Voll sexy

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Bevor mich morgen die Uni wiedersieht und ich zum Endspurt zur ersten Zwischenprüfung (Mitte März 2014) aufbreche, haben wir das letzte freie Wochenende noch einmal genutzt, um mit insgesamt acht Rollifahrern und vier Fußgängern die Reeperbahn unsicher zu machen. Es war ein total lustiger Abend, ausnahmsweise mal ohne größere komische Zwischenfälle. Okay, Simone, die an diesem Wochenende bei Cathleen zu Besuch ist und dort schläft, ist mitten auf dem Hans-Albers-Platz an einer hochstehenden Gehwegplatte hängen geblieben und hat sich unsanft auf die Nase gelegt, mitten in ein paar Glasscherben, aber sie hat sich glücklicherweise nicht verletzt.

In einer Diskothek wurden wir von einem etwas merkwürdigen Typen, etwa 40 Jahre alt, zum Bier eingeladen. Er drückte einfach allen, die im Rollstuhl saßen, eine Flasche Holsten in die Hand und wollte dann von den Frauen wissen, ob sie ihre Tage bekommen, obwohl sie im Rollstuhl sitzen. Irgendwann hat mich das schon mal einer in einer Kneipe gefragt. Die Frage, ob ich noch Sex haben kann, ist auf der Reeperbahn auch sehr beliebt. Ich glaube, er war einfach breit. Und mit mir fing draußen jemand zu diskutieren an, ob es nicht cool wäre, eine Disko nur für Rollstuhlfahrer zu bauen – ich habe ihm dann geantwortet, dass ich diese Ausgrenzung nicht toll fände. Besser fände ich eine Diskothek, die komplett barrierefrei ist, aber wo alle reindürfen. Also auch Fußgänger. Er meinte dann, dass das eine schlechte Idee sei, denn die meisten Fußgänger könnten ja gar nicht im Rollstuhl fahren…

Marie bekam von einem auch leicht angetrunkenen Mann in ihrem Alter in einer Kneipe plötzlich einen Kuss auf die Wange. Sie war völlig perplex – einfach so im Vorbeigehen. Er meinte dann zu ihr: „Du bewegst dich voll sexy in deinem Stuhl!“ – Fand ich auch. Allerdings habe ich mich auch sexy bewegt und keinen Kuss bekommen. Macht nix. Ich kann auch ohne Kuss einschlafen – jetzt.

Meine Viertelstunde

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Ich hatte die Augen schon zu, träumte von stinkenden Stinkesocken knackigen Jungs mit knackigem Popo, als es plötzlich an meiner Zimmertür wummerte. Dem Geräuschpegel nach musste irgendjemand etwas hochgradig wichtiges mitzuteilen haben. Vielleicht lag eine Bombe in der Waschküche? Oder Elvis Presley hockte in unserem Gruppenraum und aß Popcorn? Als es ein zweites Mal aufgeregt klopfte, schälte ich mich aus dem Bett und rollte zur Tür. Cathleen stand draußen: „Dein Handy ist aus. Steh auf, zieh dich an, in einer Stunde ist Training angesetzt. Tatjana hat eine SMS geschickt und Marie ist auch schon ganz aufgeregt, weil sie dich nicht erreicht.“

„Ja, ich war im Bett, da ist mein Handy immer aus! Sag mal, können die das nicht mal etwas langfristiger planen? Ich hab schon geschlafen!“ – „Nun sabbel nicht rum, zieh dich lieber an. Marie fährt und holt uns in 15 Minuten ab.“ – „Biken? Oder Rennrolli?“ – „Schwimmen.“ – „Schwimmen?!?! Bei Nacht?!“ – Cathleen zuckte mit den Schultern. – „Nun sag doch mal was dazu. Gestern habe ich Tatjana noch gefragt, ob wir am Wochenende nicht nochmal trainieren wollen, solange noch gutes Wetter ist. Da hieß es, es hätten zu viele Leute abgesagt und sie habe selbst auch keine Zeit.“ – „Jetzt entspann dich mal. Kannst dich gleich im Wasser auspowern.“

Also schnell ins Bad, auf Klo, Badeanzug an, T-Shirt und Sporthose drüber, Haare einigermaßen ordentlich zusammengebunden, Handtücher in die Tasche gefeuert, Duschzeug eingepackt, vorsichtshalber den Neo rausgeholt, Abfahrt. „Willst du keine Schuhe anziehen?“, fragte Cathleen.

