Einen an der Waffel

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Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das gilt an meiner momentanen Uni mehr als anderswo. Soll heißen: Wer nicht am ersten Vorlesungstag persönlich zur rechten Zeit am rechten Ort ist, ärgert sich mitunter ein halbes Jahr über langweilige oder stressige oder nervige Praktikumsplätze, bekommt seine Kurse nicht oder nicht bei seinen Lieblingsprofs oder so ähnlich. Man ist ja verwöhnt. Oder benötigt auch mal etwas barrierefreies. Entsprechend waren Marie und ich mehr als pünktlich aufgestanden und standen mehr als früh genug vor der richtigen Tür. Weil ich wusste, dass ich gleich anschließend in ein Lehrkrankenhaus müsste, um mich dort persönlich vorzustellen, fuhren wir sogar extra mit dem Auto – was ich sonst nie mache.

Ich bekam, was ich haben wollte, schnappte mir meine Unterlagen und war auf dem Weg zu dem besagten Lehrkrankenhaus, als mir mal wieder etwas in die Quere kam. Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt noch schreibe, denn so langsam wird es auch mir schon langweilig. Aber ein Tagebuch ist ein Tagebuch ist ein Tagebuch ist ein Tagebuch und wer sich nicht schocken lassen will, liest halt was anderes.

Ich befuhr mit etwa 30 km/h eine Straße in einem Wohngebiet, fuhr auf eine T-förmige Einmündung zu. Das heißt: Von rechts mündete eine Straße ein, ich wollte geradeaus weiter. Links war ein Garagenhof, der bewegte sich nicht. Von vorne kam mir ein weißer Lieferwagen, ein Sprinter, entgegen, der aus seiner Sicht nach links abbiegen wollte. Somit würde er meinen Weg kreuzen und müsste mich zuerst fahren lassen. Dachte ich mir so und bremste nicht. Er hatte eine ziemliche Geschwindigkeit drauf und dass er links abbiegen wollte, merkte ich erst, als ich bereits mitten in dieser sehr weit gefassten Einmündung war. Und dass diese Einmündung sehr weit gefasst war, ließ mir noch einen anderen Gedanken in den Kopf schießen: Abknickende Vorfahrt.

Das sah doch jetzt, mitten auf dieser Einmündung, sehr nach einer abknickenden Vorfahrtstraße aus. Die Straße ist hier sehr viel breiter als es eben noch der Fall war. Hatte ich das Verkehrszeichen übersehen, das mich zum Vorfahrt gewähren oder sogar Halten aufgefordert hatte? Es war nur ein Gedankenblitz, aber der sagte mir: Socke, du bist nicht bei der Sache. Du denkst an deinen Praktikumsplatz. Ich sah den Lieferwagen auf mich zukommen und bremste reflexartig. Keine Chance. Ein lauter Knall, keine Idee, wohin ich gerade geschoben und gedreht werde – und ob ich überhaupt wach bin oder das alles nur ein Traum ist.

Nein, es ist wohl doch kein Traum. Front-, Seiten und Sitzairbags sind ziemlich heiß, wenn sie einen begrüßen, irgendwas qualmt, im Auto fliegt Staub, als hätte irgendwer eine Tüte Mehl platzen lassen und der Motor ist aus. Ein Blick aus dem rechten Seitenfenster lässt mich erkennen, dass ich einen halben Meter neben einem geparkten Fahrzeug zum Stehen gekommen bin. Links sehe ich nichts. Eingeklemmt bin ich nicht, alle Körperteile sind noch dort wo sie hingehören, den Kopf habe ich mir anscheinend nicht gestoßen und ich sehe auch kein Blut. Schöne Scheiße.

Den beiden Leuten aus dem Sprinter war hoffentlich auch nichts passiert. Aber die saßen ja wesentlich höher und hatten auch noch mehr Knautschzone. Da fährt man nun fast sechs Jahre unfallfrei und sammelt Prozente – um die dann wegen einer kleinen Unachtsamkeit auf einen Schlag zu verlieren. „Das hast du ja super hingekriegt, Stinkesocke“, dachte ich mir so. Aber genau aus diesen Gründen gibt es eine Versicherung und absichtlich habe ich das ja nun nicht gemacht. Ich ärgerte mich, dass ich das Verkehrszeichen einfach übersehen haben musste und dachte mir leise: Wer weiß, was du vorher schon alles übersehen hast, bevor dich jemand unsanft gestoppt hat. Dabei habe ich mich immer so sicher gefühlt. Und immer anderen den Rat gegeben, sich bloß nicht ablenken zu lassen beim Fahren. Aber wenigstens hat sich damit das Problem mit den knarzenden Geräuschen im Auto erledigt…

Jemand öffnete die Beifahrertür. „Alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragte er mich. Ich dachte mir so: „Alles nicht. Die Situation ist etwas peinlich.“ – Ich antwortete: „Ja, danke, mir scheint nichts passiert zu sein. Ich komme nur nicht aus dem Fahrzeug.“ – „Mein Sohn kommt schon angelaufen, sollen wir Sie eben rausziehen? Ist das ein Rollstuhl hier auf dem Beifahrersitz?“ – „Ja, genau.“

