Reitstunden

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Vor etwa vier Monaten bekam ich eine E-Mail, ob jemand Helena damit eine Freude machen würde, wenn er ihr Reitstunden bezahlt. Auch wenn das mit Sicherheit lieb gemeint ist, es fehlt hier nicht an Geld. Und ich möchte keine persönlichen Bindungen zu Menschen, die mich nur über meinen Blog kennen. Umso erschrockener war ich, als ich in der letzten Woche 250 Euro auf meinem Girokonto gutgeschrieben bekam. Von einer mir unbekannten männlichen Person. Verwendungszweck: „Mein Anteil an der Reitbeteiligung.“

Kann sich jemand vorstellen, dass mir beinahe mein Handy aus der Hand gefallen wäre, als mir die Handy-App diesen Zahlungseingang vermeldete und ich den sofort mit dieser E-Mail verknüpfte? Ich habe wirklich einen Moment lang überlegt, wie das sein kann. Meine private Kontonummer sollte eigentlich niemand kennen. Dann habe ich versucht, herauszubekommen, wer das ist. Habe den Namen in eine Suchmaschine eingegeben und bekam eine große Anwaltskanzlei in Hamburg ausgespuckt. Merkwürdig.

Ich suchte die alte E-Mail noch einmal heraus und stellte fest, dass das ein ganz anderer Name war. Gut, das muss nichts heißen, aber in der Mail wurde ein süddeutscher Ort erwähnt und eine Abfrage der IP-Adresse ermittelte einen Einwahlknoten in genau dem Ort, den derjenige auch in der Mail genannt hatte. Also rief ich diese Anwaltskanzlei an. Klären musste ich das ja so oder so. Als ich schilderte, dass ich Geld für Reitbeteiligung auf meinem Konto gutgeschrieben bekam, sagte die Mitarbeiterin: „Das ist etwas Privates. Ich stelle Sie mal durch.“

Ende vom Lied: Papa lebt in Scheidung, ist verplant, hat seiner Tochter versprochen, sich mit 250 Euro an ihren Reitstunden zu beteiligen, hatte keine IBAN, sondern nur Bank und Kontonummer – und dann ist wohl im IBAN-Rechner irgendwas verkehrt gelaufen. Die Namen der Kontoinhaber werden heute wohl nicht mehr abgeglichen, und so hatte ich Geld auf meinem Girokonto, das überhaupt nicht für mich bestimmt war. „Wenn Sie mir 240 Euro zurücküberweisen, wäre ich Ihnen dankbar. 10 Euro Bearbeitungsgebühr dürfen Sie einbehalten. Danke, dass Sie sich gemeldet haben.“

111 mal gesucht

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Anlässlich meiner 7. Million habe ich mich noch einmal von den bei mir gestrandeten Suchanfragenden inspirieren lassen.

1.Atomantrieb Rollstuhl
Eine einfache Batterie sollte für einen E-Rolli reichen.

2.Aufblasbarer Rollstuhl
Es gibt tatsächlich Rollstühle mit großen aufblasbaren Ballonreifen für den Strand.

3.Aufgeplatzter Aufzug
Abgestürzt?

4.Aus Versehen laut gepupst
Ups.

5.Badeanzug hat Doppelstoff im Schritt Harnfilter
Ich behaupte mal, die zweite Lage Stoff dient dazu, die Konturen etwas zu kaschieren, und nicht, um austretenden Harn zu filtern.

6.Behinderte Cousinen haben denselben Vater
Das soll vorkommen.

7.Bei Rollstuhlfahrerin auf den Schoß setzen erlaubt
Solange wir uns kennen, darfst du dich auch auf meinen Schoß setzen.

8.Bist du schwanger
Nicht, dass ich wüsste.

9.Bloggst du über das Leben
Ja!

10.Brille draufgesetzt
Knirsch.

11.Brüste bitte in den Badeanzug
Ja, bitte. Nicht draußen hängen lassen.

12.Crazy Schnuller
Mag ich.

13.Dennis riecht streng
Dennis sollte duschen.

14.Die Radfahrerin vor mir wird rot
Schämt sie sich?

15.Doof bleibt doof da helfen keine Pillen
Selbst Aspirin versagt. Das stimmt.

16.Doppelrollstuhl Zwillinge
Maximal für siamesische.

17.Du bist an Niedlichkeit kaum zu übertreffen
Danke! Manchmal bin ich auch gerne niedlich.

