Noch mehr Schimmel

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Es ist gerade mal ein Vierteljahr her, als ich zuletzt im Hotel gepennt habe. Damals habe ich mich über den Dreck in meinem Zimmer ausgelassen. In der letzten Woche durfte ich im Rahmen meiner fünfjährigen Fortbildung einen Workshop besuchen. Zusammen mit einer Kollegin. „Wenn Sie möchten, dürfen Sie selbstverständlich dorthin“, sagte mein Chef. „Meine Sekretärin meldet Sie an und bucht Ihnen ein Zimmer. Brauchen Sie etwas Besonderes? Oder reicht es, wenn wir denen sagen, dass Sie im Rollstuhl kommen?“

Nee, Rollstuhl sollte als Information ausreichen. Ich mache es kurz: Leute, ich bin bestimmt nicht pingelig. Aber: Bäh, bäh und nochmal bäh. Ich bin entsetzt, dass es möglich ist, in Deutschland so etwas als Hotel zu betreiben. Ich bin in mein Zimmer, das immerhin 66 Euro plus Frühstück kosten sollte, und dachte in den ersten drei Minuten: Okay … nicht der Hit, aber irgendwie wird es gehen. Dann habe ich das Bad gesehen, habe ein paar Fotos gemacht und meine Kollegin informiert, dass ich sofort wieder aus-checke.

Da ich kein anderes Hotel mehr finden konnte, das noch ein barrierefreies Zimmer für mich hatte, bin ich noch am selben Abend die 350 Kilometer wieder nach Hause gefahren und am nächsten Morgen zur Arbeit erschienen. Mein Chef fragte natürlich, warum ich wieder da bin. Als ich ihm die Fotos zeigte, sagte er: „Hören Sie auf. Mir wird schlecht.“

Ein sauberes Handtuch ist die eine Sache. Eine saubere Dusche allerdings die andere: Beim genauen Hinschauen (anklicken zum Vergrößern!) sind noch die Reste meines Vorgängers zu finden.
Die Kabinenwand der (nicht barrierefreien) Dusche ist voller Fettablagerungen und Schimmel.
Der Fußboden neben der Dusche: Die Fugen sind völlig versifft.
Die Ventilatorblende ist voller Staub und der Duschkopf verrottet.
Selbst der Türgriff ist im Bereich der Verriegelung offenbar lange nicht gereinigt worden. Ich hoffe, mein Vorgänger hat sich nach dem Kacken die Hände gewaschen.
Eine vergilbte Steckdose wäre kein Problem, aber offenbar hat den Reinigungskräften jemand gesagt, sie sollen sie aus Sicherheitsgründen lieber nicht anfassen.
Ist die Toilette undicht oder hat vor mir jemand über den Rand gepisst?

Eigene Tasche

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Helenas Krankenkasse hat sich in der letzten Woche beim Anwalt gemeldet. Weil die Krankenkasse Helenas Insulinpumpe zwar als notwendig anerkannt hat, sie dennoch aber nur zu einem kleinen Anteil bezahlen wollte, haben wir den Quatsch gleich zum Anwalt umgeleitet. Der hat erstmal die Kasse aufgefordert, ihm Akteneinsicht zu gewähren.

Nach sieben Wochen bekommt er – statt der Akte – ein Schreiben, in dem steht: „Wunschgemäß teilen wir Ihnen mit, dass uns vom [Lieferanten von Helenas Insulinpumpe] mitgeteilt wurde, dass Ihre Mandantin bereit wäre, die Differenz zum vereinbarten Vertragspreis aus eigener Tasche zu zahlen. Bitte teilen Sie uns mit, wie mit Ihrem Widerspruch weiter umgegangen werden soll.“

Der Lieferant sagt dazu: Ein solches Gespräch hat es niemals gegeben. Aber genau dieser Textbaustein sei ihm schon etliche Male untergekommen.

Und jetzt kommst du.