Der Sohn arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr, wie sich später herausstellte. Er ging gleich sehr beherzt an die Sache Socke, schickte Papa zur Seite, hob den Rollstuhl vom Sitz, brachte den Beifahrersitz in Liegeposition, schob meinen Sitz so weit es ging nach hinten, fasste mir unter den Armen hindurch und zog mich über die Mittelkonsole auf den Beifahrersitz, anschließend nach draußen. „Nimm du mal die Beine“, sagte er zu seinem Vater. Die beiden setzten mich auf einen Parkplatz, ich lehnte mich an ein geparktes Auto. Eine Frau brachte mir eine Jacke und eine Wolldecke. Irgendwie war ich ein wenig benommen, aber mir war weder übel noch spielte mein Kreislauf verrückt. Ich war überhaupt nicht aufgeregt, aber völlig durcheinander. Weinen musste ich nicht. Ich dachte mir nur so: „Lass die mal machen. Fünf Minuten lang musst du jetzt mal nicht alles im Griff haben.“

Ein Mann kam zu mir, kniete sich aber nicht hin, sondern redete von oben auf mich ein. In gebrochenem Deutsch fluchte er irgendwas. Ich guckte nach oben, verstand nicht, was er von mir wollte, und guckte wieder auf die Straße ins Leere. Einen Moment lang laberte er noch weiter, dann wurde er von einer Frau weggeschickt. Die Frau fragte, ob es mir gut ging. „Naja, blöde Situation. Aber ich fühle mich gut. Mir tut auch nichts weh.“ – „Ich bleib jetzt mal bei Ihnen sitzen, der Mann redet mir ein wenig zu viel auf Sie ein. Es kommt auch gleich ein Arzt für Sie, der checkt Sie mal durch.“ – Jaja. Macht mal.

Es dauerte eine ganze Zeit, dann kam die Polizei. Eine Frau in Uniform bekam gleich brühwarm erzählt: „Sie gehört zu dem Fahrzeug hier. Wir haben sie aus dem Auto geholt und hier erstmal hingesetzt.“ – Sie hockte sich zu mir und fragte: „Ihnen geht es aber sonst soweit gut? Oder kann ich gerade was für Sie tun? Ein Arzt ist schon unterwegs hierher, der müsste jeden Moment eintreffen.“ – „Mir geht es gut.“

Der Fahrer aus dem Sprinter laberte wieder. Die Polizistin unterbrach ihn: „Von Ihnen hätte ich jetzt gerne erstmal einen Ausweis. Pass oder ähnliches. Sie sind gefahren?“ – „Ja.“ – „Ihnen geht es aber soweit auch gut? Dann gehen wir mal ein Stück weiter und dann erzählen Sie mir mal bitte, wie das passiert ist.“

Plötzlich kam Hektik auf. Die beiden Uniformierten liefen die Straße entlang und brachten auf dem Rückweg einen weiteren Mann mit zurück. „Wer von Ihnen ist jetzt gefahren? Und warum erzählen mir die Zeugen was anderes und weisen uns auf einen Mann hin, der sich hinter parkenden Autos versteckt hat und vor uns wegläuft? Das ist doch alles sehr verdächtig, finden Sie nicht?“

Was ging denn hier schon wieder ab?! Ich bekam das alles nur halb mit. Ich war damit beschäftigt, mich nicht aufzuregen. Unterbewusst. Zwei Leute hoben mich auf eine Trage, rollten mich in einen hell erleuchteten Rettungswagen. Eine Frau stellte sich als Ärztin vor, wollte mir was für meinen Kreislauf geben. Die Polizistin klopfte an die Seitentür: „Könnt ihr bitte, bevor ihr Medikamente spritzt, einmal Blut zapfen?“

Ich wurde angestochen, wurde gefragt, ob ich Schmerzen hätte. „Spüren Sie alles? Können Sie bitte einmal mit den Füßen wackeln?“ – „Ich bin querschnittgelähmt.“ – „Nein, keine Panik.“ – „Doch“, antwortete ich. – „Wie kommen Sie darauf? Spüren Sie Ihre Beine?“ – „Ich bin querschnittgelähmt, seit ich 15 bin.“ – „Ach, jetzt habe ich das verstanden. Dann nehmen wir Sie aber auf jeden Fall mit in die Klinik und checken Sie einmal durch, okay?“

Lange nicht mit dem Rettungswagen gefahren. Andere machen das ein Leben lang nicht, bei mir ist es schon das … zum Zählen reicht es nicht mehr. Die Ärztin schrieb während der Fahrt, nach gefühlten fünf Minuten waren wir da. Ich wurde in einen Schockraum geschoben. Ein Sanitäter schob meinen Rollstuhl hinterher. Nach einer ersten Übergabe wurde ich in eine Röhre geschoben, wurde acht Mal gefragt, ob ich mit dem Kopf irgendwo angestoßen sei, dann hieß es, ich solle noch zwei Stunden warten, bis mein Kreislauf sich wieder normalisiert hätte, dann könnte ich nach Hause.