„Wofür brauche ich Schuhe, wir haben 25 Grad draußen. Ich wollte am See nicht rumlaufen.“ – „Nicht?“ – „Heute nicht.“ – Als wir unten ankamen, wartete Marie schon. Ihr Auto parkte mit Standlicht mitten auf dem Parkplatz, sie selbst saß bereits in ihrem Rolli und gab sich betont genervt. „Hi. Na? Was ist das denn für eine Aktion hier mitten in der Nacht? Schwimmen im Freien, das kann doch keiner vernünftig beaufsichtigen. Manchmal begreife ich nicht, was in deren Köpfen vorgeht.“

Cathleen: „Ihr seid nur am Meckern. Jetzt entspannt euch doch mal und genießt das schöne Wetter.“ – Cathleen krabbelte auf die Rückbank, Marie und ich zerlegten ihren Rollstuhl und packten ihn in den Kofferraum, dann setzte ich mich auf die Türschwelle der Beifahrertür, Marie schob meinen Rolli nach hinten und packte ihn ins Auto, Klappe zu. Dann stieg sie auf der Fahrerseite ein, zerlegte ihren Rolli, schob den Beifahrersitz nach vorne und lud die Einzelteile auf die Rückbank. Anschließend konnte ich mich auf den Beifahrersitz setzen, Tür zu, Abfahrt.

Marie fuhr auf die Schnellstraße, direkter Weg zu unserem Trainingssee. Doch nach fünf Kilometern bog sie auf die Autobahn ab. Kann man machen, ist aber ein kleiner Umweg. Nur … sie nahm die Auffahrt in die entgegengesetzte Richtung. Ich fragte: „Was machst du denn jetzt? Richtung Lübeck ist falsch, Marie.“ – „Ach du Scheiße. Soll ich wenden?“ – „Auf der Autobahn?“ – „Nachts ist doch kaum einer unterwegs.“ – „Marie!“ – „Was?!“ – „Ich bin nicht lebensmüde. Fahr ordentlich!“ – Sie grinste. – „Und hör auf, mich zu ärgern. Ich war bereits in schönsten Träumen.“

Fünfhundert Meter vor der nächsten Ausfahrt fragte Marie: „Was meinst du, wer gleich alles kommt?“ – „Du musst hier raus, ja?“ – „Also außer uns dreien?“ – „Marie! Wie weit willst du denn jetzt noch in die falsche Richtung fahren?“ – „Ich fahr über das Kreuz Ost, das ist mir sicherer.“ – „Oah, Mädel, da kann man doch nirgendwo abfahren.“ – „So eine schöne Nachtfahrt.“ – Unglaublich.

Als sie auch noch an der Ausfahrt Barsbüttel vorbei fuhr, wo man nun eigentlich wunderbar hätte wenden können, drehte ich mich zu Cathleen um. Die guckte aus dem Fenster und sagte gar nichts. Ich kam mir ein bißchen verarscht vor. Als Marie an der nächsten Ausfahrt auch noch vorbei fuhr, sagte ich: „Wir fahren nicht zum See, oder? Was macht ihr hier mit mir?“ – „Wir fahren zum Schwimmtraining. Vom See war nie die Rede.“

„Okay, wohin fahren wir?“ – „Zum Schwimmtraining.“ – „Okay. Ihr habt irgendwas vor, ich lass mich überraschen. Hat es wenigstens irgendwas mit Schwimmen zu tun oder habe ich mir meine Badesachen umsonst angezogen?“ – „Wir fahren zum Schwimmtraining.“ – Okay, okay, ich bin ja schon ruhig. Wir fuhren die A1 in Richtung Lübeck, dann weiter in Richtung Oldenburg. Außer uns war kaum jemand unterwegs. Ich überlegte: Wollten die beiden mit mir an den Strand? Inzwischen waren wir rund eine Stunde unterwegs. Ich sagte: „Mädels, ich bin ja für jeden Scheiß zu haben, aber ich bin davon ausgegangen, wir fahren mal eben schnell an unseren See. Ich habe also keine Pampers um und auch keine Pampers dabei. Wenn die Fahrt also noch länger dauert, sollten wir zwischendurch mal irgendwo anhalten, damit ich vorsichtshalber nochmal pinkeln kann.“ – „Schaffst du noch eine halbe Stunde? Sag bitte rechtzeitig Bescheid.“

In Oldenburg bogen wir auf eine Bundesstraße in Richtung Kiel ab. Fuhren durch ein paar Orte und plötzlich ging rechts ein kleiner Waldweg ab. Ein aufgeblasener Luftballon hing an einem Baum. Es war stockdunkel. Wären es nicht Marie und Cathleen, die mich entführt hatten, hätte ich spätestens jetzt Panik geschoben. Plötzlich war der Wald zu Ende. Ein Haus stand dort, daneben eine Holzhütte. Ein leerer Parkplatz für etwa 20 Autos tauchte im Scheinwerferlicht auf. Marie fuhr über den Parkplatz. Auf der anderen Seite ging der Weg weiter. Ich sagte: „Wo sind wir hier? Das ist voll unheimlich!“ – „Das ist nicht unheimlich, das ist schön hier!“, antwortete sie grinsend.

