würde, mit einer 5 rasselt man nicht durch. 😎

    Ich hätte da aber noch eine Frage: bei uns hier ist es so, dass pro Halbjahr 4 Arbeiten geschrieben werden. Sind es bei euch wirklich nur 2 Arbeiten oder fehlen da noch irgendwo Noten oben im Blogpost?

  10. Die Konstruktion, wie man trotz der schriftlichen Noten auf eine 5 kommt, ist relativ einfach: im Englisch-Unterricht zählt der mündliche Teil mehr als der schriftliche, daher 60:40-Regelung. Wenn man jetzt im mündlichen Teil eine 5 gibt, landet man bei 0,4*3,5 + 0,6*5 bei 4,4. Wenn man noch einwirft, dass das ein Zwischenzeugnis ist, reicht das ggf. schon, um die 5 als Warnschuss zu rechtfertigen.

    Ich bin gespannt, ob an der Note noch was geändert wird, ich befürchte aber, dass dies kein Selbstläufer wird.

    Interessant finde ich die andere „Aktion“ mit der Freistellung – wollte Euch da als Eltern jemand an den Karren fahren? Oder hat sich da doch jemand geirrt? Das wäre ja schon ziemlicher Zufall, aber ausgeschlossen sicher nicht.
    Würde da zusehen, an die zugrundeliegenden Dokumente zu kommen, muss ja beides bei der Schule liegen. Ich schätze mal, dass die Bußgeldstelle da lediglich die Aufforderung erhält, tätig zu werden.

  11. Hi, ich kenne mich mit dem nicht bayerischen Schulsystem nicht aus. Aber eine 5 macht in der 8. Klasse den Käse nicht fett.

    Wichtig sind meiner Meinung nach nur die Noten der Übergangsklassen wichtig. Alles andere ist nicht den Kampf wert, solange die Versetzung nicht zur Frage steht, die Energie spart man sich. (Vorrausgesetzt, dass man dem betreffenden Personen das auch so klar macht und das Wissen da ist.)

    Hat bei mir auch gelangt.

    Bestanden ist gut und das ist an der 1 vorbei.

    Mit freundlichen Grüßen
    Myasuro

  12. Das sieht mir eher nach einer Retourkutsche für Majestätsbeleidigung aus. So eine Lehrerin (Klassenlehrerin) hatte ich auch mal, mit gleichem Ergebnis. Wobei ich aus sicherer Quelle (andere Lehrer) noch erfahren habe, dass sie andere Lehrer wegen vergebener guter Noten in ihren Fächern kritisierte.
    Ein Schulwechsel blieb als Ausweg. Von 5 in Englisch auf 1 in einem Halbjahr, blieb dann auch bis zum Abi so…

  13. Oh Mann, wie ätzend! Selbst wenn der Direktor da ein Machtwort spricht, ist die Sache danach ja sicherlich nicht erledigt, da die völlig uneinsichtige Lehrerin dann garantiert noch voreingenommener gegen Helena ist und sie weiterhin auf dem Kieker hat…
    Echt zum Kotzen.

  14. Ich habe jetzt schon einige Zeugniskonferenzen hinter mich gebracht. Noten werden da nicht groß angezweifelt. Wenn jemand eine 5 in Englisch bekommen soll, wird nicht gefragt, wie das zustandegekommen ist, wie die Einzelarbeiten waren. Zumindest nicht ohne Hinweis darauf, dass da was nicht stimmt. Gibt es eine*n Sonderpädagog*in an der Schule? Die sind bei Kindern mit Förderschwerpunkt Teil der Klassenkonferenz. Und zumindest bei uns sind die bei uns auch bei den Hauptfächern oft im Unterricht dabei. Gibts da Möglichkeiten?

  15. Das mit der Note kann/sollte man mit der Lehrerin klären bzw. nachfragen.
    Das mit dem Fehltag ist merkwürdig, wenn keine Abwesenheit vorlag liegt beim Landkreis ein Fehler vor (der bei sowas nicht vorkommen darf), das müsste sich doch vorrangig klären müssen! Eure Handhabung mit dem Schwänzen ist eure Entscheidung, aber es besteht Schulpflicht daher ist eure Handhabung zumindest fragwürdig.