Wo mein Handy ist, wusste ich nicht. Meine persönlichen Sachen, insbesondere Papiere, Portmonee und Schlüssel, waren weg. Ich lag in einem Aufwachraum, war an ein nerviges Pulsoximeter angeschlossen und begann, mich zu langweilen. Neben mir lag eine Frau und schnarchte laut. Plötzlich kamen die Polizistin und der Polizist rein, hatten mein Portmonee, Schlüssel und Handy dabei und fragten mich, wie es mir ginge. „Ich kann wohl in der nächsten Stunde nach Hause.“ – „Okay. Können Sie sich an den Unfall erinnern?“ – „Ich möchte zur Sache heute nicht aussagen. Ich fühle mich nicht ausreichend fit und möchte mich auch erst mit meinem Anwalt besprechen.“ – „Das ist Ihr gutes Recht. Stellen Sie denn Strafantrag?“ – „Auch das erklärt mein Anwalt für mich. Ich möchte zur Sache nicht aussagen.“ – „Ein Strafantrag ist nicht unbedingt eine Aussage zur Sache. Ich würde Ihnen auch dringend raten, einen Anwalt zu nehmen. Für uns wäre es wichtig, zu wissen, ob Sie sich an den Fahrer erinnern können. Wir haben vor Ort zwei Personen angetroffen und deren Einlassungen decken sich nicht mit den Aussagen der Zeugen. Wissen Sie noch, wie der Fahrer ausgesehen hat? Können Sie den beschreiben?“

„Auch das wäre doch eine Aussage zur Sache“, erwiderte ich, inzwischen deutlich genervt. Die Polizistin antwortete: „Es wäre wichtig, diese Aussage von Ihnen so schnell wie möglich zu bekommen. Vielleicht können Sie gleich einmal mit Ihrem Anwalt telefonieren. Einer der beiden Rumänen hat nämlich keine Fahrerlaubnis und möglicherweise liegt hier eine Straftat vor. Wir ermitteln also sowieso.“

Habe ich mit meiner peinlichen Aktion etwa dazu beigetragen, einen Ganoven buchstäblich aus dem Verkehr zu ziehen? Dann hätte dieser unsanfte Stopp ja wenigstens noch etwas Gutes. Aber gerade dann sollte ich nicht ohne Anwalt aussagen. „Wir haben Ihre Geldbörse durchsucht und die Daten Ihres Führerscheins und der Zulassungsbescheinigung aufgenommen. Bitte schauen Sie einmal, ob ansonsten noch alles drin ist.“ – Ansonsten heißt, dass sie den Führerschein sichergestellt haben? Oder gleich eingezogen? Ich guckte in mein Portmonee. Nein, der war noch da. Geld war auch noch drin. „Scheint alles vollzählig zu sein.“ – „Ihr Fahrzeug steht bei …, von denen haben wir eine Karte hier. Da müssten Sie sich baldmöglichst drum kümmern, das kostet sonst unnötig Standgebühren.“ – „Nicht sichergestellt?“, dachte ich mir leise und hielt die Klappe.

„Also, kontaktieren Sie bitte schnellstmöglich Ihren Anwalt, damit wir zur Frage des Fahrers vielleicht heute noch eine Aussage bekommen.“ – „Ja“, versprach ich. Und fragte: „Wie geht es denn jetzt für mich weiter?“ – „Sie werden jetzt erstmal gesund, reden mit Ihrem Anwalt und dann sollten Sie sehen, dass Sie den Schaden schnellstmöglich der gegnerischen Versicherung melden. Das andere Auto ist zum Glück in Deutschland versichert, also wird es da wohl keine Schwierigkeiten geben. Die Sachlage ist aufgrund der Zeugenaussagen und der Spuren am Unfallort eindeutig. Die Frage, wer gefahren ist, ist nur für die strafrechtlichen Ermittlungen relevant, weil hier möglicherweise ein Fahren ohne Fahrerlaubnis und eine Unfallflucht in Betracht kommen. Das wird Ihr Anwalt Ihnen aber genauer erklären.“

Ich verstand nur Bahnhof. Wieso gegnerische Versicherung? Hatte der Sprinter mich so weit rumgeschoben, dass die nicht mehr wussten, von wo ich kam? War das möglich? Aber würde ich dann so fies sein und das nicht richtig stellen? Nein. Aber wenn ich zur Sache was sage, dann wirklich nur über einen Anwalt. Eisernes Gesetz, hat mir Frank eingetrichtert. Gerade, wenn man sich möglicherweise etwas zu Schulden kommen lassen hat.

Ich rief Marie an. „Und? Hast du den Platz bekommen?“, fragte sie. Achja, da war ja was. Ich antwortete: „Keine Ahnung, nein. Ich bin da nicht angekommen.“ – Sie wollte mich abholen. Wir fuhren mit dem Taxi nach Hause und als allererstes bat ich den Fahrer, an der Unfallstelle vorbei zu fahren. Als wir auf die Einmündung zukamen, sah man aus der Entfernung schon die Reste des Bindemittels auf der Fahrbahn. Ich guckte auf die Beschilderung und da traf es mich wie ein Schlag: Keine abknickende Vorfahrt. Keine abknickende Vorfahrt! Keine abknickende Vorfahrt!!!

