Service und andere Krankheiten

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Dokumentationen im Fernsehen gucke ich eher selten. Das liegt hauptsächlich an meinen Fernsehgewohnheiten: Eher sehr selten, und wenn, dann meistens abends, vom Bett aus, kurz vor dem Einschlafen. da möchte ich dann meistens mich nicht mehr großartig konzentrieren und über -meistens verdächtig mundgerecht präsentierte- Fakten und Beobachtungen nachdenken.

Kürzlich blieb ich aber dennoch an einer Dokumentation über eine Verlagerung der Umsätze vom Einzel- zum Versandhandel hängen. Immer mehr Leute bestellen online und lassen sich die Ware nach Hause liefern. Verschiedene Gründe und Motivationen wurden genannt, und ich hatte den Eindruck, die Reportage war bei der Bewertung dieser Gründe und Motivationen nicht neutral, sondern pro Versandhandel. Nicht nur, weil auf den Aspekt des persönlichen Service vor Ort (im Einzelhandel) überhaupt nicht eingegangen wurde. Und der ist es überwiegend, der mich hin und wieder dazu veranlasst, trotz etwas höherer Preise vor Ort zu kaufen.

Was mich beim Versandhandel am meisten stört, ist das Drama, das entsteht, wenn niemand zu Hause ist, um das Paket anzunehmen. Eine Möglichkeit ist, dass Nachbarn das Paket annehmen. Was aber, wenn sie ein Paket annehmen, bei dem ich die Annahme verweigert hätte? Beispielsweise, weil es schon aus dem Karton tropft, selbiger in Fetzen hängt oder ähnliches. Transportschaden? Pech gehabt, weil nicht sofort reklamiert. Und was ist, wenn die Firma nicht liefern kann? Dann bin ich im Zweifelsfall erstmal wochenlang an die Bestellung gebunden. Natürlich könnte ich es inzwischen woanders kaufen bzw. bestellen und dann versuchen, von meinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen. Was aber auch wieder umständlich wird, wenn ein Nachbar das (zweite) Paket annimmt.

Kurzum: Am liebsten mag ich es so: Einen Artikel aussuchen, einen freundlichen Verkäufer anflirten, damit er das nicht nur etwas billiger macht, sondern mir den Karton auch gegen ein kleines Trinkgeld ins Auto lädt, sofern das Ding größer ist als mein Schoß. Zu Hause einfach auspacken, einschalten, fertig.

So war ich in der letzten Woche unterwegs und suchte: Ein DVI-Kabel, ein analoges Antennenkabel und eine Packung CD-Rohlinge. Marie brauchte für ihre Oma eine neue Mikrowelle (nachdem bei dem 20 Jahre alten Gerät angeblich Funken aus dem Gerät sprühten) und Maria braucht einen neuen Kühlschrank und hätte gerne in ihrer Wohnküche, die zum Zimmer gehört, einen eigenen Geschirrspüler. Sie hat nun über ein halbes Jahr den Anteil, den sie von ihrem Arbeitslohn behalten darf, zusammengespart und wollte, wenn sie den Kühlschrank vor Ort findet, den Geschirrspüler gleich mitbestellen und zusammen anliefern und anschließen lassen.

Insgesamt kamen also drei süße Mädels in den Laden gerollt und wollten mehrere hundert Euro loswerden. Im ersten Laden (drei standen zur Auswahl, alle drei gehören zu großen Ketten mit Filialen in ganz Deutschland, zwei von ihnen haben in den großen Tageszeitungen oft seitenweise Anzeigen oder dicke Beilagen) rollten wir zuerst zu den Mikrowellen. Zwanzig Mal stand das gleiche Modell in den Regalen, von einer Noname-Firma für 49 Euro. Am Ende des Regals gab es dann noch drei andere Modelle. Eins davon entsprach den Kriterien, die Maries Oma vorgegeben hat: Drehknopf, einfach zu bedienen, kein Schnickschnack, leicht zu reinigen, Markenprodukt, bis 100 Euro. „Ja, da haben wir leider nur noch den Aussteller, der Hersteller will seit Wochen nicht liefern, die nächste Ware kommt erst am 21. April.“ – „Bekommen wir den Aussteller denn etwas günstiger? Immerhin haben daran ja schon etliche Leute rumgefummelt und zerkratzt ist er auch schon etwas.“ – „Auf 95 kann ich noch runtergehen, aber mehr nicht, das ist schon ein günstiges Angebot. Ja und Geschirrspüler und Kühlschränke liefern wir nur bis zur Bordsteinkante.“ – Und tschüss.

