Plötzlich Glibber

47 Kommentare18.848 Aufrufe

Es gibt Dinge, die will niemand wissen. Und welche, die will wirklich niemand wissen. Und trotzdem: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Niemand sein Wissen erweitert.

Als Bloggerin schreibe ich fast über alles. Nicht ständig über Dinge, die Niemand nicht wissen will, aber manchmal eben auch. Manchmal muss es auch sein. Nach so viel Gesülze wissen nun alle, was jetzt kommt: Too much information.

Dass auch Menschen Sex haben, ist allgemein bekannt. Dass Menschen, die keine Partnerin und keinen Partner haben, mitunter Sex ohne Partnerin oder Partner haben, auch. Ich rede schreibe von Onanie, oder -wenn man die Bibel mal außen vor lässt- von Masturbation, oder -wenn man schwierige Wörter auch außen vor lässt- von Selbstbefriedigung, oder -wenn man es einfach ausdrückt- vom Streicheln. Sich selbst.

Nachdem man inzwischen weiß, dass behinderte Menschen auch Menschen sind, man entschuldige nach diesem Zeitungsartikel (hat nichts mit Sexualität zu tun, bitte später ablenken lassen) bitte meinen Zynismus, gilt für behinderte Menschen: Auch sie haben Sex. Und masturbieren. Genauso häufig oder genauso selten wie Menschen ohne sichtbare Behinderung. Manch einer wird nun denken: „Wie langweilig.“ – Aber es gibt eben auch diejenigen, die denken: „Ach echt?“

„Ach echt“ ist für mich ja okay. Nicht jeder Mensch kann alles wissen, nicht jeder Mensch muss alles wissen, jeder Mensch hat das Recht, dazuzulernen. Nicht okay sind für mich Menschen, die mit „igitt“ oder „bitte nicht“ reagieren, und erst recht nicht okay sind für mich Menschen, die deshalb so reagieren, weil es um Menschen mit Behinderung geht, die da Sex haben oder masturbieren. Oder beides.

Damit bin ich wieder bei meinem ersten Satz: Es gibt Dinge, die will niemand wissen. Ob, wann und wie oft jemand Sex hat oder masturbiert, gehört in aller Regel dazu. Und in aller Regel soll jeder Mensch selbst entscheiden können, ob und wieviele er von diesen Informationen aufnehmen möchte. Meine Leserinnen und leser sind also nach der Einleitung gewarnt, dass hier noch was über-informatives kommt, aber was ist eigentlich mit … Pflegekräften?

Es gibt bei uns im Wohnprojekt einen Runden Tisch, bei dem sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter austauschen, so etwas wie eine Teambesprechung. Damit keine unnötige Distanz geschaffen wird und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in die Situation kommen, in der sie über die Bewohnerinnen und Bewohner bestimmen, nimmt an diesen Besprechungen immer eine Bewohnerin oder ein Bewohner teil. Weil diese Person dabei natürlich auch sehr viel über ihre oder seine Nachbarinnen und Nachbarn erfährt, muss die teilnehmende Person mit einer Mehrheit und ohne Gegenstimmen für dieses „Amt“ gewählt sein. Es gibt aktuell nur vier Leute aus unseren drei Etagen, die dieses Amt ausüben, eine davon ist die Stinkesocke.

Ich habe mich nach der letzten Montagmorgen-Runde entschieden, zunächst mit dem betroffenen Bewohner und anschließend mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern in einer großen Runde zu sprechen und nun auch darüber zu schreiben. Ich habe dafür ausdrücklich die Erlaubnis bekommen. Denn, und nun komme ich endlich zum Punkt, dieses Thema hat eine solche Brisanz, dass es einer Mitarbeiterin den Job gekostet hat. Das habe ich nicht entschieden, aber das liegt begründet in diesem Teamgespräch. Die Mitarbeiterin nimmt ihren Jahresurlaub und hat bereits einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Es handelt sich um eine feste Mitarbeiterin, die nun vermutlich vorzeitig in Rente geht. Die Bitte nach dem Auflösungsvertrag kam an Ende von ihr, da sie, so sagte sie, das Gefühl habe, sie sei für die junge Welt zu alt. Die junge Welt, in der behinderte Menschen sexuell aktiv sind.