18.Du bist verheiratet
Das bestimmt wer?

19.Du stinkst spanisch
Nee, ich stinke griechisch. Es gab heute Gyros.

20.Du wohnst im Bunker
Mach keinen Scheiß! Mein Haus ist schön.

21.Ein gesundes Jahr
Danke! Dir auch!

22.Ein hübsches Mädchen ist die Jule
Danke!

23.Elektrische Heizung
Ist ziemlich teuer, oder?

24.Erste Nacht in der neuen Badewanne
Gleich die ganze Nacht?

25.Frau zieht sich in der Öffentlichkeit aus
Das gehört sich aber nicht.

26.Geht es um Rollstühle
Auch, ja.

27.Gib mir deine Kontonummer
Und dann?

28.Gibt es Jule auch nackt
Jule gibt es auch nackt. Immer dann, wenn sie gerade keine Kleidung trägt.

29.Hast du eine Pinkelente
Nein!

30.Hast du einen Stomabeutel
Auch nicht! Auch kein Stoma!

31.Helena bloggt
Bei mir nicht.

32.Herzlichen Glückwunsch
Danke!

33.Hi Blondi
Hi Doofi

34.Hund hat Slipeinlage gefressen
Dein Hund ist eklig.

35.Ich bin ein Bär
Hallo Bär!

36.Ich hab doch gar nichts gemacht
Ich auch nicht.

37.Ich habe eine Zweiplus geschrieben
Ich gratuliere!

38.Ich habe empfindliche Zähne
Hast du darüber schon einmal mit deinem Zahnarzt gesprochen?

39.Ich hatte du hattest
Er / Sie / Es hatte.

40.Ich kam im Training
Ich kam zum Training. Bitte wiederholen! Und jetzt alle gemeinsam!

41.Ich kriege du krisst
Er / Sie / Es krisselt.

42.Ich kriege einen Anfall
Ich regelmäßig auch. In schwedischen Möbelhäusern.

43.Ich liebe Strumpfhosen
Viel Spaß!

44.Ich mache mir Gedanken über dein Outfit
Ich auch. Damit wollte ich gerade nicht auf die Straße.

45.Ich möchte meinen Bewährungshelfer zurück
Ruf ihn doch mal an!

46.Ich tanze gerne mit Gabi
Schön! Viel Spaß!

47.Ich verschenke eine Schubkarre
Danke, ich habe gerade keinen Bedarf.

48.Ich will immer nackt sein
Tu dir keinen Zwang an!

49.Ich will noch ein Kuss
Ich auch.

50.In der Wohnung über mir ist Randale
Besenstiel? Oben mal klingeln? Musik lauter drehen?

51.Ist nüchtern 111 zu viel
Blutzucker? Ja.

52.Jule die fröhliche
*sing*

53.Jule fährt immer im zweiten Gang an
Erzähl keinen Scheiß … der war gerade zur Inspektion.

54.Jule guckt Pornos
Nö. Jule schreibt Blog.

55.Jule ist ein Arsch
Nein. So schlimm bin ich nicht.

56.Jule raucht viele Zigaretten
Jule ist überzeugte Nichtraucherin.

57.Jules Badelatschen stehen
… senkrecht an der Wand? Ich hab nichtmal welche.

58.Kann man Bier in der Sauna trinken
Kann man machen. Knallt bestimmt gut.

59.Kann man im Notfall ins Sitzkissen pinkeln
Kann man, ist dann halt eklig. Und tropft.

60.Kann man Leggings ohne Unterhose tragen
Kann man auch.

61.Kannst du Glitzerstaub pupsen
Bin ich ein Einhorn?

62.Kartoffelpüree mit Pesto
Hatte ich noch nie. Schmeckt das?

63.Käseeis
Pfui.

64.Lautester Furzer der Welt
Möchte ich gar nicht wissen.

65.Mache ich mir zu viele Gedanken
Eindeutig ja.

66.Mag Sally Nutella
Nachdem Sally vegan isst, schätze ich: Nein.

67.Marie ist doof
Nö, keineswegs.

68.Matthias Reim hat ein behindertes Kind
Das interessiert mich nicht.

69.Mein Bauch hängt in Neumünster
Wie ist er denn dorthin gekommen?

70.Mein Caddy eiert vorne links
Bist du irgendwo gegen gefahren?

71.Mein Scheibenwischer ist krank
Was hat er denn?

72.Mein Scheibenwischer kratzt und knarzt
Vielleicht mal das Wischerblatt tauschen, bevor die Scheibe zerkratzt?