Wir fuhren durch einen weiteren kleinen Wald. Man konnte vor Dunkelheit nur sehen, was sich im Lichtkegel vor dem Auto abspielte. Kurz vor Ende dieses zweiten kleinen Wäldchens lehnte jemand an einem Baum. So sah es zumindest aus. Doch, tatsächlich, da stand jemand. Und hatte irgendwas in der Hand. Plötzlich ging derjenige los, stellte sich uns in den Weg und hob ein rotes Licht hoch. Eine Polizeikelle. Super. Marie sagte: „Oh nee.“ – Cathleen fragte: „Was ist?“ – „Die Bullen. Bestimmt ist hier Durchfahrt verboten oder so.“

Marie hielt an und machte das Fenster runter. „Nabend!“ – „Nabend, Herr Wachtmeister. So alleine hier im dunklen Wald?“ – Ich dachte, ich höre nicht richtig. Der Typ sagte: „Im Gegenteil, mein Kollege steht an Ihrer Beifahrertür, falls Sie es noch nicht bemerkt haben. … ist mein Name, wir führen hier eine Verkehrskontrolle durch, machen Sie mal bitte den Motor aus und die Innenbeleuchtung an?“ – „Dazu habe ich eigentlich keine Lust.“ – „Sie tun das, was ich Ihnen sage, Sie befinden sich in einer polizeilichen Maßnahme.“

„Marie!“, fuhr ich sie an. Das musste doch nun wirklich nicht sein. Und wieso kontrollieren die hier im Wald? Suchten die jemanden? Oder war das wirklich ein illegaler Schleichweg? – Der Typ sagte weiter: „Ihren Führerschein und die Zulassungspapiere hätte ich gerne mal gesehen.“ – „Das wollen viele. Was bekomme ich dafür?“, fragte Marie. – Was sollte das?! War sie nicht ganz dicht? – „Marie!“, rief ich nochmal. Sie sagte: „Ich hab die im Handschuhfach, zusammen mit meiner Kalaschnikow.“ – Ey … jetzt fehlte nur noch, dass die die Waffen ziehen und wir uns hier flach auf den Boden legen müssen. Den Typen, der irgendwo im Dunkeln hinter mir stehen müsste, konnte ich nicht sehen. Der Beamte auf Maries Seite legte eine Hand auf seinen Pistolenholster und fragte: „Jetzt mal ohne Blödsinn, junge Frau, das ist nicht witzig. Haben Sie eine Waffe im Fahrzeug?“ – „Ich bin die Waffe!“, sagte Marie.

„Steigen Sie mal bitte aus. Langsam. Okay?“ – Mein Herz raste. Ich sagte: „Marie, spinnst du! Ich habe keine Lust, hier deinetwegen Ärger zu kriegen. Jetzt reiß dich mal zusammen.“ – Marie sagte: „Ich kann nicht aussteigen, meine Tür klemmt.“

Der Polizist sagte: „Okay, dann dürfen Sie weiterfahren.“ – Häh? Was war denn das jetzt für eine Nummer? Marie sagte: „Baby, ich will einen Kuss von dir.“ – Der Polizist beugte sich ins offene Fenster, nahm Maries Kopf in beide Hände, zog sie zu sich ran und drückte ihr ein Küßchen auf die Wange. Dann sagte er: „Kann ich mich jetzt endlich umziehen? Ist das Jule da? Die so verstört guckt?“ – Marie grinste. „Ist sie. Ist mein Papa schon da?“ – „Zelt ist schon alles aufgebaut. Die sind gerade nochmal los und holen noch Leute vom Bus ab.“ – „Alles klar.“

Mir fiel alles aus dem Gesicht. Cathleen saß auf dem Rücksitz und klatschte vor Lachen in die Hände. Ich war so baff, ich schnappte mir Marie, zog ihr Gesicht zu mir ran, sagte: „Du Arschloch!“ und gab ihr einen Kuss. Auf den Mund. Worauf sie antwortete: „Bäh. Darf ich vorstellen? Das ist Uwe. Kollege von Papa. Mein Patenonkel.“ – „Und der stellt sich hier nachts in den Wald und zieht die Show ab, nur um mich zu verarschen?“ – „Klar. Ich hab ihn drum gebeten. Das war seine Viertelstunde.“ – „Viertelstunde?“ – „Wirst du später verstehen.“ – Ich glaub es nicht.

Wir fuhren weiter. Cathleen flippte hinten auf der Rückbank aus, versuchte mich von hinten zu umarmen und rief: „Ich freu mich so, ich freu mich so.“ – Ich begriff nur, dass hier ganz offensichtlich diverse Leute irgendwas ausgeheckt hatten. Wir rollten auf einen Parkplatz. Diverse Autos standen hier. Etliche davon kannte ich. Unter anderem meins, mit dem offenbar Sofie gekommen war.

Der Parkplatz lag direkt hinter einer Düne und hinter der Düne war: Strand! Und die Ostsee. Und ein großes Lagerfeuer in einer großen, festinstallierten Feuerschale. Und ganz viele Leute vom Training und aus meiner WG. Ein befestigter Weg ging bis zum Strand, dahinter waren diverse dickere Platten ausgelegt. „Guten Abend allerseits!“

Nach endloser Begrüßungsrunde kamen noch drei Leute, die Maries Eltern vom Busbahnhof abgeholt hatten. „Können wir jetzt endlich schwimmen gehen?“ – „Wow, machen wir jetzt nachtbaden?“ – „Nacktbaden?“ – „Meinetwegen auch das.“ – „Jule? Ich habe dir ein großes Zelt aufgebaut und innen drin deine Luftmatratze für heute nacht aufgeblasen. Dazu auch noch eine zweite, die du mit ins Wasser nehmen kannst. Meine Viertelstunde“, sagte Maries Papa. Was hatten die alle mit ihrer Viertelstunde? Ich bedankte mich erstmal.

