Keine Affen im Baum

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Dieses Mal bin ich ohne Krankenhausaufenthalt und ohne größeres Theater durch einen Magen-Darm-Infekt gekommen. Man lernt ja dazu. Ich tippe auf eine Algenbelastung in einem Badesee, in dem Marie, Cathleen und ich am Montag schwimmen waren. In dem wir sonst nie schwimmen, der laut Hinweisschild aber zum Baden freigegeben war („Wasserqualität: Ausgezeichnet“), der mir aber im Nachhinein nicht geheuer war. Auf jeden Fall lagen wir danach alle drei flach. Wer eklige Details nicht lesen möchte, beschränkt sich nur noch auf diesen Satz: Mir geht es wieder gut!

Ich war an dem Abend wieder zu Hause, hatte gerade etwas gegessen und saß vor meinem PC. Als ich mich zum dritten Mal innerhalb von fünf Minuten über einen lauten Pups erschrak und feststellen musste, dass außer mir niemand im Raum ist, den ich dafür verantwortlich machen könnte, rollte ich vorsichtshalber schonmal in Richtung Klo. Während ich mich umsetzte, ging das los, was ich gerne im Klo gehabt hätte, weil es in der Hose einfach eklig ist; erst recht, wenn es oben aus dem Hosenbund quillt. Leider kam ich nur nicht mehr dazu, meine Hosen runterzuziehen.

Bevor mir erst wieder schlecht wird und mein Kreislauf verrückt spielt oder die ganze Situation unkontrollierbar wird, rief ich eine Etage tiefer im Dienstzimmer an und hoffte, irgendjemand wäre da, der mir helfen könnte. Und möglichst jemand, der es nicht noch unerträglicher macht. Ich hoffte auf eine ganz bestimmte Person … und die ging tatsächlich dran. Eine Assistentin, die eigentlich hauptsächlich Maria betreut. „Ich komme sofort“, meinte sie.

Als sie mit ihrem Schlüssel in mein Zimmer kam, hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Ich versuchte, mich zusammenzureißen und kämpfte mit den Tränen. Sie klopfte an die halb geöffnete Badtür und kam rein. Es muss ein seltsames Bild gewesen sein, wie ich wie ein Häufchen Elend voll bekleidet auf dem Klo sitze und sie anstarre, in den Augen die Wörter geschrieben: „Bitte sag“ links, und rechts „jetzt nichts!“

Ihre erste Frage: „Hi, was ist los bei dir? Eingekackt?“ – Ich nickte kaum sichtbar. Und sagte dann: „Das krieg ich auch alleine wieder sauber. Ich habe nur die letzten Male, als das so los ging, ziemlich schnell Kreislaufprobleme bekommen und musste dann auch jedes Mal in die Klinik.“ – „Okay, dann pack ich dich ins Bett und mach dich dort sauber?“

„Mir wäre es am liebsten, wenn wir erstmal bei meiner Hausärztin anrufen könnten. Ich denke, dass ich wieder eine Infusion brauche und vermutlich auch was, was den Darm ruhig stellt. Das ist bei mir immer sehr heftig, wenn mein Darm verrückt spielt. Und dann können wir das auch in der Dusche versuchen, solange du mich halten kannst, wenn mir schwindelig wird.“

„Gut, dann rufst du bei deiner Hausärztin an und ich hol mir schnell Handschuhe und ein paar Sachen und dann duschen wir? Ich bin sofort wieder da.“

Maries Mutter wollte vorbei kommen. Marias Assistentin kam wieder, hatte einen fahrbaren Lifter dabei, zog sich nackt aus, zog sich einen noch halbnassen Badeanzug an, Einmalhandschuhe und Mundschutz dazu. „Was machst du denn?“, fragte ich sie erstaunt. Sie antwortete: „Ich komm mit duschen. Das mache ich mit Maria auch immer so. Jeden Morgen. Dann kann ich sie am besten festhalten. Es sei denn, es stört dich.“ – „Mich? Du weißt schon, wie eklig ich gerade bin, oder?“ – „Eklig? Na komm. Das diskutier ich jetzt nicht. Ich ekel mich nicht vor dir. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht anstecke, deshalb der Mundschutz und die Handschuhe. Entspricht zwar nicht den Hygienevorschriften, aber du musst es ja keinem erzählen.“ – „Ich schreibe das in meinen Blog.“ – „Okay, ich werde es immer dementieren.“

Sie hob mich vom Klo auf den Duschsitz und fing an, mich auszuziehen. „Du hältst dich nur fest, ich mach den Rest“, befahl sie mir. Während sie mir am Bauch herumfummelte, um mit den Handschuhen den Knopf meiner Jeans aufzubekommen, fühlte sich meine Blase auch noch angesprochen und machte die Sauerei komplett. Marias Assistentin zog blitzschnell ihren Fuß weg und fing an zu lachen. „Mach erstmal fertig“, meinte sie. „Und lach mal drüber. Oder hast du Bauchweh?“ – „Ich kann darüber nicht lachen, ich mag dieses Unkontrollierbare nicht.“ – „Jule, nimm es einfach mit Humor. Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen. Und ich verpetz dich auch nicht.“