Nein, es lag niemand masturbierend im Hausflur oder hatte Sex in der Gemeinschaftsküche. Es geht um einen jungen Mann, der eine Muskelerkrankung hat und über nur sehr wenige Bewegungen noch aktiv bestimmen kann. Er kann einen elektrischen Rollstuhl noch mit einem angepassten Joystick steuern, Fingerfunktionen sind noch vorhanden. Rutscht die Hand aber vom Joystick und fällt der Arm dabei von der Lehne, so dass er seitlich hinab hängt, reicht seine eigene Kraft nicht, den Arm wieder nach oben zu bewegen. Es muss also jemand seine Hand wieder an den Joystick legen. Der junge Mann studiert zur Zeit in einem Bachelor-Studiengang einer Fachhochschule und hatte die besagte Pflegekraft gebeten, ihn abends in Rückenlage ins Bett zu legen und seine Hände unter der Bettdecke auf seinem Bauch zu positionieren.

Die besagte Pflegekraft vertritt kompromisslos die Ansicht, dass genau das nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehöre und aus ethischen Gründen abgelehnt werden könne. Sowohl das Positionieren der Hände vor dem Zudecken auf dem Bauch als auch das nächtliche Drehen oder das morgendliche Waschen eines Menschen, der vor dem Einschlafen ejakuliert habe. Sie möchte damit nicht konfrontiert werden. Sie gestehe ihm zu, dass er sexuelle Bedürfnisse habe, aber dafür solle er sich doch eine Freundin oder notfalls eine Sexualassistentin anschaffen. Auch, und das führte sie gleich mit aus, das unter der Dusche zu machen, komme für sie nicht in Frage, ungeachtet dessen, dass sie gar nicht dabei sei. Weil sie ihn da ja wieder rausholen müsse und dann ja zu befürchten habe, „plötzlich in Glibber zu treten“ – und das wolle sie nicht.

Eine 52jährige Pflegerin antwortete gleich sehr deutlich: „Mit Verlaub, dann hast du aber den falschen Job. Sexualität ist menschlich und als Pflegerin sollte dir nichts menschliches fremd sein. Ob nun jemand Labskaus erbricht, Schnodder aus der Nase laufen hat, eitrig niest, blutig hustet, verkeimten Urin verliert oder einen Kubikmeter vergorenen Durchfall in die Hose setzt. Es gibt Schutzkleidung, es gibt Handschuhe, es gibt Wasser, Desinfektionsmittel und eine gewisse Distanz. Wenn der junge Mann sich nicht selbst berührt, entleeren sich die Überschüsse auch irgendwann von alleine, willst du dann auch sagen, dass du den nicht mehr anfasst? Kann ich nicht verstehen.“

Eine 28jährige: „Du bist doch persönlich davon gar nicht betroffen. Schaff dir eine Distanz dazu. Er befummelt sich doch nicht deinetwegen oder wenn du dabei bist. Wo ist das Problem? Ich hab sowieso Handschuhe an und muss ihn morgens im Intimbereich waschen. Und selbst wenn er sich in die Hose gespritzt hat, kommt das in die in die Wäsche und fertig.“

Eine 35jährige: „Ich verstehe das Problem ehrlich gesagt auch nicht so ganz. Die Menschen wohnen hier und haben dort, wo sie wohnen, auch ihre Intimität und ihren höchstpersönlichen Lebensbereich. Das wird professionell beantwortet: Wenn er sich nähert, was ich übrigens bei ihm nie erlebe, bekommt er klare Antworten, und ansonsten bekommen wir Geld dafür, dass wir die Dinge tun, die die Bewohner selbst nicht tun können. Wie zum Beispiel irgendwelche Sekrete wegputzen. Das soll nicht böse klingen, aber eigentlich kannst du froh sein, dass er das im Bett macht und nicht vor dem PC beim Pornos gucken. Aber selbst dann müsste man sich auf ein Procedere verständigen. Was machst du denn, wenn Maria sagt, sie möchte nackt schlafen und ihr Spielzeug in die Hand gelegt bekommen?“

Die Antwort: „Sie schläft bei mir nicht nackt und Spielzeug gibt es auch nicht. Dafür sind andere Leute da.“

Tenor ist eigentlich, dass keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter sexuelle Handlungen an Bewohnerinnen und Bewohnern vornehmen darf. Die Grenze ist aber aus unserer gemeinsamen Sicht dort, wo es um aktive, direkte Handlungen geht. Jemandem einen Vibrator einzuschalten und in die Hand zu legen, dann aus dem Zimmer zu gehen, wäre danach keine sexuelle Handlung. Das wäre der Fall, wenn das Personal den Vibrator aktiv benutzt. Das heißt: Bei der eigentlichen Handlung soll die Bewohnerin oder der Bewohner alleine sein. Davor und danach kann man helfen. Bisher sind wir mit dieser Regelung sehr gut gefahren. Ich persönlich brauche dafür keine Hilfe, aber einige andere Menschen, die hier wohnen, schon.