73.Meine Waschstraße riecht streng
Am besten nimmst du nächstes Mal eine andere.

74.Nassputzmaschine
Sind das diese Dinger in Supermärkten, die vorne spritzen und hinten saugen?

75.Ob du behindert bist hab ich dich gefragt
Ja, bin ich! Schrei hier nicht so rum!

76.Rennrollstuhl kaufen
Kleiner Tipp: Gut ausmessen lassen!

77.Rollisitzkissen darf gefurzt werden
Du furzt in dein Kissen, ich in meins. Okay?

78.Sandwichläden überall
Ja, wie Pilze aus dem Boden.

79.Schade dass du dich nicht mehr meldest
Hier bin ich!

80.Schlafanzug falschherum an
Geht gar nicht.

81.Sie befahren eine Vorfahrtsstraße
Nee, ich sitze am Schreibtisch.

82.Sieht der Doktor Herzschmerz im EKG
Oh wie süß.

83.Strumpfhosen essen
Mit Ketchup?

84.Theophyllin außer Handel
Das wäre fatal.

85.Tropifrutti gut für Mutti
Du hattest zuviel davon, oder?

86.Tun Nierensteine weh
Nierensteine selbst nicht, aber sie können eine Nierenkolik machen und die hältst du ohne starke Schmerzmittel nicht aus.

87.Vati macht heute Zwillinge
Wie gut, dass wir das vorher wissen.

88.Verarsch mich nicht
Mach ich nicht!

89.Verlassene Katjesfabrik
Restbestände bitte zu mir.

90.Wann holst du dir den Porsche
Porsche ist nicht so meins.

91.Wann wird ins Meer gepinkelt zum Anfang oder zum Ende
Gibt es dazu Vorschriften? Ich pinkel dann, wenn ich muss.

92.Warum bist du in der Psychiatrie
Bin ich das?

93.Warum dreht sich eine Spinne nicht am Faden
Die Struktur des Spinnenfadens verschlingt die Dreh-Energie.

94.Warum Mann gar nicht genug masturbieren kann
Ich glaube, das will ich nicht wissen.

95.Warum sind Behindertenwitze verboten
Keineswegs. Liest du: Behindertenwitze

96.Was bedeute ich dir
Kennen wir uns?

97.Was ist eine Kanüle
Eine Hohlnadel.

98.Was ist eine Taucherheizung
Taucherheizung ist der Effekt, der entsteht, wenn sich körperwarmer Urin im kalten Taucheranzug ausbreitet.

99.Was sind Sauerkonserven Medizin
Sauerkonserven kenne ich nur aus dem Supermarkt. Gurken und so Zeugs.

100.Was versteckst du in deiner Strumpfhose
Kartoffeln.

101.Welches Auto fährst du
Meins.

102.Wem seine Hühner fressen Stangen
Es heißt: Wessen Hühner

103.Wer ist Laktata Zidotisch
Laktat-Azidotisch sind Patienten, deren Blut und Gewebe durch einen Überschuss von Milchsäure sauer sind.

104.Wie heißt Fridolin
Fridolin.

105.Wie oft kleben Klebewindeln
Jeder Klebestreifen klebt meistens genau zwei Mal.

106.Wieviel Behindertengeld gibt es
Behindertengeld gibt es in Deutschland nicht.

107.Wo ist Jules Blog
Hier!

108.Wo kaufst du ein
Im Supermarkt, meistens dort, wo man Lebensmittel liebt.

109.Wo leben Stachelbären
Im tiefen, dunklen Wald.

110.Wo lernt man kacken
In der Kackschule!

111.Wollen Frauenärzte immer nur Sex
Du schaust die falschen Filme.

Die siebte Million

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Seit meinem Blog-Umzug hat sich vieles verbessert. Aber einiges ist noch nicht optimal. Aus irgendeinem Grund ist der Seitenzähler abgestürzt und hat nur noch die Direktaufrufe älterer Beitragsseiten gezählt und nicht mehr die der Hauptseite. Ich hatte schon länger den Verdacht, dass da irgendwas nicht stimmt, denn beispielsweise wurde alleine der Beitrag „Gutachten“ in einer Woche fast 3.000 Mal aufgerufen, der Zähler war aber zwischenzeitlich nur um rund 1.000 Punkte weitergegangen.

