Umzugspläne

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Fast genau zwei Jahre wohnen wir nun in dieser WG. Es sind nicht mehr dieselben Leute wie am Anfang dabei, einige sind ausgezogen, andere sind neu hinzugekommen. Luisa wohnte nur zwei Monate bei uns, Lina und Liam immerhin etwas länger als ein Jahr. Nur Sofie, Frank und ich sind seit Anfang an dabei, nach unserem Vorbild wurde im selben Haus noch eine zweite Rolli-WG eröffnet, in der aber nicht annähernd ein so gutes Klima herrscht wie bei uns. Wenn man jemanden aus der anderen WG draußen sieht, dann hat der schlechte Laune, sieht ungepflegt aus, ist besoffen … nix gut.

Frank arbeitet seit mehreren Monaten an einer Idee, die ich persönlich sehr gut finde und die mein Leben entscheidend verändern könnte. Er hat jemanden gefunden, dem ein altes Fabrikgebäude auf der anderen Seite von Hamburg gehört und der dieses Haus für Gewerbe- und Wohnzwecke umgebaut hat. Man muss sich das Gebäude als eine riesige Fabrikhalle vorstellen, massiver Bau aus dem 18. Jahrhundert, direkt an einem idyllischen Kanal gelegen (der wohl früher für Warentransporte genutzt wurde), etwa 400 Quadratmeter Grundfläche (etwa 16 x 25 Meter), etwa 30 Meter hoch, inzwischen sind fünf Zwischendecken und zwei Personenaufzüge eingebaut worden. Ganz unten ist eine Gewerbefläche mit Publikumsverkehr, in einer Etage ist bereits ein Fotoatelier – kurzum: Er will zwei Etagen anmieten und als rolligerechte WGs ausbauen. Acht bis zehn Zimmer plus großer Gruppenraum werden pro Etage entstehen. Der entsprechende Vertrag soll heute unterzeichnet werden.

Kosten pro Monat: Etwa 4.000 Euro Kaltmiete plus Umlagen. Abgewickelt wird das ganze über eine extra zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft (um das finanzielle Risiko überschaubar zu halten, denn er will natürlich nicht oder nur begrenzt privat haften müssen). Dieser vermietet dann sowohl an Privatpersonen als auch an einen Verein, der Sportler mit Behinderungen fördert. Die Idee dahinter ist, eine Art Sportler-WG für behinderte Sportler zu gründen und die Sportler mit Hilfe dieses Vereins mit allem zu versorgen, was sie brauchen. Also mit Anbindung an eine Schule oder an die Uni, bei gleichzeitiger sportlicher Förderung und eventuellen Pflegeleistungen, sofern benötigt. Ich finde das Konzept genial.

Das Haus hat eine Tiefgarage und ist fünf Autominuten von der Autobahn entfernt. Ein Bus hält direkt vor der Tür, die nächste rolligerechte U-Bahn ist zehn Minuten entfernt. Der Kanal ist ohne Schifffahrt, gegenüber sind ein paar Mini-Bootsstege an ein paar Kleingärten, das ganze liegt (wenn man nach hinten rausguckt), super idyllisch und man hat einen tollen Ausblick.

Dass Frank und Sofie umziehen, ist also klar. Wer für sie hier in die WG hinein kommt, ist ungewiss. Ich überlege, mich Frank und Sofie anzuschließen. Auch Markus überlegt, dann dort mit einzuziehen. Wenn ich umziehe, möchte auch Jana mit. Auch für Cathleen wäre das eine prima Sache (sie will dann natürlich auch mit), aber da sie noch nicht volljährig ist, braucht sie wieder die Zustimmung der Mutter. Und das ist keine einfache Sache. Und alleine lassen möchten wir sie natürlich auch keinesfalls. Ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht.

Weit kann er nicht mehr sein

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Bevor es nächste Woche wieder los geht (Dienstag und Donnerstag schreiben wir eine Schulvergleichsklausur, das ist sowas wie Pisa, heißt KESS und steht für „Kompetenzen und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler“, am Mittwoch dazwischen noch eine Klausur im Leistungs- bzw. Schwerpunktfach), haben wir die letzte Ferienwoche genutzt, nochmal ein wenig die Sau rauszulassen.