Die Frage, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solche Hilfen ablehnen dürfen, hat die besagte Pflegekraft für sich beantwortet. Indem sie um Entlassung gebeten hat. Das werte ich als ein „eigentlich kann ich es nicht ablehnen und konsequenter Weise gehe ich, weil ich es nicht tun möchte“. Die Frage, die aber trotzdem im Raum steht, ist eben genau diese. Und sie geht eben schon sehr ins Eingemachte. Ähm. Einge … du weißt schon.

Doof bleibt doof

11 Kommentare4.467 Aufrufe

So einfach geht das nicht. Nachdem ich mein letztes Auto am Ende storniert habe, weil man irgendwann gar keinen Liefertermin mehr nennen konnte, war ich beim aktuell bestellten Golf noch zuversichtlich. Er sollte in der 3. Kalenderwoche 2014 vom Band gehen, je nach Auftragslage in der After-Sales-Werkstatt könnten noch ein bis zwei Wochen für die Umrüstung dazu kommen. Wie mir das Autohaus gestern mitteilte, rechnet man nunmehr mit einer Fertigung in der 8. Kalenderwoche und einer Auslieferung in der 10. oder 11. Die Verzögerung möchte ich doch bitte entschuldigen.

Wenn sie sich denn dafür besondere Mühe geben…

Ganz andere Sorgen hat ein Mitbewohner meiner WG. Er wurde nach einer Rückenmarksentzündung im Alter von 19 Jahren in Rente geschickt und bekam eine unbefristete Erwerbsunfähigkeitsrente rückwirkend zugesprochen. Da er in der Zeit in der Ausbildung war und man damals bestimmte Vorversicherungszeiten und anderes Gedöns, was man brauchte, zumindest teilweise auch durch Schulzeiten erfüllen konnte, war das möglich. Und auch wurde nicht das Ausbildungsgehalt zugrunde gelegt, sondern in diesem Fall das, was er in seinem Job bekommen hätte, wäre die Behinderung erst nach der Ausbildung eingetreten. Auf diesem Weg erhält er brutto pro Monat knapp unter 800 Euro Rente von der Rentenversicherung Bund, nicht besonders viel Geld zum Leben, aber viel Geld für eine solche Rente.

Auch die Mietkosten in der WG halten sich in Grenzen, so dass er seine monatlichen Lebenshaltungskosten komplett aus der Rente bestreiten kann. Arbeiten ist für ihn sehr schwierig, da er Arme und Beine nicht bewegen kann und er nie einen Beruf gelernt hat. Er wollte, wurde aber fast acht Jahre in Rehaverfahren geparkt, bis man dann sagte: Hat keinen Sinn. Volle Rente, und gleich bis 65 durchbewilligt.

Er liegt nun mit dem, was er mit der Rente selbst aufbringen kann, genau 11 Euro unter der Grenze für die Grundsicherung, die ihm ergänzend zustehen würde. Das bedeutet: Er kann monatlich 11 Euro vom Staat bekommen. Allerdings, und hier wird es lustig, sollte er die 11 Euro irgendwo selbst verdienen, würde er 89 Euro vom Staat dazu bekommen. Nämlich Wohngeld. Das bekommt er jetzt nicht, weil er ja einen Anspruch auf Grundsicherung hätte. Kurzum: Jeden Monat schenkt ihm irgendwer aus der WG 11 Euro und lässt sich von ihm einmal ins Kino einladen. Damit hat er genau 100 Euro monatlich mehr in der Geldbörse – was insbesondere für jemanden, dem monatlich unter 1.000 Euro zur Verfügung stehen, viel Geld ist.

Allerdings gibt es diese 100 Euro mehr nur so lange, wie er nicht zur Abendschule geht oder ein Studium aufnimmt. Dann würde auch die Rente wegfallen. Und damit die Grundsicherung. Denn dann könnte er ja arbeiten und würde als Erwerbsloser 200 Euro weniger bekommen als jetzt mit Rente und Wohngeld. Müsste aber, wenn dieser Versuch scheitert, wieder eine neue Rente beantragen. Und würde die nicht mehr in der Höhe bekommen, da inzwischen ein anderes Rentenrecht gilt. Zusammengefasst: Lohnt sich nicht. Entsprechend klebt an seiner Zimmertür ein Schild: „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen, selbst Vater Staat versagt.“

Ja, er könnte kämpfen. Und sicher findet sich für ihn auch eine Lösung. Irgendeine gibt es. Vielleicht. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist, dass es nicht einfach geht. Dass es kompliziert ist. Und zwar so kompliziert, dass betroffene Menschen aufgeben, das Beste für sich zu wollen. Auf Kosten der anderen. Und das Schlimme ist: Man kann ihnen nicht mal einen Vorwurf machen. Denn in seiner Situation würde ich vielleicht genauso handeln.

