Ein toller Fernsehclip

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Meine Leserinnen und Leser wissen, wie selten ich hier Videos verlinke. Also muss es schon was tolles sein!

Drei Hamburger Sportfreundinnen, die (im Gegensatz zu mir) Rollstuhlbasketball spielen, möchten im Sommer zu den Paralympics nach London. Als amtierende Europameisterinnen sind sie bereits qualifiziert, nur die genaue Teamzusammensetzung steht noch nicht fest. So hoffen alle drei, dabei zu sein.

Ein absolutes Vorbild von mir ist Maya, die in dem Clip mehrmals zu sehen ist. Mir gefällt das Leuchten in ihren Augen, wenn sie von ihrem Sport erzählt – und ihre freche Art, als sie dem Fernsehteam erklärt, dass sie sich schon drauf freut, bei der Paralympics auch im Fernsehen sein zu können…

Ein schöner Tag

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Der heutige Tag ist fast vorrüber. Es war, wie viele andere Tage, ein schöner Tag. Es war vor allem ein Tag ohne Chaos, ohne Nervereien, ohne Katastrophen. Ich bin ganz normal aufgestanden, habe geduscht, gefrühstückt, konnte zwischen zwei Regenschauern mit dem Fahrrad (Handbike) zur Schule fahren, war gut auf den Unterricht vorbereitet, kein Stress, keine Klausuren, keine nervigen Mitschüler, keine bescheuerten Lehrer – alles gut.

Nachmittags bin ich zum Gerätetraining ins Krankenhaus gefahren, ohne Zugverspätungen, Aufzugsausfällen oder anderen Katastrophen, hatte anschließend Physiotherapie, bin von meiner Physiotherapeutin eine Dreiviertelstunde am ganzen Körper nur durchgeknetet worden, das war so entspannend, dass ich fast eingeschlafen wäre auf der Liege, bin anschließend mit Jana zum Abendessen gefahren, wir haben uns sehr nett unterhalten, dann habe ich zu Hause festgestellt, dass ich zu morgen alle Hausaufgaben bereits fertig habe und auch nichts mehr vorbereiten muss, und dann habe ich mich zu Cathleen vor den Fernseher im Gruppenraum gepackt und mich berieseln lassen. Cathleen meinte, sie habe eine Phase in ihrem Zyklus, in der ihre Hormone sie zu einer schein-schwangeren Hundemama machen und sie bräuchte jemanden, den sie kraulen kann – na, was kann mir besseres passieren, als auf dem Sofa vor dem Fernseher mit dem Kopf auf ihrem Schoß zu liegen und gekrault zu werden?

Inzwischen liege ich in meinem Bett, mir ist wohlig warm, ich darf einen netten Blog-Eintrag schreiben und kann hoffentlich gleich gut schlafen. Nach einem schönen Tag.

Hauptsache Haut

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Endlich darf ich wieder sitzen und am Laptop schreiben… seit letzten Freitag bin ich im Krankenhaus und schaue die Decke an. Nicht aufstehen, nicht umdrehen, nicht hinsetzen, zum Essen und trinken am besten mit Strohhalm und Kopf seitwärts im Liegen. Einziger Lichtblick: Ein Flachbild-Fernseher an einem langen Arm, den man so über das Bett schwenken kann, dass man in Rückenlage mit Blick an die Decke was sieht. Da hat mal einer mitgedacht.

Normalerweise bin ich Teamwork eher zu- als abgeneigt, aber seit letztem Freitag muss ich mir das wohl nochmal überlegen. Wir saßen in Sechsergruppen an den Tischen und …

Ich muss anders anfangen. Wenn man eine Querschnittlähmung hat, sind ja nicht nur die jeweiligen Bewegungen eingeschränkt, sondern auch die Empfindungen in den gelähmten Bereichen und natürlich auch Durchblutung etc. Das kann sehr gefährlich werden: Setzt mal sich zum Beispiel auf einen Schlüssel, würde man normalerweise sofort wieder aufstehen und das Ding unter dem Hintern wegnehmen, weil es weh tut oder zumindest unangenehm ist. Ich merke das jedoch nicht, so dass ich irgendwann davon eine Verletzung bekomme, die dann auch noch sehr schlecht abheilt, weil ja die Durchblutung in dem Bereich eben auch nicht gut ist.

Deswegen wird während der medizinischen Reha nach dem Unfall oder auch bei Nachkontrollen immer wieder darauf hingewiesen, dass man auf seine Haut aufpassen muss. „Hauptsache Haut“ ist zum Beispiel im Krankenhaus überall an den Wänden auf irgendwelchen Postern und auf Flyern. Ich hatte einmal eine Mini-Druckstelle, nämlich als ich zum 50. Geburtstag meiner Mutter sollte vor rund 15 Monaten. Das hat mir gereicht. Daher passe ich immer sehr, sehr genau, fast schon peinlich genau, auf, dass ich mich nirgendwo draufsetze, drauflege, mich vorsichtig umsetze und keine spitzen, scharfen oder heißen Sachen auf meinen Schoß lege. Zum Beispiel: Wenn ich ins Bett gehe, schlage ich vorher immer erst einmal die Decke zurück und gucke, ob da irgendwas drinliegt, was da nicht reingehört. Manchmal werfe ich tagsüber doch mal etwas drauf, was da sonst nicht hingehört, und das rutscht dann unter die Decke oder ähnliches.

