Einhörner und Regenbögen

5 Kommentare4.970 Aufrufe

Ein heißes Wochenende liegt hinter mir. Nicht nur von den Außentemperaturen, sondern auch von den inneren. Philipp und ich sind zwei Tage lang bei mir zu Hause gewesen und … ja, bitte zur nächsten Überschrift scrollen, wenn mehr als Bienchen und Blümchen nicht genehm sind.

Ich könnte es damit zusammenfassen, dass ich berichte, dass wir zwei Tage lang nicht aus dem Bett gekommen sind. Von einigen wenigen Unterbrechungen mal abgesehen, haben wir nur geschlafen. Mal nebeneinander, mal aufeinander, mal miteinander. Er dachte, er würde mir mit einer fünftägigen Enthaltsamkeit einen Gefallen tun, stellte aber kurz darauf selbst Vergleiche mit der gemeinsamen Nahrungsaufnahme von Mensch und Hund an. Während der Mensch vom leckeren Würstchen möglichst kleine Stückchen abbeißt, um lange genießen zu können, macht der Hund einmal „Schnapp“ und die Wurst ist weg. (Muss ich erwähnen, dass ich danach nur noch an Würstchen denken konnte?)

Kurzum: Mein Kopf lag noch nicht mal richtig, da war er schon fertig. Ich hatte zwar noch nie einen Höhepunkt nach wenigen Minuten, aber wenn, würde ich einfach weitermachen und genießen. Bei Männern ist das ja bekanntlich anders. Die sogenannte Refraktärphase ist gekennzeichnet von „ich bin fertig“, was soviel bedeutet wie „lass mich Frieden“. Etwas, was Frau lernen muss. Aber ankuscheln war möglich und einen positiven Nebeneffekt hat eine wochenlange Abstinenz ja doch: Die Refraktärzeit scheint wesentlich kürzer zu sein.

Das zweite Mal war für mich das schönste. Was die Dauer, die vielen Hormone, die mir zuerst Bilder von knackigen Männerpopos in nassen Jeans am Strand, später von fluffigen Wolken zwischen Regenbögen und Einhörnern durch den Kopf kreisen ließen, und die Intensität und das Zusammenspiel unserer Handlungen anging. Die restlichen Male (ja, wir hatten ein Wochenende Zeit für uns und großen Nachholbedarf, sorry) dienten mehr der gegenseitigen Wahrnehmung, dem Austausch von Zärtlichkeiten und dem Bewusstsein, dass da noch jemand mit im Bett liegt. Schade nur, dass wir in der Woche so wenig Zeit füreinander haben.

Mücken

6 Kommentare3.553 Aufrufe

Wann kommt im Norden eigentlich der Sommer? Ich möchte mich gerne an den Strand legen. Nicht, weil ich noch mehr Bräune brauche. Sondern weil ich gerne vom Seewind gestreichelt werde, während mir die Sonne den Körper wärmt. Hin und wieder mal in die Ostsee zu hüpfen und mich von sanften Wellen hin und her schaukeln zu lassen, ist ganz nach meinem Geschmack. Aber nein, irgendwer hat was falsch verstanden, denn wir hatten zwar 30 Grad, aber 15 davon am Samstag und die anderen 15 am Sonntag. Maries Eltern waren kurz davor, ihre Sauna wieder einzuschalten.

Philipp und ich waren stattdessen an einem einsamen Waldsee. Wunderschön gelegen, rund herum Bäume, der Geruch von feuchtem Waldboden, relativ feste Wege und zwei oder drei Stellen, an denen man ohne großen Höhenunterschied ins Wasser kommt. Wo feuchter Waldboden ist, ist auch was anderes: Mücken. Ich habe mir jeden einzelnen Stich von Philipp behandeln lassen. Bei 45 hat er aufgehört zu zählen. Es gab eine einzelne Stelle auf dem Weg, wo sich die Plagegeister versammelt hatten. Ich würde mal behaupten: Hunderte sind über alles hergefallen, was sich irgendwie bewegt hat. Massenangriff der Killermücken. Dass es bei mir nur am halben Körper juckt, macht es nicht viel besser, denn auf der anderen Körperhälfte heilt es nur schwierig ab. Ich schätze, von einzelnen (am Fußgelenk, auf einem Zeh) werde ich noch zwei oder drei Monate was haben.

