Garantie und so

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Siebenundneunzig Mal (mindestens) bin ich schon gefragt worden, warum ich so lange nicht gebloggt habe. Warum? Ganz einfach: Arbeiten! Immer arbeiten! Das letzte halbe Jahr hat vor allem wegen der Pandemie ganz schön reingehauen. Weiterbildung Pädiatrie. Und ganz vorneweg natürlich Helena. Und Sport. Und andere Prioritäten. Und so.

Hinzu kam aber auch, dass ich ja Anfang 2018 in dieses Haus an die Ostsee gezogen bin. Damit war eben auch nachträglich noch viel Arbeit verbunden. Leute, baut bloß kein Haus. Die Anzahl derer, die dich verarschen und auf deine Kosten sich die Taschen vollstopfen wollen, ist enorm hoch.

Nein, es sind nicht alle so. Ich habe das Haus ja mitten im Bau übernommen. Ein Ehepaar, Frau im Rollstuhl, hatte es bauen lassen und dann plötzlich verkaufen wollen, noch vor Bezugsfertigkeit. Ob nun das Geld ausgegangen ist, die beiden sich getrennt haben oder andere schlimme Dinge passiert sind, spielt keine Rolle. Für mich war es nicht nur finanziell ein Glücksgriff.

Es gibt viele Dinge, die wirklich super sind. Gasheizung mit Brennwerttechnik zum Beispiel. Dazu Solarmodul auf dem Dach. Ein traumhafter Verbrauch. Immer warme Hütte. Immer warmes Wasser. Kein einziges Mal ausgefallen seit drei Jahren. Die Fußbodenheizung macht ein absolut angenehmes Raumklima. Lautlos, gleichmäßig, mit Thermostat und Zeitschaltung in jedem Raum genau geregelt. Ließe sich sogar übers Internet steuern. Ich bin begeistert.

Fenster und Türen. Dreifachverglasung mit elektrischen Rolläden. Man hört nichts. Es zieht nicht. Die Kälte bleibt draußen, die Wärme im Sommer aber auch. Badeinrichtung. Sanitär. Schnitt und Aufteilung. Elektro- und Netzwerk-Installation. Bodenfliesen. Automatische Belüftung. Kamin. Dach. Alles super.

Es gibt aber auch viele Dinge, die mich und uns über Wochen den letzten Nerv gekostet haben. Der Fußboden im Wohnzimmer beispielsweise. Völlig schief. Für Rollstuhlfahrer absolut nervig. In der Raummitte war der Fußboden wesentlich höher als an den Seiten. So extrem, dass ein auf dem Boden platzierter Basketball weggerollt ist. In der Raummitte ging es noch, aber auf dem letzten Meter waren auf allen Seiten zwischen achtzehn und achtundzwanzig Millimeter Höhenunterschied. Zum Vergleich: Eine ebenerdige Dusche soll zwanzig Millimeter Gefälle haben. Im Vertrag war eine Abweichung von höchstens drei Millimetern pro Meter vereinbart. Und zur Terrassentür war eine Schwelle von höchstens zehn Millimetern vereinbart. Abgeliefert wurden aber 96 Millimeter. Mit dem Rollstuhl nicht mehr überwindbar. Also: Die komplette Terrasse mit Sockel musste wieder hochgenommen werden, das Fenster- und Türelement entfernt und neu wieder eingesetzt werden, der Fußboden im Wohnzimmer musste sowieso neu verlegt werden. Hurra. Bis die Firma dann endlich mit der Nachbesserung begann, war es 2020. Und quasi die letzte Möglichkeit, bevor wir das bei einer anderen Firma in Auftrag gegeben und vom Verursacher eingeklagt hätten.

Einbauküche. War noch nicht drin. Ich hatte mich für eine robuste Küche mit großer Arbeitsplatte und ohne Oberschränke entschlossen. Markenprodukt aus dem gehobenen Preissegment, teilweise besondere Arbeitshöhe wegen Rollstuhl. Wir vereinbarten schriftlich, mit welchen Einbaugeräten die Küche geliefert wird. Die Küche wird aufgebaut. Währenddessen kann ich als Rollstuhlfahrerin natürlich nicht ständig im Weg herumstehen. Zwei Tage sind sie mit zwei Personen beschäftigt. Als letztes kommen die Geräte dran. Als erstes fällt mir auf, dass der Herd nicht der ist, den wir vereinbart hatten. Die Einbauer wissen von nichts. Der Chef: „Das ist ein gebrauchtes Ceran-Feld, das bekommen Sie von uns kostenlos geliehen, bis Ihr bestelltes Induktionsfeld geliefert wurde.“