Das bedeutet: Rechts vor links. Ich bat den Taxifahrer, anzuhalten. Ich fragte: „Sagt mal, wer hat hier Vorfahrt, wenn von vorne einer kommt, der geradeaus weiterfahren will?“ – „Das ist eine ganz beknackte Ecke hier“, sagte der Taxifahrer. „Hier war früher mal eine abknickende Vorfahrtstraße. Aber seit hier Tempo 30 ist, gilt hier Rechts vor Links. Viele heizen hier einfach durch und so wie das hier aussieht, hat das auch kürzlich hier wieder gescheppert. Da liegen noch Scherben an der Seite und hier das Bindemittel. Jahrelang standen hier auch Schilder ‚Vorfahrt geändert‘, aber die sind seit einiger Zeit weg. Offenbar haben das noch immer nicht alle begriffen.“

Marie guckte mich an. Ich schüttelte den Kopf. Dann hatte ich es also doch nicht verkackt. Zumindest nicht so ganz. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich musste augenblicklich lachen. Der Taxifahrer muss gedacht haben, ich hätte einen an der Waffel. Habe ich ja irgendwie auch. Glaube ich.

Physikum – schriftliche Prüfung

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Ich habe es überstanden. Das Ergebnis habe ich noch nicht, es ist also theoretisch denkbar, dass ich in einem halben Jahr noch einmal ran muss, aber für den Moment kann ich das Thema vor allem in meinem Kopf weit zur Seite schieben. Ich rede von schreibe über den ersten Teil der ärztlichen Prüfung, früher offiziell Physikum genannt, heute inoffiziell noch immer. Den mündlichen Teil hatte ich in der vorletzten Woche schon hinter mich gebracht, der schriftliche Teil war zu Beginn dieser Woche dran. Zwei Tage zu jeweils vier Stunden, pro Tag 160 Multiple-Choice-Fragen aus insgesamt vier Fächern. Es handelt sich dabei um eine Zwischenprüfung nach Ende des 4. Semesters. Sie schließt den Teil des Studiums ab, in dem man lernt, wie der Körper funktioniert, wenn er gesund ist. In weiteren mindestens 9 Semestern (Mindeststudienzeit) kann man nach Bestehen des Physikums lernen, welche Krankheiten es gibt und wie man sie behandelt.

Im Moment glaube ich fest daran, dass ich diese Zwischenprüfung bestanden habe. Der mündliche Teil ist bestanden, denn ansonsten hätte ich vor dem schriftlichen Teil schriftlich erklären müssen, ob ich trotz Nichtbestehen des mündlichen Teils den schriftlichen Teil ablegen möchte. Das hätte beispielsweise dann Sinn gemacht, wenn man den mündlichen Teil einfach ein halbes Jahr später noch einmal machen möchte. Die Erfahrung zeigt aber wohl, dass etliche Leute, die den mündlichen Teil nicht bestehen, hinwerfen. Immerhin gab es wohl auch dieses Mal diverse Leute, die mit unter 10% korrekten Antworten sang- und klanglos abgesoffen sind. Wenn ich durchschnittlich mehr als 9 von 10 Fragen falsch habe, würde ich mir, glaube ich, auch Gedanken mache, ob das Studium für mich das richtige ist. Es sei denn, ich kann mir erklären, warum ich die mündliche Prüfung schlicht verkackt habe, gleichwohl aber die schriftliche bestehen werde.

Ich habe mich mit Marie und anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen ausgetauscht, und ich habe ein sehr gutes Gefühl. Bei einer Frage weiß ich jetzt schon, dass ich mit einem falschen Wert multipliziert habe, zwei oder drei Fragen habe ich nicht gewusst, da habe ich irgendwas angekreuzt (immerhin um 20% besser, als nichts anzukreuzen), bei zehn oder zwölf Fragen war ich mir unsicher und habe … naja „geraten“ wäre der falsche Ausdruck, aber ich war froh, nur Kreuze setzen und weder Lösungsweg noch Begründung abliefern zu müssen. Einige davon sind aber richtig gewesen, wie ich hinterher festgestellt habe. Also ich habe ein sehr gutes Gefühl und ich war auch bereits mit einem sehr guten Gefühl in die Prüfung gegangen. Auch wenn ich dafür bereits ausgiebig belächelt wurde.

Ich muss aber auch sagen, dass ich so derbe unter Strom stand, dass ich mich erst heute wieder einigermaßen ansprechbar fühle. Ich habe von den letzten 48 Stunden mindestens 35 im Bett verbracht und nur geschlafen. So aufgeregt wie am ersten Prüfungstag war ich schon lange nicht mehr. Mein Herz raste so sehr, dass ich schon Angst hatte, mein Kreislauf würde schlapp machen. Hat er aber nicht. Ich bin an beiden Tagen mit dem Taxi zur Prüfung gefahren. Selbst Auto fahren wollte ich nicht, dafür war ich zu aufgekratzt, Bus und Bahn wollte ich mir auch nicht antun.

Am Mittwochabend bekam ich von Ronja noch eine Ganzkörper-Entspannungs-Massage – statt Physiotherapie. Ich bin auf der Liege fast eingeschlafen. Heute morgen hatte ich meine erste vernünftige Mahlzeit nach vier Tagen Appetitlosigkeit. Doch, ich habe in den vier Tagen was gegessen, aber es schmeckte mir nicht. Im Gegensatz zu heute morgen.

Haschitägs

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Wenn ich jetzt plötzlich #Haschitägs in meine #Texte einbaue, könnte es daran #liegen, dass ich seit gestern einen #Twitteraccount habe. Wenn ich mich verfolgt fühle, könnte es daran liegen, dass meine dort verbreiteten #Kurznachrichten innerhalb von 24 Stunden mehr als 125 Personen abonniert haben. Ich wäre, als ich das Getümmel nach der Uni kurz vor dem Schwimmen sah, beinahe aus dem Stuhl gekippt. Damit hatte ich ernsthaft nicht gerechnet. Ich sollte aufpassen, dass ich nicht noch zur Onychophagin mutiere.