Entsprechend habe ich mal meine anonymisierten Analysedaten aufgerufen und festgestellt, dass der 7.000.000. Seitenaufruf bereits am 15. Februar 2019 um 20.12 Uhr gewesen ist. Seitdem sind schon fast eine weitere Viertelmillion Klicks auf meinen Seiten geschehen. Etwas peinlich für den Seitenzähler. Ich hoffe, der Fehler wurde mit dem letzten Update behoben, ansonsten muss ich kurzfristig noch einen geeigneten neuen finden.

Inzwischen gibt es 1.065 Beiträge von mir (mit diesem hier), und insgesamt über 11.300 veröffentlichte Kommentare, die in den letzten 10 Jahren von meinen Leserinnen und Lesern geschrieben wurden. Wahnsinn!

Wie immer zu solchen runden Zahlen habe ich gerade etwas Bock auf ein paar statistische Werte: Aktuell (Daten aus dem letzten Quartal) wurde meine Seite pro Tag zwischen 2.900 und 9.400 Mal aufgerufen. Insgesamt gab es über 21.000 eindeutige Besucher*innen im letzten Quartal, die für insgesamt eine halbe Million Klicks verantwortlich sind. Fast 85% meiner Leser*innen kommen aus Deutschland, weitere jeweils 5% aus der Schweiz und aus Österreich. Auffallend viele Blogleser*innen gibt es auch in den USA, in Chile, Italien, UK, Spanien, Frankreich, Luxemburg, Schweden, den Arabischen Emiraten, China, Belgien, den Niederlanden, Israel, Neuseeland, Japan und Dänemark. Ich grüße alle und danke für das Interesse!

Die meisten Leser*innen kommen aus München, gefolgt von Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Trier, Stuttgart und Essen. Erste nichtdeutsche Städte sind Wien, Zürich, Chicago, Basel, Bern, Santiago, Genf und Linz. Der häufigste Browser ist der Safari Browser, gefolgt von Google Chrome. Nur etwa 18% benutzen Firefox. Rund 40% greifen mit einem Windows-PC auf meine Seite zu, rund 33% mit einem iOS Betriebssystem, rund 20% mit Android. Die häufigste Bildschirmauflösung ist übrigens 1024 x 768, was ich nicht vermutet hätte.

Die meisten Leser*innen sind Kunden der Deutschen Telekom AG (über 20%). Gefolgt von O2, Arcor, Vodafone, 1&1. Und ich richte besondere Grüße an die Universitäten in Trier, Konstanz, Dortmund, Heidelberg, Greifswald, Graz, Braunschweig, München, Berlin, Bonn, Bochum, Köln, Zürich, Weimar und Oldenburg, aus denen auch regelmäßig verschiedene Leser*innen meine Seite aufrufen. Den Rollstuhlhersteller und das Sanitätshaus (mit beiden hatte ich noch nie zu tun), die regelmäßig vorbeischauen, grüße ich ebenfalls.

Eulenspiegel

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„Quäle stets ein Tier mit Schmerz, denn es fühlt wie du den Scherz.“ – Diesen verballhornten Spruch hörte ich kürzlich von Jugendlichen, die versuchten, im Bus eine Fliege mit einem Feuerzeug anzukokeln. Der Busfahrer hat die Jugendlichen auf offener Strecke rausgesetzt, ob wegen der Tierquälerei oder aus Sorge, dass demnächst sein Bus brennt, weiß ich nicht. Vielleicht auch aus beiden Gründen.

Keinen Brummer, sondern einen lebendigen Hund hat der Überlieferung nach Till Eulenspiegel, der vor 700 Jahren lebte und in Mölln in Schleswig-Holstein senkrecht begraben sein soll, beim Bier brauen in einen heißen Kessel geworfen. Der Hund hieß Hopf, und der Bierbrauer hatte Eulenspiegel gebeten, Hopfen in die Braupfanne zu werfen. „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt“, soll es damals geheißen haben. Eulenspiegel sollte lustig sein und nicht nur Majestät haben darüber gelacht: Der Spruch ist noch heute an der Tagesordnung.

