Gemeinsames Schwimmen

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Im Bezug auf den Sport gibt es nicht viel Neues. Ich war paar Mal dort und alles war super, und letztes Mal haben sich ein paar Leute verabredet zum Schwimmen in dem neuen Schwimmbad in der Holstenstraße. Ich dachte so: „Bitte, bitte fragt mich, ob ich mit will!“

Die Schisssocke hat sich nämlich nicht getraut zu fragen. Ich dachte, vielleicht nerv ich die, weil ich eben noch nicht so fit bin und nicht alles sofort richtig hinkriege. Also zum Beispiel fahren die durch eine Tür, die so breit ist wie der Rollstuhl und unterhalten sich dabei. Wenn ich das in dem Tempo und auch noch mit Ablenkung mache, bretter ich 100% gegen den Türrahmen, stoß mir den Kopf, klemm mir die Finger, hau mir drei Zähne raus und brech mir acht Rippen. Oder wenn ich einen Bordstein hoch muss, brauch ich manchmal 5 Anläufe und bei jedem 10. Mal pack ich mich gepflegt auf die Fresse – und die ärgern sich dabei noch: Ein junges Mädel (so 14 schätze ich) kam vom Parkplatz (Papa hatte sie gebracht) und fuhr zur Halle den Bordstein hoch. Sie kam da mit richtig Fahrt angedüst (weil den Schwung braucht man auch), und in der Sekunde, wo sie ihren Rollstuhl angekippt hat in der Fahrt, damit die Vorderräder hochkommen, haben paar Leutis, die auf den Hausmeister gewartet haben, ihr einen Basketball zugepasst: „FANG!!!“

Ich hätte versucht, den zu fangen, wär am Bordstein hängen geblieben und komplett zerschellt. Das Mädel hat nur den Kopf zur Seite gehalten, damit sie den Ball nicht abkriegt, und hat ihn an sich vorbei fliegen lassen in die Hecke. Und so weiter.

Ich kann mir vorstellen, das ist ungefähr so, als wenn Erwachsene eine Radtour machen wollen, und dann kommt ein Schulkind auf dem Kinderfahrrad an und will mit. ABER!!! „Wie ist das bei dir? Schon mal wieder geschwommen nach deinem Unfall?“ – Ich gleich: „Ich? *schluck* Son bißchen…“

Und schon war ich fest eingeplant.

Das war sooooooooooooo geil. Ich war so aufgeregt vorher schon, und als wir denn endlich drin waren, war ich für ein Moment nicht sicher, ob ich mich überfordere, aber es war alles prima. Die Typen und auch die Mädels waren total super drauf, das sind ganz klasse Leute, freche Hamburger Schnauze allesamt, das liebe ich ja, besser als wenn Leute so lahm und still sind. 

Da waren Schränke mit elektrischem Schloss. So ein Blödsinn. Mit Magnetkarte und Chip am Armband usw. Und dann meinte der eine Typ nur: „Ey geil, und wenn irgendwann die Sicherung für die Schränke 750 bis 949 rausspringt, fallen plötzlich in drei Gängen die Klamotten aus den Türen und das Licht geht aus. Oder 199 Badegäste müssen im Bikini nach Hause. Und dann hat echt jeder noch einen drauf gegeben. „Warte ich hol ne Axt.“ So, Hauptsache die Saunatür ist nicht auch elektrisch etc. Notausgang für Behinderte: Mit elektrischem Türöffner etc.

Naja, das Schwimmen war super. Ich hatte super viel Spaß. Am Anfang haben sie eher noch ganz vorsichtig geguckt und aufgepasst, ob ich absaufe und sich 20 Mal nach mir umgedreht, und am Ende waren wir in so einem warmen Pool drin, da haben sie mich dann genauso geärgert wie die anderen auch.

Danach waren wir noch in der Schanze was essen, das war auch voll cool in so einer Studentenkneipe. Hab ich früher nie gemacht. War das erste Mal. lecker Tortellini alla panna, hatte ich schon über 8 Monate nicht mehr. Ich hätte noch ne zweite Portion bestellen können, so lecker war das, aber ich hab die erste schon kaum zu Ende geschafft. Und dann hab ich die Leutis mal bißchen kennen gelernt. Da sind echt schon ein paar tolle Typen dazwischen, die sehr nett sind. Und ich liebe ihren Humor.