Nein, ernsthaft: Gestern gab es in meinem Blog rund 4.700 Seitenaufrufe. Daran bin ich inzwischen aber gewöhnt, das macht mir kein Lampenfieber. Aber die Vorstellung, dass über 100 Leute meine Kurznachrichten mitlesen wollen, macht mich gerade ein wenig nervös. Okay, in fünf Jahren vielleicht auch nicht mehr. Falls ich überhaupt so lange #durchhalte.

Durchhaltevermögen war heute allerdings schon beim Schwimmtraining gefragt. Tatjana, unsere Trainerin, hatte derart schlechte Laune und sich so derbe über einige alberne Kolleginnen aus meinem Team aufgeregt, dass sich unser Pensum mal eben auf 5 Kilometer erhöht hat. Wir haben leider nur kurze Bahnen, insofern war das völlig überfüllte Becken wesentlich nerviger als das Zählen bis 200.

Auf dem Rückweg meinte dann noch jemand, in der U-Bahn die Notbremse ziehen zu müssen, so dass ich den letzten Anschlussbus auch noch verpasst habe und mir ein Taxi rufen musste. „War dein Rollstuhl ein Unfall?“, wollte der Taxifahrer von mir wissen. – „Och komm“, antwortete ich, „soooo schlecht sieht er auch nicht aus, oder?“

„Deinen Humor hast du wenigstens behalten“, meinte er. Ich gab noch einmal raus: „Nee, durch das Ding erst entwickelt. Du glaubst gar nicht, wie oft man auf lustige Fragen antworten muss.“ – „Doch, das kann ich mir vorstellen. Für viele Leute ist jemand im Rollstuhl bestimmt ungewohnt. Für mich nicht, ich wäre beinahe selbst …“

Ich grätschte dazwischen: „… beinahe selbst schon einmal in so einem Ding gelandet?“ – Er stockte, überlegte einen Moment und fragte dann: „Sind wir schonmal zusammen gefahren?“ – „Vielleicht?!“, zwinkerte ich ihm zu. Er wurde rot, kratzte sich ein paar Mal an der Nase und sagte dann: „Ich erinnere mich nicht mehr. Aber das kann an meinem Beruf liegen, da erlebt man so viel…“

Nach zwei leckeren Scheiben Brot und einem letzten Blick in das Nebelwetter da draußen werde ich nun mit meinem superflauschigen Schlafanzug ins Bett gehen und mich von dem Wellengang in meinem Vestibularorgan in den Schlaf schaukeln lassen.

Keine wirkliche Alternative

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Warum tue ich mir eigentlich die Fahrten mit Bussen und Bahnen an, wenn ich mir doch ein Taxi leisten könnte? Und müsste es nicht sogar der Unfallgegner zahlen, der meinen Viano zerlegt hat?

Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Nein. Der Unfallgegner muss für die Zeit, die es durchschnittlich dauert, mein Fahrzeug wiederzubeschaffen, einen Leihwagen bezahlen. Für den Zeitraum gibt es irgendeine Regel, das sind maximal sechs oder acht Wochen. Lange Lieferzeiten, Behindertenumbau etc. gehen zu meinen Lasten. Es gibt eine höchstrichterliche Entscheidung, dass die Umstände, die sich aus einer Behinderung ergeben, nicht durch den Unfallgegner auszugleichen sind. Genauso wie ein Rollstuhlfahrer bei Totalausfall des Aufzugs keine Mietminderung geltend machen kann – es sei denn, er wohnt im 4. Stock oder höher (dann sind es 10%). Der Umstand, dass ich als Rollstuhlfahrerin nicht mehr aus der Wohnung komme, wenn der Aufzug defekt ist, ergibt sich aus meiner Behinderung, und die ist nicht dem Vermieter zuzuschreiben.

Aber wie dem auch sei, ich hätte ja auch so genug Kleingeld, um mit einem Taxi zu fahren. Die Frage ist nur: Ist es wirklich so viel stressärmer? Am Mittwoch war das Chaos ja auch nicht vorauszusehen, sondern es kam eins zum anderen. Es gibt genügend Tage, an denen es mit Bus und Bahn einwandfrei funktioniert. Versuchsweise habe ich mir vorgenommen, einen Tag lang alle Strecken mit dem Taxi zu fahren und in meinem Blog zu dokumentieren. Und leider geriet ich dabei nicht nur an so nette Fahrer wie meinen Herausforderer bei den BOBs, Sash aus Berlin.