    Das Zeugnis ist prima, Glückwunsch…ich hätte gedacht das Helena vom Sport befreit ist und dann trotz Einschränkung eine 2?!

  16. Hatten auch mal 3-3-5 in unseren Englischklausuren, im 10. Schuljahr. Wir bekamen ein 5 auf dem Zeugnis, mit der Begründung Arbeitshaltung ungenügend, mündlich mangelhaft. Ein anderer Schüler wurde so nach oben gewertet, meine Eltern haben mich da im Regen stehen lassen.

    Gut das Ihr so für Helena da seid.

    l.g. s

  17. Dass es schwer psychotische Lehrerinnen und Lehrer gibt, ist leider weder eine Seltenheit noch neu. Das Studium, durch das sie sich mehr schlecht als recht „quälen“, macht es meist nicht besser, Vielleicht sollte man der Dame auch den Unterschied zwischen Leistung und Arbeit erklären, aber das übersteigt vermutlich ihren Horizont…

  18. Moin, moin,
    also auch nach Stephans Berechnungen rechtfertigt das Ergebnis 4,4 keine 5! Ist aber ja auch eine Englischlehrerin und keine Mathematikerin.
    Bevor Ihr aber Fronten aufbaut, wo möglicherweise keine sind, sprecht doch einfach mit der Lehrerin, wie sie ihre Note begründet. Wenn sie das nicht kann, dann einfach weglächeln, solange dies außer Frust keine Folgen für Helena hat. Sollte hier tatsächlich übel nachgetreten worden sein, dann wird sich das nicht bessern, wenn die Lehrerin gezwungen wird, diese jetzige Note zu verbessern. Dann gibt’s die nächste Revanche bei nächster Gelegenheit.
    So blöde das klingt, eine solche Ungerechtigkeit auszuhalten gehört im Leben leider immer wieder dazu. Schon für uns Erwachsene ist es doch schwer zu unterscheiden, wann und wo es sich lohnt, dagegen anzukämpfen, und wann nicht.
    Vielleicht könnt Ihr versuchen, Helena zu bestärken, dass sie sich hier nicht verrückt machen und runterziehen lässt.
    Gruß Frank

  19. @Fastdäne
    Ich fürchte, Du irrst Dich. Für Helena HAT die Note schon Folgen – vielleicht keine im Hinblick auf die Bildungskarriere, sehr wohl aber eine psychische, wenn sie schon auf dem Heimweg kotzen muss. Nicht nur, dass die „Lehrerin“ (das P-Wort will mir nicht ohne Würgreiz durch die Finger laufen) Helena etwas vorsätzlich(!) nicht zugesteht, auf das sie ein verbrieftes Anrecht hat – sie zieht sie auch noch mit maximalem Antrieb nach unten, als würde sie hoffen, sie dafür von der Schule runterzukriegen. Da darf man durchaus hinterfragen, was dahinter steckt: Bloß pädago*würg*gische Inkompetenz, Diskriminierung gemäß §§ 2 (1), 3 (2) AGG oder schon Mobbing.

    Und auch für die Zukunft ist es wichtig, eine vorliegende Ungerechtigkeit nicht auf sich beruhen zu lassen. Weglächeln ist keine Lösung, denn dann wird sie vermutlich erst recht weitermachen und Helena ihre Durchschnittsnoten versauen (die womöglich irgendwann mal, trotz „Bonus“ durch ihre Einschränkungen, für den Unizugang relevant sind). Wer weiß denn, wie lange sie ihre Lehrerin bleibt? Ich hatte eine Lehrkraft durchgehend von der 5. bis zur 13. Klasse – und dann auch noch zwei Uni-Kurse bei derselben Lehrkraft.