Backofen: Ebenfalls ein anderes Gerät. Bestellter Backofen angeblich auch nicht kurzfristig lieferbar. Kühlschrank: Eine Billigmarke. Ich rufe zum dritten Mal den Chef an: „Das ist tatsächlich mein Fehler. Ich schlage vor, ich schreibe Ihnen Ihren Kühlschrank wieder gut und berechne Ihnen für diesen nichts. Den bekommen Sie zur Küche kostenlos dazu, die war ja teuer genug. Probieren Sie den aus, und wenn Sie den wirklich nicht wollen, können Sie Ihren immernoch mal nachbestellen.“

Und was Otto beim ersten Besuch in der Woche danach sofort gesehen hat: Über der Kochstelle ist bauseitig eine Öffnung in der Decke, die im Rohr nach draußen führt. Für die Dunstabzugshaube. Bestellt hatte die Küchenfirma die gewünschte Abzugshaube doch tatsächlich als Umluftgerät. Schließt das Rohr nach draußen mit einem Plastikdeckel. Ohne was zu sagen. Und installiert darunter, quasi verdeckend, die Umluft-Haube. Und als wäre das nicht genug, fast hätte ich es vergessen: Beim zweiten Montagetermin sind sie mit ihrem Lkw noch gegen das elektrische Tor im Gartenzaun gefahren. Was dann auch nochmal vier Wochen defekt war.

Der Kühlschrank knackt in einer Tour und pfeift im Betrieb. Der Ofen scheppert. Das Ceranfeld braucht, um einen Liter Wasser in einem Minitopf zum Kochen zu bringen, auf höchster Stufe über fünfzehn Minuten. Ein Vierteljahr und etliche Anrufe später regelt meine Anwältin schriftlich, dass die Leihgeräte (und der Kühlschrank) abgeholt werden müssen. Inzwischen habe ich von einer anderen Firma endlich die gewünschten Geräte bekommen. Die andere Firma stellt dann auch aus Kulanz die Schubladen und Türen richtig ein, was die vorherige Firma auch nicht geschafft hatte.

Nee, ich habe extra keine billige Küche genommen. Und auch keine unbekannte Aufbaufirma. Weil ich eigentlich nicht so ein Theater wollte. Gleiches Thema: Waschmaschine. Steht im Hauswirtschaftsraum. Nagelneues Gerät einer Premium-Marke. Wird von einem Vertragshändler angeliefert. Das Bull-Auge vorne ist gesprungen, woraufhin ich die Annahme verweigere. Wer weiß, was mit dem Gerät passiert ist. Zweite Lieferung nach zwei Wochen. Das Gerät wird aufgebaut. Nach vier Wochen kommt zum ersten Mal der Kundendienst, weil das Gerät im Betrieb laut knackt und knarzt. Stellt fest, dass eine Schweißnaht mangelhaft ist. Das Gerät wird getauscht. Nach vier Wochen kommt wieder der Kundendienst, weil das Türgummi undicht ist und immer ein Schnapsglas voll Wasser unter der Tür herausläuft. Ich bekomme die dritte Maschine. Diese Maschine macht nach zwei Monaten bei jedem Anschleudern laute Geräusche, als würde jemand bei jeder Trommeldrehung einen lauten Gong betätigen. Dong Dong Dong Dong Dong, im ganzen Haus zu hören. Der Kundendienst kommt zum nächsten Mal und tauscht die komplette Aufhängung der Trommel. Zwei weitere Monate später klackert das Gerät bei jeder Trommeldrehung, und beim Schleudern dröhnt es so laut, dass das vor der Haustür zu hören ist. Der Kundendienst kommt und stellt fest, dass die hinteren unteren Stoßdämpfer defekt sind. Braucht aber zwei weitere Termine, um sie zu tauschen, weil er zwei Mal die falschen Ersatzteile dabei hat.

