Bewährungsstrafe für Unglücksfahrerin

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„Die 67-jährige Autofahrerin, die im Juli 2008 ein damals 15 Jahre altes Mädchen auf dem Weg zur Schule an der Kreuzung … schwer verletzte, wurde heute zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Schülerin, die seit dem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, trifft den Feststellungen des Gerichts kein eigenes Verschulden. Die Unfallfahrerin hatte bis zum Schluss behauptet, das Mädchen habe die Straße bei Rot überquert. Neben einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verhängte das Gericht ein dreijähriges Fahrverbot gegen die Rentnerin.“

So schreibt ein regionales Käseblatt, für die großen Hamburger Tageszeitungen war diese Meldung anscheinend nicht wichtig genug. Ja, es ist richtig. Die Crash-Oma, wie ich meine Unfallgegnerin inzwischen nenne, kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. 20 Monate für ein Leben im Rollstuhl, keine weiteren Auflagen, nach drei Jahren Sperre bekommt sie ihren Führerschein wieder. Das finanzielle Chaos regelt ihre Versicherung – die Chancen stehen „gut“, dass die Unfallverursacherin bereits wieder Auto fährt, wenn ich noch meinem Schmerzensgeld hinterherrolle. Das einzige, was sie zu spüren bekommen könnte, könnte eine Höherstufung in ihren Versicherungsprozenten sein. Aber vielleicht hat sie sich auch dort abgesichert und einen Tarif gewählt, bei dem ihr Rabatt bei den ersten drei Unfällen erhalten bleibt… Okay, den Prozess muss sie zahlen, inklusive aller teuren Gutachten, meinen Anwalt, ihren Anwalt, … Und auf dem Schaden an ihrem Auto wird sie auch sitzen bleiben, meint mein Anwalt. Schwacher Trost.

Der Rechtsanwalt der Crash-Oma hat eine Geldstrafe gefordert. Er meinte, dass seine Mandantin nicht die Absicht gehabt hatte, mich umzufahren. Als sie realisiert hatte, dass ihr geplantes Abbiegemanöver zum Unfall führen würde, war sie so erschrocken, dass sie wie gelähmt war. Sie konnte nicht mehr richtig reagieren, ihr fiel in den wenigen Sekunden, die bis zum Crash bleiben, keine Alternative zu ihrem Handeln ein. Erst als es knallte, besann sie sich. Das sei ein Phänomen, das man häufiger finde, nicht ohne Grund hätten alle neuen Autos Brems-Assistenten, die eine solche Lähmung des Fahrers erkennen und automatisch eine Vollbremsung einleiten.

Mein Anwalt hat gesagt, dass das eine Schutzbehauptung sei, die zum ersten Mal im Plädoyer aufgetaucht ist, weil der Gutachter sie sonst vielleicht widerlegt hätte. Aber es war ein guter Trick, um das Gericht milde zu stimmen. Mein Rechtsanwalt hatte 3 Jahre und 6 Monate gefordert.

Entschuldigt hat sich die Trulla nicht mehr. Ich glaube, ich hätte auch gezweifelt, ob sie das ernst meint.

Eins hat das Gericht noch festgestellt: Mich traf an dem Unfall keine Schuld. Dadurch sollte es eigentlich kein Problem mehr geben, dass die Versicherungen zahlen. Eigentlich.

Bitte überlege gut, Justitia

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Heute ist der Tag, an dem mein Strafprozess zu Ende geht. Nach drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht soll heute das Urteil gegen die Rentnerin gesprochen werden, die mich vor fast einem Jahr mit ihrem Auto plattgefahren und in den Rollstuhl gebracht hat. Ich bin immernoch im Krankenhaus und die Dame glaubt immernoch an ihre Unschuld.

Ich bin in den letzten Monaten oft gefragt worden, was ich als gerechte Strafe empfinden würde. Ich weiß es nicht. Ich möchte nicht in der Haut des Richters stecken, der zu urteilen hat. Das einzige, was ich möchte, ist, dass diese Frau einsieht, dass sie einen Fehler begangen hat, der mein Leben für immer verändert.

Ich muss los.

Es bleibt mir unbegreiflich

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Es gibt ja Leute, die anderen das gleiche wünschen, was ihnen widerfahren ist. Oder gar was schlimmeres. Das ist bei mir gar nicht so. Ich will, dass sie kapiert, dass sie im Unrecht ist und absolute Scheiße gebaut hat. Da sie das ja von alleine nicht merkt, muss ihr das mal einer sagen, und zwar so, dass sie das versteht und sich merkt.

Was ich nicht checke … das will absolut nicht in meinen Kopf … Wie kann sich jemand so verrennen? Man kann mal einen Fehler machen, aber gibt es keinen, der ihr mal sagt: Mama / Oma / Schatzi / Freundin / Schwesterlein — was hast du getan??? Das schnall ich nicht.

Ich stell mir nur vor, ich habe einen anderen Menschen umgebügelt. Selbst wenn ich im Recht war und der ist mir vor das Auto gelaufen… das berührt mich doch! Da mache ich mir doch Vorwürfe! Da versuche ich doch zu retten, was noch zu retten ist! Da sag ich doch, dass es mir Leid tut! Da erkundige ich mich doch, wie es ihm geht! Scheiß egal wer das ist … wie kann ich eiskalt wegstecken, wenn ich fast einen Menschen getötet hätte? Und dann noch das Maul aufreißen und noch Vorwürfe machen! Selbst wenn sie berechtigt wären (was sie nicht sind!), hält man doch seine Klappe und entschuldigt sich vielleicht einfach nur. Ich weiß es nicht, aber das Benehmen von der Trulla find ich unterste Schublade, und das muss ihr mal jemand sagen, der was zu sagen hat. Einfach mal so jemand, der sagen kann: „Jetzt hast du mal 5 Minuten Sendepause und jetzt rede ich.“