Laden zwei. Maria sagte: „Vielleicht sollte ich mal meine Jacke aufmachen, damit man meine Rundungen etwas besser sieht.“ – Allgemeines Gelächter. Ein junger Verkäufer, in meinem Alter, wollte wissen, ob Marie einen Geschirrspüler überhaupt selbst bedienen könnte. Nachdem wir das geklärt hatten: „Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie pro Artikel nicht die angeschlagenen 20 Euro, sondern 70 Euro Liefergebühren zahlen. Dafür nehmen wir das Altgerät aber kostenlos zur Entsorgung mit.“ – „Wie jetzt? Warum 70 Euro, hier steht 20.“ – „Wegen der Entfernung.“ – „Wir wohnen keine fünf Minuten Autofahrt von dieser Filiale weg. Was meinen Sie mit Entfernung?“ – „Ja, ähm, wir liefern über die Spedition [XY] aus [einer anderen Stadt]. Und für die zählt als Ausgangspunkt immer der Sitz unserer Hauptfiliale in Hamburg. Und dieses hier ist nur eine Zweigstelle. Und…“ – „Sie brauchen gar nicht weiterreden, schönen Tag noch.“

Laden drei. Marie zu Maria: „Pack deine Titten wieder ein. Das führt nur dazu, dass die denken, wir sind völlig beknackt.“ – Nachdem wir 15 Minuten herumstanden und mindestens sechs Verkäufer eilig an uns vorbei rannten, rollte ich zur Information, mit der Frage, ob uns vielleicht jemand bei den Mikrowellen bedienen könnte. Die Dame brachte mich sehr freundlich zu einem Verkäufer, der allerdings noch drei Kunden vor uns hatte. Nach weiteren 10 Minuten waren wir dran. „Für diese Mikrowelle hier“, sagte Marie und zeigte auf die einzige, die einen Drehknopf hatte und zudem das gleiche Modell war wie in dem ersten Elektronikladen, „interessiere ich mich. Mich wundert aber der Preis: 149 Euro. Drüben, bei [XY] gibt es die für 99 Euro. Ist das nicht ein wenig viel Unterschied?“ – „Natürlich bekommen Sie die bei uns auch für 99 Euro, wenn es die bei [XY] tatsächlich für 99 Euro gibt. Steht ja auch vorne an unserer Servicetafel. Ich rufe da mal eben an.“

Der Verkäufer holte ein Notizbuch aus der einen Tasche, nahm sein schnurloses Telefon aus der anderen, suchte eine Nummer raus, wählte und sprach: „Hallo Jürgen, die Mikrowelle 12345ABC von XY, hast du die da? Und was kostet sie bei dir? 129 Euro, okay. Danke! Ja, leg dich wieder hin!“ – Und dann zu uns: „Also, sie kostet da nicht 99 Euro, sondern 129, kann es sein, dass Sie sich auf dem Preisschild verguckt haben? 129 erscheint mir auch plausibler.“ – Marie antwortete: „Nein, wir haben mit ihm ja noch gesprochen, er wollte uns sogar noch bis auf 95 Euro Nachlass geben. Also hat er sich wohl eben vertan.“ – „Ich habe ihm ja die korrekte Bezeichnung mit Nummer durchgegeben, aber machen Sie sich nichts draus, das versuchen alle Kunden, die den Preis drücken wollen. Ich bin Ihnen nicht böse deswegen.“ – „Wie bitte?“, fragte Marie.