Naja und dann abends wieder im Krankenhaus hätte ich fast geheult. Ich kann es nicht mehr sehen und will hier raus. Habe mir heute schon eine Wohnung angesehen. Aber ich weiß nicht, was ich machen soll. Erst brauche ich eine Schule, die mich nimmt. Die Schulen fragen: „Wo wohnen Sie denn?“ Und wenn ich nach der Wohnung suche, will ich ja nicht völlig weit weg von der Schule sein.

Schaun wir mal.

Zurück zu den Eltern?

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Das Problem mit meinem Vater ist gar nicht mal, dass er mir nicht zuhört. Wenn ich das will, hört er mir zu. Aber er will meine Behinderung nicht akzeptieren. 
Beispiel: Ich brauchte früher eine Zahnspange. Fast alle in der Schule brauchten die. Am Anfang fand ich die saucool. Ich war richtig stolz auf die Zahnspange. Ich wollte auch immer mal einen Gipsarm haben, als ich 10 oder 12 war. Aber immer, wenn das Gespräch in die Richtung ging (Zahnspange), kam von meinem Vater: Auf sowas ist man nicht stolz. Man soll froh sein, wenn man gesund ist. Das ist alles Teufelszeug. Für ihn ist es eine Schwäche, wenn man Hilfe oder Unterstützung oder Medikamente braucht.

Ich hatte eine Freundin mit Diabetes. Die musste sich immer Spritzen geben mit so einem Pen (sah aus wie ein Kugelschreiber und hatte vorne eine nadel dran). Die hatte auch so ein Gerät dabei, wo man mit einem Tropfen Blut messen konnte, wie hoch der Zuckerwert gerade ist. Das fand ich auch spannend. Ich wollte nie tauschen! Aber spannend fand ich das. Ich habe sie sehr bewundert, weil sie trotz ihrer Krankheit viel sportlicher war als ich, viel hübscher war als ich und überall beliebt war und das so wegsteckte! Bei ihr traute sich kein Junge, dumme Sprüche zu machen. Andererseits durfte die auf keiner Party fehlen. Sie war Klassensprecherin seit der 5. Sie war öfter mal bei mir zu Hause. Einmal erzählte ich meinem Vater von ihrer Krankheit. Er hat mich sofort angefahren, er will das nicht hören, das ist schlimm genug wenn jemand sowas hat, das schmückt man nicht noch aus. Hätte ich ihm erzählt, dass wir meinen Zuckerwert auch mal gemessen hatten, ich glaube, er wäre explodiert.

Meine Uroma (ist schon im Himmel) hat bis zum Schluss (bis auf die letzten 3 Monate) immer bei sich zu Hause gewohnt. Am Ende kam sie gar nicht mehr raus, weil sie gebrechlich war. Sie war auch inkontinent und hat überall hingemacht. Sie konnte sich auch nicht mehr alleine duschen. Das stank da in der Wohnung! Was hat mein Vater gemacht? Einen Fliegenfänger an die Stubenlampe gehängt. Sie kam nicht mehr rechtzeitig bis zum Klo. Ganz am Ende hat sie nur noch im Sessel gesessen. Wenn das da nass war, hat sie sich auf den Stuhl gesetzt. Das war einfach nur noch traurig. Ganz zum Schluss kam sie ins Heim, da wusste sie aber sehr schnell nicht mehr, wo sie ist und was Sache ist. 3 Monate später ist sie gestorben.

Ich habe mal vorsichtig gefragt, ob man da nicht mal was machen kann. Da war ich vielleicht 12. Das wurde totgeschwiegen! Kein Gespräch möglich. Das geht mich nichts an…

Als meine Tante im Krankenhaus lag (die mit der Currywurst) und meine Oma sie besuchte (mit mir), fragte Oma, ob sie für den nächsten Besuch etwas einkaufen soll. Sagte meine Tante: „Kamm.“ Ich dachte mir dann so: Für was braucht die denn nun noch einen Kamm? Da liegt doch einer am Waschbecken und 2 Bürsten … egal. Ich habe auf dem Rückweg meine Oma gefragt, die meinte dann: „Na einen gröberen!“