„Darum geht es gar nicht. Es ist mir einfach unangenehm, wenn mich andere Leute so schwach sehen, ich auf ihre Hilfe angewiesen bin und nichts dagegen tun kann.“ – „Du bist nicht schwach. Du hast nur einen Querschnitt. Und einen gelähmten Darm. Das hat nichts mit Schwäche zu tun. Das sind körperliche Gegebenheiten, mit denen unsere Gesellschaft schlecht umgehen kann. Als wir noch in den Bäumen von Ast zu Ast geschwungen sind, hätte sich niemand drüber aufgeregt, wenn du dabei was verloren hättest. Heute, wo wir meistens nicht mehr nackt sind und alles steril und geordnet ist, fallen die auf, die ihren Mist nicht kontrolliert in ein Abwasserrohr plumpsen lassen.“ – „Im Wald würde ich gar nicht mehr leben.“ – „Im Wald hätte dich kein Auto angefahren.“ – „Dann wäre ich eben vom Baum gefallen. Es ist doch eine sehr weit hergeholte Argumentation. Wir sind keine Affen im Baum.“ – „Wir alle wollen dich unter uns haben. Dich gibt es aber nur ganz oder gar nicht. Also müssen wir auch eine gemeinsame Lösung finden, wenn du einen gelähmten Darm hast. Mein Vorschlag dazu war: Wir duschen zusammen und ich mach dich sauber. So einfach ist das.“

Sie hatte mich gerade so sauber, dass sie mich abtrocknen wollte, als es wieder losging. Ich war lediglich froh, mich nicht auch noch übergeben zu müssen. Sie sagte: „Am besten ist wahrscheinlich, wenn du hier sitzen bleibst, bis deine Ärztin dir was gegeben hat und das aufhört, oder? Ich spül dich jetzt nochmal sauber, tupf dich trocken und heb dich aufs Klo.“ – Ich wurde bereits zittrig.

Maries Mutter kam 20 Minuten später. Die Assistentin hatte bereits Desinfektionsmittel in die Dusche gekippt und die Fliesen mit einem Schrubber bearbeitet und sich wieder angezogen. Sie hatte sich eine Papierschürze umgebunden und nahm aus meiner verdreckten Hose eine Stuhlprobe für Maries Mutter, bevor sie den ganzen Schweinkram auswusch und die Sachen mit zur Waschmaschine nahm. Ich bekam 30 Tropfen Opiumtinktur in ein Schnapsglas mit Wasser aufgefüllt, pfui Teufel. Aber das wirkt wenigstens. Maries Mutter legte mir einen Zugang in die Vene, stöpselte einen Tropf dran und bat Marias Assistentin, alle halbe Stunde nach mir zu sehen. Dann bekam ich eine Pampers angezogen, einen Schlafanzug … Decke drüber, gute Nacht. Wer nach 30 Tropfen Opiumtinktur noch länger als 20 Minuten die Augen offen hält, kriegt von mir einen Keks. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Zu meinem gestrigen 21. Geburtstag habe ich mich zum ersten Mal wieder länger als 10 Minuten aus meinem Bett rausgetraut und mir von Marie die Nadel ziehen lassen. Es scheint wieder alles gut zu sein.

Meine Viertelstunde

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Ich hatte die Augen schon zu, träumte von stinkenden Stinkesocken knackigen Jungs mit knackigem Popo, als es plötzlich an meiner Zimmertür wummerte. Dem Geräuschpegel nach musste irgendjemand etwas hochgradig wichtiges mitzuteilen haben. Vielleicht lag eine Bombe in der Waschküche? Oder Elvis Presley hockte in unserem Gruppenraum und aß Popcorn? Als es ein zweites Mal aufgeregt klopfte, schälte ich mich aus dem Bett und rollte zur Tür. Cathleen stand draußen: „Dein Handy ist aus. Steh auf, zieh dich an, in einer Stunde ist Training angesetzt. Tatjana hat eine SMS geschickt und Marie ist auch schon ganz aufgeregt, weil sie dich nicht erreicht.“

„Ja, ich war im Bett, da ist mein Handy immer aus! Sag mal, können die das nicht mal etwas langfristiger planen? Ich hab schon geschlafen!“ – „Nun sabbel nicht rum, zieh dich lieber an. Marie fährt und holt uns in 15 Minuten ab.“ – „Biken? Oder Rennrolli?“ – „Schwimmen.“ – „Schwimmen?!?! Bei Nacht?!“ – Cathleen zuckte mit den Schultern. – „Nun sag doch mal was dazu. Gestern habe ich Tatjana noch gefragt, ob wir am Wochenende nicht nochmal trainieren wollen, solange noch gutes Wetter ist. Da hieß es, es hätten zu viele Leute abgesagt und sie habe selbst auch keine Zeit.“ – „Jetzt entspann dich mal. Kannst dich gleich im Wasser auspowern.“

Also schnell ins Bad, auf Klo, Badeanzug an, T-Shirt und Sporthose drüber, Haare einigermaßen ordentlich zusammengebunden, Handtücher in die Tasche gefeuert, Duschzeug eingepackt, vorsichtshalber den Neo rausgeholt, Abfahrt. „Willst du keine Schuhe anziehen?“, fragte Cathleen.