Maries Mama sagte: „Achso. Jule? Ich trag dich ins Wasser rein und hol dich wieder raus. Damit du nicht durch den Sand krabbeln musst. Sooft wie du möchtest.“ – „Okay?!“ – „Meine Viertelstunde. Wenn auch nicht an einem Stück.“ – „Ey, was habt ihr hier alle mit einer Viertelstunde?“ – „Das bekommst du schon noch raus. Einfach beobachten.“ – „Wollen wir jetzt noch schwimmen oder nicht?“

Es waren noch weit über 20 Grad. Die ersten machten sich auf dem Weg zum Wasser. Selbst Marie fing an, durch den Sand zu rutschen. Maries Mutter sagte: „Wir warten noch kurz, bis die am Wasser angekommen sind, okay? Die brauchen ja wesentlich länger.“ – „Und wieso willst du mich jetzt tragen? Und was hat das mit dieser Viertelstunde auf sich?! Das ist hier alles sehr geheimnisvoll.“ – „Das bekommst du schon noch raus. Die anderen können schön krabbeln, du wirst an diesem Wochenende mal getragen. Geht es dir gut?“ – „Ja danke! Ich bin zwar ein wenig verwirrt, aber angenehm verwirrt. Ich komm mir gerade vor, als wenn ich träume.“ – „Das freut mich. Es wird bestimmt lustig.“ – „Ich hab gar kein Handtuch mit. Und keine Schlafsachen. Und keine Pampers.“ – „Wir haben genug Handtücher dabei. Marie hat ein paar T-Shirts mehr mitgenommen. Und Cathleen hat Pampers für dich mit eingepackt.“ – „Das ist echt eine tolle Überraschung.“ – „Ja. Ach und Jule?“ – „Ja?“ – „Du hast in deinem Blog geschrieben, dass dir das unendlich peinlich war. Mit deiner Blase, als ich dich das letzte Mal reingetragen habe.“ – „Ja. Ziemlich. Kann mal wohl sagen.“ – „Kannst du dir da bitte nicht so viele Gedanken machen? Weißt du, wie oft Marie mich schon angepiescht hat in all den Jahren?“ – „Marie ist aber auch ist deine Tochter.“ – „Das stimmt. Aber dich hab ich auch lieb. Mach dich bitte nicht verrückt damit, okay?“ – „Hast du gerade gesagt, du hast mich lieb?“ – „Doch, Jule. Sehr sogar. Hast du das noch nicht gemerkt?“ – „Ja, doch. Nein. Doch.“ – Oah, stotter. Völlig falsche Richtung. – „‚Gern‘ hab ich gemerkt, ‚lieb‘ hab ich noch nie für möglich gehalten. Irgendwie. Vielleicht gewünscht und verdrängt?“ – „Och, Jule. Wieso nie für möglich gehalten? Ich hab dich lieb. Sehr lieb sogar. Ich freue mich natürlich, dass Marie und du so eng befreundet seid, aber ich selbst hab dich auch sehr lieb. Und mein Mann hat dich auch lieb. Der sagt das zwar nicht so direkt, aber wenn man über zwanzig Jahre miteinander verheiratet ist, kennt man seinen Partner.“

Ich schluckte. Das war das erste Mal, dass mir das in den letzten vier Jahren jemand so offen und direkt gesagt hat. Aus der Generation meiner Eltern. Nach meinem Unfall. Nach dem Bruch mit meinen Eltern. Nein, ich sehe die beiden nicht als Elternersatz, so ein Quatsch. Aber darf mich das bitte unheimlich bewegen und sehr berühren, wenn mir jemand, der vom Alter her meine Mutter sein könnte, sagt, dass er mich sehr lieb hat, nachdem der Kontakt zu meinen Eltern zerbrochen ist? Weil sie mich irgendwie wohl nicht mehr lieb hatten? Obwohl ich eigentlich kein anderer Mensch bin? Sorry für diesen Absatz völlig überzogener Sentimentalität.