Beim nächsten Mal war ich wieder dabei und habe meine Oma drei mal erinnert: „Denk an den Kamm!“ – „Hab ich schon.“ Dann kamen wir da an und meine Oma packte paar Sachen aus, die sie gewaschen hatte und dann: „Den Rest lasse ich hier drin, wo soll die tüte hin?“ – „Ja tu mal mit in den Schrank.“ 
Ich dachte so: „Häh? Wieso den Kamm denn nicht gleich zu den anderen Sachen ans Waschbecken?“ Egal.
Dann sollte ich die Nummer aufschreiben, meine Tante hatte Telefon am Bett. Meine Oma gab mir Zettel und Stift. Sie hatte ihre Brille nicht mit oder nicht in der Nähe. Es war ein Einkaufszettel, auf der Rückseite von meiner Oma beschrieben. Eine Sache war: „Cam.“ Nach 2 Minuten Grübeln hatte ich es verstanden: Der Kamm war kein Kamm, sondern Damenbinden von Camelia. Aber das durfte die kleine Stinkesocke nicht wissen. Sie war ja erst 12.

Ich bin nie aufgeklärt worden. Warum das blutet, habe ich in büchern gelesen. Meine Binden und später Tampons hatte ich bei mir im Zimmer versteckt. Auch noch als ich 15 war. Wenn was daneben ging bei der Regel, hab ich die Unterhose selbst ausgewaschen oder weggeschmissen. Und so weiter.

Ich weiß echt nicht, ob ich noch so engen Kontakt mit meinen Eltern will. Ich glaube, ich schaff das nicht. Vielleicht ist es besser, einfach locker und oberflächlich in Kontakt zu bleiben und für alles andere enge Freunde zu suchen.

Die Erkenntnis nach 7 Monaten

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Ich hatte heute ein sehr spannendes Gespräch mit meiner Psychologin. Ich hätte nie gedacht, dass Psychotherapie so spannend sein kann. Vielleicht habe ich aber auch nur etwas sehr wichtiges endlich verstanden. Da muss ich erst mal drüber nachdenken. Ich weiß es nicht.

Sie hat gesagt: „Ganz viel Aufmerksamkeit bzw. oft auch Liebe und Anerkennung bekommt jeder Mensch schon als kleines Kind für Leistung und Fortschritt. Wenn sie das erste Mal „Mama“ sagen, freuen die Eltern sich ohne Ende. Dann Schleife binden, Bilder malen, sprechen, Fahrrad lernen, lesen, schreiben, singen. Meine Kleine lernt jetzt Englisch. Die Tochter hat eine Eins in Mathe, etc.

Das hat man so gelernt. Wenn man gut ist und schneller und besser als die anderen, krieg ich eine Belohnung oder Liebe etc. Wenn ich eine Fünf habe, gibt es eher Stress, und wenn ich Pickel hab, lachen und lästern die anderen. Bei ganz vielen Menschen definiert sich das Leben nur so. Wenn die dann plötzlich behindert sind … ja worüber definiert sich dann das Leben?“

7 Monate hat es gebraucht. Ich glaube, heute ist der Knoten geplatzt und ich habe verstanden, warum es mir so geht wie es mir psychisch geht. Wahrscheinlich haben alle um mich herum das schon ewig geschnallt, aber so wie heute habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Ich glaube, durch den Sport gestern habe ich das verstanden.

Aber das ging noch weiter. Ich habe jetzt 7 Monate gebraucht. Ich kann es nicht verdrängen. Mein Vater kann das. Wenn es zu viel wird, einfach nicht mehr drüber nachdenken. Die psychologin hat gesagt: Rollstuhlfahren lernt man. In ein oder zwei Jahren macht mir keiner mehr was vor. Das ist keine Kunst! Das können Dreijährige, wenn man sie in einen Kinderrollstuhl setzt, von alleine. Kunst ist es, mit seinen Mitmenschen auszukommen, und zwar auch mit denen, für die das ganze Leben nur Erfolg und Leistung und feste Planung ist. Diese Menschen wissen nicht, wie ein Rollstuhlfahrer „leben“ kann, weil er einfach nicht so ist wie in den Plänen mit Erfolg und Leistung.