„Wofür brauche ich Schuhe, wir haben 25 Grad draußen. Ich wollte am See nicht rumlaufen.“ – „Nicht?“ – „Heute nicht.“ – Als wir unten ankamen, wartete Marie schon. Ihr Auto parkte mit Standlicht mitten auf dem Parkplatz, sie selbst saß bereits in ihrem Rolli und gab sich betont genervt. „Hi. Na? Was ist das denn für eine Aktion hier mitten in der Nacht? Schwimmen im Freien, das kann doch keiner vernünftig beaufsichtigen. Manchmal begreife ich nicht, was in deren Köpfen vorgeht.“

Cathleen: „Ihr seid nur am Meckern. Jetzt entspannt euch doch mal und genießt das schöne Wetter.“ – Cathleen krabbelte auf die Rückbank, Marie und ich zerlegten ihren Rollstuhl und packten ihn in den Kofferraum, dann setzte ich mich auf die Türschwelle der Beifahrertür, Marie schob meinen Rolli nach hinten und packte ihn ins Auto, Klappe zu. Dann stieg sie auf der Fahrerseite ein, zerlegte ihren Rolli, schob den Beifahrersitz nach vorne und lud die Einzelteile auf die Rückbank. Anschließend konnte ich mich auf den Beifahrersitz setzen, Tür zu, Abfahrt.

Marie fuhr auf die Schnellstraße, direkter Weg zu unserem Trainingssee. Doch nach fünf Kilometern bog sie auf die Autobahn ab. Kann man machen, ist aber ein kleiner Umweg. Nur … sie nahm die Auffahrt in die entgegengesetzte Richtung. Ich fragte: „Was machst du denn jetzt? Richtung Lübeck ist falsch, Marie.“ – „Ach du Scheiße. Soll ich wenden?“ – „Auf der Autobahn?“ – „Nachts ist doch kaum einer unterwegs.“ – „Marie!“ – „Was?!“ – „Ich bin nicht lebensmüde. Fahr ordentlich!“ – Sie grinste. – „Und hör auf, mich zu ärgern. Ich war bereits in schönsten Träumen.“

Fünfhundert Meter vor der nächsten Ausfahrt fragte Marie: „Was meinst du, wer gleich alles kommt?“ – „Du musst hier raus, ja?“ – „Also außer uns dreien?“ – „Marie! Wie weit willst du denn jetzt noch in die falsche Richtung fahren?“ – „Ich fahr über das Kreuz Ost, das ist mir sicherer.“ – „Oah, Mädel, da kann man doch nirgendwo abfahren.“ – „So eine schöne Nachtfahrt.“ – Unglaublich.

Als sie auch noch an der Ausfahrt Barsbüttel vorbei fuhr, wo man nun eigentlich wunderbar hätte wenden können, drehte ich mich zu Cathleen um. Die guckte aus dem Fenster und sagte gar nichts. Ich kam mir ein bißchen verarscht vor. Als Marie an der nächsten Ausfahrt auch noch vorbei fuhr, sagte ich: „Wir fahren nicht zum See, oder? Was macht ihr hier mit mir?“ – „Wir fahren zum Schwimmtraining. Vom See war nie die Rede.“

„Okay, wohin fahren wir?“ – „Zum Schwimmtraining.“ – „Okay. Ihr habt irgendwas vor, ich lass mich überraschen. Hat es wenigstens irgendwas mit Schwimmen zu tun oder habe ich mir meine Badesachen umsonst angezogen?“ – „Wir fahren zum Schwimmtraining.“ – Okay, okay, ich bin ja schon ruhig. Wir fuhren die A1 in Richtung Lübeck, dann weiter in Richtung Oldenburg. Außer uns war kaum jemand unterwegs. Ich überlegte: Wollten die beiden mit mir an den Strand? Inzwischen waren wir rund eine Stunde unterwegs. Ich sagte: „Mädels, ich bin ja für jeden Scheiß zu haben, aber ich bin davon ausgegangen, wir fahren mal eben schnell an unseren See. Ich habe also keine Pampers um und auch keine Pampers dabei. Wenn die Fahrt also noch länger dauert, sollten wir zwischendurch mal irgendwo anhalten, damit ich vorsichtshalber nochmal pinkeln kann.“ – „Schaffst du noch eine halbe Stunde? Sag bitte rechtzeitig Bescheid.“

In Oldenburg bogen wir auf eine Bundesstraße in Richtung Kiel ab. Fuhren durch ein paar Orte und plötzlich ging rechts ein kleiner Waldweg ab. Ein aufgeblasener Luftballon hing an einem Baum. Es war stockdunkel. Wären es nicht Marie und Cathleen, die mich entführt hatten, hätte ich spätestens jetzt Panik geschoben. Plötzlich war der Wald zu Ende. Ein Haus stand dort, daneben eine Holzhütte. Ein leerer Parkplatz für etwa 20 Autos tauchte im Scheinwerferlicht auf. Marie fuhr über den Parkplatz. Auf der anderen Seite ging der Weg weiter. Ich sagte: „Wo sind wir hier? Das ist voll unheimlich!“ – „Das ist nicht unheimlich, das ist schön hier!“, antwortete sie grinsend.

