Ein neues Gutachten

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Seit heute gibt es eine Neuigkeit, und zwar: Das neue Gutachten liegt vor beim Anwalt.

Hätte sie gebremst statt zu hupen, hätte sie mich gar nicht erwischt.

Hätte sie um mich herum gelenkt (die Spur daneben war frei!), hätte sie mich auch nicht erwischt.

Hätte sie gebremst, als sie gemerkt hat, dass ich nicht wegspringe, und dabei auf mich drauf gehalten, wäre die Aufprallgeschwindigkeit etwa 15 bis 18 km/h gewesen. Ich wäre bestimmt verletzt gewesen, aber bestimmt nicht so schwer.

Da sie aber nicht gebremst hat oder erst ganz knapp vor dem Knall, sagt der Gutachter, die Aufprallgeschwindigkeit lag zwischen 39 und 42 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit sind die Hälfte aller Fußgänger tot.

In dem Gutachten steht genau, wo sie war, als ich von der Mittelinsel auf die Straße bin, und wo sie mich angefahren hat und und und. Und dass ich über 20 Meter weit vom Auto weg lag, als es am Ende stand.

Der Gutachter sagt auch, dass die Art der Verletzungen so aussehen, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass mich gleich jemand anfährt. Man macht automatisch aus Reflex Abwehrbewegungen und versucht, sich abzufangen. Man schaut das Auto an usw., das ist bei mir alles nicht. Das heißt: Entweder, ich habe geträumt oder ich hab sie wirklich nicht gehört.

Mein Anwalt hat geschrieben, dass der Gutachter sehr fleißig war. Er findet es „brilliant“. Er schreibt, dass er „davon ausgeht, dass alsbald terminiert wird“. Ich glaub, das heißt, es geht endlich bald los.

Übrigends: Die Trulla hat immer noch ihren Führerschein… Mein Anwalt hat da jetzt wohl mal nachgefragt, wer das verantwortet oder so…

Sie hat mich absichtlich fast tot gefahren

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Seit Ende letzter Woche weiß ich etwas sicher, was ich nie geglaubt hab. Die Frau, die mich letzten Sommer platt gefahren hat und wegen der ich immer noch im Krankenhaus liege, hat mich mit Absicht platt gefahren.

Sie war sich sicher, dass ich Rot hatte. Aber ich hatte Grün. Sie hat einfach auf die falsche Ampel für die Fußgänger geguckt. Mein Anwalt wollte wissen, warum sie Sekunden vor dem Aufprall gehupt, aber erst nach dem Knall gebremst hat. Das haben Zeugen gesagt.

Sie sagte erst, sie könne sich nicht erinnern. Dann hat mein Anwalt gefragt, und ich glaube, das geht mir ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf: „Können Sie sich nicht erinnern, dass sie gehupt haben oder warum Sie gehupt haben? Oder können Sie sich nicht erinnern, dass Sie gebremst haben? Das hat nichts mit erinnern zu tun, jeder weiß, wenn einer vors Auto läuft, bremst man. Und hupt. Man latscht da voll drauf. Man fährt eher drei Verkehrszeichen um als jemanden auf die Haube zu kriegen. Es gibt sogar Leute, die überschlagen sich wegen einer Maus. Aus Reflex. Sie nicht. Sie hupen. Und erst wenn es zu spät ist, bremsen Sie. Warum?“

Sie ist immer nur ausgewichen, aber mein Anwalt blieb hart. Wurde richtig böse. „Die Hupe ist zum Hupen und die Bremse zum Bremsen. Wissen Sie das? Warum hupen Sie dann statt zu bremsen? Kriegen Sie öfter mal was durcheinander? Können Sie überhaupt noch Auto fahren?“

Und sie sagt: „Ja ja!“ – Und er antwortet: „Aber wenn Sie nicht mal wissen, warum Sie gehupt haben. Machen Sie das automatisch? Wissen Sie nicht mehr, warum Sie hupen? Hupen Sie in einer Tour? Oder müssen Sie zur Auffrischung? Seminar? Wann hup ich und wann brems ich?“

Und irgendwann sagte die Trulla: „Ich hab halt gedacht, sie springt zur Seite.“ Und damit meinte sie mich. Und als sie gemerkt hat, dass ich nicht zur Seite spring, war es zu spät. Mein Anwalt meinte, sie hätte auch noch um mich herumlenken können. Sie weicht nicht aus, sie bremst nicht, sie hupt nur. Für ihn sieht das aus, als wenn die Trulla mich erziehen wollte, hat er gesagt. Sie hat sich wohl dabei verschätzt.

Das war es erstmal. Alles unterbrochen. Es soll noch ein Gutachten gemacht werden von dem Unfall. Und dann ist ein anderes Gericht dran, bei dem mehr Richter dabei sein werden. Das soll in einer Jugendschutzkammer weiter gehen. Hört sich ein wenig so an wie ein Bunker für Jugendliche, aber mein Anwalt sagte, das hat nichts weiter zu bedeuten, nur halt zwei Richter statt einem und noch zwei Schöffen dazu, also ehrenamtliche Laienrichter.

Mein Anwalt sagt, dass es gut sein könnte, dass die Trulla ins Gefängnis kommt. Er muss ihr beweisen, dass sie gewusst hat oder in Kauf genommen hat, dass sie mich so übel zurichtet. Das wird bißchen schwierig. Jeder weiß zwar, dass man mit einem Auto auch töten kann, aber deswegen ist nicht jede Schramme gleich ein Mordversuch.

Sie hat sich auch immer noch nicht entschuldigt und glaubt immer noch, dass ich Rot hatte.
Ganz ehrlich: Ich glaub, ich hätt ihr alles verziehen. Wenn sie gesagt hätte: Mensch, Scheiße Scheiße Scheiße, ich hab geträumt und dann hats gekracht, und ich weiß nicht, wie das passieren konnte, und es tut mir so Leid, und ich würds so gerne ungeschehen machen, dann wär ich irgendwann so weit und würde sagen: „Ok, war keine Absicht, Entschuldigung akzeptiert, vergeben, ist halt passiert und nun müssen wir das Beste draus machen.“

Aber die hier regt mich auf. Der würd ich am liebsten mal so richtig fett ins Gesicht rotzen. Hoffentlich kriegt die ne richtig fette Packung. Führerschein weg sowieso, fette Geldstrafe, so dass sie sich von irgendwas trennen muss, was ihr lieb ist, das muss richtig weh tun, und dann nochmal paar Monate in den Knast zum Nachdenken.

Ich werd nie mehr gesund werden. Weil eine durchgeknallte Sau meint, sie muss mir erklären, wie eine Ampel geht. Die war übrigens auch noch Lehrerin (Frührentnerin). Als ich das hörte, wär ich fast geplatzt.

Und nebenan liegt einer, der wollte nicht mehr leben und hat sich vor ne S-Bahn geworfen. Dem ist nicht viel passiert. Irre ich mich oder ist das Leben manchmal verdammt ungerecht?