Zum Glück war es dunkel. Maries Mutter hockte neben mir. „Heulst du? Och Jule, du heulst doch nicht. Was ist denn los mit dir? So kenn ich dich ja gar nicht.“ – „Sorry, ist gerade bißchen viel auf einmal. Ich fang mich gleich wieder.“ – Maries Mutter nahm mich in den Arm und drückte mich. Dann sagte sie: „Ich will mich nirgendwo einmischen, Jule, und nirgendwo zwischendrängen. Aber ich bin auch nicht blind. Wenn ich dir irgendetwas geben kann, was du brauchst und von dem du denkst, dass du es bei mir bekommen kannst, dann scheue dich keine Sekunde, es dir bei mir zu holen, okay?“

„Was meinst du damit? Kannst du mir ein Beispiel geben, woran du denkst? Das kann so vieles bedeuten.“ – „Ist egal, Jule. Irgendwas. Guck mal: Marie -ich weiß, sie wird mich dafür hassen, dass ich das erzähle, aber- Marie kommt fast jeden abend zu mir, legt sich neben mich aufs Sofa und will gekrault und gestreichelt werden. Und wenn ich das eine Viertelstunde gemacht habe, redet sie wie ein Wasserfall. Was sie bedrückt, was ihr Freude macht, womit sie Probleme hat, was sie angestellt hat, worüber sie traurig und worüber sie glücklich ist. Und mit dem Satz, den ich gerade gesagt habe, meinte ich: Würdest du den Kopf auf meinen Schoß legen, würde ich dich auch kraulen und dir zuhören. Okay? Mach daraus, was du willst. Vielleicht möchtest du nicht von mir gekrault werden, aber ich würde auch nachts um drei mit dir auf alle Männer schimpfen, wenn dein Typ mit einer anderen durchgebrannt ist. Oder dir alternativ eine heiße Badewanne einlassen. Ich möchte, dass du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst. Oder zu meinem Mann. Falls es mal etwas gibt, womit du zu Marie oder zu anderen Freunden nicht gehen kannst. Komm bitte nicht auf die Idee und habe irgendeine Scheu oder denke, das müsste dir peinlich sein.“

Sie hielt mich immernoch im Arm. Ich drückte sie fest an mich heran und musste ihr einen Kuss auf die Wange geben. Und bekam postwendend einen zurück. Und mit der flachen Hand über den Hinterkopf gestreichelt. Das klingt vielleicht alles kitschig, aber das tat so gut. Ich habe ganz sicher meine Freundinnen und ich weiß, wie sehr sie mich mögen und wie lieb wir uns haben. Aber Maries Mutter hätte ich in dem Moment am liebsten nicht mehr losgelassen.

Die anderen waren bereits hörbar im Wasser angekommen. Warm sei es. Maries Mutter streckte mir ihren Rücken zu, umfasste meine Kniekehlen, ich umklammerte ihren Oberkörper. Sie hob mich hoch und latschte mir mir im Schein des Lagerfeuers zum Wasser. Es wurde hier wesentlich schneller tiefer als in Scharbeutz und es waren wohl auch mehrere große Steine unter der spiegelglatten Wasseroberfläche. Maries Mutter ging sehr vorsichtig, um nicht zu stolpern. Als sie bauchnabeltief im Wasser war, drehte sie sich um und hockte sich hin, so dass ich zwar von einer Sekunde auf die nächste im Wasser war.

In der Nacht zu Sonntag waren wir insgesamt zu zehnt, schliefen in einem großen und zwei kleinen Igluzelten. Die ganzen Rollifahrer waren in dem großen Zelt. Am Sonntag gingen wir bestimmt vier Mal ins Wasser. Das Wetter war herrlich, am späten Nachmittag fingen die beiden Männer an zu grillen und nach und nach kamen noch weitere Leute aus unserem Sportverein dazu. Auch Frank kam noch dazu.

Und plötzlich erklärte sich dann auch, was es mit dieser Viertelstunde auf sich hatte. „Am Dienstag müssen wir fast alle arbeiten, Jule, und das Wetter soll auch wieder blöder werden. Daher haben wir die Gunst der Stunde genutzt und schenken dir an diesem Wochenende eine große Strandparty, sozusagen zu deinem zwanzigsten. Aber gratulieren werden wir dann alle später. Da man dir mit Geld oder gekauften Geschenken vermutlich nur halbe Freuden macht, haben wir uns überlegt, dass dir jeder mindestens eine Viertelstunde schenkt. Also insgesamt ungefähr zwanzig Viertelstunden. Meine Viertelstunde ist dieser selbstgemachte Nudelsalat, den ich zu deiner Party dazu steuere.“

Tolle Idee! Was gab es noch? Eine Viertelstunde Verwöhnmassage in der Abenddämmerung (die gab es gleich mehrmals und doppelt und nur von Jungs…), selbstgemachte Bowle, selbstmariniertes Fleisch und Salate fürs Buffet – aber auch solche Sachen wie: Ein Inhaltsverzeichnis für meinen Blog. Da hat sich wirklich jemand einige Zeit hingesetzt und über 500 Beiträge geordnet und mit jeweils einem Satz zusammengefasst. Werde ich schnellstmöglich einpflegen, muss technisch noch etwas angepasst werden. Und einiges mehr.

Es war eine sehr tolle Party. Am Sonntagabend sind etliche wieder nach Hause gefahren, einige sind noch bis Montagmittag geblieben. Und bis Dienstag sind dann noch Jana, Cathleen, Marie und Simone geblieben. Anschließend kam Uwe, Maries Patenonkel, noch einmal, um das große Zelt mit abzubauen. Diesmal nicht in Uniform. Und … es war mehr als eine Viertelstunde. Die waren alle so lieb zu mir!!!