Am Donnerstagabend fuhren Cathleen, Luisa, Simone und ich zuerst ins Festland-Bad in der Holstenstraße, um dort ein bißchen zu schwimmen und zu chillen. Der Brüller des Nachmittags war, als eine Mutter die vier Rollstühle, die am Beckenrand parkten, wegschob. Beziehungsweise eher wegtrug, da sie festgebremst waren. Wir waren gerade am anderen Ende des Beckens und sahen das auch nicht sofort, doch plötzlich rief Simone völlig erstaunt: „Da haut jemand mit unseren Rollis ab!“

Nach einem Kraulspurt durch das 25-Meter-Becken fragten wir die Frau, was das denn sollte. Sie hat sie zwar nur 5 Meter weiter, direkt vor das Fenster gestellt, aber immerhin sind das 5 Meter, die wir dann auf dem Hintern über die Fliesen rutschen müssten. „Ja“, meinte sie, „meine Jungs wollen jetzt hier springen und ich wollte nicht, dass die Dinger nass werden.“ Super! Tolle Idee. In ein Becken mit mindestens 20 Schildern: „Wassertiefe 150 cm – nicht springen!“ Die Jungs sprangen exakt 6 Mal, dann kam ein Bademeister an und wies die Mutter auf das Verbot hin. Allerdings war er es auch, der unsere Rollstühle wieder an den Beckenrand schob bzw. hob. Die Mutter lief mit „ihren Jungs“ einfach zu einem anderen Becken mit Sprungturm. Ich will nicht gehässig sein, aber ich fürchte fast, dass diese Mutter die erste ist, die sich aufregt, wenn man ihre Badelatschen am Beckenrand 30 Zentimeter nach rechts schiebt, weil sie im Weg stehen…

Abends fuhren Cathleen und ich mit zu Simone, um dort zu schlafen und vor allem, um einen Kuchen zu backen für einen Freund, der am nächsten Tag feiern wollte und uns alle eingeladen hatte. Es war recht kuschelig zu dritt in Simones Bett – wenigstens war es 140 cm breit und niemand von uns ist besonders groß oder besonders füllig.

Die Geburtstagsparty war ebenfalls super: Singstar, Ligretto, Die Werwölfe und jede Menge gute Laune. Die zweite Nacht schliefen wir drei in der WG, und obwohl wir Cathleens und mein Bett hatten, um uns aufzuteilen, schliefen wir erneut zu dritt in einem Bett. In meinem, denn meins ist auch 140 cm breit. Es war etwa 2 Uhr, als wir endlich im Bett lagen und etwa 4 Uhr, als wir endlich schliefen. Auch wenn man schon zwei Tage miteinander verbracht hat, gibt es noch für zwei weitere Stunden Neuigkeiten auszutauschen und am besten eignet sich dafür bekanntlich die Nacht.

So toll die letzten Tage auch waren, jetzt bin ich froh, wieder ein Bett für mich alleine zu haben (ohne eingeschlafene Arme und fremde Hände im Gesicht) und ein wenig Zeit und Ruhe, um mich auf die erste Schulwoche vorzubereiten. Die nächsten Ferien beginnen kurz vor Weihnachten und ein Blick in die bereits geschmückten und mit Lebkuchenherzen gefüllten Supermarktregale sagt mir: Weit kann er nicht mehr sein, der Weihnachtsmann.

Schwimmen einmal anders

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Was bin ich froh, dass ich am Montagmorgen nicht zur ersten Stunde in die Schule muss. Nachdem gestern abend Sofie, Frank, Liam, Lina und ich Luisa für einen gemeinsamen Spieleabend besucht haben (Juliane, eine weitere Freundin von Luisa, war auch noch da) und es etwas später wurde, war ich froh, heute morgen etwas länger schlafen zu können. Zusammen mit einem Block Freistunden ließ sich der Vormittag ganz gut ertragen.