Ich hatte inzwischen auf der Webseite des anderen Unternehmens gesucht und die Mikrowelle dort mit 99 Euro gefunden. Ich konfrontierte den Verkäufer damit. Antwort: „Tja, dann hat mir der Verkäufer wohl einen falschen Preis genannt. Aber das habe ich schon öfter erlebt, immerhin will er Sie ja auch nicht verlieren als Kunden.“ – „Wieso? Wir sind doch schon raus aus dem Laden.“ – „Ja, aber er denkt vielleicht, Sie kommen zurück. Dann entschuldigt er sich, das sei im Stress passiert, er hatte gerade noch drei Kunden an der Backe, aber jetzt mache er Ihnen einen Superpreis und sie können das Ding gleich bei ihm mitnehmen.“

Das konnte ja nicht passen, denn er hatte die Mikrowelle ja gar nicht da. Was wir unserem jetzigen Verkäufer natürlich nicht erzählt haben. Er sagte: „Also 124 Euro könnte ich Ihnen als Angebot machen, aber das ist das letzte Wort.“ – Nein. Schönen Tag noch. Ein vertrauensvolles Verhältnis lässt sich so nicht aufbauen. Ich guckte nach dem analogen Antennenkabel: 49 Euro für 15 Meter. 15 Meter brauche ich nicht, aber 5 Meter war nicht da und alles darunter wäre zu kurz. Ansonsten gab es nur noch welche, bei denen der Anschluss nicht passte. Eine Verkäuferin, die gerade daneben stand, meinte: „Da sind die Stecker vergoldet, deswegen ist das so teuer.“ – Ja nee, ist klar. Und tschüss.

„Okay. Den halben Nachmittag unterwegs gewesen, nichts erreicht. Lasst uns auf dem Weg nach Hause noch einmal in das erste Einkaufscenter gehen, ein Eis essen und auf dem Rückweg den Jürgen ansprechen, warum er da für einen Quatsch am Telefon erzählt. Ich will jetzt wissen, ob er wirklich drei Kunden an der Backe hatte.“ – Ergebnis: Das Eis schmeckte gut und Jürgen sagte: „Hier hat nie einer angerufen.“ – Ohne Worte.

Also bestellen wir nun doch per Internet. Spaßeshalber habe ich das vergoldete Antennenkabel mal bei einer Preisvergleichsseite eingegeben: Bei 16,90 Euro inklusive Versand geht es los. Ja, sorry, dann darf sich wirklich niemand wundern, wenn die Leute zunehmend im Versandhandel bestellen. Das ist kein Service-Defizit, das ist Abzocke.

Als mangelhaften Service würde ich eher beschreiben, wenn ich Ende Januar ein millionenfach verkauftes Auto bekommen soll, die Auslieferung sich aber inzwischen bis Mitte April verzögert. Es ist noch nicht mal bei der Stelle (im Werk) angekommen, die den behindertengerechten Umbau vornehmen soll. Und wer jetzt denkt, dass das Autohaus mal selbständig bei mir anruft und mich auf dem Laufenden hält, täuscht sich. Wenn ich nicht immer wieder nachfrage, bekomme ich keine Infos. Und oft ist der Verkäufer gerade nicht zu sprechen, hat sein Telefon auf die Zentrale umgestellt. Und zurückrufen? Fehlanzeige. „Hoffentlich gewährt man dir anständigen Rabatt“, sagte kürzlich ein Kumpel von mir. Ja, tun sie, aber wegen meiner Behinderung. Und was nützt mir Rabatt? Ich möchte das Auto. Mein letztes habe ich storniert, nachdem der Händler trotz zweier großzügiger Nachfristen innerhalb eines Jahres nach Liefertermin kein fertiges Auto präsentieren konnte. Ein Drama.

Und um diesem Meckerpost noch einen draufzusetzen: Abends haben wir uns eine Pizza liefern lassen. Ich mag dieses „Pizza aus dem Karton fressen“ eher nicht so gerne, aber wenn etliche andere Leute aus der WG bestellen, bestelle ich mir, vielleicht einmal pro Quartal, auch so einen Fraß. Möglichst mit viel Gemüse. Ich habe mal ein Foto gemacht von einer Pizza mit Salami und Schinken, exakt so, wie sie sich meinem Mitbewohner beim ersten Öffnen des Kartons präsentiert hat. Lauwarm und …

… jeder Hund würde sich sofort abwenden. „Haben die mit dem Karton Frisbee gespielt?“, war die erste Frage des Mitbewohners, der sie bestellt hatte. Die anderen waren nicht wärmer und sahen nicht besser aus. In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!