Schimmel

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Es gibt Themen in der Medizin, die finde ich besonders spannend. Und es gibt Themen, die finde ich sogar noch spannender. Derzeit bilde ich mich fünf Jahre lang fort im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin. Da lerne ich hin und wieder auch mal ein paar neue Dinge, und was meinen aktuellen Arbeitsplatz betrifft, kann ich auch nicht klagen, aber … Maries Mama hat vor einiger Zeit eine Einladung zu einem Workshop bekommen. Sie bekommt ständig solche Einladungen. Und in diesem Fall meinte Marie zu ihr: „Wenn du da nicht hin willst, lass das bloß nicht verfallen. Ich kenne jemanden, der leckt sich die Finger danach.“

So machte ich mich am Freitag auf den Weg. Nach rund fünf Stunden Zugfahrt kam ich pünktlich (ja, das halte ich für erwähnenswert) am Zielort an. Einen Rollkoffer vor mir hergeschoben, eierte ich durch den Bahnhof, bekam die richtige Bimmelbahn und fuhr bis fast direkt vor das Hotel. Checkte ein, mein Zimmer sollte im obersten Stockwerk sein. Und wie ich so am um die Ecke gelegenen Fahrstuhl wartete, sagte doch die eine Mitarbeiterin von der Rezeption lachend zu ihrer Kollegin: „Die Behinderte ist in zwei Minuten wieder hier. Wetten?“

Hm? Warum? Zimmer nicht gereinigt? Der vorherige Gast liegt noch im Bett? Die Schlüsselkarte passt nur zur Putzkammer? Der Aufzug fährt nicht ins oberste Stockwerk? Das Fenster liegt mitsamt seinem Rahmen im Hof? In der Badewanne schläft ein Krokodil?

Nein, ganz anders: Die Tür zum Bad und die Fläche neben dem Bett sind so schmal, dass ich gar keine Chance habe, dort hinein zu gelangen. Hochfloriger Teppichboden. Zum Fenster müsste ich krabbeln. Ich rolle also wieder nach unten. Sie erzählt mir, dass die barrierefreien Zimmer leider renoviert werden. Leider habe man beim Einbuchen der Reservierungen nicht darauf geachtet, dass ich ja ein barrierefreies Zimmer bräuchte. Ob ich auch mit diesem Zimmer klar käme, wollte sie wissen.

„Das fragen Sie mich ernsthaft, nachdem Sie gerade schon vorausgesagt hatten, dass ich in zwei Minuten wieder hier bin? Sie lassen mich hier mit dem Koffer durch das halbe Hotel fahren, obwohl Sie wissen, dass ich das Zimmer nicht nutzen kann und stellen sich jetzt auch noch doof? Werden Sie dafür von mir bezahlt?“ – Ich finde das ungeheuerlich. Die Dame zuckte mit den Schultern und sagte: „Dann müssen Sie sich halt ein anderes Hotel suchen.“

„Ja. Und jetzt hätte ich gerne meine Anzahlung zurück. Die Mehrkosten stelle ich Ihnen hinterher in Rechnung.“ – „Welche Mehrkosten?“ – „Das, was das andere Hotel jetzt mehr kostet. Plus die Taxifahrt dorthin. Kurzum: Der Schaden, der mir dadurch entsteht, dass Sie unseren Vertrag nicht erfüllen.“ – „Welchen Vertrag?“ – „Den in meiner Tasche. Von Ihnen schriftlich bestätigt. Ein barrierefreies Zimmer für zwei Nächte. Können Sie mir dann bitte noch vermerken, dass das bestellte Zimmer nicht verfügbar ist?“

Hat sie tatsächlich gemacht. Ein anderes Hotel, auf der anderen Seite der Stadt, hatte noch ein barrierefreies Zimmer frei. Für 133 Euro pro Nacht. Plus Frühstück. Das ist eigentlich nicht meine Preislage. Aber günstiger ging es nicht.

Nun hätte ich ja erwartet, dass das Zimmer sauber ist. Den Müll hat man sofort abgeholt, das Bett hat man auch noch sofort bezogen, die restlichen Reinigungsarbeiten könnten dann erst am nächsten Morgen stattfinden. Es heißt ja immer, dass bei denen, die am meisten meckern oder sogar einen Meckerblog schreiben, das eigene Zuhause noch viel schlimmer aussieht. Nee, Leute, ich würde mich schämen, wenn meine Bude so schimmelig wäre.

Ich muss jetzt ins Bettchen. Deshalb kann ich nichts mehr von dem Typen schreiben, dem ich da begegnet bin. Aber ich hole es nach. Versprochen.