Wir fuhren durch einen weiteren kleinen Wald. Man konnte vor Dunkelheit nur sehen, was sich im Lichtkegel vor dem Auto abspielte. Kurz vor Ende dieses zweiten kleinen Wäldchens lehnte jemand an einem Baum. So sah es zumindest aus. Doch, tatsächlich, da stand jemand. Und hatte irgendwas in der Hand. Plötzlich ging derjenige los, stellte sich uns in den Weg und hob ein rotes Licht hoch. Eine Polizeikelle. Super. Marie sagte: „Oh nee.“ – Cathleen fragte: „Was ist?“ – „Die Bullen. Bestimmt ist hier Durchfahrt verboten oder so.“

Marie hielt an und machte das Fenster runter. „Nabend!“ – „Nabend, Herr Wachtmeister. So alleine hier im dunklen Wald?“ – Ich dachte, ich höre nicht richtig. Der Typ sagte: „Im Gegenteil, mein Kollege steht an Ihrer Beifahrertür, falls Sie es noch nicht bemerkt haben. … ist mein Name, wir führen hier eine Verkehrskontrolle durch, machen Sie mal bitte den Motor aus und die Innenbeleuchtung an?“ – „Dazu habe ich eigentlich keine Lust.“ – „Sie tun das, was ich Ihnen sage, Sie befinden sich in einer polizeilichen Maßnahme.“

„Marie!“, fuhr ich sie an. Das musste doch nun wirklich nicht sein. Und wieso kontrollieren die hier im Wald? Suchten die jemanden? Oder war das wirklich ein illegaler Schleichweg? – Der Typ sagte weiter: „Ihren Führerschein und die Zulassungspapiere hätte ich gerne mal gesehen.“ – „Das wollen viele. Was bekomme ich dafür?“, fragte Marie. – Was sollte das?! War sie nicht ganz dicht? – „Marie!“, rief ich nochmal. Sie sagte: „Ich hab die im Handschuhfach, zusammen mit meiner Kalaschnikow.“ – Ey … jetzt fehlte nur noch, dass die die Waffen ziehen und wir uns hier flach auf den Boden legen müssen. Den Typen, der irgendwo im Dunkeln hinter mir stehen müsste, konnte ich nicht sehen. Der Beamte auf Maries Seite legte eine Hand auf seinen Pistolenholster und fragte: „Jetzt mal ohne Blödsinn, junge Frau, das ist nicht witzig. Haben Sie eine Waffe im Fahrzeug?“ – „Ich bin die Waffe!“, sagte Marie.

„Steigen Sie mal bitte aus. Langsam. Okay?“ – Mein Herz raste. Ich sagte: „Marie, spinnst du! Ich habe keine Lust, hier deinetwegen Ärger zu kriegen. Jetzt reiß dich mal zusammen.“ – Marie sagte: „Ich kann nicht aussteigen, meine Tür klemmt.“

Der Polizist sagte: „Okay, dann dürfen Sie weiterfahren.“ – Häh? Was war denn das jetzt für eine Nummer? Marie sagte: „Baby, ich will einen Kuss von dir.“ – Der Polizist beugte sich ins offene Fenster, nahm Maries Kopf in beide Hände, zog sie zu sich ran und drückte ihr ein Küßchen auf die Wange. Dann sagte er: „Kann ich mich jetzt endlich umziehen? Ist das Jule da? Die so verstört guckt?“ – Marie grinste. „Ist sie. Ist mein Papa schon da?“ – „Zelt ist schon alles aufgebaut. Die sind gerade nochmal los und holen noch Leute vom Bus ab.“ – „Alles klar.“

Mir fiel alles aus dem Gesicht. Cathleen saß auf dem Rücksitz und klatschte vor Lachen in die Hände. Ich war so baff, ich schnappte mir Marie, zog ihr Gesicht zu mir ran, sagte: „Du Arschloch!“ und gab ihr einen Kuss. Auf den Mund. Worauf sie antwortete: „Bäh. Darf ich vorstellen? Das ist Uwe. Kollege von Papa. Mein Patenonkel.“ – „Und der stellt sich hier nachts in den Wald und zieht die Show ab, nur um mich zu verarschen?“ – „Klar. Ich hab ihn drum gebeten. Das war seine Viertelstunde.“ – „Viertelstunde?“ – „Wirst du später verstehen.“ – Ich glaub es nicht.

Wir fuhren weiter. Cathleen flippte hinten auf der Rückbank aus, versuchte mich von hinten zu umarmen und rief: „Ich freu mich so, ich freu mich so.“ – Ich begriff nur, dass hier ganz offensichtlich diverse Leute irgendwas ausgeheckt hatten. Wir rollten auf einen Parkplatz. Diverse Autos standen hier. Etliche davon kannte ich. Unter anderem meins, mit dem offenbar Sofie gekommen war.