Wir saßen also in Sechsergruppen an den Tischen und sollten auf einem A2-Poster so ein komisches Schema aufmalen in der Gruppe und während eine Mitschülerin dieses Poster ausrollt auf dem Tisch, schiebt eine andere einen Becher heißen Tee (heißes Wasser, der Teebeutel hängt noch drin, gerade frisch aufgebrüht) bis 5 Zentimeter vor die Tischkante, direkt dort, wo ich sitze. Ich habe gerade einen Stapel Hefte und 10 dicke Edding-Stifte für das Plakat in den Händen und sage sofort: „Nee, stell die Tasse bitte woanders hin, nicht dass mir das noch über den Schoß kippt.“ – Die Mitschülerin sagt: „Alter, nun entspann dich doch mal!“ Die mit dem Poster sagt: „Komm, bevor es Theater gibt…“, greift nach der Tasse, verfehlt sie und kippt mir das heiße Wasser mitsamt der Tasse über den Schoß.

Ich habe nur den ganzen Kram, den ich in der Hand hielt, auf den Tisch geschmissen und wollte zum Waschbecken, aber meine Tischnachbarin, auch Rollstuhlfahrerin, hatte schon geistesgegenwärtig ihre Wasserflasche in der Hand und kippte mir die 1,5 Liter kaltes Mineralwasser über den Schoß. Der Lehrer kam an und sagte: „Was macht ihr denn da? Was soll denn sowas?“ Meine Tischnachbarin antwortete: „Jaja, rufen Sie lieber mal einen Krankenwagen.“

Ergebnis: Beide Oberschenkel verbrüht und zwar sowohl vorne als auch seitlich als auch zum Teil hinten. Die schlechte Nachricht: Mindestens zwei Wochen stationäre Behandlung. Und das Haus ist voll, eventuell werde ich noch verlegt. Ätzend! Die gute Nachricht: Es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Das verdanke ich wohl meiner Tischnachbarin, die gleich kaltes Wasser hinterhergekippt hat. Es ist nichts offen, es tritt keine Feuchtigkeit aus, es ist nur knallrot und glüht. Derzeit liege ich in einem Luftkissenbett. Keine Wechseldruckmatratze, bei der sich alle paar Minuten andere Kammern aufblasen, sondern ein Luftkissen, vergleichbar mit einer Hüpfburg. Unter mir wird Tag und Nacht warme Luft durchgeblasen und wenn man sich bewegt, schwingt der ganze Kram wie eine große Hängematte. Unter mir ist ein riesiger Blechkasten und das Ding macht einen Lärm wie eine große Kühltruhe. Laut Typenschild (Liam musste gleich nachschauen) ist das Betriebsgeräusch 58 db(A).

Aber es gibt schlimmeres. Meine ganzen Leutis aus der WG waren schon hier und meine Tischnachbarin aus der Schule, ich habe ein Einzelzimmer (schön Fernsehen und Musik hören) und das Personal ist auch nett und wenn ich Glück habe, bin ich bald wieder raus.

Alice freut sich

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Das Haus, in dem ich wohne, steht seit Oktober 2008. Es ist daher alles sehr modern. Sehr modern ist auch die Kommunikation über Glasfaserkabel. Fernsehen, Internet und Telefon sollten von Beginn an über Glasfaserkabel ins Haus kommen. Eine Firma, die in Norderstedt ihren Sitz hat, ist damit vom Vermieter beauftragt worden, der herkömmliche Anschluss über Kupferkabel fehlte zunächst.

Als das Haus bezugsfertig wurde, zeichnete sich ab, dass sich die Glasfaser-Sache verzögert. Erst einen Monat, dann noch einen, dann haben die ersten Mieter bei der Telekom einen „normalen“ Telefonanschluss beantragt. Also musste nochmal gebuddelt werden, damit die Kuperleitung verlegt werden konnte. Fernsehen lief für die erste Zeit erstmal über Antenne, wobei der Empfang eher schlecht ist.

Dann war für Anfang Mai der endgültigte Anschluss des Glasfaserkabels geplant. Somit hätten wir ab Einzug davon profitieren können. Aber auch daraus wurde nichts, so dass auch wir erstmal über die herkömmliche Kupferleitung telefonieren und surfen und Fernsehen mit Zimmerantenne empfangen.

Nun ist verbindlicher Termin für den neuen Fernsehempfang der 21. September 2009. Über ein Jahr nach Bezugsfertigkeit des Hauses (wir sind ja glücklicherweise erst im Juni 2009 eingezogen). Auf unseren Antrag, ab dann auch über Glasfaser ins Internet zu kommen (immerhin bietet man eine WG-geeignete 100/10-MBit-Leitung für 29 Euro an, einschließlich Flatrate für Internet und Telefon), antwortete man, dass der Anschluss des Hauses an das Breitbandinternet erst im Februar 2011 vorgesehen ist.

Alice wird sich freuen, so hat sie uns noch einige Monate länger als Kunden. Weiter darüber nachdenken sollte man vielleicht lieber nicht.