Zur Uni sind es etwa 10 Kilometer, mit dem Auto ist das in 15 bis 20, maximal 30 Minuten zu schaffen. Ich wollte vorher noch etwas abholen und etwas kopieren, plante, um 9.30 Uhr dort zu sein und rief am Donnerstagabend gegen 21.00 Uhr die Taxizentrale an. „Guten Abend, mein Name ist Stinkesocke, ich möchte gerne für morgen früh ein Taxi vorbestellen. Und zwar am liebsten einen Kombi oder einen Van, weil ich einen Rollstuhl mitnehmen muss.“ – „Lässt sich der Rollstuhl falten?“ – „Nein, leider nicht.“ – „Dann bräuchten Sie aber einen Behindertenbus, nur den bekommen Sie nicht über uns. Da hätte ich eine andere Telefonnummer für Sie, haben Sie was zu schreiben?“ – „Ich möchte ein Taxi haben, am liebsten einen Kombi oder einen Van. Ein Bus ist nicht erforderlich, denn mein Rollstuhl passt in einen Kombi hinten rein.“ – „Achso. Ich hatte verstanden, dass er sich nicht falten lässt.“ – „Das ist richtig, aber er passt trotzdem hinten rein.“ – „Was wiegt der Rollstuhl?“ – „Um die 10 Kilogramm.“ – „Achso. Das ist also ein Leichtgewichtrollstuhl?“ – „Er wiegt etwa 10 Kilo.“ – „Ja, also ein Leichtgewichtrollstuhl, schreibe ich auf.“

Meinetwegen, es ist zwar kein Leichtgewichtrollstuhl, sondern ein Aktivrollstuhl, aber bevor ich das erkläre … – „Wo soll die Fahrt losgehen?“ – „Bei mir zu Hause, das ist …straße Nummer …“ – „Um welche Uhrzeit soll das Fahrzeug bei Ihnen sein?“ – „Um 9 Uhr bitte.“ – „Soll der Fahrer klingeln?“ – „Nein, ich bin um 9 Uhr unten.“ – „Wohin soll die Fahrt gehen?“ – „In die …straße.“ – „In Hamburg?“ – „Ja.“ – „Wieviele Personen fahren mit?“ – „Nur eine.“ – „Und Ihren Namen hätte ich dann gerne noch einmal.“ – „Jule Stinkesocke.“ – „Okay, dann wiederhole ich: Einen Kombi oder Van um 9.00 Uhr in der …straße Nummer …, eine Person mit einem Leichtgewichtrollstuhl, Sie kommen runter.“ – „Genau.“ – „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“ – „Nein danke.“ – „Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend.“ – „Danke gleichfalls.“

Am Freitagmorgen, es ist 8.42 Uhr, klingelt es bei mir. „Ihr Taxi ist da!“ – „Ja, 9 Uhr hatten wir gesagt.“ – „Achso, 8.45 Uhr steht auf meinem Zettel.“ – „Ja, da ist dann ein Fehler passiert, ich hatte ausdrücklich 9 Uhr gesagt.“ – Gemurmel in der Leitung. Ich rief vorsorglich die Taxizentrale noch einmal an, man kennt ja seine Pappenheimer. „Stinkesocke hier, ich hatte für heute morgen ein Taxi in die …straße Nummer … bestellt, können Sie mir sagen, ob das klappt und welcher Wagen kommt?“ – „Einen Moment, ich schaue für Sie einmal nach. *klicker* *klicker* Welche Uhrzeit?“ – „Ja, jetzt gleich.“ – „Hier haben wir einmal 9.00 Uhr mit Rollstuhl, sind Sie das?“ – „Ja, genau.“ – „Das ist der Wagen …, der hat den Auftrag angenommen.“ – „Alles klar, dann weiß ich Bescheid. Vielen Dank!“ – „Keine Ursache, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“

Ich kramte also meine Sachen zusammen und fuhr mit dem Aufzug nach unten. Es war 8.55 Uhr, als ich die Beifahrertür vom Fahrzeug öffnete. Eine Limousine, kein Kombi. Der Fahrer schaute mich an: „Hatten Sie bestellt?“ – „Ja.“ – „Auf welchen Namen?“ – „Stinkesocke.“ – Er kletterte aus dem Auto, kam zu mir. „Wie machen wir das mit dem Rollstuhl, kann man den falten?“ – „Nein.“ – „Nein?! Dann bekomme ich den nicht mit.“ – „Wir können die Räder abnehmen und die Rückenlehne runterklappen.“ – „Den bekomm ich nicht in den Kofferraum. Also ich glaube das nicht. Ich habe ja schon die ganzen Kindersitze da hinten drin. Müssen wir mal schauen, eventuell muss ich die auf die Rückbank legen.“ – „Ich hatte extra um einen Kombi oder einen Van gebeten.“ – „Ja, sehen Sie, das ist nämlich auch nicht übermittelt worden.“ – „Ja, das ist doof. Ich habe es aber ausdrücklich gesagt.“ – „Steigen Sie erstmal ein.“

Ich setzte mich auf den Beifahrersitz und mein erster Blick fiel auf den (alten) Taxameter, der nicht, wie manchmal in neueren Modellen, irgendwo im Rückspiegel untergebracht, sondern fest auf der Beifahrerseite am Armaturenbrett angebracht war und mit roten 7-Segment-LED-Anzeigen munter vor sich hin leuchtete: 8,20 €. Bevor ich dem Fahrer also erklärte, wie mein Rollstuhl zu falten ging, fragte ich: „Was hat das hier mit den 8,20 ähm 8,30 auf sich?“ – „Erklär ich Ihnen gleich.“ – „Nein, das erklären Sie mir bitte jetzt, sonst steige ich sofort wieder aus.“ – „Das ist die Wartezeit seit 8.45 Uhr.“ – „Wir haben um 9.00 Uhr einen Termin, da oben hängt eine Uhr, es ist vor 9.00 Uhr. Ich möchte gerne meinen Rollstuhl haben – vielen Dank.“ – „Und jetzt?“ – „Jetzt rufe ich Ihre Taxizentrale an und bestelle mir ein anderes Fahrzeug. Schönen Tag noch.“ – „Sie müssen die Anfahrt und die Wartezeit bezahlen.“ – „Nö.“ – „Dann rufe ich jetzt die Polizei?“ – „Tun Sie, was Sie für richtig halten.“