Der Parkplatz lag direkt hinter einer Düne und hinter der Düne war: Strand! Und die Ostsee. Und ein großes Lagerfeuer in einer großen, festinstallierten Feuerschale. Und ganz viele Leute vom Training und aus meiner WG. Ein befestigter Weg ging bis zum Strand, dahinter waren diverse dickere Platten ausgelegt. „Guten Abend allerseits!“

Nach endloser Begrüßungsrunde kamen noch drei Leute, die Maries Eltern vom Busbahnhof abgeholt hatten. „Können wir jetzt endlich schwimmen gehen?“ – „Wow, machen wir jetzt nachtbaden?“ – „Nacktbaden?“ – „Meinetwegen auch das.“ – „Jule? Ich habe dir ein großes Zelt aufgebaut und innen drin deine Luftmatratze für heute nacht aufgeblasen. Dazu auch noch eine zweite, die du mit ins Wasser nehmen kannst. Meine Viertelstunde“, sagte Maries Papa. Was hatten die alle mit ihrer Viertelstunde? Ich bedankte mich erstmal.

Maries Mama sagte: „Achso. Jule? Ich trag dich ins Wasser rein und hol dich wieder raus. Damit du nicht durch den Sand krabbeln musst. Sooft wie du möchtest.“ – „Okay?!“ – „Meine Viertelstunde. Wenn auch nicht an einem Stück.“ – „Ey, was habt ihr hier alle mit einer Viertelstunde?“ – „Das bekommst du schon noch raus. Einfach beobachten.“ – „Wollen wir jetzt noch schwimmen oder nicht?“

Es waren noch weit über 20 Grad. Die ersten machten sich auf dem Weg zum Wasser. Selbst Marie fing an, durch den Sand zu rutschen. Maries Mutter sagte: „Wir warten noch kurz, bis die am Wasser angekommen sind, okay? Die brauchen ja wesentlich länger.“ – „Und wieso willst du mich jetzt tragen? Und was hat das mit dieser Viertelstunde auf sich?! Das ist hier alles sehr geheimnisvoll.“ – „Das bekommst du schon noch raus. Die anderen können schön krabbeln, du wirst an diesem Wochenende mal getragen. Geht es dir gut?“ – „Ja danke! Ich bin zwar ein wenig verwirrt, aber angenehm verwirrt. Ich komm mir gerade vor, als wenn ich träume.“ – „Das freut mich. Es wird bestimmt lustig.“ – „Ich hab gar kein Handtuch mit. Und keine Schlafsachen. Und keine Pampers.“ – „Wir haben genug Handtücher dabei. Marie hat ein paar T-Shirts mehr mitgenommen. Und Cathleen hat Pampers für dich mit eingepackt.“ – „Das ist echt eine tolle Überraschung.“ – „Ja. Ach und Jule?“ – „Ja?“ – „Du hast in deinem Blog geschrieben, dass dir das unendlich peinlich war. Mit deiner Blase, als ich dich das letzte Mal reingetragen habe.“ – „Ja. Ziemlich. Kann mal wohl sagen.“ – „Kannst du dir da bitte nicht so viele Gedanken machen? Weißt du, wie oft Marie mich schon angepiescht hat in all den Jahren?“ – „Marie ist aber auch ist deine Tochter.“ – „Das stimmt. Aber dich hab ich auch lieb. Mach dich bitte nicht verrückt damit, okay?“ – „Hast du gerade gesagt, du hast mich lieb?“ – „Doch, Jule. Sehr sogar. Hast du das noch nicht gemerkt?“ – „Ja, doch. Nein. Doch.“ – Oah, stotter. Völlig falsche Richtung. – „‚Gern‘ hab ich gemerkt, ‚lieb‘ hab ich noch nie für möglich gehalten. Irgendwie. Vielleicht gewünscht und verdrängt?“ – „Och, Jule. Wieso nie für möglich gehalten? Ich hab dich lieb. Sehr lieb sogar. Ich freue mich natürlich, dass Marie und du so eng befreundet seid, aber ich selbst hab dich auch sehr lieb. Und mein Mann hat dich auch lieb. Der sagt das zwar nicht so direkt, aber wenn man über zwanzig Jahre miteinander verheiratet ist, kennt man seinen Partner.“

Ich schluckte. Das war das erste Mal, dass mir das in den letzten vier Jahren jemand so offen und direkt gesagt hat. Aus der Generation meiner Eltern. Nach meinem Unfall. Nach dem Bruch mit meinen Eltern. Nein, ich sehe die beiden nicht als Elternersatz, so ein Quatsch. Aber darf mich das bitte unheimlich bewegen und sehr berühren, wenn mir jemand, der vom Alter her meine Mutter sein könnte, sagt, dass er mich sehr lieb hat, nachdem der Kontakt zu meinen Eltern zerbrochen ist? Weil sie mich irgendwie wohl nicht mehr lieb hatten? Obwohl ich eigentlich kein anderer Mensch bin? Sorry für diesen Absatz völlig überzogener Sentimentalität.