Mit 66 Alben

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Okay, okay. Wenn es denn so interessiert, lege ich hier mal wieder einen Striptease hin. Peinlich wird es unter Garantie, denn ich habe auch schon Musikalben gekauft oder mir zum Geburtstag gewünscht, als ich noch nicht meinen heutigen Geschmack hatte. Und ich habe welche geschenkt bekommen (nein, keine Ausrede!), die ich nicht höre, die ich aber auch nicht weggebe. Aber zu alledem stehe ich.

Ich habe darüber hinaus noch sehr viele Klassiker als Single, meistens als mp3. Und, und deswegen ist die Liste nicht gerade repräsentativ für meinen aktuellen Musikgeschmack, die letzten Jahre kaufe ich meistens nur noch einzelne Songs als mp3.

Folgende 66 CD-Alben stehen in meinem Regal (und nee, die Hausdurchsuchung wird nur Originale finden) – ich hoffe, ich habe keins übersehen.

01 ABBA
02 Ace Of Base
03 Adele
04 A-Ha
05 Alanis Morissette
06 Amy MacDonald
07 Anastacia
08 Beatles, The
09 Belinda Carlisle
10 Beyoncé
11 Black Eyed Peas
12 Bon Jovi
13 Boney M
14 Bonnie Tyler
15 Bosse
16 Clueso
17 Cranberries, The
18 Crash Test Dummies
19 Cyndi Lauper
20 Die Ärzte
21 Dire Straits
22 Element Of Crime
23 Elton John
24 Evanescence
25 Fettes Brot
26 Genesis
27 Gisbert zu Knyphausen
28 Gossip
29 Heinz Rudolf Kunze
30 Herbert Grönemeyer
31 Ich + Ich
32 Jan Delay
33 Jennifer Rush
34 Joana Zimmer
35 Joe Cocker
36 Juliane Werding
37 Justin Timberlake
38 Klaus Lage
39 Laith Al-Deen
40 Lady GaGa
41 Linkin Park
42 Lotto King Karl
43 Madonna
44 Marit Larsen
45 Marius Müller-Westernhagen
46 Marteria
47 Michael Jackson
48 Mutabor
49 Peter Fox
50 Phil Collins
51 Pink
52 Pohlmann.
53 Rihanna
54 Rolf Zuckowski
55 Roxette
56 Sandra
57 Seeed
58 Silbermond
59 Simon & Garfunkel
60 Sixpence None The Richer
61 Söhne Mannheims
62 Timbaland
63 Tonbandgerät
64 Udo Lindenberg
65 Westernhagen
66 Wir sind Helden

Fehlt was? Achja, von dem einen oder anderen habe ich sogar mehr als ein Album. Achso, und wenn ich ganz ehrlich bin, stehen in zweiter Reihe auch noch welche von David Hasselhoff, Andy Borg und Matthias Reim. Ich weiß, das durfte jetzt nicht auch noch kommen. Andy Borgs „Adios Amor“ fand ich als Kind mal ganz toll, das hatte meine Oma gerne im Auto gehört und mich damit angesteckt.

Und für David Hasselhoff und Matthias Reim schäme ich mich so sehr, dass ich immer froh bin, wenn das niemand findet. Nein, es ist keine dumme Ausrede: Ich habe beide Alben vor Jahren mal beim Schrott-Wichteln gewonnen.

Nicht nur Kurioses

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Dieses Foto ist schon ein paar Tage alt, aber es erinnert mich daran, dass meine Oma regelmäßig davon sprach, dass früher alles besser war: In der Nähe ihrer Wohnung gab es einen Supermarkt, der hatte von 9 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 8 bis 12. Punkt.

Das Gesetz, das heute nur noch das Öffnen am Sonntag verbietet, hat damals bestimmt, dass kein Supermarkt länger als 18.30 Uhr geöffnet haben durfte. Und Samstags nur bis 14 Uhr. Erst kurz bevor ich geboren wurde, wurde der „lange Donnerstag“ eingeführt, an dem die Geschäfte, einmal pro Woche, bis maximal 20.30 Uhr geöffnet haben durften.