Ich kam kürzlich in den Genuss, die allererste Folge einer Vorabendserie sehen zu dürfen, deren aktuelle Folgen noch heute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden. Als sie gedreht wurde, waren die Charaktere überrascht, dass künftig auch Frauen im Streifendienst eingesetzt werden sollen. Kinder, wie die Zeit vergeht: Meine Halbschwester Emma ist in diesem Jahr zur Oberkommissarin befördert worden und hat damit einen höheren Dienstrang als alle Charaktere dieser Serie vor dreißig Jahren. Wertschätzung und respektvoller Umgang hätten enorm zugenommen, sagt sie. Die älteren Kollegen erzählten oft, dass es früher sogar Prügeleien unter den Beamten gegeben hätte, das Klima sehr viel rauer war. Schimpfworte wie „Arschloch“, „Neger“ und „Penner“ seien an der Tagesordnung gewesen. Das sei heute undenkbar und würde sofort sanktioniert.

Trotzdem gibt es Ausgrenzung und Dummheit noch immer. Es gibt noch immer Menschen, die glauben, Frauen sind nur dumm und können gut backen. Und Kinder gebären. Okay, Männer können meistens weder backen noch Kinder gebären. Irgendwie müssen wir uns ja unterscheiden. Homosexuelle sind eklig. Behinderte sowieso. Vor allem, wenn sie sabbern, brummen und inkontinent sind. Dass mir jemand nicht die Hand gibt, weil er denkt, er könne sich anstecken, kommt auch in 2019 noch vor. Nicht täglich. Und nicht häufig. Aber so etwas gibt es. Und ich muss weiter dagegen kämpfen.

Ich kämpfe. Zum Beispiel mit einem Blog, der über 7 Millionen Mal aufgerufen wurde. Aber ich kämpfe zum Glück nicht alleine gegen die Dummheit.

Anlässlich meiner doch rund umfangreichen Schilderungen über das Krankenkassen-Gutachter-Drama von Helena hatte ich einen recht umfangreichen Dialog mit einem Kumpel, den ich seit meiner Reha, also seit nun schon zehn Jahren kenne. Höheres Tier in einer Sozialbehörde, begleitet ehrenamtlich gerade eine junge Frau, die seit über einem Jahr versucht, einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Die Frau hat, wie Helena, eine leichte Cerebralparese, also eine Hirnschädigung, die die Motorik (nicht die geistige Leistungsfähigkeit, die junge Dame macht gerade Abitur) einschränkt. Sie benutzt für längere Strecken (so ab 700 Metern) ebenfalls einen Rollstuhl, spricht ein wenig undeutlich und hat erhebliche Schwierigkeiten mit der Feinmotorik, vor allem der der Hände. Sie schreibt in der Schule beispielsweise am Laptop. Ich selbst kenne die Frau nicht persönlich.

Hinzu kommen angeborene Fehlbildungen beider Hüftgelenke und eine Überreaktion auf Wasser: Sobald sie duscht, bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Außerdem reagiert sie allergisch auf Insektengift-Proteine, muss also ständig hochpotente Medikamente injektionsfertig mitführen, falls sie mal von einer Wespe gestochen wird und der Notarzt nicht rechtzeitig kommt.

Behinderung? Nö. Fehlanzeige. Das Versorgungsamt sagt: Das reicht nicht. Sie ist nicht so stark eingeschränkt, dass ihr Zustand in erheblichem Maße von dem eines gesunden Menschen ihres Lebensalters abweicht. Schließlich hat auch nur ihr Kinderarzt was dazu attestiert und kein Neurologe. Unser Haus-Gutachter kommt nach Aktenlage zu dem Ergebnis, es liege auch keine Hirnschädigung, sondern eine Entwicklungsretadierung vor.

Ich weiß noch, wie es mir ging, als mir mitgeteilt wurde, dass ich ein Vollpfosten bin. Wobei man mir ja eher gutmütig die Dinge attestiert hatte, die wirklich vorlagen. Retadiert war ich noch nie. Nicht mal auf dem Papier. Krüppel halt. Aber alleine diese Tatsache schwarz auf weiß zu lesen, hat mir damals schon gereicht.

Die junge Frau legt also Widerspruch ein und lässt sich brandaktuell von einer spezialisierten Kinderneurologin noch einmal von Kopf bis Fuß durchchecken. Legt ihr Hirn in eine bildgebende magnetische Röhre. Mit glasklaren Ergebnissen. Nix retadiert, sondern eine waschechte Cerebralparese. Reichte dem Amt wieder nicht. Dieses Mal sei die Abweichung zwischen dem (oberflächlichen und auf den Alltag bezogenen) Bericht des Kinderarztes und dem (fachlich bis in die tiefste Ebene abgegrenzten) Bericht der Fachärztin zu groß, von daher sei das alles unplausibel. Man setze alles auf Null und beauftrage einen externen Gutachter, einen niedergelassenen Neurologen, damit, das alles einzuschätzen.