Sie sagt, dass es immer wieder vorkommen wird, das Leute mich deshalb nur belächeln oder sogar anmachen. Sie hatte dafür auch irgend einen Namen, den ich vergessen hab, irgend was mit affektiv.

Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich mit diesen Menschen (und gerade mit meiner Familie) umgehen soll. Bei den Leutis vom Sport konnte ich einfach „ich“ sein. Die kennen mich nicht anders, die kennen die Situation, da konnte ich mich völlig fallen lassen. 

Bei meinem Vater kann ich das nicht. Mir ist das total peinlich. Ich bin unnormal. Ich habe etwas, was er nicht kennt. Ich kann Dinge, die er nicht kann, und mit denen er nicht umgehen kann. Er weiß nicht, was ich spüre und was nicht. Er weiß nicht, wie meine Beine unter der Hose aussehen. Wenn die anfangen zu zittern (Spastik), ist mir das vor ihm peinlich. Er weiß nicht, dass ich unter der Bettdecke nackt bin, wenn ihm meine Tante das nicht erzählt hat. Er weiß nicht, dass ich inkontinent bin und Pampers tragen muss. Ich schäme mich vor ihm für diese ganzen Dinge und möchte das alles am liebsten totschweigen.

Es ist mir peinlich, wenn ich mir vorstelle, ich habe irgendwann mal einen Freund und der küsst mich oder sogar mehr und mein Vater weiß das oder sieht das. Ich bin schon „besonders“ genug. Unser Verhältnis ist mir schon peinlich bis zum Anschlag, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das irgendwann mal anders wird. Und bei meiner Mutter denke ich, sie träumt weiter von ihrer gesunden Tochter und wird es nie verstehen. Keine Ahnung.

Papa sagt: Ich geh daran kaputt

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Ich muss noch mal jammern.

Alles fing so positiv an. Die leute hier im Krankenhaus, vor allem meine Ärztin und meine Psychologin, haben gedrängt: „Such dir neue Kontakte außerhalb der Klinik.“ Die Psychologin hat mit einer Trainerin von einem Sportverein gesprochen und das klar gemacht, dass ich heute in einer Sportgruppe dabei sein und mal reinschnuppern konnte. Ich wollte eigentlich nur mal gucken, aber sie meinte gleich, ich soll Sportsachen mitnehmen und Duschzeug. Ok…

Ich bin mit dem Taxi hingefahren worden, gut 15 Minuten. Und dann stand ich da und habe noch überlegt, ob ich nicht einfach wieder umdrehe, weil ich irgendwie Schiss hatte. Neue Situationen sind nichts für mich Schisshase. Ich hatte Angst, dass das alles irgendwelche Freaks sind oder zu viel fragen oder ich das alles nicht kapiere, was die von mir wollen, oder oder oder. Ich war natürlich viel zu früh.

Die Halle war offen und leer, Fahrstuhl habe ich gefunden, klappte alles alleine. Dann trudelten nach und nach die Leute ein. Ja was soll ich sagen … einer nach dem anderen, der neu kam, machte die Runde und jeder hat mich gleich mit Abklatschen begrüßt, das war total locker. Die haben sich in der Halle am Rand umgezogen, einige kamen direkt von der Arbeit… paar Mädels und Frauen waren auch dabei, und dann kam die Trainerin und meinte gleich: „Alles klar, du wurdest schon angekündigt!“ Und dann meinte sie: „Wollen wir mal schauen, ob wir zum Ausprobieren einen Sportrollstuhl für dich finden.“ Eigentlich wollte ich nur erstmal kucken. Und dann durfte ich einen ausprobieren, der gehörte eigentlich einer anderen Frau, aber von den Körpermaßen stimmte das einigermaßen. Der fuhr sich absolut geil. Man wird komplett angeschnallt, so dass man wie eine einheit ist, und das Ding geht total leicht und man kann sich drehen wie im Karussell.