Es gibt viel zu tun.

Stubbe in Rente

10 Kommentare3.821 Aufrufe

Nun ist Stubbe also in Rente. Nach 20 Jahren spielte seine fünfzigste und letzte Folge im Rollstuhlbasketball-Milieu und wurde in Hamburg gedreht. Ich habe sie gestern zum ersten Mal sehen können und ich fand sie insgesamt sehr gelungen. Wer sie in der Mediathek schnell noch ansehen will, sollte sich diesen Beitrag nicht durchlesen, denn sonst geht die Spannung verloren.

Apropos: Blickt man auf den Spannungsbogen und auf die kriminalistische Handlung, fand ich die Folge eher durchschnittlich. Es kamen von vornherein etwa vier Tatverdächtige plus der große Unbekannte in Frage, wenn man gleich davon ausgeht, dass die Laienschauspieler keine Hauptrolle übernehmen würden. Der große Unbekannte schied ziemlich schnell aus, weil es an Nebenhandlungen fehlte. Wobei das kein Vorwurf an den Autor sein soll, denn in einer letzten Folge ist ohnehin schon jede Menge Handlung enthalten, die da einfach reingehört, wenn man jemanden wie Stubbe pensionieren will. Ein Stubbe wird eben nicht fünf Minuten vor Ende erschossen oder fällt mit seinem Auto eine Steilküste hinab, sondern Stubbe geht schnuggelig in seinen wohlverdienten Ruhestand, mit sich, seiner Familie und seinem Job im Reinen und mit seiner Liebsten im Arm.

Das alles unterzubringen, einige tagträumerische Rückblicke auf die vergangenen fünfzig Folgen einzuflechten und nebenbei dem Rollstuhlsport noch eine angemessene Präsentationsplattform zu geben, geht einfach etwas zu Lasten der Krimispannung. Aber ich fand, das störte überhaupt nicht. Es war eine wunderschöne Samstagabend-Unterhaltung, die völlig nebenbei ein tolles Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zeigte, von dem sich viele Regisseure eine dicke Scheibe abschneiden können. Und ich habe meinen Leuten in der WG, die mit mir zusammen den Film per Beamer an der Wand des Gruppenraums guckten, bis zum Schluss nicht erzählt, wer da gemordet hat. Die Ersten kamen erst in dem Moment, als David mit seinem Rollstuhl in der Halle umkippte und Judith ihn auf ihre Art motivierte, wieder aufzustehen, auf die richtige Fährte. „Die hat doch einen an der Waffel“, äußerten sie und sollten Recht behalten. Eifersucht auf die erfolgreiche und beliebte Maria (Jana Reinermann) sollte die bemutternde Judith (Jule Böwe) auf einen ausgeklügelten und vernichtenden Plan bringen. Fast ganz zum Schluss kommt raus, was viele schon einige Zeit ahnten: Judith hat eine völlig gestörte Wahrnehmung, erlebt sich in einen Arzt verliebt, hasst die von ihr getötete Maria, weil sie ihr leichtfertig den Doctore ausgespannt hat – und muss dann auf Stubbes Frage, ob Dr. Riedel ihre Liebe je erwidert habe, zugeben: „Er hat es nicht mal gewusst.“

Ein richtiges flüssiges Basketballspiel ist leider nicht dargestellt, dafür ist zu viel geschnibbelt worden. Aber das tut der Sportart keinen Abbruch, denn einzelne Spielzüge sind durchaus erkennbar. Die professionellen Schauspieler, allen voran Trainer Niklas (Uwe Bohm), haben hart trainiert, um Bewegungsabläufe im Rollstuhl so authentisch und flüssig wie möglich wirken zu lassen. Was gelungen ist. Die Rollstühle passten, waren qualitativ hochwertig, die Inhalte waren stimmig, die gespielten Bewegungsmuster passten zu den erwähnten Lebensgeschichten und Verletzungen (Motorradunfall etc.). Einige gute Kompensationstechniken (Aufheben eines Balls, Ein- und Aussteigen aus dem Sportrollstuhl, Ausladen des Rollstuhls aus dem Auto, Öffnen von Türen und vieles mehr), waren sehr realistisch gespielt. Es gab einige Szenen, wie das gegenseitige Umarmen in der Halle beim Gedenken an Maria oder die abschließende Spielszene, die ich emotional sehr berührend und insbesondere von den Laien wunderschön gespielt fand.