Die junge Dame holt sich also schulfrei, muss einen handgeschriebenen Lebenslauf schreiben (kenne ich irgendwoher), taucht dort pünktlich auf und fährt, dem Rat ihres Rechtsanwalts folgend, natürlich nicht alleine dorthin, sondern nimmt eine Vertrauensperson mit. Bevor der Termin starten kann, kommt der Gutachter ins Wartezimmer und blubbert die junge Frau an: Schön, dass Sie eine Begleitperson mitgenommen haben, die bleibt aber draußen. Die Begutachtung führe ich nur unter vier Augen durch. Als die junge Frau darauf besteht, dass die Vertrauensperson sich bei der Untersuchung still in eine Ecke setzt und zuschaut, verweigert der Gutachter die Untersuchung und kündigt an, ihr im Gutachten eine „mangelnde Kompromissbereitschaft“ zu attestieren. Was die Behörde später als mangelnde Mitwirkung auslegen werde, mit dem Ergebnis, dass es weder einen Ausweis, noch eine Gleichstellung gebe.

Ähm ja. Wie, du willst nicht angegrapscht werden? Bist du etwa zu keinen Kompromissen bereit? Ein Totschlag-Argument aus der Sicht jedes Rambos, eine Disqualifikation mit Pauken und Trompeten aus der Sicht all jener, die Machtmissbrauch und Mobbing auch gegen den Wind riechen.

Das Glück der jungen Frau war wohl die Begleitung durch den Sozialrechts-Fuchs. Der hat die junge Frau, die nicht nur wegen der eigentlichen Begutachtungs-Situation unter großer Anspannung stand, sondern mit diesem Benehmen des Gutachters auch völlig überfordert war, ins Auto gepackt und ist mit ihr auf dem direkten Weg zu der Behörde gefahren, die das Gutachten in Auftrag gegeben hat. Frei nach dem Motto: „Hier bin ich. Begutachten Sie. Mitwirkung liegt vor. Maximal. Kopie der Akte, alle Befunde, handgeschriebener Lebenslauf: Alles dabei.“

Die Sachbearbeiterin an der Publikumsfront hat nach zwei Sätzen die Flinte ins Korn geworfen und das Gespann in die Chef-Etage geführt. Die junge Frau durfte daran teilhaben, wie ihr Begleiter und eine ältere Dame aus dem höhere Dienst der Behörde sich über den grundgesetzlich garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör und den damit verbundenen Anspruch auf ein faires Verfahren austauschten und sofort derselben Meinung waren. Dass beide der Überzeugung waren, dass insbesondere in einem Widerspruchsverfahren der freie und gleichberechtigte Zugang zur Justiz eher überkorrekt berücksichtigt werden müsse, zumal Deutschland bei der Umsetzung der anerkannten UN-Forderung ohnehin defizitär sei.

Nach kurzer Wartezeit auf dem Behördenflur, in der die Beamtin den Gutachter anfunkte, ließ sie durchblicken, dass sie höchstpersönlich vor Jahren eine Anordnung verfügt hatte, die Begleitpersonen bei Gutachten ausdrücklich zulasse. „Solange die Begleitperson sich nicht ungefragt einmischt oder dort randaliert, sondern der Gutachter seine Arbeit machen kann, soll sie doch still in der Ecke sitzen. Ich würde meinen Mann auch nicht unbegleitet zum Doktor lassen, alleine schon, weil er immer nur die Hälfte versteht.“

Ende vom Lied: Die Frau hat die Antragstellerin im Namen der Behörde ausdrücklich für diesen Vorfall um Entschuldigung gebeten und ihr einen neuen Termin bei einem anderen Gutachter in Aussicht gestellt. Den kenne sie persönlich, dorthin würde sie auch gehen. Und sie habe ihn extra angerufen: Selbstverständlich dürfe jederzeit eine Vertrauensperson dabei sein.

Ich frage mich nun, was wohl passiert wäre, wenn der Sozialrechts-Fuchs nicht dabei gewesen wäre. Dann hätte der Gutachter wohl festgestellt, dass noch immer keine Behinderung vorliege. Wer so drauf ist, ist aus meiner Sicht als Gutachter untauglich. Machtspiele und die damit verbundene Ausgrenzung haben in fairen Verfahren nichts zu suchen!

Fand übrigens damals auch schon Till Eulenspiegel.