Es wurde dann auch noch ein neues Betriebssystem aufgespielt, weil sich mit dem alten der Kurzwaschgang nur dann anwählen ließ, wenn man vorher entweder den Öko-Waschgang an- und wieder abgewählt hatte oder den Temperaturregler einmal verstellt hatte. Also beispielsweise von 30 auf 40 und wieder zurück auf 30 Grad. Wenngleich die Geräusche jetzt weg sind, der Programmfehler konnte leider trotz Update nicht behoben werden. Aber bei der Gelegenheit wurde dann auch die Dosiereinheit der Spülmaschine (gleiche Premiummarke) getauscht, die ebenfalls in der Garantiezeit kaputt gegangen war und keinen Klarspüler mehr in den letzten Spülgang abgab.

Noch was zum Wäschetrockner? Gleiche Premiummarke. Sobald ein Spannbettlaken in der Trommel ist, wickelt er alle Kleinteile im Spannbettlaken ein, trocknet dieses von außen und alle Kleinteile drinnen bleiben feucht. Kundendienst: „Jepp. Das ist ein bekanntes Problem. Das liegt an der Energie-Einstufung. Wenn der Trockner so wenig Strom verbrauchen soll, wie auf dem Label steht, dreht sich die Trommel nur noch in eine Richtung und wickelt dabei dann die kleine Wäsche in großen Laken ein. Wenn Sie häufig große Laken trocknen, stelle ich Ihnen ein, dass die Trommel sich abwechselnd links- und rechtsrum dreht. Dann wickelt sich nichts ein und alles wird trocken, aber dafür stimmt der Energieverbrauch nicht mehr.“ – Tja. Tatsächlich. Jetzt ist die Wäsche trocken.

Reicht? Ja, mir auch. Bevor jetzt alle meine Leserinnen und Leser kommentieren, dass der Text einen verbitterten Eindruck macht: Nein, das täuscht. Ich bin nicht verbittert. Ich bin fröhlich. Ich wollte nur mal loswerden und aufschreiben, was sich hier so abgespielt hat, als ich nicht bloggte. Damit ich das in zwei Jahren nochmal nachlesen und jetzt endlich verdrängen kann.

Verfahren und verzählt

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In unserem neuen Haus ist fast alles super. Die Sonne kitzelt so schön in meiner Nase, wenn ich morgens aufwache. Nachts ist es wunderbar ruhig, morgens schnattern höchstens mal ein paar Enten – herrlich. Bislang bereuen Marie und ich es noch nicht, hier zu wohnen. In rund drei Wochen geht es allerdings erstmal für drei Monate zurück an unseren Studienort, da die Vorlesungszeiten bald wieder beginnen. Mein siebtes Semester ruft.

Die anderen Leute im Haus sind auch sehr nett, die Auswahl ist uns, nach jetzigem Stand, gut gelungen. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Anzahl überschaubar ist und sich niemand in der Anonymität verstecken kann. So oder so: Alle sind recht ordentlich, alles ist sauber und ruhig.

Größere Probleme hat es noch nicht gegeben, lediglich eine zuletzt nervige Sache, die aber inzwischen, nach mehreren Anläufen, behoben ist: Der Aufzug spielte hin und wieder verrückt. Zum Glück brauchen wir ihn im Erdgeschoss nicht unbedingt, aber andere Mieter sind auf ihn angewiesen und entsprechend muss er natürlich einwandfrei und zuverlässig funktionieren.

Anfangs kam es häufiger vor, dass der Aufzug an der zuvor ausgewählten Etage vorbei fuhr. Ja, richtig gelesen. Normalerweise fährt die Kabine ja bis zu einem bestimmten Punkt schnell, geht kurz vor Erreichen der gewählten Haltestelle in die Langsamfahrt und stoppt dann, im Idealfall, bündig. Hier war es so, dass insbesondere bei den mittleren Stationen die Kabine mit Vollgas bis zu der gewählten Ebene fuhr, dann offenbar im Moment des Vorbeifahren beschämt ihren Fehler bemerkte, um dann erstmal aus voller Fahrt bis auf Null abzubremsen. Nicht völlig abrupt mit einem lauten Knall, aber schon so, dass einem flau im Magen wurde und man sich dachte: „Bin ich hier im Karussell?“ – Anschließend fuhr die Kabine in der Langsamfahrt den halben Meter bis zur gewählten Ebene zurück und öffnete kleinlaut die Tür.