Danach war ich froh, wieder festen Boden unter den Rädern zu haben. Und mal wieder mit Seife duschen zu können. Besonders habe ich mich gefreut, dass Ronja und Maria am Sonntag zum Strand gekommen sind. Und für das nächste Wochenende haben sich nun meine beiden Halbschwestern angekündigt. Was für eine aufregende Zeit!

Die Hälfte ist Rum

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Nichts beschreibt so sehr den Zustand unserer Unterkunft wie die Überschrift meines heutigen Beitrags. Ich weiß, warum ich spezielle Herbergen und Gästehäuser für Sportler einer stinknormalen Jugendherberge vorziehe. Die Zeiten, in denen in Jugendherbergen striktes Alkoholverbot nicht nur galt, sondern auch umgesetzt wurde, scheinen vorbei zu sein. Oder dieses Haus fällt in dieser Hinsicht besonders negativ auf. Es verging bisher nicht ein Tag, an dem hier keine Saufparty stattfand und diverse Jugendliche grölend, polternd und kotzend durch die Flure lärmten. Und dabei habe ich mein Schlafbedürfnis noch nie so groß eingeschätzt wie es auf mich gerade wirkt.

Zum Glück ist hier nicht nur die Hälfte Rum, sondern auch die Hälfte rum, das heißt: Noch drei Mal schlafen, dann ist Abreise angesagt. Ich befinde mich mit meinen Leuten vom Sport in einem Trainingslager in Bayern, das eigentlich super toll ist, wäre da nicht das immer größer werdende und so allmählich alles bestimmende Schlafdefizit. Wir alle sind nur noch müde, zunehmend gereizt und körperlich vor allem auch alles andere als leistungsfähig. Und eigentlich möchten wir ja trainieren. Nach Dutzenden Beschwerden beim Veranstalter (nicht nur die Hamburger fühlten sich belästigt), wurde heute hart durchgegriffen: Die Herbergsleitung hat am Morgen eine 40köpfige Reisegruppe aus Berlin des Hauses verwiesen. Aufatmen ist angesagt. Und schlafen. Seit mittags haben wir alle trainingsfrei, um uns ausruhen zu können. Und was soll ich sagen? Bei relativ schönem Sommerwetter liegen rund 50 Spotlerinnen und Sportler auf ihren Betten und pennen. So etwas habe ich noch nicht erlebt.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Das Wetter ist hier deutlich besser als im Norden, die Trainer sind okay, die Trainingsbedingungen auch, das Essen und die Betten sind überdurchschnittlich. Und wir alle haben uns sehr gefreut, uns endlich mal alle wieder zu sehen, also auch über die Grenzen eines Bundeslandes hinweg. Zeit für- und miteinander zu haben, sich auszutauschen, zu quatschen – schön.

Für einigen Spaß sorgt außerdem eine weitere Gruppe aus Niedersachsen, die parallel zu uns ein Trainingslager durchführt. Jeweils sechs Männer und Frauen zwischen 16 und 25, jedoch nicht mit körperlichen, sondern mehr mit kognitiven Einschränkungen, trainieren im selben See und wohnen in der selben Jugendherberge. Es sind aber zwei verschiedene Veranstalter, somit auch verschiedene Trainer – dass wir hier aufeinander treffen, ist purer Zufall. Aber umso lustiger, denn behindert und behindert verträgt sich. Irgendwie. Während die zwölf gegenüber anderen Herbergsgästen, darunter auch einige Familien, sehr zurückhaltend bis schüchtern sind, hatte ich den ersten jungen Mann bereits beim allerersten Frühstück vor mir stehen. Mit zusammengekniffenen Augen und ausgestreckter Hand kam er auf mich zu und nuschelte etwas undeutlich, dafür aber umso lauter: „Guten Morgen, schöne Frau im Rollstuhl, ich bin Max und ich bin von der anderen Gruppe. Wir schwimmen auch bei euch im See und ich wollte nur Bescheid sagen, der See ist toll und wir freuen uns auf euch. So. Und wie heißt du?“

Die zweite Frage war dann, ob ich einen Freund habe, die dritte, wie schnell ich 100 Meter kraulen kann. Als ich ihm meine Zeit nannte, meinte er sofort, er sei besser. Dass ich ohne Beinschlag schwimme, hat er nicht realisiert, macht aber nichts. Er nahm es sportlich: „Du wirst bestimmt noch schneller, wenn du hier richtig trainierst.“ – „Deswegen bin ich ja hier, ich muss noch viel lernen.“ – „Und Rücken?“ – „Ich trau mich gar nicht, die Zeit zu sagen, du bist bestimmt wieder besser.“ – „Du darfst das ruhig sagen, ich lach dich nicht aus. Bei uns lacht keiner über den anderen, das ist oberste Regel!“ – Na dann…

