Guten Tag, Sie sind ein Vollpfosten

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Ich habe heute Post von der Unfallkasse bekommen. Die schreiben mir einen Brief, der über 7 Seiten geht, und teilen mir mit, dass ich zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Meine Erwerbsfähigkeit ist in vollem Umfang gemindert (Erwerbsunfähigkeit), ich bin hilflos, schwer pflegebedürftig und außergewöhnlich gehbehindert. Schön dass wir da mal drüber gesprochen haben!!!

Jetzt hab ich es wenigstens nochmal Schwarz auf Weiß, dass ich zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Meine Zimmernachbarin ist erst mal los zum Kiosk und hat zwei Picoloflaschen Sekt zum Anstoßen organisiert. Dann haben wir es hier krachen lassen. Ich überleg gerade, ob ich mir einen Bilderrahmen holen soll und mir das über das Bett hänge. Andere haben ihren Meisterbrief und ich häng mir da ne Urkunde hin, dass ich ein Krüppel bin. Oder vielleicht sollte ich mal eine Kontaktanzeige aufgeben. Beschreiben Sie sich selbst… da kopiere ich dann das rein.

„Wir wünschen Ihnen auf ihrem Weg der weiteren Genesung viel Kraft und alles erdenklich Gute.“ Welche Genesung denn? Haben die nicht noch 4 Absätze weiter vor geschrieben, dass aus mir nichts mehr wird? Wenigstens waren sie ehrlich. Worüber reg ich mich eigentlich auf?

Jemand meinte eben, ich soll froh sein, dass ich noch lebe. Ich hätte tot sein können. Klar, es gibt immer Leute, denen es besser oder schlechter geht als einem selbst. Soll ich mich jetzt mit einem Toten messen, um ein bißchen gute Laune zu kriegen? Vielleicht wäre es ja kürzer und schmerzloser gewesen, wenn sie noch 10 Sachen mehr drauf gehabt hätte. Keine Ahnung, ob das mehr oder weniger Glück gewesen wäre, echt nicht.

Die Versicherung hätte sich gefreut, tot wäre glaube ich billiger gekommen. Meine Eltern hätten sich keinen Anwalt geholt und die Trulla wäre mit fahrlässiger Tötung davon gekommen und würde heute schon wieder die nächsten Schulkinder belehren, wie sie über die Ampel gehen müssen. Meine Eltern würden mehr leiden als heute. So hätten sie ein geliebtes Kind verloren, jetzt haben sie ein undankbares und depressives Wesen, das man im Moment besser völlig in Ruhe lässt, weil es unerträglich ist.

Ich kann noch Kinder kriegen

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Sehr geehrte Frau Kollegin. Wir berichten Ihnen über die Patientin Jule …, die sich seit dem 8. Juli 2008 in unserer stationären Behandlung befindet. Frau … war am Morgen des 08.07.08 auf dem Weg zur Schule als Fußgängerin im Straßenverkehr verunfallt. Sie wurde nach Erstversorgung durch den Notarzt mit dem Rettungshubschrauber lebensgefährlich verletzt, intubiert und beatmet in unsere Notaufnahme eingeliefert, wo nachfolgende Primärdiagnostik erfolgte…

Ich hab seit dem Unfall meine Regel nicht mehr gekriegt. Was hab ich gegrübelt und konnte nicht schlafen. Abends einschlafen oder morgens um 4 war am schlimmsten. Die gedanken, dass ich keine Kinder mehr kriegen könnte, taten weh. Ich hab mich nicht getraut, einen Arzt zu fragen, weil ich Angst hatte, was der mir erzählt. Dann habe ich eine andere Patientin gefragt, der es so ähnlich ergangen ist wie mir. Ich habe allen Mut zusammengenommen, und dann sagte sie: „Das ist nicht normal. Ich würde das unbedingt in der Visite ansprechen. Du hast ja im Leben vielleicht noch was vor.“ Als ich sie fragte, ob sie denn ihre Regel regelmäßig kriegt, sagte sie Ja. Ein, zwei Monate hätte ich ja auch verstanden, aber kein halbes Jahr.