Zum Glück war es dunkel. Maries Mutter hockte neben mir. „Heulst du? Och Jule, du heulst doch nicht. Was ist denn los mit dir? So kenn ich dich ja gar nicht.“ – „Sorry, ist gerade bißchen viel auf einmal. Ich fang mich gleich wieder.“ – Maries Mutter nahm mich in den Arm und drückte mich. Dann sagte sie: „Ich will mich nirgendwo einmischen, Jule, und nirgendwo zwischendrängen. Aber ich bin auch nicht blind. Wenn ich dir irgendetwas geben kann, was du brauchst und von dem du denkst, dass du es bei mir bekommen kannst, dann scheue dich keine Sekunde, es dir bei mir zu holen, okay?“

„Was meinst du damit? Kannst du mir ein Beispiel geben, woran du denkst? Das kann so vieles bedeuten.“ – „Ist egal, Jule. Irgendwas. Guck mal: Marie -ich weiß, sie wird mich dafür hassen, dass ich das erzähle, aber- Marie kommt fast jeden abend zu mir, legt sich neben mich aufs Sofa und will gekrault und gestreichelt werden. Und wenn ich das eine Viertelstunde gemacht habe, redet sie wie ein Wasserfall. Was sie bedrückt, was ihr Freude macht, womit sie Probleme hat, was sie angestellt hat, worüber sie traurig und worüber sie glücklich ist. Und mit dem Satz, den ich gerade gesagt habe, meinte ich: Würdest du den Kopf auf meinen Schoß legen, würde ich dich auch kraulen und dir zuhören. Okay? Mach daraus, was du willst. Vielleicht möchtest du nicht von mir gekrault werden, aber ich würde auch nachts um drei mit dir auf alle Männer schimpfen, wenn dein Typ mit einer anderen durchgebrannt ist. Oder dir alternativ eine heiße Badewanne einlassen. Ich möchte, dass du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst. Oder zu meinem Mann. Falls es mal etwas gibt, womit du zu Marie oder zu anderen Freunden nicht gehen kannst. Komm bitte nicht auf die Idee und habe irgendeine Scheu oder denke, das müsste dir peinlich sein.“

Sie hielt mich immernoch im Arm. Ich drückte sie fest an mich heran und musste ihr einen Kuss auf die Wange geben. Und bekam postwendend einen zurück. Und mit der flachen Hand über den Hinterkopf gestreichelt. Das klingt vielleicht alles kitschig, aber das tat so gut. Ich habe ganz sicher meine Freundinnen und ich weiß, wie sehr sie mich mögen und wie lieb wir uns haben. Aber Maries Mutter hätte ich in dem Moment am liebsten nicht mehr losgelassen.

Die anderen waren bereits hörbar im Wasser angekommen. Warm sei es. Maries Mutter streckte mir ihren Rücken zu, umfasste meine Kniekehlen, ich umklammerte ihren Oberkörper. Sie hob mich hoch und latschte mir mir im Schein des Lagerfeuers zum Wasser. Es wurde hier wesentlich schneller tiefer als in Scharbeutz und es waren wohl auch mehrere große Steine unter der spiegelglatten Wasseroberfläche. Maries Mutter ging sehr vorsichtig, um nicht zu stolpern. Als sie bauchnabeltief im Wasser war, drehte sie sich um und hockte sich hin, so dass ich zwar von einer Sekunde auf die nächste im Wasser war.

In der Nacht zu Sonntag waren wir insgesamt zu zehnt, schliefen in einem großen und zwei kleinen Igluzelten. Die ganzen Rollifahrer waren in dem großen Zelt. Am Sonntag gingen wir bestimmt vier Mal ins Wasser. Das Wetter war herrlich, am späten Nachmittag fingen die beiden Männer an zu grillen und nach und nach kamen noch weitere Leute aus unserem Sportverein dazu. Auch Frank kam noch dazu.

Und plötzlich erklärte sich dann auch, was es mit dieser Viertelstunde auf sich hatte. „Am Dienstag müssen wir fast alle arbeiten, Jule, und das Wetter soll auch wieder blöder werden. Daher haben wir die Gunst der Stunde genutzt und schenken dir an diesem Wochenende eine große Strandparty, sozusagen zu deinem zwanzigsten. Aber gratulieren werden wir dann alle später. Da man dir mit Geld oder gekauften Geschenken vermutlich nur halbe Freuden macht, haben wir uns überlegt, dass dir jeder mindestens eine Viertelstunde schenkt. Also insgesamt ungefähr zwanzig Viertelstunden. Meine Viertelstunde ist dieser selbstgemachte Nudelsalat, den ich zu deiner Party dazu steuere.“

Tolle Idee! Was gab es noch? Eine Viertelstunde Verwöhnmassage in der Abenddämmerung (die gab es gleich mehrmals und doppelt und nur von Jungs…), selbstgemachte Bowle, selbstmariniertes Fleisch und Salate fürs Buffet – aber auch solche Sachen wie: Ein Inhaltsverzeichnis für meinen Blog. Da hat sich wirklich jemand einige Zeit hingesetzt und über 500 Beiträge geordnet und mit jeweils einem Satz zusammengefasst. Werde ich schnellstmöglich einpflegen, muss technisch noch etwas angepasst werden. Und einiges mehr.

Es war eine sehr tolle Party. Am Sonntagabend sind etliche wieder nach Hause gefahren, einige sind noch bis Montagmittag geblieben. Und bis Dienstag sind dann noch Jana, Cathleen, Marie und Simone geblieben. Anschließend kam Uwe, Maries Patenonkel, noch einmal, um das große Zelt mit abzubauen. Diesmal nicht in Uniform. Und … es war mehr als eine Viertelstunde. Die waren alle so lieb zu mir!!!