Wenn ich nun bedenke, dass es heute bei uns um die Ecke mehrere Supermärkte gibt, täglich außer sonntags von 6 bis 24 Uhr geöffnet haben, finde ich es erstaunlich, dass es Menschen gibt, die an einem Sonntag im Hauptbahnhof einkaufen müssen. Okay, ein paar kriegen das aus verschiedensten Gründen nicht anders auf die Reihe, aber dass dort regelmäßig Sicherheitspersonal vor dem Eingang stehen muss, damit nicht zu viele gleichzeitig im Laden sind, finde ich schon bemerkenswert:

Und wenn ich schon Fotos in mein Tagebuch klebe, klebe ich gleich noch eins dazu. Wat isn ein Hanse-Merkur-Pfirsich?

Okay, okay, der war nur mittelmäßig. Sollte auch kein Witz sein, sondern eine Überleitung. Vom Merkur zum Neptun ist es ja schließlich nicht so weit wie vom Niveau zum Boden. Also:

Das ist eine Rollstuhlfahrer-Sammelstelle in der Hamburger Europapassage. Ich hätte sie nie entdeckt, wäre ich nicht vor etwa 14 Tagen dort gewesen und hätte live mitbekommen, dass ein Rauchmelder ausgelöst hat. Jedenfalls ertönte (übrigens nicht zum ersten Mal, wenn ich dort einkaufe, aber ich habe ja so einen Chaos-Magneten in der Tasche) ein Gong und eine Frauenstimme mit endlosem Nachhall, sie erinnerte mich irgendwie an die bereits kürzlich zitierte Galactica von „Hallo Spencer“, hauchte in tierischer Lautstärke ins Mikrofon: „Neptun [künstliche Pause von drei Sekunden, um den Nachhall ausklingen zu lassen] Fünfhundert!“

Wie wir alle wissen, bedeutet das weniger, dass auf dem Klo jemand sein Geld runtergespült hat, sondern mehr, dass es irgendwo kokelt, infolgedessen dachte ich mir: „Bevor das eskaliert, roll mal auf kürzestem Wege nach draußen.“ Fünfzig Meter vor der Tür ergreift mich ein Sicherheitsmensch und schiebt mich im Laufschritt in die entgegengesetzte Richtung zurück, wieder in Richtung Getümmel. „Ich helfe Ihnen, ich helfe Ihnen.“ – Widerrede zwecklos, zu viel Lärm, der junge Mann zu hektisch.

Er brachte mich zu einer Rollstuhlfahrer-Sammelstelle. „Hier warten Sie bitte, Sie werden gerettet.“ – „Ich war doch schon fast draußen!“ – „Sicher ist sicher, man weiß ja nie.“ – „Machen Sie sich bitte nicht lächerlich, ich fahre jetzt raus.“ – „Nein, Sie warten hier, wir haben Neptun fünfhundert.“

Ende vom Lied: Wir amüsierten uns zu dritt (mit zwei ebenfalls zur Rettung ausgeschriebenen Rollstuhlfahrern) an der Sammelstelle, nach fünf Minuten sprach die Dame vom Neptun Null und wir waren wieder frei. Irgendwo hatte wohl eine Zigarette gequalmt, also eigentlich war es höchstens Neptun fünfeinhalb, aber wie haben wir gelernt? „Sicher ist sicher.“

Kurios? Nein, keineswegs. Nur etwas … sagen wir mal … unbeholfen. Kurios finde ich das hier:

Soll das bedeuten, dass Rollstuhlfahrer im 45-Grad-Winkel auf dem Deich halten sollen? Oder dass die links am Schild vorbei fahren und auf der Wiese parken dürfen? Ich weiß es wieder nicht.

Was ich aber weiß (und ich will ja nicht immer nur negative und kuriose Dinge schreiben), ist, dass heute absolut geiles Handbike-Wetter war.

Das rechts ist die Elbe, das links ist unsere Trainingsstrecke, allerdings ist die nur nachts für uns gesperrt. Tagsüber muss man den Radweg oder eine Parallelstraße nehmen. Da Cathleen und ich aber nur mit unseren Freizeitbikes (die man vor den Alltagsrolli spannt) unterwegs waren, reicht das. Mit dem Radweg, meine ich.