Heute nachmittag wollte ich noch einmal schwimmen gehen, allerdings für mich alleine. Bis zur Schwimmhalle sind es etwa 1.500 Meter, die schaffe ich locker in fünf bis zehn Minuten. Je nach Ampelphasen – und zu Fuß natürlich. Am nervigsten finde ich dabei immer die Packerei und Schlepperei. Während ich überlegte, ob ich den ganzen Kram überhaupt in der kleinen Sporttasche mitbekommen würde, oder ob ich eine große nehmen muss (und wie kriege ich die dann mit?), warf ich die komplette Planung und alle fünfhundertundzwo Empfehlungen aus der Ergotherapie und der Reha über Bord und besann mich neu: Was brauchst du wirklich, Stinkesocke?

Übrig blieben: Ein großes Handtuch, eine Schwimmbrille, Duschgel, eine Bürste und meine Chipkarte für die Kasse sowie ein Euro für den Schrank. Fertig. Diesen ganzen Zirkus wie: Wasserdichtes zweites Sitzkissen, Handtuch für das Sitzkissen, Handtuch für die Rückenlehne, Handtuch zum Abtrocknen, Handtuch für die Füße, zweite Hose, Müllbeutel, Windeln, Analtampons, Katheter, Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, Einmalwaschlappen und das Schaumstoffbrett für den Boden zum Ein- und Aussteigen aus dem Wasser schenkte ich mir. „Man muss sich nicht behinderter machen als man ist“ lautet der Standardspruch meiner Leute. Das sollte nun auch mal für mich gelten. Wenn man unerfahren und neu in der „Branche“ ist, sind diese kleinen Helferlein ja ganz nützlich, aber das muss auch unkomplizierter gehen, gerade wenn man den ganzen Kram herumschleppen muss.

Also: Zu Hause auf Klo gegangen, Analtampon eingeführt, Badeanzug angezogen, Jeans drüber, Fleeceshirt drüber, großes Handtuch zusammelgerollt mit Duschgel, Bürste und Schwimmbrille drin, Chipkarte und einen Euro sowie den Haustürschlüssel und das Handy eingesteckt und los. Auf der Hinfahrt klappte alles prima, keine Schlange an der Kasse, schnell die Jeans und das Fleeceshirt in den Schrank, kurz unter die Dusche gesetzt, auf dem Rollstuhl das Sitzkissen umgedreht (von unten ist der Bezug nämlich rutschfest und wasserdicht), großes Handtuch auf das Sitzkissen und über die Rückenlehne gelegt, ab ins Wasser.

Dieses Mal waren nicht so viele Kaffeetanten unterwegs, dafür aber ein Typ, der sich mit mir die Bahn teilte und natürlich, da er mit Beinen schwamm, deutlich schneller war als ich. Er überholte mich jede dritte Bahn. Als wir zusammen am Ende ankamen, sprach er mich an: „Warte mal.“ Häh?! Was? Ich kenne den überhaupt nicht. „Du schwimmst ohne Beinschlag, dafür bist du ganz schön schnell. Darf ich dir einen Tipp geben?“ Ich zuckte mit den Schultern und nickte. „Wenn du die Hand in dem Moment, wo sie aus dem Wasser kommst, etwas aus dem Unterarm heraus drehst, kriegst du sie leichter aus dem Wasser. Das macht weniger Unruhe. Du machst so …“, führte er vor, „und sinnvoller ist es so.“ Okay?! Hat mir noch nie einer gesagt. Also versuchte ich es. Ich merkte jetzt nicht so den Unterschied, aber er fand, es würde deutlich besser aussehen. Mal Tatjana fragen, was sie davon hält.

„Ich habe dich noch nie hier gesehen. Schwimmst du öfter hier?“ fragte er beim nächsten Treffen, 10 Minuten später, weiter. Ich erklärte ihm, dass wir hier manchmal Schwimmtraining machen, das aber nur die Ausweichhalle ist. Und ich jetzt privat hier wäre. Was wollte der Typ eigentlich von mir? Der war mindestens 10 Jahre älter als ich. Aber er schien mich zumindest interessant zu finden.