Und ausgerechnet darauf hat mich zwei Tage danach eine andere Tussi angesprochen. Die hängt immer mit meiner „Freundin“ zusammen ab und meine „Freundin“ hat sie gefragt, weil sie sich ja so Sorgen macht. Und sie will mich überreden, ich soll den Arzt fragen. Nur die tussi sagte das in der Eingangshalle und hinter uns saßen am Tisch so ein paar Spacken, vor denen ich das eigentlich nicht erzählen wollte, und dann hör ich noch, wie die sich unterhalten: „Vielleicht wurd sie ja im Heli gepoppt.“ Und ein anderer fing an zu singen: Über den Wolken soll die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Ich hab inzwischen mit meiner Psychologin gesprochen. Die hat gleich bei der Ärztin angerufen, noch während der Stunde und hat gesagt: Das ist völlig normal, kein Grund zur Sorge. Du kannst Kinder kriegen, und wenn dein Körper wieder Zeit hat für die Regel, kommt sie auch wieder. Zur Zeit hat er einfach noch wichtigeres zu tun.

Jetzt bin ich erstmal wieder ruhig. Aber schon wenn mir einer sagt: Siehste, frag nächstes mal gleich den Arzt … ist mir das irgendwie schon zu viel und ich krieg das Heulen.

Ausgerechnet mein Opa hat mich endlich mal besucht vor paar Wochen, ich hab mich riesig drauf gefreut und seine erste Frage war: „Und wie oft hast du denen hier schon das Bett vollgeschissen?“ Wirklich wahr!!! Meine Oma kreischte gleich los: „Willi!!! Nun reiß dich mal zusammen.“ Und der hat sich dann noch verteidigt: „Wieso früher im Lazarett und im Krieg und das waren noch Zeiten.“ Ehrlich ey…

Too much information … sorry … bin grad bißchen sabbelig.

Ich darf zur Zeit vier Stunden am Stück aus dem Bett und jede Woche eine mehr, wenn die Haut mitspielt. Ganz viel Krankengymnastik krieg ich schon und Psychotherapie und dann son Bildchen malen und Tonbilder antuschen und so Zeug halstücher batik… ^^

Wenn ich alles wieder alleine kann, wenn ich weiß, wo ich wohnen kann, wenn sich alles wieder eingespielt hat, so dass nicht in einer Tour ein Arzt was kontrollieren oder anpassen muss, darf ich wieder raus. Nicht vor Juni haben sie gesagt.

Sie hat mich absichtlich fast tot gefahren

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Seit Ende letzter Woche weiß ich etwas sicher, was ich nie geglaubt hab. Die Frau, die mich letzten Sommer platt gefahren hat und wegen der ich immer noch im Krankenhaus liege, hat mich mit Absicht platt gefahren.

Sie war sich sicher, dass ich Rot hatte. Aber ich hatte Grün. Sie hat einfach auf die falsche Ampel für die Fußgänger geguckt. Mein Anwalt wollte wissen, warum sie Sekunden vor dem Aufprall gehupt, aber erst nach dem Knall gebremst hat. Das haben Zeugen gesagt.

Sie sagte erst, sie könne sich nicht erinnern. Dann hat mein Anwalt gefragt, und ich glaube, das geht mir ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf: „Können Sie sich nicht erinnern, dass sie gehupt haben oder warum Sie gehupt haben? Oder können Sie sich nicht erinnern, dass Sie gebremst haben? Das hat nichts mit erinnern zu tun, jeder weiß, wenn einer vors Auto läuft, bremst man. Und hupt. Man latscht da voll drauf. Man fährt eher drei Verkehrszeichen um als jemanden auf die Haube zu kriegen. Es gibt sogar Leute, die überschlagen sich wegen einer Maus. Aus Reflex. Sie nicht. Sie hupen. Und erst wenn es zu spät ist, bremsen Sie. Warum?“

Sie ist immer nur ausgewichen, aber mein Anwalt blieb hart. Wurde richtig böse. „Die Hupe ist zum Hupen und die Bremse zum Bremsen. Wissen Sie das? Warum hupen Sie dann statt zu bremsen? Kriegen Sie öfter mal was durcheinander? Können Sie überhaupt noch Auto fahren?“

