Garantie und so

Siebenundneunzig Mal (mindestens) bin ich schon gefragt worden, warum ich so lange nicht gebloggt habe. Warum? Ganz einfach: Arbeiten! Immer arbeiten! Das letzte halbe Jahr hat vor allem wegen der Pandemie ganz schön reingehauen. Weiterbildung Pädiatrie. Und ganz vorneweg natürlich Helena. Und Sport. Und andere Prioritäten. Und so.

Hinzu kam aber auch, dass ich ja Anfang 2018 in dieses Haus an die Ostsee gezogen bin. Damit war eben auch nachträglich noch viel Arbeit verbunden. Leute, baut bloß kein Haus. Die Anzahl derer, die dich verarschen und auf deine Kosten sich die Taschen vollstopfen wollen, ist enorm hoch.

Nein, es sind nicht alle so. Ich habe das Haus ja mitten im Bau übernommen. Ein Ehepaar, Frau im Rollstuhl, hatte es bauen lassen und dann plötzlich verkaufen wollen, noch vor Bezugsfertigkeit. Ob nun das Geld ausgegangen ist, die beiden sich getrennt haben oder andere schlimme Dinge passiert sind, spielt keine Rolle. Für mich war es nicht nur finanziell ein Glücksgriff.

Es gibt viele Dinge, die wirklich super sind. Gasheizung mit Brennwerttechnik zum Beispiel. Dazu Solarmodul auf dem Dach. Ein traumhafter Verbrauch. Immer warme Hütte. Immer warmes Wasser. Kein einziges Mal ausgefallen seit drei Jahren. Die Fußbodenheizung macht ein absolut angenehmes Raumklima. Lautlos, gleichmäßig, mit Thermostat und Zeitschaltung in jedem Raum genau geregelt. Ließe sich sogar übers Internet steuern. Ich bin begeistert.

Fenster und Türen. Dreifachverglasung mit elektrischen Rolläden. Man hört nichts. Es zieht nicht. Die Kälte bleibt draußen, die Wärme im Sommer aber auch. Badeinrichtung. Sanitär. Schnitt und Aufteilung. Elektro- und Netzwerk-Installation. Bodenfliesen. Automatische Belüftung. Kamin. Dach. Alles super.

Es gibt aber auch viele Dinge, die mich und uns über Wochen den letzten Nerv gekostet haben. Der Fußboden im Wohnzimmer beispielsweise. Völlig schief. Für Rollstuhlfahrer absolut nervig. In der Raummitte war der Fußboden wesentlich höher als an den Seiten. So extrem, dass ein auf dem Boden platzierter Basketball weggerollt ist. In der Raummitte ging es noch, aber auf dem letzten Meter waren auf allen Seiten zwischen achtzehn und achtundzwanzig Millimeter Höhenunterschied. Zum Vergleich: Eine ebenerdige Dusche soll zwanzig Millimeter Gefälle haben. Im Vertrag war eine Abweichung von höchstens drei Millimetern pro Meter vereinbart. Und zur Terrassentür war eine Schwelle von höchstens zehn Millimetern vereinbart. Abgeliefert wurden aber 96 Millimeter. Mit dem Rollstuhl nicht mehr überwindbar. Also: Die komplette Terrasse mit Sockel musste wieder hochgenommen werden, das Fenster- und Türelement entfernt und neu wieder eingesetzt werden, der Fußboden im Wohnzimmer musste sowieso neu verlegt werden. Hurra. Bis die Firma dann endlich mit der Nachbesserung begann, war es 2020. Und quasi die letzte Möglichkeit, bevor wir das bei einer anderen Firma in Auftrag gegeben und vom Verursacher eingeklagt hätten.

Einbauküche. War noch nicht drin. Ich hatte mich für eine robuste Küche mit großer Arbeitsplatte und ohne Oberschränke entschlossen. Markenprodukt aus dem gehobenen Preissegment, teilweise besondere Arbeitshöhe wegen Rollstuhl. Wir vereinbarten schriftlich, mit welchen Einbaugeräten die Küche geliefert wird. Die Küche wird aufgebaut. Währenddessen kann ich als Rollstuhlfahrerin natürlich nicht ständig im Weg herumstehen. Zwei Tage sind sie mit zwei Personen beschäftigt. Als letztes kommen die Geräte dran. Als erstes fällt mir auf, dass der Herd nicht der ist, den wir vereinbart hatten. Die Einbauer wissen von nichts. Der Chef: „Das ist ein gebrauchtes Ceran-Feld, das bekommen Sie von uns kostenlos geliehen, bis Ihr bestelltes Induktionsfeld geliefert wurde.“