Ich rief über mein Handy die Taxizentrale an. „Guten Tag, Stinkesocke mein Name, ich hatte für 9 Uhr ein Taxi bestellt in die …straße Nummer …“ – „Ja, wir hatten doch eben telefoniert. Der Wagen müsste jeden Moment da sein.“ – „Der Wagen ist schon da, allerdings ist es weder ein Kombi noch ein Van und der Fahrer hat vor Abfahrt bereits über 8 Euro auf der Uhr, schicken Sie mir bitte ein anderes Fahrzeug.“ – „Moment mal bitte.“ – Wartemusik. – „Ich erreiche den Fahrer gerade nicht. Ist der noch vor Ort?“ – „Der steht neben mir.“ – „Können Sie mir den einmal geben?“ – „Nein, kann ich nicht, schicken Sie mir bitte ein anderes Fahrzeug, einen Kombi oder einen Van, und das bitte zügig, ich habe einen Termin.“ – „Geben Sie mir doch bitte mal den Fahrer.“ – „Ich gebe mein Handy nicht an fremde Leute weiter. Schicken Sie mir jetzt einen anderen Wagen oder soll ich woanders anrufen?“ – „Nein, ich schicke Ihnen ein anderes Fahrzeug so schnell es geht.“ – „Wie lange wird es etwa dauern?“ – „So schnell es geht, um die 10 Minuten.“ – „Okay.“

Vier Minuten später fuhr ein Touran auf das Gelände. Ich winkte ihm zu. „Guten Tag, Sie hatten ein Taxi bestellt?“ – „Ja, genau.“ – „Und was hat das hier mit dem Kollegen auf sich?“ – „Keine Ahnung, der wollte seine Fahrt nicht mit 2 Euro 80 sondern mit 8 Euro 20 beginnen und dafür muss er sich einen anderen dummen suchen.“ – „Okay?! Na da sag ich mal lieber nichts zu. Kann man den Rollstuhl falten?“ – „Nein, der passt aber so hinten rein. Meine Freundin hat auch einen Touran.“ – „Achso, na dann.“

Während der Fahrer meinen Rollstuhl einlud, stieg der erste Fahrer in sein Taxi ein und fuhr davon. Dann stieg mein Fahrer ein, fragte nach dem Ziel, schaltete den Taxameter ein und fuhr los. „Bevorzugen Sie einen bestimmten Weg?“ – „So direkt wie möglich, aber keine spezielle Route.“ – Ich unterhielt mich mit ihm, er war eigentlich ganz nett, fragte mich, woher meine Behinderung käme, erzählte mir, dass er immer einen Rollstuhlbasketballer zur Arbeit gefahren hätte für ein halbes Jahr lang, und dann waren wir auch schon da. „Das macht dann 21 Euro 50 bitte.“

Für den Rückweg begab ich mich zum Taxistand vor der Uni. Kein Fahrzeug da. Also rief ich erneut in der Taxizentrale an. Diesmal kam nach 10 Minuten eine E-Klasse als Kombi, der Fahrer fragte mich auf den ersten 100 Metern, ob ich studiere, sprach nur sehr gebrochen Deutsch und mit starkem Akzent, kannte aber den direkten Weg und am Ende sollte ich 21,10 € zahlen.

Am späten Nachmittag musste ich zum Schwimmen, Ersatztraining für den am Mittwoch ausgefallenen Termin. Fahrzeit: Zwischen 20 und 45 Minuten. Es kam erneut ein Touran, der Fahrer sprach ebenfalls nur gebrochen Deutsch. Er verstaute meinen Rollstuhl, startete den Taxameter, fuhr vom Parkplatz und – fuhr falsch. Er hätte sich sofort links einordnen und einen U-Turn machen müssen, er wartete aber nicht ab, bis alle drei Fahrspuren frei sind, sondern ordnete sich rechts ein und fuhr auf eine Schnellstraße.

Bevor ich ihn fragen konnte, sagte er: „Oh nein, jetzt sind wir verkehrt. Wie machen wir nun. Ist so blöde. Ich fahre über Autobahn, das geht schnell und dann machen wir bei 30 Euro auf Kasse, sind Sie einverstanden?“ – „30 Euro klingt gut, aber Autobahn? Wollen wir nicht lieber die nächste wieder raus und durch das Gewerbegebiet fahren?“ – „Da kenne ich mich nicht aus. Kennen Sie den Weg?“ – „Ja sicher. Autobahn ist ja ein riesiger Umweg, das sind doch bestimmt 20 Kilometer mehr.“ – „Nein, wir fahren Autobahn, das geht schneller, und wir machen bei 30 Euro aus.“