Nach zwei Stunden, er trainierte immernoch, kletterte ich aus dem Wasser. Jetzt fror ich und vor allem der Weg zur Dusche war kalt. Was ich nicht bemerkt hatte, war, dass der Typ auf der anderen Seite des Beckens ebenfalls rausgeklettert war und mir plötzlich und „zufällig“ über den Weg lief. „Na, schon fertig?“ fragte er mich. Ich überlegte, ob es nervte oder ob ich ihn nett finden sollte. „Ja, du auch?“

„Ja, brauchst du Hilfe?“ Ich schüttelte den Kopf. ‚Wollte er mir beim Duschen helfen?‘ dachte ich und grinste in mich hinein. „Darf ich fragen, wie das passiert ist?“ fragte er.

„Verkehrsunfall“, beantwortete ich seine Frage. „Ich war Fußgängerin auf dem Weg zur Schule und eine Rentnerin hat mich plattgefahren.“ Er zeigte sich entsetzt. Und wollte wissen: „Hast du noch Schmerzen? Entschuldige, wenn ich zu aufdringlich bin, aber ich kann mich da überhaupt nicht hineinversetzen.“ – „Nein, Schmerzen habe ich nicht. Mir geht es ganz gut. Rollstuhlfahren ist halt etwas umständlicher als Laufen, manchmal etwas nervig, wenn Aufzüge nicht gehen oder so, aber man kommt zurecht. Und man hat immer seinen Sitzplatz dabei“, scherzte ich. Er lächelte unbeholfen.

Dann erzählte er mir, dass sein Vater einige Jahre vor seinem Tod im Rollstuhl gesessen hat, nachdem man ihm wegen Knochenkrebs ein Bein im Oberschenkel amputieren musste und er keine Kraft mehr hatte, um mit Hilfsmitteln zu laufen. Er habe sich jedoch völlig aufgegeben. „Krebs ist ja nochmal eine ganz andere Situation“, versuchte ich, etwas schlaues beizutragen. Er nickte. Irgendwann setzte er sich auf einen vor meinem Umkleideraum im Gang herumstehenden Duschrollstuhl und erzählte mir die halbe Leidensgeschichte von seinem verstorbenen Vater. Merkwürdigerweise werden einem, wenn man im Rollstuhl sitzt, sehr häufig solche Geschichten erzählt. Meine Freundinnen berichten davon auch in einer Tour. Allerdings hatte dieser Typ eine angenehme Art, zu erzählen, und er fragte auch viel und war sehr interessiert. Was mich ja sehr nervt, sind diese Leute, die alles verstehen können, aber dabei 1000 Mal erklären, wie Scheiße das Leben ist und das sowieso alles egal ist und sie auch schonmal 6 Wochen im Rollstuhl saßen. Aber er war anders.

Inzwischen war ich getrocknet und mir war nicht mehr kalt. Komischer Ort, um sich zu unterhalten. Noch dazu in Badesachen und in einem öden Gang. Ich hatte aber auch keine Lust, ihn noch auf einen Kaffee einzuladen, weil ich nicht abschätzen konnte, was er sich davon versprechen würde und was er noch so für Krisen durchlebt hat. Schließlich bin ich ja auch nicht sein Psychiater. Als ich mich von ihm verabschiedet hatte und endlich zum Duschen rollte, bereute ich das allerdings. Vielleicht hätte ich ihn doch einladen sollen. Dann fiel mir jedoch ein, dass ich ja nur das nötigste zum Schwimmen mitgenommen hatte, also nicht nur kein Geld für den Kaffee dabei hatte, sondern außerdem auch nur ein Fleeceshirt und vor allem keine Pampers. Also hatte das wohl alles so seinen Sinn, dachte ich mir. Vielleicht treffe ich den Typen ja nochmal wieder irgendwann. Als ich aus meiner Umkleide rauskam, war er jedenfalls schon über alle Berge.

Asbest und blinde Mädchen

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Zur Zeit kann leider kein Straßentraining stattfinden. Nicht etwa, weil in Hamburg schon Schnee liegt, sondern weil in Hamburg zur Zeit 124 Sporthallen gesperrt sind, da der Verdacht besteht, dass die Heizungsanlagen asbesthaltigen Staub in die Hallen blasen. Normalerweise endet unser Training immer an einer von wenigen (ich glaube es sind sechs) bestimmten Sporthallen, um dort duschen und die Rennrollstühle kurzzeitig zwischenlagern zu können. Ausgerechnet diese Hallen sind alle von den Sperrungen betroffen (bei über 50% aller Hamburger Hallen ist das jedoch keine Kunst), Alternativen gibt es nicht. Solange überprüft wird, ob sich der Verdacht bestätigt, bleiben die Hallen zu und das dauert noch bis mindestens zu den Herbstferien. Super.