Dieser Gammel hing im Rolli-Bad am seidenen Faden. Immerhin gibt es eine Warnung: Falls jemand mit dem Rollstuhl drankommt, sitzt er auf dem elektrischen Stuhl. Was wohl passiert, wenn jemand aus Versehen mit den Duschstrahl draufhält oder Kinder im Krabbelalter mitbringt...
Dieser Klappsitz in meiner Dusche war fast ganz sauber und hatte die Haare schön.
Ich vermute, dass ein einfacher Lappen mit Scheuermilch schon ausgereicht hätte, den Siff zu entfernen. Da soll ich mich anlehnen?
Das war der Fußboden im Bad, bevor mein Bett aufgeschüttelt wurde.
Das sind bestimmt die Fussel von seinen Tennissocken, die er zwischen den Zehen hatte, bevor er duschen ging.
Scheinbar wird an bestimmten Stellen nicht ganz so häufig gewischt. Oder der Lappen ist dann schon dreckig.
Nee, die Fußnägel gehören mir nicht.

Niedlich

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Wie niedlich!

Gestern bekam ich eine E-Mail, in der behauptet wurde, man habe mich beim Anschauen von Videos mit Erwachsenen-Inhalten, also P*rn*s, erwischt, indem man auf meinem PC einen Trojaner installiert habe. Dieser erzeuge und versende nun ganz lustige Split-Screen-Videos: Auf der oberen Hälfte des Bildes sei zu sehen, was ich mir da im Internet anschaue, auf der unteren Hälfte das Bild meiner Webcam. Und man habe mich und mein bestes Stück wirklich gut getroffen. Wenn ich nun verhindert wissen möchte, dass dieses Video an alle meine Kontakte gelangt, solle ich eintausend Dollar auf ein Bitcoin-Konto überweisen.

Soweit einleuchtend.

Leider schreibt der Mensch nicht, wieviel ich ihm überweisen muss, damit er mir auch mal dieses Video schickt. Ich würde so gerne mal mein bestes Stück sehen. Hoffentlich erschrecke ich mich nicht! Und ich habe schon immer gewusst, dass Monitore heimlich Videoaufzeichnungen machen können. Durch den Bildschirm sozusagen. Deswegen habe ich mir nämlich auch weder eine Webcam gekauft, geschweige denn eine angeschlossen.

Achso, dass ich hin und wieder masturbiere, habe ich schonmal erwähnt, oder? Ansonsten berichte ich nochmal kurz: Gestern abend vor dem Einschlafen zuletzt, vorgestern abend auch, davor allerdings vier Tage nicht. Deswegen war es vorgestern abend auch etwas heftiger. Ich erwähne das auch, falls die Split-Screen-Aufnahme von mir zu dunkel geworden ist. Das könnte ich mir vorstellen, nachdem unter meiner Bettdecke ja leider keine Lampe ist.

Um das jetzt nochmal etwas nüchterner zu betrachten: Mal angenommen, diese Mail würde inhaltlich stimmen und es würde ein Video geben, auf dem ich beim Masturbieren zu sehen bin, und das wäre in fremder Hand, dann würde mich das schon sehr beunruhigen. Nicht, weil ich daraus ein Geheimnis mache. Sondern weil ich keine Videos von mir im Umlauf haben möchte. Auch keine, auf denen ich nicht masturbiere. Aber ich würde dafür doch kein Geld durch die Gegend schicken und dabei naiv glauben, dass es damit erledigt wäre. Der wollte dann doch immer mehr und so etwas bekommt man doch nie mehr in den Griff!

Mal angenommen, diese Mail würde inhaltlich stimmen und ich wäre auf der Kontaktliste einer anderen Person, die damit erpresst wird, und ich würde so ein Video bekommen. Würde ich es mir ansehen? Vermutlich nicht. Vermutlich würde ich das gar nicht sehen wollen. Wäre es ein enger Freund, würde ich ihn vermutlich anrufen und ihm sagen, dass sowas im Umlauf ist. Bei allen anderen würde ich es vermutlich kommentarlos löschen und es von mir aus nicht erwähnen.

Einen Vorteil hätte so eine Trojaner-Welle allerdings: Aus dem Tabu würde quasi über Nacht eine total langweilige Sache werden. Weil morgen dann jeder wüsste, dass fast alle masturbieren, offiziell zwischen 80 und 90 Prozent, die Dunkelziffer dürfte aber bei etwa 120% liegen. Und dass die Mehrzahl der Männer und die Mehrzahl der Frauen sich erotische Bilder oder Filme anschauen. Ohne diesen Trojaner glauben doch bestimmt 120% der Menschen, die P*rn*-Industrie verdiene ihr Geld mit Brötchen backen. Oder?