Backofen: Ebenfalls ein anderes Gerät. Bestellter Backofen angeblich auch nicht kurzfristig lieferbar. Kühlschrank: Eine Billigmarke. Ich rufe zum dritten Mal den Chef an: „Das ist tatsächlich mein Fehler. Ich schlage vor, ich schreibe Ihnen Ihren Kühlschrank wieder gut und berechne Ihnen für diesen nichts. Den bekommen Sie zur Küche kostenlos dazu, die war ja teuer genug. Probieren Sie den aus, und wenn Sie den wirklich nicht wollen, können Sie Ihren immernoch mal nachbestellen.“

Und was Otto beim ersten Besuch in der Woche danach sofort gesehen hat: Über der Kochstelle ist bauseitig eine Öffnung in der Decke, die im Rohr nach draußen führt. Für die Dunstabzugshaube. Bestellt hatte die Küchenfirma die gewünschte Abzugshaube doch tatsächlich als Umluftgerät. Schließt das Rohr nach draußen mit einem Plastikdeckel. Ohne was zu sagen. Und installiert darunter, quasi verdeckend, die Umluft-Haube. Und als wäre das nicht genug, fast hätte ich es vergessen: Beim zweiten Montagetermin sind sie mit ihrem Lkw noch gegen das elektrische Tor im Gartenzaun gefahren. Was dann auch nochmal vier Wochen defekt war.

Der Kühlschrank knackt in einer Tour und pfeift im Betrieb. Der Ofen scheppert. Das Ceranfeld braucht, um einen Liter Wasser in einem Minitopf zum Kochen zu bringen, auf höchster Stufe über fünfzehn Minuten. Ein Vierteljahr und etliche Anrufe später regelt meine Anwältin schriftlich, dass die Leihgeräte (und der Kühlschrank) abgeholt werden müssen. Inzwischen habe ich von einer anderen Firma endlich die gewünschten Geräte bekommen. Die andere Firma stellt dann auch aus Kulanz die Schubladen und Türen richtig ein, was die vorherige Firma auch nicht geschafft hatte.

Nee, ich habe extra keine billige Küche genommen. Und auch keine unbekannte Aufbaufirma. Weil ich eigentlich nicht so ein Theater wollte. Gleiches Thema: Waschmaschine. Steht im Hauswirtschaftsraum. Nagelneues Gerät einer Premium-Marke. Wird von einem Vertragshändler angeliefert. Das Bull-Auge vorne ist gesprungen, woraufhin ich die Annahme verweigere. Wer weiß, was mit dem Gerät passiert ist. Zweite Lieferung nach zwei Wochen. Das Gerät wird aufgebaut. Nach vier Wochen kommt zum ersten Mal der Kundendienst, weil das Gerät im Betrieb laut knackt und knarzt. Stellt fest, dass eine Schweißnaht mangelhaft ist. Das Gerät wird getauscht. Nach vier Wochen kommt wieder der Kundendienst, weil das Türgummi undicht ist und immer ein Schnapsglas voll Wasser unter der Tür herausläuft. Ich bekomme die dritte Maschine. Diese Maschine macht nach zwei Monaten bei jedem Anschleudern laute Geräusche, als würde jemand bei jeder Trommeldrehung einen lauten Gong betätigen. Dong Dong Dong Dong Dong, im ganzen Haus zu hören. Der Kundendienst kommt zum nächsten Mal und tauscht die komplette Aufhängung der Trommel. Zwei weitere Monate später klackert das Gerät bei jeder Trommeldrehung, und beim Schleudern dröhnt es so laut, dass das vor der Haustür zu hören ist. Der Kundendienst kommt und stellt fest, dass die hinteren unteren Stoßdämpfer defekt sind. Braucht aber zwei weitere Termine, um sie zu tauschen, weil er zwei Mal die falschen Ersatzteile dabei hat.