Als wir von der Autobahn über die Elbe stadteinwärts fuhren, waren die 30 Euro erreicht. Bei 30,50 € machte ich den Fahrer darauf aufmerksam. „So, die 30 Euro wären jetzt voll.“ – „Ja, ich darf nicht ohne Taxameter fahren. Aber Sie zahlen am Ende nur 30 Euro. Den Rest muss Chef dann Storno machen.“ – Als wir an der Schwimmhalle ankamen, waren es 51,30 €. Was sagt der Fahrer? – „30 Euro zu 51 Euro sind 21, Hälfte sind 10 Euro 50. Die 30 Cent schenke ich Ihnen, sagen wir 40 Euro glatt.“ – „Wir haben 30 Euro gesagt.“ – „Ja 30, aber jetzt ist 51,30 und Mitte ist 40. Ich muss 10 Euro bestimmt selbst zahlen, sagt Chef nachher und ich bin auch nur sagen wir kleiner Taxifahrer mit Kinder.“ – „30 Euro haben wir gesagt und das ist vermutlich schon mehr als die Fahrt auf dem direkten Weg gekostet hätte.“ – „Nein, auf direktem Weg wäre bestimmt 35 oder 38 Euro gewesen. Ich mache Angebot, wir sagen 35 Euro. Okay?“ – „Wir sagen 30 Euro wie vereinbart.“ – „Ist nicht schön, aber wir streiten nicht, machen 30 Euro.“

Nach dem Schwimmen rollte ich 500 Meter an der frischen Luft zum nächsten Taxistand. Dort saß ein Mann in einem E-Klasse-Kombi. „Fahren Sie mich in die …straße?“ – „Ja klar. Warten Sie, ich mache den Sitz zurück und dann helfe ich Ihnen. Ich komme rum.“ – Ich stieg ein, er verlud meinen Rollstuhl im Kofferraum, dann setzte er sich wieder auf seinen Fahrersitz. „Ich muss ganz schnell noch eine Tour abgeben, ja? Haben Sie es eilig?“ – „Nein.“ – „Dann telefoniere ich kurz und dann fahren wir los.“

Er nahm sein Handy ans Ohr: „Du, kannst du für mich die Frau … abholen? Ich habe noch eine größere Tour reinbekommen.“ – Als er aufgelegt hatte, fuhr er los und meinte: „Das war meine Frau. Wir fahren beide Taxi. Dann klappt das ganz gut, ich hätte sonst einen Kollegen rufen müssen, denn ich habe in 20 Minuten eine feste Tour.“ – Der Mann sprach ebenfalls mit ausländischem Akzent. Er fragte mich, ob ich denn kein Auto hätte. Ich erzählte ihm die Story von meinem zerlegten Viano. Und den langen Lieferzeiten. Und von den Maschen, die seine beiden Kollegen heute abgezogen haben. „Aber die waren nicht von unserer Taxizentrale, oder?“ – „Nein, die waren von …“ – „Rufen Sie doch nächstes Mal bei uns an.“ – „Ich wohne ja dort, wo Sie mich jetzt hinfahren, und das ist ein ganz anderer Stadtteil.“ – „Achso, ich dachte, Sie wohnen da wo Sie eingestiegen sind.“ – „Nein.“ – „Es gibt immer schwarze Schafe, die machen das ganze Gewerbe kaputt. Bei unserer Zentrale gibt es solche Leute nicht. Wir sind nicht viele Fahrer und unser Chef guckt sich die immernoch alle einzeln an. Ich bin jetzt seit 20 Jahren dort und meine Frau auch, wir sind sehr zufrieden.“ – Am Ende zeigte der Taxameter 29,30 € an. Soviel also zum Thema „bestimmt 35 bis 38 Euro“.

Während der Fahrt kamen wir ins Gespräch, wie teuer wohl die teuerste Fahrt innerhalb Hamburgs sein könnte. Er meinte: „Das hat mal jemand ausgerechnet. Das geht von Altengamme nach Wittenbergen und macht so rund 75 Euro.“ – Nicht schlecht.

Nach zwei Terminen endet mein Versuch. Ich bin insgesamt über 100 Euro losgeworden, um einmal zur Uni und zurück und einmal zum Training und zurück zu fahren und ich muss sagen, dass es insgesamt nicht entspannter war als mit der Bahn. Sicherlich, die beiden Chaoten sind Ausnahmen, allerdings garantiert mir auch niemand, dass ich die nicht wieder erwische, wenn ich häufiger Taxi fahren sollte. Hinzu kommt die Angst, im Auto unkontrolliert rumzupupsen. Dann diese ewige Erklärerei beim Vorbestellen, das Rumstehen auf der Straße, wenn der Taxistand leer ist, vielleicht noch im Regen, die Gefahr, dass der Stuhl zerschrammt wird, weil einige Taxifahrer den lieblos in ihren Kofferraum reinpressen und dabei an irgendwelchen Verstrebungen entlang schrammen, die Gefahr, dass die Greifreifen zerschrammen (was dann weh tut beim Fahren), weil einige Fahrer die abgebauten Räder mit dem Greifreifen nach unten auf den Asphalt legen. Oder eben auch, dass sie den Stuhl im Kombi nicht anlehnen, sondern frei in den Raum stellen, so dass der bei jedem Bremsen und Anfahren hin und her poltert…

Ohne Frage, die meisten Taxifahrer sind freundlich, nett, zuvorkommend und verstehen ihren Job. Taxifahren ist sicherlich eine Alternative zum Bahn- und Busfahren, wenn es mal schnell und komfortabel sein soll. Aber wirklich stressfreier finde ich das nicht. Eine echte Alternative ist und bleibt nur das eigene Auto. Und das lässt eben noch auf sich warten.