    Das Vorgehen dagegen bietet weitere Möglichkeiten. Denn wenn die „Lehrerin“ die Note einmal korrigieren muss, bleibt das nicht unbemerkt. Wenn sie sie in der Zukunft ein zweites Mal korrigieren muss, sieht das umso schlechter aus. Beim dritten oder vierten Mal kann der Schulleiter das als Zeuge kaum wegreden, wenn Jule und Marie (mit anwaltlicher Hilfe) wegen systematischer Benachteiligung Schreiben an die Schulbehörde und die Antidiskriminierungsstelle rausschicken. Und womöglich wirkt sich das ja aus, wenn bei der „Lehrerin“ – sofern es sich um eine der vielen Angestellten im Schulbetrieb handelt – wieder eine Erneuerung ihres Arbeitsvertrags ansteht. Immerhin gibt es, soweit ich weiß, in nicht allzu ferner Zukunft wieder Wahlkampf auf Bundes- und Landesebene, und die Möglichkeit schlechter Presse mag keine Bildungsministerin, vor allem nicht, wenn sie selbst als Jüdin empfindlich gegenüber Diskriminierung ist.

    Abgesehen davon: Marie und Jule haben eine Fürsorgepflicht, die schärfer ist als die leiblicher Eltern. Wenn eine von beiden sie auf herkömmlichem Wege bekommen hätte, wäre das elterliches Ermessen gewesen. Sie sind aber die Pflegefamilie und haben damit rechtliche Verpflichtungen. Und nicht nur die: Auch Helenas psychischer Gesundheit gegenüber wäre es eher schädlich als hilfreich, gegen eine derartige Ungerechtigkeit nicht mit angemessener Vehemenz vorzugehen. Das würde nicht nur die vielen kleinen Fortschritte in Helenas Entwicklung seit dem Verlassen der alten „Pflege“familie zunichte machen, sondern auch Helenas Vertrauen in Marie und Jule nachhaltig schädigen.

    „Aushalten“ ist keine Lösung. So eine defätistische Haltung hat in der deutschen Geschichte schon sehr schlimme Folgen gehabt. Übrigens auch für Menschen mit Behinderungen, was gern vergessen wird…

  20. Würde da leider Frank zustimmen. Gespräch suchen ja, aber mit einem Anwalt gegen eine Note in der 8. Klasse vorzugehen, ist mMn verlorene Liebesmühe. Im schlimmsten Fall verhärten sich die Fronten vollends, eventuell auch bei Kolleg*innen, die jetzt noch auf eurer Seite sind… Gibt es Sonderpädagogen oder einen Förderplan für Helena? Wie sieht der Nachteilsausgleich genau aus? Ich denke, das Gespräch mit dem Schuldirektor und der Lehrerin ist noch einmal ganz klar angesagt und sie sollen ihre Noten begründen. Spoiler: Lehrer*innen haben sehr viel Spielraum, das ist leider so.
    Wichtig ist, dass Helena nicht die Nerven verliert, nicht aufgibt bei Misserfolgen und in euch bestärkende Menschen findet, die immer für sie da sind. Dann kann man auch Ungerechtigkeiten besser aushalten.

  21. Hallo Frank,
    auch wenn manche Ungerechtigkeiten zum Leben dazu gehören, macht es sie nicht besser. Deshalb sollte man auch überall und immer dagegen vorgehen. Ist sicher kein leichter Weg, aber letztendlich lohnt sich dieser für uns alle. Drum Daumen hoch Jule das Du die Welt für uns alle besser machst.

  22. @myasuro sagt: 1. Februar 2020 um 21:51 Uhr
    „Aber eine 5 macht in der 8. Klasse den Käse nicht fett.
    Wichtig sind meiner Meinung nach nur die Noten der Übergangsklassen wichtig. Alles andere ist nicht den Kampf wert, solange die Versetzung nicht zur Frage steht, die Energie spart man sich.“

    Ich sehe es gerade umgekehrt. Wenn es ein Jahreszeugnis wäre, dann könnte man es vergessen und hoffen, dass im neuen Schuljahr alles besser wird. So aber ermutigt man die Lehrkraft mit ihrer Diskriminierung weiterzumachen und dann droht im Jahreszeugnis die 6. Nicht Helena braucht hier einen Warnschuss vor den Bug, sondern die Lehrkraft.

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