Also trafen wir uns heute morgen an einer Schwimmhalle, um zu trainieren. Neben Simone und mir hatten sich auch Cathleen, Yvonne, Nadine, Merle, Kristina und eben Tatjana angemeldet. Simone und ich waren einen Moment zu früh und warteten draußen. Zwei Mädchen, schätzungsweise erste bis zweite Klasse, kamen vorbei und hatten einen langen Holzstock dabei. Eine von den beiden hatte mit einem Schal die Augen verbunden, die andere führte sie am Arm. Als sie kurz danach ein zweites Mal direkt vor uns vorbei liefen, diesmal konnten beide wieder sehen, fragte Simone: „Was habt ihr denn da – einen Blindenstock?“ Das eine Mädchen antwortete: „Nein, wir haben gespielt, dass wir blind sind, aber es hat uns nicht gefallen.“ Ahja. „Wollt ihr schwimmen gehen?“ Ich nickte. „Wir waren gestern mit Papa schwimmen und haben tauchen geübt. Jetzt müssen wir aber weiter. Tschühüüß!“ Irgendwie waren die niedlich.

Weniger niedlich war aber eine Frau Mitte 40, vom Dialekt her vermutete ich, dass sie aus Griechenland kam, die kurz danach direkt zu uns ging, vor uns stehen blieb und meinte: „Ihr seid arm.“ – „Wieso sind wir arm?“ – „Ihr seid arm. Weil ihr in den Dingern sitzen müsst. Könnt ihr gar nicht laufen?“ Ich war ziemlich perplex, Simone rollte einfach ein Stück weiter. Sollte ich es ihr nachmachen? Ja. Sie hatte 15 Jahre mehr Erfahrung als ich. Also rollte ich ihr hinterher. Die Frau kam uns aber ebenfalls hinterher. „Nun sagt mal, könnt ihr gar nicht gehen?“ Simone antwortete: „Können Sie mal aufhören, mir hinterher zu laufen?“

„Entschuldigung, ich habe doch nur etwas gefragt!“ – „Ja, ich möchte mich aber nicht mit Ihnen unterhalten.“ – „Meine Güte, bist du unfreundlich!“ – „Ich muss ja nicht zu jedem freundlich sein, oder? Jetzt lassen Sie mich in Ruhe.“ Die Frau ging weiter. Blieb aber nach 10 Metern stehen und brüllte in unsere Richtung: „In Deutschland sind die Leute so unfreundlich. So kaltherzig. Ich liebe meine Heimat. Dort wird auch auf der Straße gesprochen, nicht so verbissen wie in Deutschland.“

Als wir endlich im Wasser waren, staunten wir nicht schlecht, wieviele Leute sich an einem Samstagmorgen in ein Schwimmbad verirrten. Da wir keine eigene Bahn hatten, belegten wir die abgetrennte „Trimmbahn“, da wir dachten, dort würde man einigermaßen voran kommen. Nein, in der Trimmbahn mussten einige ältere Damen ein Kaffeekränzchen abhalten. Sie standen am Rand und unterhielten sich, ab und zu schwammen sie in Rückenlage eine Bahn, aber nicht rechts, sondern fünf Mal diagonal. Wasserratte Cathleen tauchte konsequent unter ihnen durch, ich kollidierte jedes dritte Mal mit ihnen. Yvonne war auch schon sichtlich genervt.

Nach zwei Stunden Training war ich wie tot. Und hungrig ohne Ende. Zu Hause wartete Sofie bereits mit einer Gemeinschaftspizza. Leckere drei Bleche hatte sie vorbereitet. So habe ich dieses Wochenende kochfrei: Morgen abend wollen wir bei Luisa grillen und uns mit ihr in ihrer neuen Wohnung einen schönen Abend machen.