Aber das Schwimmen war genial. Nackt. Wir waren nicht die einzigen, die nackt geschwommen sind. Ein älterer Mann war auf der anderen Seite des etwa 1.000 Meter breiten Sees ebenfalls ohne Kleidung im Wasser. Aber wir waren die einzigen, die die Abgelegenheit genutzt haben, um … boa, war das schön! Am Anfang habe ich immer noch ängstlich in die Gegend geguckt, ob uns jemand beobachtet oder jemand den Weg entlang kommt. Irgendwann habe ich aber nur noch dieses absolut schöne Gefühl genossen. Inzwischen weiß Philipp genau, was mir gefällt. Er ist zwar manchmal noch ein wenig unbeholfen, wenn meine Beine im Weg sind oder ich zu wenig Rumpfkontrolle habe, aber er übernimmt gerne Regie und ich spiele gerne mit. Es scheint, als hätte ich endlich mal Glück. Aktuell ist nichts kompliziert. Und ich habe das Gefühl, ihm genug, vielleicht sogar mehr als nur genug, bieten zu können.

Noch ne Seefahrt 3

5 Kommentare3.273 Aufrufe

Heute ist bereits der letzte Tag unseres Ausflugs im Mittelmeer. Sollte mich Hamburg irgendwann mal so derbe anöden, dass ich nur noch weg möchte, kaufe ich mir eine Insel im Mittelmeer und mache den ganzen Tag nichts anderes als das schöne Wetter zu genießen. Vielleicht kommt der schöne Sommer ja noch nach Norddeutschland. Ich würde es mir wünschen und bin bislang noch wirklich unzufrieden. Etwas weiter südlich gab es ja bereits schon einige schöne Tage und auch einige sehr warme Nächte, aber auch Hamburg würde Sonne mal sehr gut stehen! Falls also eine verantwortliche Stelle mitliest: Meinen Wunsch habe ich hiermit geäußert!

Inzwischen reicht es aber auch mit der Party. Und dem eher abgedrehten Leben. Heute morgen mussten wir rund zwanzig Kilometer mit der Yacht in den nächsten Hafen waren, weil uns das Crush-Eis ausgegangen war. Eine Tankstelle hatte noch welches…

Ich kann derzeit übrigens nicht behaupten, dass ich mich untervö… sportlich unterfordert fühle. Der Kitzel, nachts auf einer Art Sonnenterrasse erwischt zu werden, ist zwar recht groß und entsprechend faszinierend. Aber das Gefühl, wenn mein Puls in die Höhe schießt, weil es dann tatsächlich passiert und plötzlich jemand mitten in der Nacht schwimmen, ein paar Stückchen der total leckeren Ananas essen oder einfach nur seinen letzten Cocktail wegbringen möchte und unangekündigt um die Ecke biegt, macht auf mich allergrößten Eindruck. Mein Kopf weiß natürlich, dass wir uns gerade auf einer Veranstaltung befinden, auf der alle jederzeit mit solchen Dingen rechnen müssen. Mein Herz weiß in dem Moment aber von nichts und lässt meinen Puls in atemberaubende Höhen schnellen.

Ich werde aber dennoch nicht zur leichtsinnigen Egoistin und werde zu Hause weiterhin auf die Gefühle meiner Mitmenschen achten. Soll heißen: Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich nicht. Auch werde ich mich freuen, wenn demnächst mein Studium weitergeht und ich wieder arbeiten kann. Bei aller Faszination, die so ein Wochenende voller Massagen, leckerem Essen, Ruhe und unentwegtem zärtlichen Geschaukel haben kann: Auf Dauer wäre es mir zu langweilig.

Absolut fasziniert war Philipp übrigens von dem Gefühl, das entsteht, wenn man in einem warmen Bett in einem warmen Raum neben einer Stinkesocke liegt, die gerade eine halbe Stunde lang im kühlen Wasser schwimmen war. Die letzten Wassertropfen noch auf der kalten Haut, kann diese Kälte in der warmen Umgebung wohl sehr erotisieren. Bevor ich aber auch das zu umfangreich beschreibe, möchte ich lieber jene Worte von Marie erwähnen, die mich am Ende doch sehr nachdenklich gemacht haben: „Ich würde mich freuen, wenn ihr mich nächstes Jahr wieder dabei haben wollt.“ – Leider ist es schon gedanklich nicht einfach, sich als Single mit einem Paar ein Schlafzimmer zu teilen. Und ich fürchte, sie hat sich doch zu sehr als drittes Rad der Schubkarre gesehen. Ich muss aber dennoch ganz deutlich sagen: Ohne sie würde ich gar nicht mitfahren wollen. Denn dass ich mit jemandem eine Partnerschaft habe, bedeutet ja nicht, dass mir dabei meine Freunde egal sind. Was mir dabei nur immer wichtig ist, den Mittelweg zu finden: Zwischen dem nötigen Respekt vor den Freunden und dem Verlangen nach dem Partner. Ich glaube, dass wir das alle zusammen sehr gut hinbekommen haben.