Danach war ich froh, wieder festen Boden unter den Rädern zu haben. Und mal wieder mit Seife duschen zu können. Besonders habe ich mich gefreut, dass Ronja und Maria am Sonntag zum Strand gekommen sind. Und für das nächste Wochenende haben sich nun meine beiden Halbschwestern angekündigt. Was für eine aufregende Zeit!

Ein aufregender Tag

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Huch? Hallo? Ich werde ja ganz rot vor Scham. 55 Glück wünschende Kommentare? Womit habe ich denn das verdient? Ich muss zugeben, im ersten Moment, als ich eben die Zahl „55“ sah, dachte ich, da hätte jemand rumgespammt. Aber nein! Ein Eintrag netter als der andere. Auf jeden Fall sage ich erstmal: Vielen, vielen Dank! Ich habe mich sehr gefreut. Dass hier inzwischen am Tag teilweise weit über 100 Besucher vorbei kommen, war mir bekannt, dass aber jeder zweite davon gratuliert, hat mich dann doch sehr überrascht.

An meinem Geburtstag habe ich noch in der Nacht von den Leuten aus meiner WG ein Ständchen und einen Geburtstagskuchen bekommen. Die meisten Glückwünsche kamen dann per SMS, per Mail und über Social Network. Aber ich habe mich auch gewundert, wieviele Leute trotzdem noch etwas auf dem herkömmlichen Postweg versenden.

Gewundert habe ich mich auch über den Besuch meiner Eltern am Vormittag. Sie kamen zusammen mit meiner Currywurst-Tante und hatten sich hinter einem großen Blumenstrauß versteckt. Sie fragten, ob sie reinkommen dürften, später wiederkommen dürften oder lieber gar nicht wiederkommen sollen. Im Verhältnis zu den letzten Überfällen, bei denen es immer kurz davor war, dass sie die Tür eingetreten hätten, kamen mir diese Sätze beinahe wie ein Kniefall vor. Ich antwortete, und im Nachhinein bin ich recht erstaunt, dass mir gleich diese Antwort eingefallen war, dass ich es am besten fände, wenn wir draußen an der frischen Luft reden würden. (So kann ich mich einfach entfernen, wenn das zu dumm wird.)

Normalerweise ist das die Steilvorlage für meine Tante, zu fragen, ob sie einmal die Toilette benutzen könnte. Nicht, weil sie mal muss, sondern um in die Wohnung hinein zu kommen. Dass es so ist, hat sie selbst schon mal indirekt zugegeben, als ich vor langer Zeit mit ihr darüber sprach, dass sie gerne die Wohnung ihrer Bekannten sehen wollte und man sowas am besten dadurch anstelle, dass man frage, ob man das WC benutzen dürfe. Das würde einem selten verwehrt werden. Ich glaube, ich muss das nicht kommentieren. Auch deshalb nicht, weil sie sich diesmal zusammengenommen hat und nicht fragte, sondern hinter meinen Eltern hinterherdackelte.

Ich sagte Sofie Bescheid, dass ich kurz nach draußen gehen würde. Ob sie mal ein Auge aus dem Fenster werfen könnte, falls in der nächsten halben Stunde Schreie, Ringkämpfe oder Schüsse zu hören seien. Sie fragte, ob ich mir das ernsthaft antun wollte. Ich überlegte auch schon, warum man sich so handzahm gab, ob möglicherweise etwas dahinter stecken könnte. Immerhin war ich 18 und hätte alles unterschreiben können, wofür sie früher noch die Zustimmung meines Vormundes gebraucht hätten.

Nein, es kam anders. Mein Vater entschuldigte sich zwar nicht für seine gewalttätige Aktion, sondern sagte fast gar nichts, meine Mutter sagte jedoch, dass sie über Monate in einer Klinik gewesen und inzwischen mit Therapie und Medikamenten recht gut eingestellt sei. Sie meinte, sie habe während ihrer Therapie auch irgendwelche Bücher über Querschnittlähmungen gelesen. Sie sagte, dass sie verstanden habe, dass sie mit meiner Situation überfordert sei. Sie könne sich nicht in meine Situation hineinversetzen und sie könne sich nicht vorstellen, selbst mit einer Querschnittlähmung zu leben. Wenn ich es hinkriegen würde, mit einer solchen Behinderung zu leben, dann solle ich diesen Weg gehen, aber bitte akzeptieren, dass weder mein Vater noch sie mir dabei helfen könnten.

Ich habe mir das nur angehört. Ich habe in den letzten Monaten niemanden um Hilfe gebeten. Von daher verstand ich nicht ganz, was sie mir damit sagen wollte. Sie fuhr fort: „Dein Unfall hat unsere Ehe zerrüttet. Wir werden uns trennen. Ich werde in eine andere Stadt ziehen, vermutlich nach Köln, dort wollte ich schon immer wohnen, und dort ein neues Leben beginnen. Dein Vater hat, bedingt durch seinen Job, bereits in Hannover eine Wohnung gefunden und wohnt schon nicht mehr hier.“

„Dann wünsche ich euch beiden, jedem von euch, alles Gute für euer neues Leben.“ Dann standen sie auf und gingen davon. Keine Verabschiedung, keine Umarmung, nichts. Und ich blieb zurück mit einem Kopf voller Fragezeichen. Was sollte der Blumenstrauß? Was wollte man mir sagen? Ich hatte ja schon über Monate keinen Kontakt mehr. Wollte man mir sagen, dass das auch in Zukunft so bleiben soll? Sollte es eine Art Abrechnung sein für die gescheiterte Ehe? Oder wollte man nur nicht auf sich sitzen lassen, dass ich den Kontakt abgebrochen habe? Und was sollte meine Tante dabei, die die ganze Zeit kein Wort gesagt hatte? Und wieso das alles ausgerechnet an meinem 18. Geburtstag?