Morgen soll ein weiterer schöner Tag werden. Finde ich. Hamburg hat schon schöne Ecken, oder?

Ich bin sooo gut!

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Vorhin war ich mit Cathleen shoppen, da sie unbedingt eine neue Jeans brauchte. Wegen ihren eher komischen Körpermaßen (da sie seit Geburt eine Querschnittlähmung hat, ist sie insgesamt nur knapp über 1,50 m groß, eine Hose in Länge 30 kann sie noch zweimal umkrempeln…) gestaltet sich die Suche nicht ganz so einfach und die Sache mit dem Anprobieren hat es auch in sich.

Als wir auf dem Rückweg durch den Bahnhof Altona düsten und hintereinander rückwärts auf die Rolltreppe nach unten fuhren, bekam eine Seniorin fast einen Herzinfarkt. Sie kreischte, schlug mit den Händen ins Gesicht und blickte mit weit aufgerissenen Augen hinterher, wie wir in den Tiefen des S-Bahn-Tunnels verschwanden. Ich dachte erst, ihr selbst sei etwas passiert, aber die Aufmerksamkeit galt uns. Selbstverständlich kam sie hinter uns her, und während wir auf den Zug warteten, erzählte sie uns, dass ihr Mann im Rollstuhl saß und immer geschoben werden musste. Der hätte jedoch auch keinen so sportlichen wie wir gehabt.

Man sehe ja auch so viel Sport von Behinderten im Fernsehen. Da seien ja teilweise auch ganz junge Leute dabei, die einen Motorradunfall hatten. Und manchmal seien ja sogar Kinder dabei. Das sei ja so schrecklich. Aber sie bewundere diese Leute für die Leistung, die sie da erbringen. „Das schaffen normal Sterbliche ja oft nicht, was die noch mit einer zusätzlichen Behinderung schaffen.“

Ja, was soll man dazu sagen? Soll man sagen, dass man im Alltag auch völlig selbständig ist, selbst schwimmt, Sport treibt und ein lustiges und lebenswertes Leben hat? Ich habe mich an Cathleen orientiert, die einfach nur zugehört, an den richtigen Stellen genickt und freundlich gelächelt hat. Bis unsere Bahn kam. „So, wir müssen vorne einsteigen! Schönen Tag noch!“ Vollgas, auf und davon. In welchen Wagen man einsteigt, ist völlig egal, aber das weiß sie ja nicht. Auweia.

Also ich halte mich schon für normal Sterblich. Ich habe eine Einschränkung, eine Behinderung, und benutze zum Ausgleich dieser einen Rollstuhl. Mehr nicht. Und wenn ich Pech habe und es Komplikationen gibt, könnte ich theoretisch sogar eher sterben als sie in ihrem hohen Alter.

Als ich zu Hause meine Mails las, war eine dazwischen, in der ich überschwänglich für diesen Blog gelobt wurde. Ich sei für mein Alter sehr erwachsen und hätte einen sehr guten Schreibstil. Vielen Dank für dieses Lob! Ich muss da aber mal was richtig stellen: Die Texte stammen zwar allesamt von mir, auch der Satzbau und der rote Faden (ich hoffe, er ist erkennbar, manchmal zweifel ich selbst) – aber die Rechtschreibung ist nicht 100% von mir und ein Online-Wörterbuch der Synonyme liegt parallel neben diesem Fenster und wird fleißig benutzt. Dazu kommt, dass ich sehr gerne schreibe – aber eben auch sehr langsam. Für einen Text wie diesen brauche ich locker eine Stunde, manchmal wesentlich mehr. Bis ich ihn dann veröffentliche, lese ich ihn noch mehrmals durch, mache dabei auch noch etliche Korrekturen und oft fallen mir an den Tagen danach auch noch wieder 534 Fehler auf, die ich nachträglich korrigiere. Für einen Blog reichen meine Fähigkeiten vielleicht, und ich freue mich riesig, wenn er sich leicht und unterhaltsam lesen lässt.