Und sie sagt: „Ja ja!“ – Und er antwortet: „Aber wenn Sie nicht mal wissen, warum Sie gehupt haben. Machen Sie das automatisch? Wissen Sie nicht mehr, warum Sie hupen? Hupen Sie in einer Tour? Oder müssen Sie zur Auffrischung? Seminar? Wann hup ich und wann brems ich?“

Und irgendwann sagte die Trulla: „Ich hab halt gedacht, sie springt zur Seite.“ Und damit meinte sie mich. Und als sie gemerkt hat, dass ich nicht zur Seite spring, war es zu spät. Mein Anwalt meinte, sie hätte auch noch um mich herumlenken können. Sie weicht nicht aus, sie bremst nicht, sie hupt nur. Für ihn sieht das aus, als wenn die Trulla mich erziehen wollte, hat er gesagt. Sie hat sich wohl dabei verschätzt.

Das war es erstmal. Alles unterbrochen. Es soll noch ein Gutachten gemacht werden von dem Unfall. Und dann ist ein anderes Gericht dran, bei dem mehr Richter dabei sein werden. Das soll in einer Jugendschutzkammer weiter gehen. Hört sich ein wenig so an wie ein Bunker für Jugendliche, aber mein Anwalt sagte, das hat nichts weiter zu bedeuten, nur halt zwei Richter statt einem und noch zwei Schöffen dazu, also ehrenamtliche Laienrichter.

Mein Anwalt sagt, dass es gut sein könnte, dass die Trulla ins Gefängnis kommt. Er muss ihr beweisen, dass sie gewusst hat oder in Kauf genommen hat, dass sie mich so übel zurichtet. Das wird bißchen schwierig. Jeder weiß zwar, dass man mit einem Auto auch töten kann, aber deswegen ist nicht jede Schramme gleich ein Mordversuch.

Sie hat sich auch immer noch nicht entschuldigt und glaubt immer noch, dass ich Rot hatte.
Ganz ehrlich: Ich glaub, ich hätt ihr alles verziehen. Wenn sie gesagt hätte: Mensch, Scheiße Scheiße Scheiße, ich hab geträumt und dann hats gekracht, und ich weiß nicht, wie das passieren konnte, und es tut mir so Leid, und ich würds so gerne ungeschehen machen, dann wär ich irgendwann so weit und würde sagen: „Ok, war keine Absicht, Entschuldigung akzeptiert, vergeben, ist halt passiert und nun müssen wir das Beste draus machen.“

Aber die hier regt mich auf. Der würd ich am liebsten mal so richtig fett ins Gesicht rotzen. Hoffentlich kriegt die ne richtig fette Packung. Führerschein weg sowieso, fette Geldstrafe, so dass sie sich von irgendwas trennen muss, was ihr lieb ist, das muss richtig weh tun, und dann nochmal paar Monate in den Knast zum Nachdenken.

Ich werd nie mehr gesund werden. Weil eine durchgeknallte Sau meint, sie muss mir erklären, wie eine Ampel geht. Die war übrigens auch noch Lehrerin (Frührentnerin). Als ich das hörte, wär ich fast geplatzt.

Und nebenan liegt einer, der wollte nicht mehr leben und hat sich vor ne S-Bahn geworfen. Dem ist nicht viel passiert. Irre ich mich oder ist das Leben manchmal verdammt ungerecht?

Richter kommen auch ans Bett

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Mein Problem hat sich grade gelöst. Mein Vater darf den Zettel nicht mehr unterschreiben.

Wusstet ihr, dass Richter auch ins Krankenhaus kommen???

Ich wusste von nix und plötzlich klopft es und ein Typ kam rein. So vielleicht 60 und mit grauen Haaren. Ich dachte erst, das wär der Opa von meiner Bettnachbarin, aber der wollte zu mir. Er sagte, er ist Richter und heißt Olaf XY…

Die Stationsärztin hat ihn angerufen, ohne mir irgendwas zu sagen! Sie hat meine Eltern auch hierher bestellt und die haben auch nichts zu mir gesagt. Zu um 7. Er will sich ein Bild machen von mir und wie es mir geht und er hat gehört dass ich Ärger habe mit der Versicherung. Ob ich das mal genau erzählen kann.