Dass meinetwegen ihre Ehe in die Brüche gegangen ist, den Schuh ziehe ich mir nicht an. Ich kann nichts für meine Behinderung. Ich hatte nicht mal Schuld an dem Unfall. Meine Eltern waren es, die damit nicht klar kamen. Nicht ich. Sie selbst sind an dieser Aufgabe gescheitert. Klingt vielleicht frech, sehe ich aber so. Und ich glaube, das will ich auch nicht diskutieren.

Die Geburtstagsparty jedenfalls wurde sehr nett. Viele Leute vom Triathlon kamen, fünf aus der Schule, insgesamt waren wir fast 20 Leute, prima Sache. Wir haben gegessen, getrunken, gespielt, gequatscht und gefeiert und fast alle haben auch bei uns geschlafen. Mit Luftmatratzen und Schlafsäcken auf dem Fußboden, sofern nicht noch in irgendeinem Bett Platz war. Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, war, dass ich mir eine anti-alkoholische Party gewünscht hatte und das auch durchsetzen konnte. Bier und Wein war okay, aber ich wollte kein Besäufnis mit irgendwelchen hochprozentigen Getränken. Auch wenn es mein 18. Geburtstag war und ich erstmalig so etwas offiziell hätte trinken dürfen. Nein. Auch wenn es uncool klingt, die Stimmung war trotzdem super. Und einen Vorteil hatte es: Ich musste keine Kotze aufwischen.

Nun bin ich 18 und darf unbegrenzt und ohne Fahrtenbuch Auto fahren. Unbegrenzt heißt: Auf der Autobahn auch außerhalb Hamburgs und auch über 100 km/h, nicht nur zu speziellen Anlässen wie Therapie, Schule etc. – und letztlich nicht mehr mit der Gefahr, durch eine Laune meiner Eltern oder meines Vormundes oder der Behörde, die diese Ausnahme gestattet hat, meinen Führerschein wieder abgeben zu müssen. Klar, ich bin genauso noch in der Probezeit wie alle anderen Führerscheinneulinge. Auch wenn das eine Jahr auf die Probezeit bereits angerechnet wird.

Am Donnerstag bekomme ich vermutlich mein neues Auto. Wenn alles klappt. Es ist bereits in Hamburg, wird aber noch umgebaut und muss auch erst zum TÜV zum Gutachten für die eingebauten Umbauten. Und dann zur Zulassung. Und ich habe mir inzwischen eine Visakarte bestellt. Damit ich beim Bezahlen auf den Pornoseiten im Internet und bei Hotels etc. nicht immer Sofie fragen muss. Bisher habe ich noch keine Nachteile gespürt, dass ich 18 bin. Ich hoffe, dass es so bleibt und ich mir nicht allzu schnell wünsche, doch wieder ein Kind oder eine Jugendliche zu sein.

Alles in allem war mein 18. Geburtstag ein aufregender Tag. Die vielen Leute, die an mich gedacht haben, der Besuch meiner Eltern, die tolle Party, die vielen Veränderungen. Er war aufregend, intensiv. So sehr ich ihn ersehnt hatte, so sehr freue ich mich jetzt, dass er endlich da war.

Endlich volljährig

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Hallo liebe Leute von A bis Z, von 1 bis 100, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen … ich bin 18 – und das ist am besten!!!

Nein, ich bin noch völlig nüchtern. Aber ich weiß gerade noch nicht so ganz, worüber ich mich am meisten freuen soll. Dass in meinem Briefkasten gestern schon jede Menge Post lag, auf der stand, dass sie erst morgen geöffnet werden soll? (Und das im Zeitalter von E-Mail, SMS & Co.!) Dass ich heute nachmittag ganz viele Freunde treffen werde? Dass ich endlich aus diesem Käfig der Minderjährigkeit freigelassen werde, der mich zum Schluss nur noch behindert hat? Dass ich endlich nicht mehr Fahrtenbuch führen muss und mit dem Auto überall hinfahren darf (und nicht nur auf festgelegten Strecken)? Dass ich noch in diesem Monat mein neues Auto bekommen werde? Dass ich jetzt endlich auch auf dem Papier als „erwachsen“ gelte und meinen Vormund los bin? Dass mir meine Eltern nichts mehr sagen können? Dass ich endlich tun und lassen kann, was ich will?

Ich glaube, ich freue mich erstmal über alles. Das macht mich gerade so besoffen, dass ich auch ohne einen Tropfen Alkohol völlig ausgelassen flache Sprüche klopfen kann. Einmal in diesem Blog möge man mir es bitte nachsehen!!!