Damit konnte man ja noch irgendwie vorübergehend leben. Was aber gar nicht ging, war, dass die Anlage sich hin und wieder verzählte. In der Kabine konnte man ja improvisieren, indem man einfach auf „Keller“ drückte, wenn man ins Erdgeschoss wollte. Oder auf „1“, wenn man aus dem Keller kam und ins Erdgeschoss wollte. Nervig war es nur, wenn man im Erdgeschoss vor dem Aufzug stand, dann den Knopf drückte, und hörte, wie im ersten Stock die Tür aufging. Keine Chance, von außen die Kabine ins Erdgeschoss zu bekommen. Es sei denn, man schickte jemanden in den Keller, um dort zu drücken. Allerdings: Sobald man einmal alle Knöpfe in der Kabine gedrückt hatte und die Anlage alles abgearbeitet hatte, funktionierte es wieder normal.

Der Techniker kam, hat da irgendwas resettet, ohne Erfolg, kam nach drei Tagen wieder, hat stundenlang irgendwas neu eingestellt, ohne Erfolg, kam dann zwei Tage später mit zwei Kollegen wieder (an einem Morgen standen tatsächlich drei Service-Fahrzeuge vor dem Haus, so dass die Nachbarn schon fragten, wieviele Aufzüge wir hätten…) – am Tag danach war die Anlage von morgens bis abends komplett aus, abends kam wieder der Techniker und baute ein neues Teil ein.

Danach war das Vorbeifahren und das Verzählen weg. Dafür kam es nun aber hin und wieder vor, dass man im Erdgeschoss einstieg, nach oben wollte, den entsprechenden Knopf drückte, die Tür sich schloss und der Aufzug dann statt nach oben in den Keller fuhr, und zwar unter die unterste Ebene, und sich dort erstmal zur Ruhe setzte. Die innere Tür rollte ein kleines Stückchen auf, man konnte sie mit der Hand frei hin- und herschieben, mehr passierte nicht. Das Licht in der Kabine blieb allerdings an.

Wenn man jetzt in der Kabine eine Taste drückte, egal welche, passierte gar nichts. Abgesehen vom Alarmknopf, der funktionierte. Immerhin. Wenn dann allerdings jemand von außen den Aufzug rief, schreckte die Kiste aus ihrem Tiefschlaf, knallte die Kabinentür zu, der Aufzug fuhr einmal ganz nach oben, danach wieder ganz nach unten und anschließend zu der Etage, aus der er gerufen wurde. Danach funktionierte alles wieder ganz normal. Bis es den nächsten Aussetzer gab.

Das war dann der Moment, in dem ich am Telefon sehr deutlich wurde. Am nächsten Morgen kamen erneut zwei Mitarbeiter, lasen irgendein Protokoll aus und stellten fest, dass ein für das getauschte Bauteil benötigter Software-Patch nicht automatisch nachgeladen worden sei. Daraufhin wurde die komplette Steuerungssoftware neu aufgespielt, alles neu eingestellt – und seitdem ist alles so wie es sein soll.

Hoffen wir mal, dass das so bleibt. Und dass wir weiterhin glücklich und in Ruhe dort wohnen und leben können.

Schnee und Wind

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„Habt ihr es warm? Habt ihr genug zu essen? Sind die neuen Nachbarn nett? Habt ihr euch schon eingelebt? Ist es nachts auch nicht zu laut?“ – Maries Oma konnte gar nicht schnell genug fragen. Marie antwortete: „Die Heizung funktioniert, zu essen haben wir zum Glück auch genug. Bisher sind die neuen Nachbarn nett, eingelebt haben wir uns noch nicht wirklich, aber das kommt noch – und nachts ist es so ruhig, dass man die Flöhe husten hört.“ – „Dann bin ich beruhigt und muss mir keine Sorgen machen.“

Muss sie nicht. Aktuell sind Semesterferien, aktuell sind wir im Norden, haben, bevor wir für ein weiteres Semester wieder regelmäßig in den Süden donnern, noch ein paar Wochen Zeit, um unsere neu fertig gestellte Wohnung im Hamburger Randgebiet zu beziehen. Mit der Planung, im Sommer eventuell dauerhaft wieder zurück in den Norden zu kommen. Wie schon gesagt, Nordlicht bleibt Nordlicht. Aber endgültig steht das Ende unseres „Auslandsstudiums“ noch nicht fest, eventuell bleiben Marie und ich auch noch bis zum kommenden Winter in einer Landschaft, in der man eben nicht schon morgens sieht, wer abends zu Besuch kommt.