Ohne jede Berührungsängste wurde Cathleen gleich von einem anderen jungen Mann von hinten überraschend umarmt, während sie sich gerade ihr Brötchen bestrich – und sich gehörig erschrak. „Du hast so tolle Haare!“, schwärmte er. Womit er zweifelsfrei richtig liegt, nur trotzdem musste er auch er sehr schnell akzeptieren: Anfassen ist nicht. Das wusste er eigentlich auch, nur scheint er es bei hübschen Frauen gerne einmal zu vergessen. Ein drittes Gruppenmitglied, 16 oder 17, stand bis zu den Schultern im See und machte ziemlich eindeutige Bewegungen, vermutlich in der Hoffnung, man würde sie unter Wasser nicht erkennen. Direkt neben mir und Marie. Ich fragte: „Na? Alles in Ordnung bei dir?“ – „Ja wieso?“ – „Sieht so aus als wenn du dir gerade deine Badehose auf links drehst.“ – „Nee, ich mach nichts.“

Am Ufer sagte eine weibliche Kollegin von ihm in Richtung des Trainers: „Rüdiger, der Martin fiedelt sich schon wieder einen!“ – Marie verschluckte sich fast beim Versuch, nicht zu lachen. Rüdiger hörte das nicht, also nahm die sportliche junge Frau mit Down-Syndrom die Sache selbst in die Hand. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und rief in energischem Tonfall: „Martin, jetzt hör mal auf damit. Du sollst das nicht machen, wenn das alle sehen können. Wir wollen das nicht sehen.“ – „Ich mach doch gar nichts!“ – „Das sagst du immer. Ich hab das aber genau gesehen. Frau … hat gesagt, du kannst nicht mehr mitmachen, wenn du das immer machst beim Sport. Jetzt benimm dich mal!“

Ein anderes Mädchen aus der Gruppe, schätzungsweise 16 Jahre alt, war zunächst sehr schüchtern, kam aber irgendwann ausgerechnet auf mich zu und fragte: „Darf ich dich mal was fragen? Können wir mal gegeneinander um die Wette schwimmen?“ – Sie war allerdings etwas cleverer als Max, denn der zweite Satz war: „Ich schwimme gegen dich auch ohne Beinschlag und ich schummel nicht.“ – Sie hat gewonnen. Wenn auch ganz knapp. Zum Glück lief keine Uhr mit, sonst hätte sie vielleicht gemerkt, dass ich nicht 100% gegeben habe: Ich habe meinen Schwimmstil auf die Bewegung ohne Beinschlag optimiert, sie hat es vermutlich zum ersten Mal probiert. Ich hätte es gemein gefunden, sie gnadenlos abzuhängen, nur weil sie das nicht bedacht hat. Und was ihre „normalen“ Zeiten anging, kenne ich nicht die Referenzzeiten ihrer Startklasse, kann aber so viel sagen: Würden sich ein Schwimmtrainer und eine Trainingsgruppe finden, die Rücksicht darauf nehmen, dass sie etwas länger braucht, um etwas zu verstehen, könnte sie mit 1:18 auf 100 Metern Freistil ohne mit der Wimper zu zucken in einer nicht behinderten Gruppe mithalten.

Nun werde ich meinen Schönheitsschlaf fortsetzen. Morgen soll es ziemlich warm werden und zu unserer Freude steht ein Training mit dem Rennbike auf dem Programm. Wir wurden heute von einer anderen Teilgruppe schon vorgewarnt: Die Strecke hat es in sich. Eine Steigung nach der nächsten. Aber zum Glück geht es ja irgendwann mal wieder bergab. Und abends ist dann der Familienbesuch dran: Bin ich aufgeregt?!

Wochenendlehrgang SH

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Es war ein absolut genialer Wochenendlehrgang, mit genügend frisch getankter Kraft, um die letzte Woche vor den Semesterferien noch überstehen zu können. Auch wenn das Wochenende gleichzeitig ziemlich an meinen Kräften gezehrt hat. Aber am Ende im positiven Sinn.

Es ging diesmal vorrangig um das Schwimmen in freien Gewässern, und es war eine Vorbereitung auf ein Trainingslager, das ich ab nächster Woche für insgesamt fünf Tage besuchen werde. Insgesamt waren wir 14 Leute, damit war der Kurs mehr als überfüllt, denn es gab nur eine Trainerin aus Bayern, zwei Helfer aus Schleswig-Holstein und jede Menge Einzeltraining.

Zum Glück war das Wetter überwiegend genial und die Leute waren überwiegend nett, so dass der viele Leerlauf nicht sonderlich negativ auffiel. Jüngste Teilnehmerin war mit 14 Jahren eine Pia aus dem Raum Köln, die mit ihren Eltern angereist war, und während alle anderen auf dem Trainingsgelände zelteten, hatten ihre Eltern mit dem Kind im Viersterne-Hotel eingecheckt. Am Ende schliefen jene jedoch alleine im Hotel und hatten ein nettes Wochenende, während wir mit unserem Charme auch jenes überbehütete behinderte Kind aus den Fängen fürsorglichster Eltern gerettet hatten.