Der eher gemütliche Stubbe (Wolfgang Stumph), der nach einer gemeinsamen Zech-Einlage kaum noch geradeaus gehen kann und sich auf Trainer Niklas abstützt („Man hilft, wenn einer an den Rollstuhl gefesselt ist“) und am nächsten Morgen mit einem Seil an den Rollstuhl gefesselt aufwacht („Was soll der Scheiß? Danke für die Belehrung“) wird mir, obwohl ich die Serie früher nie geschaut habe, künftig fehlen. Sein Kollege Zimmermann (Lutz Mackensey) ist genauso herrlich auf dem falschen Dampfer und steif („Mit Minderheiten lieber eine Spur zu korrekt“) wie man ihn schon als Kriminalrat Iversen in alten Wiederholungen des Großstadtreviers schätzen gelernt hat. Uwe Bohm in der Rolle des Niklas wächst als eher arschiger Trainer in der Szene um seine potentielle Impotenz über sich hinaus („Meinst du, dass ich keinen mehr hoch kriege?“), Jule Böwe spielt ihre Rolle (Judith) einfach hervorragend und auch Jana Reinermann (Maria) fand ich in ihrer Rolle (beliebt, erfolgreich, sexy, keck und mit Hamburger Dialekt) nur traumhaft.

Nicht ganz so professionell waren einige Kleinigkeiten, die mich aber eher zum Schmunzeln gebracht haben: Während in der Halle noch die Tote liegt und man draußen den Hausmeister Müll sammeln sieht, heißt es später, der Hausmeister sei vor dem Todeszeitpunkt nach Hause gegangen. In der Rechtsmedizin wirkt es für eine Sekunde lang so, als wenn die tote Maria grinst. Als David auf der Intensivstation liegt, spricht der Arzt draußen von „schweren Schlaftabletten“, mit denen er versucht habe, sich umzubringen, was ich als Medizinstudentin mal vorsichtig belächeln möchte, ohne weiter darauf einzugehen. In einer Szene, als Stubbe auf einen Loyalitätskonflikt für das Davids Schweigen zu den Tatumständen kommt, hat seine Enkeltochter für einen Moment lang die Hosen nass. Und als Stubbe ganz am Ende in die Sporthalle geht, um nachzustellen, wie sich der Mord abgespielt haben könnte, spiegelt sich für einige Sekunden ein Beleuchtungskran und ein Lkw mit Filmequipment in der Fensterscheibe der Sporthallentür. Aber sowas sieht man vermutlich auch nur, wenn man sehr genau hinschaut. Schade war auch, dass der Abspann nicht vernünftig zu lesen war, weil bereits Werbung für den nächsten Film lief.

Meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner fanden den Film allesamt sehr gut gelungen. Ich habe viele positive Mails bekommen. Aus unserem Sportverein kamen auch überwiegend positive Rückmeldungen. Und, und damit möchte ich dann nun endlich abschließen: 8,57 Millionen Zuschauer schauten den letzten Stubbe (26,3 Prozent Marktanteil) und ließen die anderen Sender (5,43 Millionen Volksmusikfans auf ARD und 5,29 Millionen DSDS-Bohlen-Freunde auf RTL) weit zurück. Schön, dass ich für einen solchen Film inspirieren durfte.

Zu verschenken

10 Kommentare3.967 Aufrufe

Ich mache noch etwas völlig ungewöhnliches: Ich verschenke was.

Ja, richtig gelesen. Ein Mitbewohner ist zum 30.09. ausgezogen und hat uns mehrere Kartons Klebewindeln hinterlassen. In einer Größe (L), die niemandem von uns passt, der sie gebrauchen könnte. Es handelt sich um ein Markenprodukt und nein, es ist kein Krankenkassen-Eigentum. Der Kollege war privat über die Eltern versichert und hatte diese Kartons im Rahmen seiner Selbstbeteiligung komplett selbst bezahlt. Er möchte sie nicht mehr haben, das Nachsenden wäre teurer als der Sachwert, meint er. Wir sollten sie vernichten. Ich glaube, ich spinne!

Wer sie haben möchte, darf sie abholen. Geschenkt, originalverpacktes Markenprodukt in höchster Saugstärke. Standort: In einem Ladengeschäft im Osten Hamburgs. Für die genaue Adresse bitte einen Kommentar mit Antwort-Mailadresse hinterlassen. Wer zuerst kommt, bekommt den Kram. Wollen gleich mehrere, bekommt jede(r) einen oder zwei Kartons. Achso, der Rechtsweg ist ausgeschlossen und nein, ich bin nicht da nicht vor Ort…

Jetzt bin ich aber mal gespannt!