Kaum sind wir in Hamburg, beginnt es zu schneien. Aus mehreren Winterdiensten hatten wir ein Angebot herausgesucht, schon lange vor Bezugsfertigkeit des neuen Hauses. Es war nicht das günstigste, sondern das einer seriös erscheinenden Firma aus der Nähe. Wir hatten die Hoffnung, es würde dann nicht der Subsubsub-Unternehmer des Subunternehmers auftauchen, sondern jemand, der seinen Auftrag so erfüllt, wie wir es vereinbart haben. Gerne zahlen wir dafür drei Euro pro Stunde mehr.

Mit der weißen Pest ist es bei Rollstuhlfahrern so eine Sache. Ich kenne kaum jemanden aus der Szene, der gerne mit dem Rolli im Schnee unterwegs ist. Der Stuhl ist dafür nicht gemacht, die kleinen Räder bleiben stecken, die Hände werden kalt, die Greifreifen rutschig … klar, man kann alles mögliche ausprobieren. Handschuhe, dicke Räder, Greifreifen-Überzüge – nur will man das? In Handschuhen hat man entweder kaum Grip oder wird nach kurzer Zeit doch kalt, die breiteren Räder passen nicht ohne weiteren Umbau an den Stuhl. Kurzum: Asche. Weiße Pest eben.

Die Räumfirma bekam somit den Auftrag, den Zuweg von der Straße zum Eingang auf einer Breite von mindestens zwei Metern von Schnee und Eis zu befreien und anschließend, soweit überhaupt nötig, etwas rutschhemmenden Sand zu streuen. Der Gehweg an der Straße sollte über die Grundstücksgrenze hinaus bis zur Bushaltestelle ebenfalls auf zwei Meter Breite geräumt werden. Über die Grundstücksgrenze hinaus, weil das Nachbargrundstück nicht bebaut ist, und bevor wir alle nicht zum Bus kommen, regeln wir das lieber selbst. Kostenpunkt: 1.250 Euro brutto pauschal pro Winter.

Wenn man bedenkt, dass in Hamburg durchschnittlich nur an 20 Tagen pro Jahr die Tages-Höchsttemperatur unterhalb des Gefrierpunkts bleibt (an weiteren 58 Tagen sinkt zwar die nächtliche Tiefsttemperatur unter den Gefrierpunkt, am Tag sind allerdings Plus-Grade) und durchschnittlich nur jeden zweiten (1,8) Tag überhaupt Niederschlag fällt, braucht man eigentlich nicht mehr die Anzahl der Schneetage nachblättern. Es sind in Hamburg durchschnittlich 15.

Gehen wir mal davon aus, dass die Räumfirma an diesen Tagen zwei Mal kommen muss, sind das pro Einsatz rund 40 Euro. Eine Person (wir haben es ausprobiert) wäre mit dem Auftrag gut eine Stunde beschäftigt – aus meiner Sicht ein mehr als fairer Preis, auch wenn die mit ihren Räumgeräten und gleich zu viert anreisen.

Was passiert aber? Die Firma schiebt halbherzig einen Haufen Schnee vom Privatweg auf den öffentlichen Gehweg, so dass alle Fußgänger und Rollstuhlfahrer nun über die Fahrbahn ausweichen müssen. Alleine dafür schon müsste man alle vier gleich einseifen. Man räumt auch nicht komplett, sondern lässt eine Schicht Schnee liegen und verteilt auf dieser Schicht einen ganzen schwarzen Eimer Streusplitt. Die Räumbreite ist mit 60 Zentimetern nicht mal annähernd das, was vereinbart war. Der öffentliche Weg, der auf einer Breite von mindestens einem Meter zu räumen gewesen wäre, wird nur abgestreut (also es wird Splitt auf den Schnee geworfen).

Die nun folgende Diskussion mit der Chefin war einfach atemberaubend. „Das ist gesetzlich so zulässig. Wenn doch mal jemand stürzt, sind wir versichert, das fällt nicht auf Sie zurück.“ – „Mich interessiert nicht, was gesetzlich zulässig ist, sondern was wir vereinbart haben. Und es geht auch nicht darum, ob ich haften müsste, denn dagegen sind wir ohnehin versichert, sondern ob ich mit dem Rollstuhl zum Bus komme. Oder die anderen Mieter.“ – „Ja, da können wir leider nichts machen, die Mitarbeiter haben ja noch andere Aufträge zu erfüllen und gerade morgens, wenn überall frischer Schnee liegt, kämen wir ja gar nicht hinterher.“

Zum Glück hatten wir einen schriftlichen Vertrag, in dem alles genau beschrieben war, einschließlich Zeichnung. Unser Anwalt hat dann gleich eine Abmahnung gefaxt. Als sich am nächsten Tag nichts änderte, kam die Frage, ob sie 500 € plus Anwaltskosten freiwillig übernehmen und wir sie dafür aus dem Vertrag entlassen oder ob wir uns (anstelle einer außergerichtlichen Einigung) lieber über eine fristlose Kündigung mit Schadenersatz streiten wollen. Am Ende waren es 600 € einschließlich Anwaltskosten – und tschüss. Die spinnen wohl. Sie müssen den Auftrag doch nicht annehmen.