Es wurde dann auch noch ein neues Betriebssystem aufgespielt, weil sich mit dem alten der Kurzwaschgang nur dann anwählen ließ, wenn man vorher entweder den Öko-Waschgang an- und wieder abgewählt hatte oder den Temperaturregler einmal verstellt hatte. Also beispielsweise von 30 auf 40 und wieder zurück auf 30 Grad. Wenngleich die Geräusche jetzt weg sind, der Programmfehler konnte leider trotz Update nicht behoben werden. Aber bei der Gelegenheit wurde dann auch die Dosiereinheit der Spülmaschine (gleiche Premiummarke) getauscht, die ebenfalls in der Garantiezeit kaputt gegangen war und keinen Klarspüler mehr in den letzten Spülgang abgab.

Noch was zum Wäschetrockner? Gleiche Premiummarke. Sobald ein Spannbettlaken in der Trommel ist, wickelt er alle Kleinteile im Spannbettlaken ein, trocknet dieses von außen und alle Kleinteile drinnen bleiben feucht. Kundendienst: „Jepp. Das ist ein bekanntes Problem. Das liegt an der Energie-Einstufung. Wenn der Trockner so wenig Strom verbrauchen soll, wie auf dem Label steht, dreht sich die Trommel nur noch in eine Richtung und wickelt dabei dann die kleine Wäsche in großen Laken ein. Wenn Sie häufig große Laken trocknen, stelle ich Ihnen ein, dass die Trommel sich abwechselnd links- und rechtsrum dreht. Dann wickelt sich nichts ein und alles wird trocken, aber dafür stimmt der Energieverbrauch nicht mehr.“ – Tja. Tatsächlich. Jetzt ist die Wäsche trocken.

Reicht? Ja, mir auch. Bevor jetzt alle meine Leserinnen und Leser kommentieren, dass der Text einen verbitterten Eindruck macht: Nein, das täuscht. Ich bin nicht verbittert. Ich bin fröhlich. Ich wollte nur mal loswerden und aufschreiben, was sich hier so abgespielt hat, als ich nicht bloggte. Damit ich das in zwei Jahren nochmal nachlesen und jetzt endlich verdrängen kann.

13 Gedanken zu „Garantie und so

  1. Das liest sich wie das Drehbuch eines schlechten Films…

    Hoffen wir dass nun Ruhe ist und alles funktioniert.

    Ich bin ja auch eher der Typ der sagt: Kauf einmal was richtiges, dann hast du Ruhe, aber wenn du hier Markenhersteller schreibst…..

    Grüße aus Dresden

    Philipp

  2. Puh… eigentlich hatte ich mir vorgenommen, meine Waschmaschine beim Defekt durch ein seit Jahrzehnten hochgelobtes Markengerät zu ersetzen. Aber ich glaube, die Qualität ist nicht mehr die, die sie mal war. Von daher: danke für diesen Blogpost, auch wenn du keine Markennamen genannt hast reicht es, dass ich nicht blind eine Marke kaufen werde sondern mal gucken werde, was mir den besten Eindruck macht.

    Mit dem Fußboden und besonders der Küche hast du echt ne Menge Pech gehabt.
    Ich hoffe du bist jetzt rundum glücklich mit dem Haus und allem. 🙂

    Schöne Weihnachten euch

  3. Also wenn Waschmaschine und Trockner aus dem Hause mit dem „sch“ am Ende im Namen stammen, dann gebe ich dir Recht – machen nur Ärger, würde ich mir nicht mehr zulegen.
    Bei der Küche ist das ja ein absolut dreistes Vorgehen. So scheint dass immer zu sein – erst machen sie sich den Ruf durch so etwas kaputt und später klagen sie dann rum, dass die Kunden ja keine Qualität(sarbeit) bezahlen wollen.

    Aber diese Dreistigkeit scheint oft auch bei anderen Dingen vorhanden zu sein.

  4. Als wir gebaut haben, sagte mein Trockenbauer zu mir:
    „Wenn du auf der Straße jemanden siehst, der mit sich selbst redet, ist er verrückt oder er baut ein Haus“

  5. Hallo Jule
    Als Leser Deines Blogs macht man sich eben Gedanken, was passiert ist, wenn die Beiträge plötzlich enden.
    Ich finde es nett, daß Du dazu einen Beitrag geschrieben hast und es freut mich, daß es neben Twitter auch wieder in Deinem Blog weitergeht .
    Da hast Du ja einiges erlebt im letzten halben Jahr (bzw. seit dem Einzug in Eurem Haus), was man nicht unbedingt braucht.
    Der Ärger darüber ist ja auch immer nervig. Und wenn der Kundendienst kommt, muß jedesmal jemand von Euch bei der Arbeit frei nehmen und dabei sein.
    Nun wissen wir, daß unsere Sorgen unbegründet waren und daß es im Hintergrund trotzdem weiterging.