Partymeile

2 Kommentare3.573 Aufrufe

Beim Training ist es ganz normal: Weite Klamotten bleiben in den Rädern oder Speichen hängen, Wasser auf der Straße durchnässt schlabberige Ärmel – eng und synthetisch sind hier die beiden Zauberwörter. Was für das Training gilt, gilt für meinen Alltag aber eher nicht. Es sei denn, wie schon mit dem letzten Beitrag eingeleitet, Mann steht drauf. Und was tut rollende Frau nicht alles für rolligen stehenden Mann…

Es mag verwirren, dass mich eine Fahrt im Rollstuhl über Hamburgs Reeperbahn weniger beeindruckt als selbige in schwarzen Wetlook-Leggings, engem Top, dezent geschminktem Gesicht und offenen Haaren. Ich hatte das Gefühl, sämtliche Blicke kleben an mir und jederzeit könnte ich jemanden treffen, der (oder besser die) mich (so nicht) kennt und mich darauf anspricht. Ich weiß nicht, warum es mir anfangs eher unangenehm war, denn wenn ich mich umsah, lief die Mehrheit eher aufgebrezelt bis pikant gekleidet durch die Gegend. Vermutlich war das alles ganz normal und ich hatte mir lediglich in meinem eher klein- bis spießbürgerlich klimatisierten Studienort einen kleinen Charakterschnupfen aufgesackt.

Philipp gefiel es ganz offensichtlich. Normalerweise mag ich nicht geschoben werden, erst recht nicht, wenn ich mich mit jemandem unterhalten möchte. Ich brauche dazu Augenkontakt oder zumindest die Möglichkeit desselben. Aus dem gleichen Grund machen mich auch jene Leute wahnsinnig, die permanent schräg hinter mir laufen, wenn ich mit ihnen rede. Oder sie mit mir. Philipp aber schob mich, eher an den Schultern als an den Griffen, und an jeder Ampel wurde mir der Nacken massiert oder der Hals gestreichelt. Oder mein Körper eng an seinen gedrückt. Schade, dass ich mich nicht unauffällig umdrehen konnte. Und schade, dass es auf der Reeperbahn so nur wenige Ampeln gibt.

Wer den von Hormonen beeinflussten weiteren Verlauf des Abends lieber nicht lesen möchte, sei gewarnt und blättert an dieser Stelle besser weiter, denn aus dem Tanz-Party-Kneipenbummel wurde nicht viel. Zuerst wollte ich aufs Klo, eher vorsichtshalber, denn ich hatte mich in gewisser Erwartung eines fröhlichen Abends bewusst nicht präpariert, sondern stattdessen für alle Fälle eine trockene Hose im Rucksack. „Kannst du mal bitte mitkommen und mich festhalten, falls das da dreckig ist?“, fragte ich ihn. Der Hauptgrund war eher, ihn ein wenig heiß zu machen. Was auch auf Anhieb funktionierte: „Wie jetzt, nichts drunter?“ – „Unterwäsche wird überbewertet“, erwiderte ich betont gleichgültig.

„Ich dachte eher an etwas … du weißt schon. Plastik.“ – „Nenn ‚Windeln‘ doch einfach beim Namen. Ich fand es heute mal unerotisch.“ – „Wie bist du denn drauf?“ – „Wenn du unbedingt willst, können wir ja nebenan in dem Laden mit den Gummipuppen welche kaufen.“ – „Haben die hier sowas?“ – „Bestimmt. Stück fünf Euro und mit einem fröhlichen Entchen als Nässeindikator. Dazu Strampelanzüge von XS bis XXL mit rosa oder blauen Rüschen und farblich passender Haube sowie einem quietschenden Riesenschnuller im Set.“ – „Du kennst dich aber gut aus.“

Lustig war, dass er eigentlich auch aufs Klo wollte, aber nicht konnte, während ich daneben saß. Noch lieber hätte ich sogar mal festhalten wollen. Also sein Handy natürlich, damit es nicht ins Klo fällt… Am Ende gab es ein paar Häuser weiter ein Biermixgetränk in einer viel zu lauten Bar, bevor wir uns in Richtung Elbe aus dem Staub machten. Es war zwar arschkalt, im wahren Sinne des Wortes, und auch eher unbequem am dunklen Elbufer, aber sehr dunkel und die Sterne funkelten. Und auf dem Rückweg fühlte ich mich in der S-Bahn schon wieder so, als würden mich alle anstarren. Dieses Mal eher, weil ich etwas zerzaust aussah.