Prinzessin Pia war gewohnt, dass ihre Eltern sofort alles taten, was sie sich wünschte. Das gipfelte darin, dass sie ihren Papa losschickte, um einen Becher Wackelpudding mit dem Auto aus dem nächsten Ort zu holen, und sie sich hinterher darüber aufregte, dass er rot sei, während sie seit einigen Wochen doch nur noch grünen esse. Und das gipfelte auch darin, dass ihre Mutter mit einem Taschentuch zu Pia auf den Steg kam und ihr die Nase putzte. Nicht, dass Pia erkältet war oder ihr Rüssel gar tropfte oder Pia durch ihre Behinderung so eingeschränkt wäre, dass sie selbst kein Taschentuch halten könnte – nein. Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme vor dem Schwimmen gehen, damit keine Schnodder in den See gelangt.

Dabei war Pia eigentlich total nett und herzlich. Ich habe mich richtig in ihr Lachen verliebt. Während sie in den ersten zwei Stunden ihren Namen höchstens in Flüsterlautstärke piepste, brauchte es, als die Eltern weggeschickt worden waren, gerade mal eine halbe Stunde, bis sie mit mir einen körperlichen Ringkampf auf dem Steg begann. Meine permanenten Frotzeleien hatten sie aus der Reserve gelockt. Dann war der Knoten geplatzt und sie begann, auch Marie, Cathleen, Simone und mich zu ärgern. Harmlose Dinge, wie dem rechten Nachbarn auf die rechte Schulter tippen, obwohl dort niemand steht. Oder jemanden mit einem Grashalm kitzeln, so dass der denkt, irgendein Krabbeltier suche Körperkontakt. „Habt ihr nicht noch einen Platz für mich im Zelt?“ – „Na sicher.“

Worüber sie in nächster Zeit auf jeden Fall nochmal nachdenkt: Verantwortung übernehmen. Nicht immer nur nach Mama oder Papa rufen, wenn man nicht mehr weiter weiß. Und vor allem dann nicht rufen, wenn man bestimmte Antworten nicht hören möchte. Ich will bestimmt niemanden, schon gar nicht Kinder, zu Ungehorsam erziehen. Aber einige Dinge gingen gar nicht. So durfte Pia, wäre es nach den Eltern gegangen, nicht mit uns Planschen gehen. Wir sind nach dem Schwimmtraining noch im flachen Wasser gewesen und haben dort rumgespritzt und mit einem alten Surfbrett rumgespielt – Pia sollte, nachdem sie gefragt hatte, ob sie noch mitmachen darf, sofort aus dem Wasser. Sie sei zum Training da und nicht zum Spielen. 13 Leute planschen im Wasser, Nummer 14 guckt zu und die Eltern merken nix.

Beispiel 2: Pia hatte einen zweiteiligen Neo. Absolut ungeeignet, weil die träger- und gürtellose Hose ständig runterrutschte und das Oberteil ständig hochrutschte. Um das zu verhindern, bekam Pia von der Mutter noch einen Nierengurt umgebunden, schön stramm. So kann aber niemand schwimmen, vom Wasserwiderstand mal ganz abgesehen. Wir haben nicht gepokert, ob die Eltern einem Experiment zustimmen, sondern Pia, als die Eltern kurz weg waren, zu viert überredet, den ganzen Kram gleich wieder auszuziehen und ihr meinen zweiten Neo angezogen. Von der Größe und der Figur passte er astrein, als Pia mit dem Einzeltraining dran war und die anderen alle auf dem Steg waren, kamen die Eltern zurück und waren zuerst sauer, anschließend aber erstaunt, welchen Unterschied die richtige Bekleidung macht. Dann schrieb sich der Vater erstmal die Marke auf und fragte Pia mindestens fünf Mal, ob der gut sei…

Pia bekam ihr Nutellabrötchen geschmiert, ihr Grillfleisch klein geschnitten, ihre Alltagsklamotten fertig zusammengelegt im Bündel von der Mutter präsentiert, alleine Umziehen durfte sie sich auch nicht, obwohl sie es konnte; plötzlich beim Essen unangekündigt die Haare gebürstet, zum Zähneputzen kam Mama mit ins Bad – Papa trug Pia sogar das Handy hinterher. Ich wäre fast wahnsinnig geworden. Aber ich freue mich auf das Trainingslager in der nächsten Woche: Eltern haben keinen Zutritt zum Trainingsgelände. Wir wollen aus Pia keinen anderen Menschen machen und sie soll auf jeden Fall 14 bleiben. Aber wenn sie so weiter macht wie bisher, schafft sie keinen Triathlon, bevor sie 30 ist. Und ich glaube, es tut ihr gut, wenn sie ihr Fleisch mal alleine klein schneiden muss.

Ich freue mich auf jeden Fall, in einer Woche die ganzen Leute wieder zu sehen und seit langer Zeit mal so richtig intensiv wieder trainieren und Spaß haben zu können. Das letzte Wochenende war zur Einstimmung auf jeden Fall perfekt!