    Ich wünsche Euch zukünftig ein Leben mit weniger Problemen, Ärger und Streß.

  6. Nervig. Gut aber, dass du da stets mit Anwalt dahinter bist und dich nicht, wie viele andere, verarschen lässt.

    Wir haben vor einem Jahr Miele Passion-Geräte gekauft, so viele Premium-Marken gibt es ja nicht, und haben keinerlei Probleme.
    Immerhin funktioniert bei dir der Kundendienst. Das gibt’s ja bei vielen Händlern und günstigeren Herstellern kaum noch.

  7. Das mit den Haushaltsgeräten einer Premium-Marke kommt mir bekannt vor: wir haben von Miele mittlerweile die dritte Spülmaschine in zwei Jahren hier stehen und bei der aktuellen Iteration auch schon einen der Geschirrkörbe tauschen lassen, da dieser angefangen hat, zu rosten. Wir waren kurz davor, den Vertrag rückgängig zu machen, allerdings hat uns Miele nach dem dritten Tausch noch eine fünfjährige Garantie gegeben… Mal gucken, was das noch gibt. Die nächste Machine kommt auf jeden Fall nicht mehr von Miele.

  8. Gräm dich nicht zu sehr. Das ist irgendwie normal heutzutage. Wir haben auch für die Küche einen Anwalt gebraucht (kann man hier gar nicht alles aufzählen, was da alles schiefgelaufen ist – und dann haben sie versucht, es uns in die Schuhe zu schieben), auch wegen der Fenster waren wir letztendlich beim Anwalt. Und daneben noch dies und das und jenes. Bauen ist einfach anstrengend und kostet wahnsinnig viele Nerven.

  9. Mal ein kleiner Tipp wegen der Heizung mit Internet. Verkabel die bloß nicht mit dem Netz. Als jemand der was mit It Sicherheit zu tun hat stellen mir sich bei den meisten solcher Geräte die Fußnägel hoch. Sicherheit ist bei den meisten von den Dingern nicht mit eingebaut. Gilt übrigens für fast alles aus dem sogenannten Internet der Dinge.

  10. Nun habe ich als Autist zwar andere Anforderungen an eine barrierefreie Wohnumgebung als du, aber durchaus auch so einige… und ich bin seit 10 Jahren regelmäßig dankbar, dass ich im und am Haus annähernd alle Arbeiten selbst erledigen kann. Aufgeschoben habe ich in dieser Zeit den eigentlich dringenden Austausch der mit dem Haus gelieferten Küche, weil Handwerker immer Stress sind und Stress machen, auch wenn sie das gar nicht wollen.
    Dieses Jahr war’s soweit und sagen wir mal so… wenn ich nicht wüsste, dass es nicht so sein kann, würde ich glatt vermuten, wir haben denselben Küchenbauer.
    Ich hatte auch für Qualität tiefer in die Tasche gegriffen und hatte zwischenrein mal den Chef im Haus zum Sichten. Kurzfristig allerdings auch einen hauseigenen Springbrunnen in der Küche, weil mir die Herrschaften beim Aufbau ins Wasserrohr gebohrt haben…
    Etliche Termine und 6 Monate später habe nun eine papageiensichere (alles sicher verschließbar, Wasserhahn nicht mit Schnabel bedienbar, keine zugänglichen Tasten, Induktionskochfeld usw.) und autistengerechte (Haptik, Akustik, Geruchsvermeidung, Beleuchtung) sowie komplett einhändig bedienbare (da ich bei der Abnahme der Einsatzfähigkeit meiner einen Hand inzwischen auch zuschauen kann) Küche.

  11. Ja, über Haus und Küche könnte ich auch ein Buch (oder ein Blog) schreiben. Ach ja, hab ich ja schon. 😉 Leider ist „wir lassen das von anderer Firma machen und holen uns das Geld zurück“ auch mit viel Zeit und Nerverei verbunden – kann ich also nicht vrobehaltlos empfehlen. (Aber vielleicht wäre dein Anwalt da auch fixer als unserer.)

    Danke für die Info mit dem Spannbettlaken im Trockner. Das nervt mich hier ständig. Da muss ich glatt mal googeln, ob man das bei unserem Trockner auch umstellen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

fünfzehn + neunzehn =