Naja, ich hab ihm halt das erzählt mit den 12 Tausend Euro und dass mein Vater das unterschreiben will, weil er keinen Streit will. Und ich habe ihm einen Brief gezeigt vom Krankenhaus, wo meine Verletzungen drauf stehen. Und dann kamen meine Eltern, und meine Mutter meinte gleich so völlig aufgedreht, als er sich vorgestellt hat: Ich glaub das jetzt nicht, jetzt hetzt uns meine Tochter die Justiz auf den Hals.

Aber er hat dann gesagt: Ihre Tochter hetzt gar nichts. Das Krankenhaus hat bei uns angerufen. Dann sagte meine Mutter: Das wird ja immer schlimmer. Wenn das so weiter geht, werden wir unser Kind verlegen lassen.

Und dann sagte der Richter: Nein das werden sie nicht. Jetzt werden Sie mal vernünftig und lassen Sie uns reden wie erwachsene Menschen. Ich bin hier, weil ich Ihnen helfen will.

Dann hat er meinen Vater gefragt, ob er das von der Versicherung dabei hat. Dann hat sich der Richter das angeguckt und gefragt, ob er das unterschreiben will. Ja eigentlich schon, er will keinen Ärger.

„Ihre Tochter möchte das aber nicht, und ehrlich gesagt, halte ich das auch nicht für klug, das zu unterschreiben. Ich lege das Schmerzensgeld zwar nicht fest, aber ich halte die angebotene Summe für einen Witz nach den Verletzungen, die ihre Tochter abgekriegt hat.“

Dann sagte mein Vater: „Ja, nur wir haben das sorgerecht. Und was wollen Sie tun, wenn ich keinen Streit mit der Versicherung will?“

Und dann sagte der Richter ohne eine Sekunde zu überlegen: „Dann ordne ich das an. Dann bekommt Ihre Tochter einen Verfahrenspfleger, der sich nur darum kümmert, die Ansprüche ihrer Tochter durchzusetzen. Dann sind Sie komplett raus aus der Sache, Eltern hin oder her. Sie müssen zum Wohl Ihres Kindes entscheiden. Dazu sind Sie verpflichtet. Zum Sorgerecht gehört auch Sorgepflicht. Sie unterschreiben nicht für sich selbst!“

Zack!

Dann fragte mein Vater: „Also was heißt das jetzt konkret? Entweder beauftrage ich einen Rechtsanwalt oder es gibt einen Verfahrenspfleger, der das macht. Und was ist, wenn ich in der Zwischenzeit diesen Brief bereits unterschrieben habe?“

Und dann sagte der Richter: „Och Herr …!!! Dann kriegen Sie Stress mit Ihrer Tochter, und zwar für den Rest Ihres Lebens. Bevor wir jetzt noch lange reden: Wer von uns beiden beauftragt denn jetzt den Rechtsanwalt? Sie oder ich?“

Und dann hat mein Vater gesagt: „Ja ich nicht.“

Und dann hat der Richter sein Diktiergerät rausgeholt und angefangen zu labern: „… ergeht folgender Beschluss … wird einstweilen angeordnet … sofort wirksam … in Augenschein genommen … schwer verletzte Tochter … blablabla“

Und am Ende: „Von Kosten wird abgesehen. Ich halte Ihnen zugute, dass Sie von dem Unfall Ihrer Tochter tief bestürzt und überfordert sind. Ich kann mich nicht in Ihre Situation rein versetzen, denn meine Töchter sind zum Glück gesund. Ich will es Ihnen nicht noch schwerer machen. Aber Sie sind ihrer Tochter im Moment keine große Hilfe.“ (Endlich mal jemand, der das einsieht.)

Und dann war er weg. Alter Schwede, wieso kann der sowas einfach so machen?! Ich meine, ich bin ja glücklich, aber ich hätte nie gedacht, dass ein Richter sowas einfach so darf.

Und dann sind meine Eltern raus, ohne noch ein Wort zu sagen. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Hoffentlich wird das jetzt alles gut.