Die Leute waren alle sehr nett. Die mussten für ein Ligaspiel trainieren, und die hälfte von dem, was die gemacht haben, habe ich nicht ganz verstanden (blocken und Nachläufer und Überzahl und Fastbreak und und und – mir raucht jetzt noch der Kopf), aber das war total geil. Da war richtig Alarm in der Halle, die kriegen da Speed drauf, das ist sagenhaft. Die hatten total die Geduld mit mir und waren alle sehr lieb zu mir, kein Terror, alle haben sich gut verstanden. Es gab zwar auch Diskussionen und teilweise haben die schon echt heftige Sprüche drauf gehabt, also keine Weicheier.

Einer bekam den Ball direkt ins Gesicht, ein anderer hat sich mit dem Rollstuhl zweimal seitlich überschlagen, da fuhren alle drum rum und machten den Angriff zu Ende, ich hab nur gedacht: Hoffentlich passiert mir das nicht. Aber dann klemmte sich ein Mädchen den Finger, und die hielt sich den gleich vor Schmerzen fest, und da meinten die gleich: „Kühlen, kühlen!“ Und eine, die laufen konnte, machte gleich ihren Gurt auf und sprang hoch und holte gleich Eisspray … also ich hab mich total wohl gefühlt.
Das war richtig ernster sport, aber mit 100% Respekt vor dem anderen, und vor allem waren sie alle freundlich untereinander, und das war richtig angenehm vom Umgang. Zwar viele heftige Sprüche, aber es wurde viel gelacht und viel Unsinn gemacht. Am Ende kam die zweite Gruppe und alle standen zusammen, und es wurde noch was angesagt wegen einem Heimspiel, der Chef sagte was, 40 Leute standen drumherum, alle hörten zu, die Aufgaben wurden verteilt, jeder hat von sich aus was übernommen. Ich backe einen Kuchen, ich mache einen Salat… alle Achtung, bei mir in der Schule wurde immer eine Stunde diskutiert, wenn man was freiwillig machen musste.

Naja. Dann duschen, die duschten da alle zusammen (also Frauen, Männer, Jungs, Mädchen, alles kunterbunt, waren sowieso immer nur zwei Plätze, und einer nach dem anderen kam dran) und ich musste nicht fragen, und ein Mädchen und eine junge Frau, die laufen konnte, haben mir geholfen beim Umsetzen und Rollstuhl rausschieben, ohne dass ich fragen musste, wie selbstverständlich. Die wussten sofort, wo ich Hilfe brauche, und ich wurde auch gleich gefragt, ob ich mal den einen Rollstuhl zur Seite schieben kann von der anderen, die da duschte, das klappte alles wunderbar.

Dann hat mich noch die mutter von einem anderen Mädchen mit zurück genommen, die wohnen in der Straße neben dem Krankenhaus, so hatte ich noch nette Gesellschaft und brauchte keine Taxrückfahrt.

Dann war ich wieder in der Klinik, das war so kurz vor 9, und dann war mein Vater dort. Er hatte eine unmögliche Laune. „Wo treibst du dich rum?“ Er warte schon seit 6, für mich sei ein Brief gekommen von der Stadt, (der aber total unwichtig war, aber das wusste er nicht,) und den wollte er mir geben. Ich habe dann erzählt, wo ich war, und dass das so toll war: Ich war so total Feuer und Flamme und dann sagt er: „Ich finde das nicht gut, wenn du da hingehst. Zu diesen Leuten. Das zieht dich nur runter. Die haben Probleme, und den Problemen bist du nicht gewachsen in deinem Alter. Du gehst daran kaputt. Aber ich kann dir nichts verbieten, du machst ja sowieso was du willst. Aber sag nicht, ich habe dich nicht gewarnt.“

Ich dann so: „Das war total lustig, und die waren total nett auch untereinander. Komm doch einfach da mal mit hin und mach dir ein richtiges Bild.“ Da sagt er, er habe das schonmal gesehen, sein Opa war früher auch in so einer Gruppe, weil er im Krieg ein Bein verloren hat (der ist aber gestorben, bevor ich auf die welt kam, den kenne ich überhaupt nicht), und das ist nichts für mich. Ich habe dann gesagt, dass da kein einziger Opa war, sondern alles Leute so zwischen 14 und 30 oder 35 oder so, und dann sagte er: „Trotzdem. Ich will davon nichts mehr hören.“

Das kann doch alles nicht wahr sein.