Inzwischen haben wir Ersatz. Bora, benannt nach dem Wind in Kroatien, räumt wie ein Weltmeister. Oder vielleicht sogar wie der Wind. Eine Mieterin kennt ihn und hatte ihn empfohlen. Er war bis vor kurzer Zeit Schulhausmeister in Niedersachsen, sein Vertrag lief aber aus und im Moment arbeitet er bei seinem Bruder im Imbiss. Seine Frau könnte auch die Treppenhausreinigung übernehmen. Wir haben uns jetzt erstmal auf 200 € pro Monat auf Minijob-Basis bis einschließlich April geeinigt, danach schauen wir mal, ob er sich vielleicht um den Rasen und die Sträucher kümmern möchte. Lieber stellen wir da einen zuverlässigen Hausmeister ein als in den Fängen von Abzockern festzuhängen und uns nur zu ärgern.

Apropos ärgern: Habe ich schon erwähnt, dass nicht weit vom Haus entfernt ein kleiner Fluss fließt, auf dem man Kajak fahren kann? Ich glaube, es wird ein schöner Sommer…

Nordlicht bleibt Nordlicht

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Alle Abnahmen sind auf Anhieb über die Bühne gegangen. Gestern bekamen wir die letzten lang ersehnten Dokumente. Das Wohnhaus im Hamburger Landgebiet, in dem Marie und ich zum Februar eine Wohnung beziehen und ab Sommer dann hoffentlich auch dauerhaft wohnen werden, ist fertig. Damit konnten heute bereits die Schlüssel der fünf vermieteten Wohnungen übergeben werden. Das war ein tolles Erlebnis, diese strahlenden und glücklichen Menschen zu erleben. Offizieller Mietbeginn ist Sonntag in einer Woche, aber da das Haus abgenommen und damit bezugsfertig ist, gibt es keinen Grund, die Leute nun eine Woche lang auszusperren. So haben sie alle genügend Zeit für den Umzug.

In den letzten Wochen gab es noch ein paar nervige Momente, weil in den Bädern nicht nach Bauzeichnung sondern nach Fantasie gebaut wurde. Insbesondere fand man, dass die Wand, in der der Spülkasten der Toilette versteckt ist, auch aus Rigips sein könne und nicht gemauert werden müsse. Es war aber eindeutig eine gemauerte Wand gezeichnet, um die ganzen Haltegriffe und Installationen, die möglicherweise im Zusammenhang mit Liftern etc. in Wänden und Decken verankert werden müssen, auch befestigen zu können. Es ist schlicht unbegreiflich, wie jemand ohne Rücksprache einfach von solchen Plänen abweicht. Aber egal, das Thema ist erledigt.

An der Heizanlage musste auch noch einmal nachgebessert werden, weil etwas mit dem Anschluss der Abgasanlage nicht stimmte. Aber auch das ist behoben. Der Schornsteinfeger fand alles gut. Und der Rest war Kleinkram. Mehrere Fliesen mussten noch korrigiert werden, ein Wasserhahn war nicht richtig angeschlossen, eine Wasseruhr wurde nicht abgenommen und musste ausgetauscht werden, eine Automatiktür öffnete sporadisch immer nur zur Hälfte und auf dem Dach guckte irgendeine Folie an einer Stelle raus, wo sie nicht rausgucken durfte. In einer Einbauküche fehlte noch eine Schranktür, eine Fensterscheibe ist zerkratzt und … ich glaube, das war es schon.

Marie und ich werden uns nun nach und nach unsere beiden Zimmer herrichten. Ich bin sehr froh, hier oben im Norden wieder ein eigenes Zimmer zu haben, wenngleich es mir an meinem Studienort im Süden momentan auch sehr gefällt. Aber ein Nordlicht ist und bleibt eben ein Nordlicht. Das sieht Marie zum Glück ganz genau so.